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Veröffentlicht am 24.03.2025

Gute Idee, aber schwache Umsetzung

Die Bibliothek der verborgenen Erinnerungen
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Delila „Dally“ Peteharrington ist 11 Jahre alt, POC und Tochter einer wohlhabenden Unternehmerfamilie in South Carolina. Ihr Vater ist bereits früh gestorben, und so lebt sie zusammen mit ihrer Mutter ...

Delila „Dally“ Peteharrington ist 11 Jahre alt, POC und Tochter einer wohlhabenden Unternehmerfamilie in South Carolina. Ihr Vater ist bereits früh gestorben, und so lebt sie zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Großvater auf einem herrschaftlichen Anwesen. Während ihre Mutter eine gestrenge Geschäftsfrau ist, die Dally mit Privatstunden in Wirtschaftslehre und einem straffen Tagesplan zu Disziplin erziehen will, damit sie später das Unternehmen leiten kann, erlebt sie mit ihrem lebensfrohen Großvater Abenteuer und schöne Stunden. Als ihr Großvater stirbt, hinterlässt er ihr eine Schatzkarte, die Dally zu einer magischen Bibliothek führt. Die Bücher dort ermöglichen den Besucher:innen Zeitreisen zu Geheimnissen aus ihrer Vergangenheit oder der Vergangenheit eines Familienangehörigen bzw. Vorfahren. Auf diese Weise begegnet Dally ihren jungen Eltern, segelt mit Urahnen auf einem Piratenschiff und erlebt Diskriminierung von POC.

Ich habe das Buch zusammen mit meinem Sohn (11) gelesen. Die Idee hinter dem Buch, durch Zeitreisen sich selbst, seine Familie und die Familiengeschichte besser zu verstehen, hat uns sehr gut gefallen. Leider empfanden wir die Umsetzung als weniger gelungen. Das erste Drittel des Buches zieht sich, und die ersten Zeitreisen sind eher langweilig, so dass die Gefahr besteht, dass die jungen Leser:innen die Lust verlieren und abbrechen. Erst mit der Fahrt auf dem Piratenschiff kommt etwas Abenteuer in die Geschichte, doch wirklich spannend wird es nicht.

Die Beispiele, anhand derer die Autorin Kekla Magoon die Diskriminierung Schwarzer Menschen zeigen möchte, fand ich für die Altersgruppe nicht gut gewählt. Ich hatte erwartet, dass eine Zeitreise auf eine Baumwollplantage führen würde oder Dally in den 50er und 60er Jahren Zeugin von Segregation im öffentlichen Nahverkehr, den Schulen, Wohngegenden, Restaurants etc. werden würde. Stattdessen wurde hauptsächlich über Rassismus gesprochen, aber keine konkrete Situation kreiert, in der eine Figur eine rassistische Erfahrung macht. Letzteres wäre für Kinder besser nachzuvollziehen.

Als sehr problematisch empfand ich, dass im Buch immer wieder das N-Wort verwendet wird. In der jeweiligen Erzählzeit wurde dieses Wort zwar im Alltag noch benutzt, dennoch sehe ich es kritisch, wenn es in einem Kinderbuch ohne weitere Erläuterung Verwendung findet. Erklärende Fußnoten oder eine Vorbemerkung bzw. ein Nachwort hätte ich mindestens erwartet, um die Kinder hier zu sensibilisieren.

Sehr konstruiert und zu bemüht wirken die erzählerischen Klimmzüge, die die Autorin macht, um auch noch LGBTQIA+-Themen unterzubringen wie Homosexualität, Transgender und Dritte Pronomen. Das erschien doch sehr aufgesetzt und mein Sohn wusste damit auch noch nichts anzufangen.
Positiv bewertet hat mein Sohn, dass das Buch immer wieder reale Alltagssituationen enthält, was er als angenehme Abwechslung zu vielen aktuellen Kinderbüchern empfand, die in einer reinen Abenteuer-Fantasywelt spielen.

Insgesamt wirkte das gesamte Buch sehr bemüht und etwas hölzern, die Geschichte kommt nicht richtig in Schwung und die Figuren bleiben blass. Das im Verhältnis zum langatmigen Beginn eher abrupte Ende empfand ich als recht unbefriedigend, zumal es zu einem Logikproblem im Zeitreisekontext führt.

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Veröffentlicht am 24.03.2025

Agentenroman zur Zeit des Zweiten Weltkriegs

Atom
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Simon Batley spionierte ab 1927 während seines Physikstudiums in Berlin mehrere Jahre für den MI5. Dieser endete in einem Desaster, und er musste Hals über Kopf Deutschland verlassen und damit auch seine ...

Simon Batley spionierte ab 1927 während seines Physikstudiums in Berlin mehrere Jahre für den MI5. Dieser endete in einem Desaster, und er musste Hals über Kopf Deutschland verlassen und damit auch seine große Liebe, die Mathematikerin Hedi. Hierauf quittierte er seinen Dienst. Ein paar Jahre später, zu Beginn des zweiten Weltkrieges, kontaktiert ihn sein früherer Führungsoffizier und will ihn erneut rekrutieren. Als Physiker und Raketenspezialist soll er bei der Aufklärung des deutschen Geheimwaffenprogramms helfen. Da Simon die Chance wittert, Hedi wiederzusehen, sagt er zu und begibt sich auf die Jagd nach der deutschen Superwaffe. Doch nicht nur die Briten, sondern auch die Amerikaner und die Russen sind hinter dem deutschen Atomprogramm her…

Als Naturwissenschaftlerin und Fan von Spionage-Thrillern hat mich „Atom“ von Steffen Kopetzky sofort angesprochen. Kopetzky verbindet in seinem Roman historische Figuren und Begebenheiten gekonnt mit fiktiven Charakteren. Man spürt beim Lesen, dass Kopetzky sorgfältig recherchiert hat, und erfährt Interessantes über das damalige Atomwaffenprogramm. Insbesondere die Geschichte um dessen Leiter Hans Kammler, General der Waffen-SS und widerwärtigen Kriegsverbrecher, war mir bisher nicht bekannt. Auch die Rivalität zwischen den Alliierten und ihren Spionageabteilungen wird eindrücklich beschrieben, von denen insbesondere gegen Kriegsende jeder seine eigenen Ziele verfolgt.

Leider konnte mich der Roman trotz allem nicht recht fesseln. Merkwürdigerweise kommt zu keinem Zeitpunkt echte Spannung auf, die Geschichte wirkt zuweilen zäh und langatmig erzählt und die Figuren bleiben seltsam blass, so dass ich das Buch immer wieder für ein paar Tage zur Seite legte. Die private Liebesgeschichte zwischen Simon und Hedi empfand ich als eher störend und unglaubwürdig, so wie mir die gesamte Figur der Hedi recht künstlich erschien. Teilweise wunderte ich mich über kleine Ungenauigkeiten. So wird der Siren Suit von Winston Churchill im Buch als kragenlos und mit Knopfleiste beschrieben (Teil 3, Kapitel 2), während alle bekannten Bilder Churchills berühmten Sirenenanzug mit Kragen und Reißverschluss zeigen. Auch die Beschreibung des Abschusses einer Aggregat4-Rakete ist in meinen Augen weniger gelungen. Um dem Leser ein Bild davon zu vermitteln, hätte der Antrieb etwas genauer erläutert werden müssen, was in zwei bis drei zusätzlichen Sätzen allgemeinverständlich möglich gewesen wäre. Insbesondere dürfte vielen nicht geläufig sein, dass es sich beim „T-Stoff“ um den damals verwendeten Begriff für Wasserstoffperoxid handelt.

Insgesamt hatte ich mir von diesem Roman etwas mehr versprochen.

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Veröffentlicht am 22.03.2025

Flotte Pastagerichte, viele Klassiker

Schnell mal Pasta
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„Schnell mal Pasta“ von Cornelia Poletto bietet flott zubereitete Pastagerichte mit unkomplizierten, vorwiegend leicht erhältlichen Zutaten, deren Raffinesse oft in kleinen Details liegt. So bringen beispielweise ...

„Schnell mal Pasta“ von Cornelia Poletto bietet flott zubereitete Pastagerichte mit unkomplizierten, vorwiegend leicht erhältlichen Zutaten, deren Raffinesse oft in kleinen Details liegt. So bringen beispielweise bei der „Tagliatelle mit Steinpilzen“ die in Olivenöl frittierten Kräuter einen besonderen Pep. Das Buch beginnt mit selbstgemachten Pestovarianten, die gut auf Vorrat zubereitet werden können und so für extraschnellen Pastagenuss zur Verfügung stehen. Neben recht simplen Gerichten wie „Rigatoni cacio e pepe“ oder „Spaghettini al pomodoro crudo“ und Klassikern wie all‘arrabiata, carbonara oder alla puttanesca finden sich auch etwas pfiffigere Rezepte wie „Mezze maniche mit Lammragoù und Pimientos“ oder eine Wildbolognese. Vegetarische Gerichte sind durch ein Blatt-Symbol gekennzeichnet, so dass man sie schnell finden kann. Was mir negativ auffällt ist, dass die Autorin gepökelte Fleischprodukte wie Guanciale oder die Rohwurst Salsiccia in der Pfanne kräftig anbrät; zum Teil explizit bei großer Hitze. Dass hierbei krebserregende Nitrosamine frei werden und derartige Wurstwaren daher niemals gebraten werden sollten, sollte ihr bekannt sein. Hierfür ziehe ich einen Stern ab.

Die Einordnung der Gerichte ist teilweise etwas merkwürdig: Warum die „Tagliatelle mit Steinpilzen“ und die „Linguine mit Gorgonzola und Pistazien“ unter „Pasta mit Gemüse“ firmieren, ist mir nicht klar. Auch vermisse ich ein Register, das zumindest im ebook fehlt. Ich habe durch das Buch durchaus interessante Anregungen erhalten, und insbesondere das Rezept zum „Tomatensugo“ ist sehr lecker. Auch die Pestovarianten und das ein oder andere Gericht werde ich sicher noch nachkochen. Da ich keine Meeresfrüchte esse, fällt einiges für mich vornherein weg. Insgesamt hatte ich mir mehr Rezepte mit Gemüse erhofft, und Gerichte mit Schweine- oder Rindfleisch fehlen völlig (abgesehen von den Rezepten mit Wurstwaren). Die meisten Klassiker waren mir bereits bekannt. Ich würde das Buch daher eher Kochanfänger:innen empfehlen.

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Veröffentlicht am 04.03.2025

Wenig Spannung, viele Klischees

Skin City
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„Skin City“ war mein erster Krimi des preisgekrönten Autors Johannes Groschupf, und entsprechend groß waren meine Erwartungen. Groschupf verbindet darin drei Handlungsstränge miteinander: Zum ersten ist ...

„Skin City“ war mein erster Krimi des preisgekrönten Autors Johannes Groschupf, und entsprechend groß waren meine Erwartungen. Groschupf verbindet darin drei Handlungsstränge miteinander: Zum ersten ist da der Georgier Koba, Mitglied einer Bande, die im Akkord Einbrüche in Villen und Einfamilienhäuser rund um Berlin begehet. Der zweite Strang dreht sich um die Polizistin Romina. Ihre Familie gehört zur Gruppe der Sinti und Roma und hat Vorbehalte gegenüber ihrem Beruf, ihr Vater saß im Gefängnis und ihre Schwester ist etwas zurückgeblieben. Und dann ist da noch Jacques Lippold, der wegen Umsatzsteuerbetruges im Gefängnis saß und nach seiner Haftentlassung in die Kunstszene einsteigen und das große Geld machen möchte.

Besonders stark fand ich die Geschichte rund um Lippold und die Berliner Künstlerszene. Inwieweit die Schilderungen der Realität entsprechen, kann ich nicht beurteilen, doch der aufgeheizte Kunstmarkt, bei dem weniger künstlerische Expertise als die Investition und die Teilhabe an den aktuellen Hypes zählen wirken sehr glaubhaft. Bei Kaviar und Schickimicki-Küche werden Netzwerke geknüpft, der Geldadel ist unter sich. Auch der Part um Koba und die Einbruchsserie ist fesselnd geschrieben. Die schwächsten Momente hat die Handlung immer dann, wenn Romina ins Spiel kommt. Hier werden mir eindeutig zu viele Klischees bedient. Romina, die letztendlich nicht von ihrer Herkunft loskommt, in der nach wie vor ein Outlaw steckt, und die als Frau – na klar – hoch emotional reagiert und sich in den entscheidenden Momenten unprofessionell verhält und übertölpeln lässt. Die gesamte Figur wirkt auf mich unglaubwürdig, platt und schwach gezeichnet.

Auch die Spannung hält sich bei diesem Krimi in engen Grenzen, er liest sich eher wie eine Berliner Milieustudie. Insgesamt bleibt dieser Krimi leider weit hinter meinen Erwartungen zurück und ist eher Mittelmaß.

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Veröffentlicht am 18.02.2025

viele Emotionen, wenig historische Substanz

Der große Riss
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Auch angesichts der aktuellen politischen Situation interessiert mich die Geschichte des Panama-Kanals und seines langwierigen und komplizierten Baus, der insgesamt über 28000 Todesopfer forderte. „Der ...

Auch angesichts der aktuellen politischen Situation interessiert mich die Geschichte des Panama-Kanals und seines langwierigen und komplizierten Baus, der insgesamt über 28000 Todesopfer forderte. „Der große Riss“ spielt im Jahr 1906 in der Stadt Empire nahe des Culebra Cuts und zeigt aus verschiedenen Perspektiven, welche Auswirkungen der Bau des Kanals auf die Bevölkerung und die Arbeiter aus den unterschiedlichsten Ländern hatte und welche Hoffnungen, Ängste und Träume mit dem Kanal verbunden waren. Da ist die sechzehnjährige Ada aus Barbados, die auf der Suche nach Arbeit nach Panama kommt, um ihre Familie finanziell zu unterstützen, ebenso wie unzählige Männer, die in der Hoffnung auf guten Lohn und ein besseres Leben unter härtesten Bedingungen beim Kanalbau schuften. Da ist der Fischer Francisco, der mit Argwohn verfolgt, wie die Vereinigten Staaten die Herrschaft über die Kanalzone übernehmen und die massiven Einschnitte in die Landschaft seine Heimat verändern, während sich sein Sohn Omar als Arbeiter am Kanalbau beteiligt. Auch Valencia muss erleben, wie ihr Heimatdorf umgesiedelt werden soll, um einem Damm Platz zu machen. Der Wissenschaftler John Oswald reist mit seiner Frau Marian aus Tennessee an, um die Malaria auszurotten, die jedes Jahr hunderte Todesopfer fordert.

Das Buch hat mich dazu gebracht, mich näher mit dem Panama-Kanal zu befassen, und ich habe hierbei einiges über seine bewegte Geschichte und auch die politischen Konflikte, die diese Schifffahrtsstraße bis heute begleiten und durch Trump jüngst neu angefacht wurden, gelernt. Leider enthält „Der große Riss“ selbst keine ausführlichen historischen Informationen. Historische Fakten dienen eher als spärliche Kulisse oder Lokalkolorit für einen stark emotionsbetonten Roman mit starken Frauenfiguren, während die Männer oft zögerlich und unsicher wirken. Auch der Kampf gegen Malaria, eine der Haupttodesursachen unter den Arbeitern, wird nicht näher beleuchtet. Das ist sehr schade, da der Roman hierdurch viel Potential verschenkt. Auch die Figuren bleiben insgesamt blass. Man spürt am Schreibstil der nordamerikanischen Autorin Cristina Henriquez deutlich, dass das Buch ursprünglich für den US-Markt geschrieben wurde.

Positiv hervorzuheben ist die Karte zum Panama-Kanal am Anfang des Buches. Gewünscht hätte ich mir hingegen noch ein Nachwort mit ergänzenden Daten zur geschichtlichen Einordnung und zur Recherche der Autorin.

Fazit: Wer einen Roman mit fundierten, detaillierten historischen Fakten sucht, wird hier nicht fündig. Ich würde „Der große Riss“ eher Leserinnen und Lesern empfehlen, die sich dem Thema von der emotionalen Seite nähern möchten.

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