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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.05.2025

Ein erschreckendes Ende.

Es gibt kein Zurück
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Das Cover zeigt ein Nostalgie-Radio in Holzverkleidung, mit zwei Knöpfen für den gewünschten Senderkanal und Lautstärke. Angespielt wird damit auf die Glanzzeit des Radios als wichtiges Medium vergangener ...

Das Cover zeigt ein Nostalgie-Radio in Holzverkleidung, mit zwei Knöpfen für den gewünschten Senderkanal und Lautstärke. Angespielt wird damit auf die Glanzzeit des Radios als wichtiges Medium vergangener Zeiten. Die Hauptfigur Aldus Wieland Mumme, ein bekannter Mann des Radios mit seinen Jahrzehnte langen Beiträgen und abgehobenen Theorien in Richtung Soziologie und Philosophie beim verklausulierten Deutschlandfunk, er beschließt mit dem Erhalt seines Rentenbescheid über magere 1183 € Rente, eine Autobiographie zu schreiben. Ist der Schreibstil anfangs sehr gedankenschwer und gestelzt, folgt man daraufhin einem nostalgischen Roadtrip über Leipzig, Paris bis in die Gegend um Toulon mit Albus auf einem Motorrad antiquierter Bauart. In seinen eingebetteten Rückbesinnungen zu seinem Freund Maik, seinen Eltern und seiner Kindheit finden sich kreative Dialoge mit Sine, Praktikantin in seiner Literatur-Agentur. Seine Lebenskrise basiert wohl auf dem intellektuell fundierten Verlust des Radios an sich und seiner bisher hoch geschätzten Beiträge "Gedanken zur Zeit" in der Medienkultur. Es bekümmert ihn sehr, dass sein Anagramm AWM auch für „Alter weißer Mann“ stehen könnte. Das Ende der Hauptfigur kommt erschreckend überraschend.

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Veröffentlicht am 25.05.2025

Doch ein Arztroman!

Staying Alive
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Das Cover kommt altbacken daher, wie Pop-Art der 1950er Jahre mit klar dargestelltem Motiv der jungen Ärztin mit aufgezogener Spritze. Der Buchinhalt spielt aber in unserem gegenwärtigen, für alle Beteiligten ...

Das Cover kommt altbacken daher, wie Pop-Art der 1950er Jahre mit klar dargestelltem Motiv der jungen Ärztin mit aufgezogener Spritze. Der Buchinhalt spielt aber in unserem gegenwärtigen, für alle Beteiligten stressigen Krankenhaussystem, nämlich in der Notaufnahme eines großen Berliner Krankenhauses mit Nicki, 34, frisch gebackene Assistenzärztin der Inneren Medizin als Erzählerin. Der Buchtitel Stayin’ Alive von den Bee Gees dient hier auch in der Reanimationsfortbildung als Rhythmus-Geber beim Reanimierungsszenarium – übrigens eine von mehreren spritzigen, originellen Episoden des dortigen Arbeitsalltags. Es geht aber auch bei Stayin’ Alive ums Überleben der medizinischen Mitarbeiter mit katastrophaler Arbeitsüberlastung durch mehrere Nachdienste am Stück, Überstunden, chaotischen Arbeitsbedingungen, zu wenig Schlaf, kaum Energie übrig für Freizeit. Realistische Alltagsgeschichten, mit medizinischen Termini und Praktiken als Fußnoten erklärt, erzählen von Mitmenschlichkeit, Unappetitlichem bis zu Humorvollem, nicht romantisierend. Leider verliert sich die Erzählerin in manchem Rückblick z.B. in dem Kapitel um ihren Bruder und den Bitterling. Mit ihren Gedanken zu sozialer Vereinsamung im Schichtdienst oder auch zu persönlichen Kompromissen im Bereich medizinische Karriere und Kinder erhält der Roman eine ernsthafte Tiefe. Der meist freundschaftliche Umgang im Kollegenkreis gefällt, während Nicki’s Verliebtheit in den Oberarzt Micha zu konstruiert wirkt.
Insgesamt lehrreich und unterhaltsam durch den ehrlichen, witzigen Schreibstil.

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Veröffentlicht am 20.05.2025

Ob reich, ob arm – alles hat Vor- und Nachteile

Die Fletchers von Long Island
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Das Cover ist nicht besonders künstlerisch ansprechend gestaltet. In drei Teilen geht es um drei Generationen einer jüdisch-amerikanischen Familie. Die Fletchers aus Middle Rock, Long Island, werden im ...

Das Cover ist nicht besonders künstlerisch ansprechend gestaltet. In drei Teilen geht es um drei Generationen einer jüdisch-amerikanischen Familie. Die Fletchers aus Middle Rock, Long Island, werden im ersten Teil mit allen Familienmitgliedern vorgestellt, wobei die jüngste Generation in ihrer privilegierten Lebenssituation alles andere als glücklich und beruflich erfolgreich sind. Das Judentum mit Begriffen wie z.B. Schiwa, Bar Mitzwa oder Dibbuk wird, mit dem blinden Passagier Zelig Fletcher aus Polen 1942 beginnend, vorgestellt, auch eine Rückschau seiner raschen Erfolge in Amerika. Mit der Entführung seines Sohnes Carl und seiner Freilassung nach fünf Tagen beginnt für die ganze Familie ab 1980 eine traumatische Phase, die selbst nach vier Jahrzehnten Spuren hinterlässt, einfühlsam beschrieben. Teils ist der Schreibstil humorvoll, gerade heraus menschlich, teils tiefer gehend wie z.B. die explodierende, stinkende Umweltkatastrophe um das Styropor – Verpackungsmaterial in Carls brennender Fabrik oder Beamer’s Zusammenbruch durch Zuviel an Drogen und Medikamentenmix. Mit dem Tod von Carl wird im dritten Teil des Romans der wahre Long-Island-Kompromiss eingeleitet: Die immer noch reichen Fletchers verlassen Long Island nach der Auflösung und Verteilung aller Wertgegenstände. Auf S. 568 schließt der Roman mit folgender Erkenntnis: Ob du aus eigener Kraft erfolgreich bist oder einen Sprung in der Schüssel hast, wird von den Umständen bestimmt, in die du geboren wirst. Deine Armut wird deinen Kindern ein großer Antrieb sein. Dein Reichtum wird sie Menschen machen, die nie lernen, sich selbst zu ernähren. Aber die Leute, die sich aus eigener Kraft hocharbeiten, verlieren nie die Angst vor dem Absturz. Die, die das Glück hatten, in Sicherheit und Bequemlichkeit geboren zu werden, entwickeln sich gar nicht erst zu vollständigen Menschen. Wer entscheidet, was besser ist?

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Veröffentlicht am 01.05.2025

Kenntnisse in Physik, Biologie und Medizin sind hier von Vorteil. Sehr kreativ!

Lyneham
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Auf zwei Erzählebenen geht es um das Leben auf dem urzeitlichen Mond Perm. Henry Meadow, 12 Jahre alt, beschreibt als Ich-Erzähler das Familienleben nach der missglückten Landung in dieser fremden Welt ...

Auf zwei Erzählebenen geht es um das Leben auf dem urzeitlichen Mond Perm. Henry Meadow, 12 Jahre alt, beschreibt als Ich-Erzähler das Familienleben nach der missglückten Landung in dieser fremden Welt ohne ihre Mutter, Frau Dr. Mildred Meadow. Sie ist Wissenschaftlerin und arbeitet an Projekten, die hier ein Überleben bei zu wenig Sauerstoff unter bisher unbekannter Thermodynamik, Fauna und Flora ermöglichen soll. Viel Technologie kommt zum Einsatz, angefangen bei den Stasiskammern oder den Aggregatoren, einem Gerät zur Lebensmittelsynthese. Die zwei Geländekarten, anfangs vorgestellt, sowie das anhängende Glossar bieten Hilfestellung zwecks besserer Übersicht bzw. Verständnis der naturwissenschaftlichen Terminologie. Viel Fantasie über die Anomalie oder die Windleite wird vorausgesetzt, um diese Welt der Science Fiktion voll genießen zu können. Einige ethische Fragen werden tiefgründig angegangen, z.B. bei der Ankunft des Transfermoduls Fünf mit Russen, Chinesen und Saudis an Bord. Die männliche Figur Noah Rayser mit seinen Kompetenzen in der Raumfahrt und medizinischen Forschung stellt einen starken, negativen Charakter dar im spannenden, intelligent geführten Kampf von Henrys Mutter.
Insgesamt sehr kreativ, aber in der Terminologie sehr anspruchsvoll.

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Veröffentlicht am 10.04.2025

Eine Dystopie im Schwebezustand – sehr surreal

Schweben
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Das Leben von Nadja, der Hauptperson und Ich-Erzählerin, findet in einer isolierten, stark reglementierten Siedlung ohne scheinbare Gewalt statt. Das Klima nach der großen Hitze wechselt zu Kälte und großen ...

Das Leben von Nadja, der Hauptperson und Ich-Erzählerin, findet in einer isolierten, stark reglementierten Siedlung ohne scheinbare Gewalt statt. Das Klima nach der großen Hitze wechselt zu Kälte und großen Hagelkörnern, vernichtet nicht nur Ernten, sondern destabilisiert schließlich das Gesellschaftssystem. Phänomene wie das Schweben von Personen oder das Zusammenwirken mit weiteren Siedlungen bleiben unklar. In dieser befremdlicher werdenden Atmosphäre entwickelt sich die Protagonistin des Buches beruflich zu fremden Personen und verkörpert hauptsächlich Emma, die ihren problematischen, gewaltbereiten Ehemann Gil verlassen hat. Mit diesem Identitätswandel verliert sie sich schließlich selbst und flieht schwebend über die Siedlungsgrenzen. Dieses Bild vom Schweben wiederholt sich vorab bei vielen Siedlungsbewohnern, die für Ablenkung in der Bevölkerung sorgen und dann tödlich abstürzen – viel Freiraum für Interpretation. Diese bildliche Metapher könnte zu totalitären Regierungssystemen wie die ehemalige DDR passen, die mit ihren tödlichen Grenzvorrichtungen den Schritt in die Freiheit unterbanden. Dazu passt auch der endgültige wirtschaftliche Zusammenbruch dieser bisher Holz exportierenden Siedlung im Roman. Etwas verwirrend wirken die Träume der Protagonistin, ihr Einschlafen im Schwimmbad, ihre ausfallenden Zähne, das Verschwinden einer klimatisch unpassenden Baumspezies.
Die surreale Idee des Schwebens in Verbindung mit zunehmendem Identitätsverlust macht nachdenklich.

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