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Veröffentlicht am 20.05.2025

Perlen der Erinnerungen

Perlen
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Zunächst vorab: Dies ist kein Wohlfühlroman, aber ein äußerst lesenswertes Buch, das tief unter die Haut geht und auch Stellenweise weh tut.
In 'Perlen' von Siân Hughes begleiten wir Marianne, die mit ...

Zunächst vorab: Dies ist kein Wohlfühlroman, aber ein äußerst lesenswertes Buch, das tief unter die Haut geht und auch Stellenweise weh tut.
In 'Perlen' von Siân Hughes begleiten wir Marianne, die mit gerade einmal acht Jahren ihre Mutter verliert. Diese liebenswerte Frau verlässt das Haus und kehrt nie wieder zurück.
Zurück bleiben Marianne, ihr kleiner Bruder Joe, der noch ein Baby ist, und der Vater Edward.
Was genau mit der Mutter geschah, können wir im Laufe der Geschichte nur erahnen.
Der Roman trägt durchgehend eine melancholische Grundstimmung, und es ist kaum auszuhalten, wie sehr Marianne unter dem Verlust leidet. Viele Jahre lang versucht sie, zu verstehen, was passiert ist.
Es schien doch alles so schön - ein perfektes Familienidyll, so scheint es auf den ersten Blick.
Doch Marianne wächst mit einer tiefen Verlorenheit und Trauer auf, gespickt mit Schuldgefühlen, die mir sehr ans Herz gegangen sind.
Warum hat sie es nicht bemerkt, als die Mutter ging? Hätte sie sie vielleicht sogar aufhalten können? Diese Fragen beschäftigen sie, und kein Kind sollte ein solches Päckchen mit sich herumtragen müssen.
Als Marianne schließlich selbst Mutter wird und sich die Puzzelteile langsam zusammenfügen, beginnt sie, die Geschehnisse zu verstehen und zu verarbeiten.
Ein Weg dorthin ist hart, und wird auf eine rohe und doch poetische Weise erzählt.
Besonders interessant ist die Verbindung zu dem mittelenglischen Gedicht 'Pearl', das in der Geschichte eine zentrale Rolle spielt.
Nach Beendigung des Buches empfehlen ich, die Übersetzung dieses Gedichtes zu lesen - es bringt noch einmal einiges klarer zum Ausdruck.
'Perlen' ist ein bewegendes Buch mit einer gewissen Schwere und ordentlich Tiefgang, das bei mir lange nachwirkt.

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Veröffentlicht am 16.05.2025

Strandliebe

Mein Leben am Strand
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So, ich wäre dann so weit ...
Nun bin ich endlich bereit, einen Italien-Strandurlaub zu planen.
Dank des Buches 'Mein Leben am Strand' von Stefan Maiwald weiß ich jetzt genau, worauf es ankommt: Wie man ...

So, ich wäre dann so weit ...
Nun bin ich endlich bereit, einen Italien-Strandurlaub zu planen.
Dank des Buches 'Mein Leben am Strand' von Stefan Maiwald weiß ich jetzt genau, worauf es ankommt: Wie man den perfekten Ort findet um sich häuslich niederzulassen (die erste Reihe der Sonnenliegen ist nicht gleichzeitig die Beste Wahl ☝🏻), worauf man achten muss, mit wem man die besten Unterhaltungen führen und gleichzeitig seine Ruhe genießen kann.
Außerdem habe ich gelernt, wen man ein bisschen bestechen muss, um hin und wieder eine zusätzliche Liege zu ergattern - all das und noch vieles mehr lässt sich in diesem unterhaltsamen Werk nachlesen.
Ich gebe zu, ich habe das Buch während meines Urlaubs in Griechenland gelesen, abseits der Sonnenliegen und Sonnenschirmen.
Dennoch hat es mich köstlich amüsiert und inspiriert.
Stefan Maiwald, der selbst in Grado an der Nordküste der Adria lebt, nimmt uns mit auf eine Reise durch die gesamte Saison am Strand.
Dabei lernen wir einige seiner Strandbuddys kennen und lieben.
Den einen mehr, den anderen weniger. 😉
Meine Favoritin ist natürlich Valentina, neben ihr würde ich auch zu gerne meine Strandtage verbringen und hin und wieder in gepflegtes schimpfen und lästern verfallen.
Das Buch ist wirklich unterhaltsam und äußerst sympathisch geschrieben und somit ruckzuck weggesnackt ...
Ein luftigleichter Sommerhappen für zwischendurch!

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Veröffentlicht am 30.04.2025

Wurzeln

Beeren pflücken
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Einen schönen Abschluss meines Lesemonats April hat mir der Roman 'Beeren pflücken' von Amanda Peters beschert.
Er erzählt die Geschichte einer indigenen Mi'kmaq Familie, die jedes Jahr von Nova Soctia ...

Einen schönen Abschluss meines Lesemonats April hat mir der Roman 'Beeren pflücken' von Amanda Peters beschert.
Er erzählt die Geschichte einer indigenen Mi'kmaq Familie, die jedes Jahr von Nova Soctia nach Maine zieht, um den Sommer über bei der Blaubeerernte zu helfen.
Die jüngste der fünf Geschwister, Ruthie, wartet stets geduldig auf einen Stein und spielt mit ihrer Stoffpuppe.
Eines Tages ist Ruthie verschwunden und taucht trotz endloser Suchaktionen nicht wieder auf.
Dieser Teil der Erzählung wird aus der Perspektive des zweitjüngsten Familienmitglieds, Joe, geschildert.
Der zweite Handlungsstrang dreht sich um Norma. Sie wächst als Einzelkind bei einer äußerst ängstlich und fast schon erdrückenden Mutter sowie einem eher zurückhaltenden Vater auf. Obwohl sie sehr geliebt wird, fehlt ihr dennoch etwas.
Komische Träume, ungewöhnliche Empfindungen und eine dunklere Hautfarbe begleiten sie lange Zeit in ihrem Leben.
Der Klappentext verrät bereits die Verbindung zwischen den beiden Handlungssträngen, doch im Verlauf der Geschichte passiert noch so viel mehr. Als Leser fiebert man mit und ist einfach nur gespannt, wie alles weitergeht.
Der Roman liest sich unglaublich flüssig, und besonders die Handlung um Joe hat mir sehr gefallen.
Seine Schuldgefühle, Wut, Schmerz und Ziellosigkeit, aber auch die Hoffnung, die ihn antreibt, prägen sein Leben.
Das Buch bietet eine Vielzahl an Themen, ohne dabei überladen zu wirken. Es ist nicht immer leicht zu lesen, was diese Familie alles durchmachen muss, doch ich habe das Lesen die ganze Zeit über sehr genossen, weil es einfach ein großartiger Roman ist.
Ich empfehle ihn sehr gerne weiter! 🙂

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Veröffentlicht am 23.04.2025

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Wild wuchern
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'Wild wuchern' von Katharina Köller hat mich wirklich begeistert.
Das Buch ist super kurzweilig, mit interessanten Figuren, tiefgründigen und kritischen Themen. Die Sprache ist toll, die Familiengeschichte ...

'Wild wuchern' von Katharina Köller hat mich wirklich begeistert.
Das Buch ist super kurzweilig, mit interessanten Figuren, tiefgründigen und kritischen Themen. Die Sprache ist toll, die Familiengeschichte spannend, und zwischendurch gibt es humorvolle Momente.
Die Geschichte beginnt mit Maries Flucht vor ihrem tyrannischen Partner.
Sie rennt nachts bergauf zur Almhütte ihrer Cousine Johanna um dort Schutz zu finden.
Da die beiden seit ihrer Jugend keinen engen Kontakt mehr hatten und unterschiedlicher nicht sein könnten, entwickelt sich ein spannender Prozess des Annäherns, des gegenseitigen Verstehens und des Findens zueinander.
Ich mochte die schweigsame und recht harsch wirkende Johanna sehr gerne.
Dort oben, alleine mit ihren Tieren, führt sie ein friedliches Leben und hat wahrscheinlich mehr mit der neuen Situation zu kämpfen als Marie.
Marie kennt es nicht anders, sie passt sich an und will gefallen, schon immer und bleibt dabei natürlich auf der Strecke.
Was mich überrascht hat: Mir ist erst nach dem Lesen aufgefallen, dass das Buch keine Kapitel hat.
Das hat mich aber überhaupt nicht gestört, denn ich wollte einfach immer weiterlesen und habe dabei nicht wie sonst immer mal wieder geschaut, wann Zeit für eine (Kapitel)-Pause ist.
Die eingewebte österreichische Mundart hat mir sehr gut gefallen, ebenso die vielen klugen Zitate.
Ich hätte mir alle markieren sollen, doch ich wollte mich nicht aus der Geschichte herausreißen lassen.
Ein Zitat, das mir besonderes im Gedächtnis geblieben ist, lautet:
"Seit du da bist, bin ich einsam."
Das hat mich sehr berührt.
Es gibt in diesem Roman einiger dieser ehrlichen, tiefgehenden und manchmal auch krassen Zitate.
Alles in allem ein tolles Buch, das ich auf jeden Fall weiterempfehlen kann.

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Veröffentlicht am 29.03.2025

Das Echo der Moore

Das Echo der Moore
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„Das Echo der Moore“ von Nicole Wellemin ist ein spannender Familienroman, der mit einem eindrucksvollen Setting begeistert. Der Autorin gelingt es, die mystische Atmosphäre der Moorlandschaft nicht nur als gruselige Kulisse darzustellen, sondern deren Faszination in ...

„Das Echo der Moore“ von Nicole Wellemin ist ein spannender Familienroman, der mit einem eindrucksvollen Setting begeistert. Der Autorin gelingt es, die mystische Atmosphäre der Moorlandschaft nicht nur als gruselige Kulisse darzustellen, sondern deren Faszination in den Vordergrund zu stellen.
In der Geschichte begleiten wir die Zwillinge Chrissi und Resi, die in ihrer Kindheit im Schatten ihres schwerkranken Bruders Anselm aufwachsen. Die beiden Mädchen navigieren durch eine quasi selbstständige Kindheit, in der sie oft von ihrer Mutter, Helene, übersehen werden. Der Roman thematisiert eindrucksvoll den Verarbeitungsprozess der Schwestern, die sich nach einem Zerwürfnis langsam und Schritt für Schritt wieder einander annähern.
Die Erzählung wechselt zwischen Vergangenheit und Gegenwart und bietet Perspektiven aus den Blickwinkeln von Chrissi, Resi und ihrer Mutter. Dabei werden zahlreiche spannende Themen angesprochen, wie die Bedeutung und Faszination von Moorlandschaften, die Dynamik der Schwesternschaft, die Herausforderungen von Schattenkindern, chronische Krankheiten sowie die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens. Auch die Liebe findet ihren Platz in dieser Erzählung.
Wellemins Schreibstil ist atmosphärisch und flüssig, was das Lesen zu einem angenehmen Erlebnis macht. Die Handlung hält einen stets bei der Stange und weckt die Neugier auf das nächste Kapitel. 
Ich hatte auf jeden Fall eine gute Lesezeit.

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