Ein Schrein für die Ewigkeit
Der Schrein der KönigeSabine Weiß entführt die Leser:innen mit der Geschichte des Dreikönigsschreins ins mittelalterliche Köln. Die Zeit der mächtigen Staufer-Kaiser und der Kreuzzüge. Auf einem dieser holte der Erzbischof ...
Sabine Weiß entführt die Leser:innen mit der Geschichte des Dreikönigsschreins ins mittelalterliche Köln. Die Zeit der mächtigen Staufer-Kaiser und der Kreuzzüge. Auf einem dieser holte der Erzbischof Reinald von Dassel die Gebeine der Heiligen Drei Könige in einem Fass von Mailand nach Köln. Einige Jahre später wollte der Erzbischof Philipp I. von Heinsberg die Gebeine würdevoll präsentieren und damit das Bistum Köln gegenüber den Mainzern stärken. Er dachte an einen goldenen Schrein. Der Auftrag gelangte zu Nicolaus von Verdun, der sich bereits durch die maßgebliche Mitgestaltung des Ambos von Klosterneuburg einen Namen gemacht hatte.
Nicolaus hadert mit der Annahme des Auftrags nach zwei verheerenden Schicksalsschlägen. Seine Frau und sein ältester Sohn, der sein Handwerk übernehmen sollte, sind kurz hintereinander nach schweren Krankheiten gestorben. Er zweifelt an Gott, ergießt seine Sorgen im Alkohol und kann nicht mehr arbeiten. Angetrieben von der Sorge um die Zukunft seiner verbliebenen Kinder Louis, Anne und Bastien nimmt er den Auftrag an. Zusammen mit ihnen und der Katze Grigli macht er sich auf den nicht ungefährlichen Weg nach Köln in eine ungewisse Zukunft. In der Domstadt fühlt sich Nicolaus alles andere als willkommen: Sein Bruder Charles hat sich nicht wie versprochen um eine Bleibe gekümmert. Bei den hiesigen Goldschmieden stößt er auf Ablehnung. Im Umfeld des Erzbischofs wird er angefeindet. Die Zweifel verstärken sich, ob diese Entscheidung die richtige war.
Sabine Weiß beschreibt sehr plastisch die damaligen Verhältnisse in Köln. Das politische Kalkül, welches den Alltag bestimmte, aber auch die menschlichen Beziehungen und den täglichen Kampf ums Überleben. Es ist herzzerreißend mitzuerleben, wenn der kleine Bastien schwer erkrankt ist und Gevatter Tod bereits nach ihm greift. Nicolaus' Wut auf seinen Sohn Louis ist ebenso nachvollziehbar wie seine Zweifel an seinen Erziehungsmethoden. Es wärmt das Herz, wenn der Waisenjunge Neles, der auf der Straße lebt, bei Nicolaus zumindest einen Platz als Aushilfe bekommt. Die Leser:innen stehen neben Nicolaus, wenn er an seinen Gold- oder Silberschmiedearbeiten sitzt. Sie spüren seine wieder gewonnene Begeisterung für dieses Handwerk. Im Gegensatz dazu wirken die hin und wieder eingestreuten Informationen der damaligen Weltpolitik wie im Schnelldurchlauf. Wenn die Leser:innen damit nicht vertraut sind, werden sie schnell abgelenkt und überfordert.
Fazit: Der historische Roman "Der Schrein der Könige" verknüpft das persönliche Schicksal des Goldschmieds Nicolaus von Verdun mit der Entstehung des Dreikönigsschreins. Die Autorin nimmt die Leser:innen mit in das historische Köln und lässt sie an den Lebenswelten der damaligen Bevölkerung teilhaben. Das Begeisterung für das Goldschmiedehandwerk wird lebendig dargestellt. Eine klare Empfehlung für Liebhaber:innen historischer Romane aus dieser Zeit.