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Veröffentlicht am 22.03.2025

Flotte Pastagerichte, viele Klassiker

Schnell mal Pasta
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„Schnell mal Pasta“ von Cornelia Poletto bietet flott zubereitete Pastagerichte mit unkomplizierten, vorwiegend leicht erhältlichen Zutaten, deren Raffinesse oft in kleinen Details liegt. So bringen beispielweise ...

„Schnell mal Pasta“ von Cornelia Poletto bietet flott zubereitete Pastagerichte mit unkomplizierten, vorwiegend leicht erhältlichen Zutaten, deren Raffinesse oft in kleinen Details liegt. So bringen beispielweise bei der „Tagliatelle mit Steinpilzen“ die in Olivenöl frittierten Kräuter einen besonderen Pep. Das Buch beginnt mit selbstgemachten Pestovarianten, die gut auf Vorrat zubereitet werden können und so für extraschnellen Pastagenuss zur Verfügung stehen. Neben recht simplen Gerichten wie „Rigatoni cacio e pepe“ oder „Spaghettini al pomodoro crudo“ und Klassikern wie all‘arrabiata, carbonara oder alla puttanesca finden sich auch etwas pfiffigere Rezepte wie „Mezze maniche mit Lammragoù und Pimientos“ oder eine Wildbolognese. Vegetarische Gerichte sind durch ein Blatt-Symbol gekennzeichnet, so dass man sie schnell finden kann. Was mir negativ auffällt ist, dass die Autorin gepökelte Fleischprodukte wie Guanciale oder die Rohwurst Salsiccia in der Pfanne kräftig anbrät; zum Teil explizit bei großer Hitze. Dass hierbei krebserregende Nitrosamine frei werden und derartige Wurstwaren daher niemals gebraten werden sollten, sollte ihr bekannt sein. Hierfür ziehe ich einen Stern ab.

Die Einordnung der Gerichte ist teilweise etwas merkwürdig: Warum die „Tagliatelle mit Steinpilzen“ und die „Linguine mit Gorgonzola und Pistazien“ unter „Pasta mit Gemüse“ firmieren, ist mir nicht klar. Auch vermisse ich ein Register, das zumindest im ebook fehlt. Ich habe durch das Buch durchaus interessante Anregungen erhalten, und insbesondere das Rezept zum „Tomatensugo“ ist sehr lecker. Auch die Pestovarianten und das ein oder andere Gericht werde ich sicher noch nachkochen. Da ich keine Meeresfrüchte esse, fällt einiges für mich vornherein weg. Insgesamt hatte ich mir mehr Rezepte mit Gemüse erhofft, und Gerichte mit Schweine- oder Rindfleisch fehlen völlig (abgesehen von den Rezepten mit Wurstwaren). Die meisten Klassiker waren mir bereits bekannt. Ich würde das Buch daher eher Kochanfänger:innen empfehlen.

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Veröffentlicht am 04.03.2025

Wenig Spannung, viele Klischees

Skin City
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„Skin City“ war mein erster Krimi des preisgekrönten Autors Johannes Groschupf, und entsprechend groß waren meine Erwartungen. Groschupf verbindet darin drei Handlungsstränge miteinander: Zum ersten ist ...

„Skin City“ war mein erster Krimi des preisgekrönten Autors Johannes Groschupf, und entsprechend groß waren meine Erwartungen. Groschupf verbindet darin drei Handlungsstränge miteinander: Zum ersten ist da der Georgier Koba, Mitglied einer Bande, die im Akkord Einbrüche in Villen und Einfamilienhäuser rund um Berlin begehet. Der zweite Strang dreht sich um die Polizistin Romina. Ihre Familie gehört zur Gruppe der Sinti und Roma und hat Vorbehalte gegenüber ihrem Beruf, ihr Vater saß im Gefängnis und ihre Schwester ist etwas zurückgeblieben. Und dann ist da noch Jacques Lippold, der wegen Umsatzsteuerbetruges im Gefängnis saß und nach seiner Haftentlassung in die Kunstszene einsteigen und das große Geld machen möchte.

Besonders stark fand ich die Geschichte rund um Lippold und die Berliner Künstlerszene. Inwieweit die Schilderungen der Realität entsprechen, kann ich nicht beurteilen, doch der aufgeheizte Kunstmarkt, bei dem weniger künstlerische Expertise als die Investition und die Teilhabe an den aktuellen Hypes zählen wirken sehr glaubhaft. Bei Kaviar und Schickimicki-Küche werden Netzwerke geknüpft, der Geldadel ist unter sich. Auch der Part um Koba und die Einbruchsserie ist fesselnd geschrieben. Die schwächsten Momente hat die Handlung immer dann, wenn Romina ins Spiel kommt. Hier werden mir eindeutig zu viele Klischees bedient. Romina, die letztendlich nicht von ihrer Herkunft loskommt, in der nach wie vor ein Outlaw steckt, und die als Frau – na klar – hoch emotional reagiert und sich in den entscheidenden Momenten unprofessionell verhält und übertölpeln lässt. Die gesamte Figur wirkt auf mich unglaubwürdig, platt und schwach gezeichnet.

Auch die Spannung hält sich bei diesem Krimi in engen Grenzen, er liest sich eher wie eine Berliner Milieustudie. Insgesamt bleibt dieser Krimi leider weit hinter meinen Erwartungen zurück und ist eher Mittelmaß.

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Veröffentlicht am 18.02.2025

viele Emotionen, wenig historische Substanz

Der große Riss
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Auch angesichts der aktuellen politischen Situation interessiert mich die Geschichte des Panama-Kanals und seines langwierigen und komplizierten Baus, der insgesamt über 28000 Todesopfer forderte. „Der ...

Auch angesichts der aktuellen politischen Situation interessiert mich die Geschichte des Panama-Kanals und seines langwierigen und komplizierten Baus, der insgesamt über 28000 Todesopfer forderte. „Der große Riss“ spielt im Jahr 1906 in der Stadt Empire nahe des Culebra Cuts und zeigt aus verschiedenen Perspektiven, welche Auswirkungen der Bau des Kanals auf die Bevölkerung und die Arbeiter aus den unterschiedlichsten Ländern hatte und welche Hoffnungen, Ängste und Träume mit dem Kanal verbunden waren. Da ist die sechzehnjährige Ada aus Barbados, die auf der Suche nach Arbeit nach Panama kommt, um ihre Familie finanziell zu unterstützen, ebenso wie unzählige Männer, die in der Hoffnung auf guten Lohn und ein besseres Leben unter härtesten Bedingungen beim Kanalbau schuften. Da ist der Fischer Francisco, der mit Argwohn verfolgt, wie die Vereinigten Staaten die Herrschaft über die Kanalzone übernehmen und die massiven Einschnitte in die Landschaft seine Heimat verändern, während sich sein Sohn Omar als Arbeiter am Kanalbau beteiligt. Auch Valencia muss erleben, wie ihr Heimatdorf umgesiedelt werden soll, um einem Damm Platz zu machen. Der Wissenschaftler John Oswald reist mit seiner Frau Marian aus Tennessee an, um die Malaria auszurotten, die jedes Jahr hunderte Todesopfer fordert.

Das Buch hat mich dazu gebracht, mich näher mit dem Panama-Kanal zu befassen, und ich habe hierbei einiges über seine bewegte Geschichte und auch die politischen Konflikte, die diese Schifffahrtsstraße bis heute begleiten und durch Trump jüngst neu angefacht wurden, gelernt. Leider enthält „Der große Riss“ selbst keine ausführlichen historischen Informationen. Historische Fakten dienen eher als spärliche Kulisse oder Lokalkolorit für einen stark emotionsbetonten Roman mit starken Frauenfiguren, während die Männer oft zögerlich und unsicher wirken. Auch der Kampf gegen Malaria, eine der Haupttodesursachen unter den Arbeitern, wird nicht näher beleuchtet. Das ist sehr schade, da der Roman hierdurch viel Potential verschenkt. Auch die Figuren bleiben insgesamt blass. Man spürt am Schreibstil der nordamerikanischen Autorin Cristina Henriquez deutlich, dass das Buch ursprünglich für den US-Markt geschrieben wurde.

Positiv hervorzuheben ist die Karte zum Panama-Kanal am Anfang des Buches. Gewünscht hätte ich mir hingegen noch ein Nachwort mit ergänzenden Daten zur geschichtlichen Einordnung und zur Recherche der Autorin.

Fazit: Wer einen Roman mit fundierten, detaillierten historischen Fakten sucht, wird hier nicht fündig. Ich würde „Der große Riss“ eher Leserinnen und Lesern empfehlen, die sich dem Thema von der emotionalen Seite nähern möchten.

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Veröffentlicht am 16.02.2025

Hat meine Erwartungen nicht erfüllt

Ginsterburg
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Nachdem „Seemann vom Siebener“ von Arno Frank eines meiner Lieblingsbücher 2023 war, war ich nun sehr gespannt auf „Ginsterburg“.
Der Roman zeigt das Leben in der fiktiven Kleinstadt Ginsterburg in den ...

Nachdem „Seemann vom Siebener“ von Arno Frank eines meiner Lieblingsbücher 2023 war, war ich nun sehr gespannt auf „Ginsterburg“.
Der Roman zeigt das Leben in der fiktiven Kleinstadt Ginsterburg in den Jahren 1935, 1940 und 1945. Hierbei begleitet er die unterschiedlichsten Personen, etwa die Buchhändlerin Merle und deren Sohn Lothar, den Redakteur der Lokalzeitung Eugen, seine Frau Ursel und die Tochter Gesine, den Blumengroßhändler und Bürgermeister Otto, dessen Söhne Bruno und Knut, die Architektin Uta, die mit einem jüdischen Mann verheiratet ist, und einige andere. Reale Personen wie Lothar Sieber und Erich Bachem werden mit rein fiktiven Charakteren vermischt.

Über die Jahre wird deutlich, wie sich jeder auf seine Weise mit dem Regime arrangiert: Die einen suchen sich ihre private Nische, um möglichst unbehelligt durch die Kriegsjahre zu kommen, schaden niemandem aktiv, setzen sich aber auch nicht für andere ein und verschließen die Augen, wollen nichts sehen. Andere machen sich opportunistisch die neue Ordnung zunutze, bereichern sich und steigen auf. Wieder andere werden glühende Anhänger der Nazis und ihrer Ideologie, machen sich schuldig, indem sie etwa das Euthanasieprogramm mit vorantreiben. Hitlerjugend und BDM indoktrinieren die Jugend, die willig in den Krieg zieht.

Die Thematik ist angesichts der momentanen politischen Situation und des Rechtsrucks in der Gesellschaft leider sehr aktuell, und es ist wichtig, darüber zu schreiben. Dennoch konnte mich dieses Buch nicht überzeugen. Zu den Figuren konnte ich nur schwer einen Bezug entwickeln, teilweise wirkten sie sehr künstlich auf mich, und mit dem oft etwas weitschweifigen Schreibstil wurde ich nicht warm. Hinzu kamen kulturhistorische Beschreibungen des fiktiven Ortes Ginsterburg, die mich in ihrer Ausführlichkeit langweilten. Ich hätte stattdessen gerne noch mehr über einige Personen erfahren, die nur ab und an wie kurze Schlaglichter auftauchten, um dann nicht mehr erwähnt zu werden, etwa die Wahrsagerin Zola Vovoni. Auch hadere ich mit dem Schluss, der mir zu vieles offen lässt.

Positiv fand ich, dass Arno Frank sehr anschaulich beschreibt, wie sich jede Figur auf ihre Weise mit dem System arrangiert, und ich konnte mir schon beim Lesen lebhaft vorstellen, wie jede nach dem Krieg versuchen würde, sich nur als Mitläufer darzustellen. Man habe ja nichts gemacht, es waren doch die Umstände, und eigentlich habe man ja auch von nichts gewusst.

Etwas ärgerlich fand ich, dass der Autor in den Details immer wieder offensichtlich ungenau ist. So wird die mehrfach vorkommende römische Ziffer MDCXVII als 1497 gedeutet, obwohl sie das Jahr 1597 bezeichnet. Hitlers Berghof am Obersalzberg wird gar fälschlicherweise bei Garmisch verortet anstatt bei Berchtesgaden. Zudem lässt Arno Frank die aus Augsburg stammende Helga oberbayerisch sprechen, obwohl in Augsburg ein völlig anderer, schwäbischer Dialekt gesprochen wird (ich komme von dort). Das U-Boot U-51 wurde nicht, wie im Roman behauptet, am 23. August 1940 durch ein britisches Flugboot versenkt, sondern am 20. August 1940 durch die Torpedos eines britischen U-Bootes. Der Flugboot-Angriff einige Tage zuvor hatte das U-Boot lediglich stark beschädigt. Das sind natürlich Kleinigkeiten, die mich dennoch misstrauisch machen gegenüber der Sorgfalt des Autors insgesamt.

Da Arno Frank reale Personen wie Lothar Sieber und Erich Bachem in seine fiktive Geschichte einbettet, hätte ich mir zudem ein Nachwort gewünscht, in dem der Autor auf seine Recherchen hierzu eingeht und erläutert, welche Teile der Erzählung auf wahren Begebenheiten beruhen.

Fazit: Ich hatte nach dem „Seemann vom Siebener“ stilistisch und sprachlich etwas anderes erwartet, und konnte mich vor allem mit der Erzählweise in diesem Roman nicht recht anfreunden. Da dies Geschmackssache ist, kann ich mir allerdings sehr gut vorstellen, dass andere „Ginsterburg“ begeistern wird.

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Veröffentlicht am 28.01.2025

inhaltlich dünn, stilistisch nichts Neues.

Monique bricht aus
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2014 wurde Édouard Louis mit seinem autobiografischen Debüt „Das Ende von Eddy“ zum Shootingstar der linken französischen Intellektuellen. In den folgenden Romanen „Wer hat meinen Vater umgebracht“, „Im ...

2014 wurde Édouard Louis mit seinem autobiografischen Debüt „Das Ende von Eddy“ zum Shootingstar der linken französischen Intellektuellen. In den folgenden Romanen „Wer hat meinen Vater umgebracht“, „Im Herzen der Gewalt“ und „Die Freiheit einer Frau“ verarbeitete er weitere autobiografische Erlebnisse bzw. das Leben seines Vaters und seiner Mutter, ein Buch über seinen an Alkoholsucht verstorbenen Bruder ist in Arbeit. Auch in „Monique bricht aus“ geht es wieder um seine Mutter, die nach der Trennung von seinem Vater erneut in eine Beziehung mit einem alkoholsüchtigen Mann gerät, der sie verbal erniedrigt und beschimpft, und aus der sie mit Hilfe ihres Sohnes Édouard ausbricht.
Während mich der Erstling des damals gerade 20-Jährigen aufgrund seiner Reife und des Reflexionsgrades sehr beeindruckt hat, hat mich „Monique bricht aus“ nun eher ernüchtert. Die Geschichte bleibt inhaltlich dünn, und nach insgesamt vier Romanen, in denen Louis seine Familie thematisiert, nutzt sich der Ansatz doch sehr ab. Auch stilistisch bietet Édouard Louis nichts Neues. Er wechselt wieder zwischen der erzählerischen Ebene in Normalschrift und kursiv gesetzten Einschüben in Umgangssprache. Ich bekam insgesamt den Eindruck, dass Louis versucht, nach bewährtem Muster aus seiner Familiengeschichte einen weiteren kommerziellen Erfolg zu generieren. Anders als bei „Das Ende von Eddy“ fehlt mir hier jedoch eine höhere Abstraktionsebene, und die gesellschaftspolitischen Schlüsse, die Louis zieht, wirken recht trivial. Verwunderlich ist zudem, dass er die Freiheit einer Frau an rein ökonomischen Faktoren festmacht, während er soziale und intellektuelle Aspekte außen vor lässt. Seine sehr linke Position, nach der ausschließlich die herrschenden Klassenverhältnisse für die Lage seiner Mutter verantwortlich sind, ist mir zudem viel zu einfach, da er die individuelle Verantwortung komplett unberücksichtigt lässt.
Insgesamt hat mich dieses Buch leider enttäuscht, und es wird wohl mein letztes von Édouard Louis gewesen sein.

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