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Veröffentlicht am 10.04.2025

✎ John Fardell - Der Tag, an dem Louis gefressen wurde

Der Tag, an dem Louis gefressen wurde
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Manche Bücher finden ihren Weg zu uns nicht über Empfehlung oder gezielte Suche - sondern durch Zufall. So war es auch mit „Der Tag, an dem Louis gefressen wurde“. Ich hatte das Cover immer mal wieder ...

Manche Bücher finden ihren Weg zu uns nicht über Empfehlung oder gezielte Suche - sondern durch Zufall. So war es auch mit „Der Tag, an dem Louis gefressen wurde“. Ich hatte das Cover immer mal wieder gesehen, den Titel gelesen, ein paar Stimmen gehört, die es als „lustig“ beschrieben. Doch irgendetwas daran ließ mich zögern. Vielleicht war es der Gedanke, dass es in einem Kinderbuch ums Gefressenwerden geht - was soll daran bitte witzig sein?

Also lag es erst einmal auf unserem Stapel ungelesener Bücher. Geduldig. Wartend.

Bis zu einem dieser Abende, an denen man einfach etwas Neues braucht. Ich griff danach, vielleicht ohne große Erwartungen - und las es meiner 7-Jährigen vor.

Und dann: haben wir gelacht. So ehrlich und herzlich, dass ich selbst überrascht war, wie leicht das Buch uns mitgenommen hat - in eine Welt voller aberwitziger Monster, skurriler Namen und liebevoll überzeichneter Szenen.

Was mich aber wirklich berührt hat, war nicht nur der Humor oder die kreative Ideenvielfalt, sondern die Beziehung zwischen den Geschwistern.

Louis wird gefressen. Ja. Und seine Schwester Sarah zögert keine Sekunde. Sie überlegt nicht, sie zaudert nicht - sie handelt. Sie folgt ihm, durch die Bäuche der Monster, über bizarre Wege und mit immer neuen Einfällen. Und das ohne einen Hauch von Angst oder Selbstmitleid.

Es ist diese Art von Geschwisterliebe, die mich beim Vorlesen ganz still werden ließ.
Dieses unerschütterliche Vertrauen.
Dieses füreinander Einstehen.
Diese Verbindung, die man nicht erklären kann - aber fühlen.

Die Illustrationen sind ebenfalls etwas ganz Besonderes. Auf jeder Seite gibt es liebevolle Details zu entdecken, kleine Hinweise auf das, was kommt, versteckte Gags, und so viel Fantasie, dass man sich darin verlieren möchte.

Für sehr sensible Kinder könnte die Geschichte vielleicht zu viel sein. Aber ich finde: Der Titel bereitet darauf durchaus vor. Mein Kind hat eine große Begeisterung für Monster, für das Schräge, das Wilde - und genau deshalb war dieses Buch für uns einfach perfekt.

Eine Geschichte, die zum Lachen bringt.
Zum Staunen.
Und - ganz leise - auch zum Nachdenken.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 08.04.2025

✎ Suzy Zail - Der Klang der Hoffnung

Der Klang der Hoffnung
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Ich hatte bereits vom Mädchenorchester in Auschwitz gehört und ein Buch einer Überlebenden gelesen. Daher war ich gespannt, was uns Suzy Zail für eine Geschichte rund um Hanna erzählt, die direkt beim ...

Ich hatte bereits vom Mädchenorchester in Auschwitz gehört und ein Buch einer Überlebenden gelesen. Daher war ich gespannt, was uns Suzy Zail für eine Geschichte rund um Hanna erzählt, die direkt beim Kommandanten aufspielen muss …

In meiner Familie gab es keine Zeitzeugen des Holocaust. Niemand musste fliehen oder hatte Kontakt zu Juden. Zumindest weiß ich davon nichts, denn in unserer Familie wurde dieses Thema nie angeschnitten. Als meine Uroma starb, war ich 15 - und zu der Zeit hatte ich leider andere Dinge im Kopf. Alles, was ich weiß, kommt also auch Büchern: Zeitzeugenberichte und erfundene Erzählungen.

Die Autorin beschreibt Hannas Leidensgeschichte sehr authentisch. Da sie die ich-Form gewählt hat und das Mädchen aus ihrer Warte berichtet, hatte ich zu jeder Zeit einen direkten Draht.
Ich habe die Hoffnung gespürt, das Leid, die Verzweiflung, die Freude.

Doch nicht nur die Familie des Mädchens steht im Mittelpunkt. Auch eine andere Person wird beleuchtet.
Suzy Zail hat versucht, anhand dieser darzustellen, wie sich eventuell für manche die andere Seite angefühlt haben muss. Dazu passend hat sie ein Zitat von Nelson Mandela an den Anfang gestellt:

»Niemand wird geboren als jemand,
der andere wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft oder ihrer Religion hasst.
Die Menschen müssen lernen zu hassen, und wenn sie hassen lernen können,
können sie auch lieben lernen,
denn Liebe empfindet das menschliche Herz viel leichter als ihr Gegenteil.« (5%)

Mit ihrer einfühlsamen Erzählweise ist ihr die Charakterisierung der einzelnen Handelnden wunderbar gelungen.

Ein Punkt, der mich viel zum Nachdenken veranlasst hat, ist der Zusatz auf dem Cover: „Die Geschichte einer unmöglichen Liebe.“ Von welcher Liebe wird hier gesprochen?

Ohne zu viel spoilern zu wollen: Für mich war bis zum Schluss eine Liebe zwischen Hanna und einem anderen Charakter nie von Bedeutung. Da habe ich sie eher zwischen 2 anderen Menschen gesehen.

Oder geht es um Hannas Liebe zur Musik? Denn im Konzentrationslager ist es tatsächlich unmöglich, dieser Liebe nachzugehen. Zwar bekommt Hanna die Chance, im Haus des Kommandanten Klavier zu spielen, doch eben nicht so, wie sie es gerne möchte. Denn natürlich sind bestimmte Lieder und Komponisten verboten. Doch alle, die sich selbst manchmal in der Musik verlieren, wissen, wie schwer es ist, nicht an das Lieblingsstück zu denken, in das man sich einfach fallen lassen kann - normalerweise.

Hier hat Frau Zail also zwei Gesichtspunkte aufgetan, die mich beim Lesen viel beschäftigt haben..

Das Ende ist eher offen gehalten. Ich persönlich fand das gut, denn so kann sich jede*r die Geschichte selbst weiter ausmalen.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 24.03.2025

✎ Matthäus Bär - Die Kickflip-Bande

Die Kickflip-Bande – Rebellinnen auf Rollen
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Skateboardfahren - damit konnte ich bis zu meinem Kind nichts anfangen. Ich habe es früher nie ausprobiert und es war auch kein Sport, der mich interessierte. Mein Kind jedoch will alles ausprobieren, ...

Skateboardfahren - damit konnte ich bis zu meinem Kind nichts anfangen. Ich habe es früher nie ausprobiert und es war auch kein Sport, der mich interessierte. Mein Kind jedoch will alles ausprobieren, was es sieht und somit auch das Brett auf Rollen.

Rosa, Müjde, Toni, Natalia - vier sehr unterschiedliche Namen, mit unterschiedlicher Herkunft. Genauso unterschiedlich sind ihre Trägerinnen.
Die Mädels kennen sich nicht von Anfang an, sondern lernen sich erst nach und nach kennen. Dieses Kennenlernen mit Ängsten, Vorbehalten, aber auch Offenherzigkeit wurde von der Autorin authentisch dargestellt.

Jedes Mitglied ist einzigartig. Auch die Nebendarsteller*innen haben Ecken und Kanten. Viele Lesende werden sich mit irgendjemanden identifizieren können.

Die Geschichte ist dynamisch und für die Zielgruppe nachvollziehbar.
Ich als Mama hatte in einem Punkt erst so meine Bedenken, doch die Situation wird sehr gut aufgelöst.
Am Ende bleiben keine Fragen offen.
Es bleibt ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, des Gewachsenseins.

Einziger Wermutstropfen ist in meinen Augen das Cover.
Auf dem Tisch ist es ein Hingucker mit den knalligen Farben. Ich finde es jedoch schade, dass nur ein Mitglied der Gang hervorgehoben und in Farbe dargestellt wird und die anderen im Hintergrund ein graues Dasein fristen müssen.

Wir sind gespannt, ob es noch mehr Bände rund um das Skatboard-Quartett geben wird. In unser Regal dürften sie auf alle Fälle einziehen.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 15.03.2025

✎ Hans de Beer - Kleiner Eisbär, wohin fährst du?

Wohin fährst du, kleiner Eisbär?
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Hans de Beer ist mir vom Namen her schon lange ein Begriff. Dieses dünne Büchlein war nun das erste von ihm, was bei uns eingezogen ist.

Leider musste ich beim Klappentext kurz schlucken, denn: Afrika ...

Hans de Beer ist mir vom Namen her schon lange ein Begriff. Dieses dünne Büchlein war nun das erste von ihm, was bei uns eingezogen ist.

Leider musste ich beim Klappentext kurz schlucken, denn: Afrika ist KEIN Land. Das weiß sogar meine 7-Jährige.

Die Geschichte an sich ist sehr süß gemacht.
Erstmal hat man Angst um Lars, weil er ganz alleine davon treibt. Doch dann findet er sehr schnell helfende Tiere.
Am Schluss hat der kleine Eisbär gelernt, dass es mehr Farben als nur Weiß gibt, dass sich Tiere unterschiedlich anfühlen und was es noch so für Tiere außerhalb seiner Heimat gibt.

Die ausdrucksstarken Illustrationen begleiten das Geschriebene wunderbar.
Die Farben sind sehr harmonisch. Und vor allem sind die Tiere und deren Umgebung naturgetreu wiedergegeben. Allein deshalb wurde es bei uns mehrfach durchgeblättert.

Es ist zwar unser erstes Werk vom Autor gewesen, doch gewiss nicht das letzte.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 13.03.2025

🍰 Peter H. Reynolds - Der Punkt

Der Punkt
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Ich liebe dieses Buch.

Jedes Mal, wenn ich es zur Hand nehme, zaubert es mir ein Lächeln ins Gesicht.
Es ist nicht nur die Tatsache, dass Ina ernst genommen wird, sondern auch, wie sie sich entwickelt. ...

Ich liebe dieses Buch.

Jedes Mal, wenn ich es zur Hand nehme, zaubert es mir ein Lächeln ins Gesicht.
Es ist nicht nur die Tatsache, dass Ina ernst genommen wird, sondern auch, wie sie sich entwickelt. Gerade der Schluss fühlt sich wie eine liebevolle Umarmung an.
Wenn man dieses Werk in pädagogischen Einrichtungen einsetzt - dabei spielt für mich das Alter schon fast keine Rolle -, bin ich davon überzeugt, dass man sehr viel Gutes bewirken kann.

Meinem Mädchen hat es das Selbstvertrauen zurückgegeben, welches kurzzeitig abhanden gekommen war, weil sie nicht „so schön wie Papa“ malen kann.
Ihr zu erklären, dass Schönheit jede*r anders empfindet und dass man üben muss, um besser zu werden, war nicht genug. Als wir dann jedoch dieses Buch anschauten und erlebten, wie Ina wieder an sich glaubte und was Tolles daraus entstand, war auch in ihr der Ehrgeiz von Neuem geweckt.

©2025 Mademoiselle Cake