Ein kraftvoller Text
HunchbackShaka Izawa wird mit einer Muskelerkrankung geboren und lebt nach dem Tod ihrer Eltern in einem Pflegeheim. Da ihre Wirbelsäule stark verkrümmt ist, ist sie auf einen Rollstuhl und ein Beatmungsgerät angewiesen. ...
Shaka Izawa wird mit einer Muskelerkrankung geboren und lebt nach dem Tod ihrer Eltern in einem Pflegeheim. Da ihre Wirbelsäule stark verkrümmt ist, ist sie auf einen Rollstuhl und ein Beatmungsgerät angewiesen. Ihre Zeit vertreibt sie sich mit dem Schreiben erotischer Artikel und Kurzgeschichten und dem Teilen ihrer Gedanken auf Social Media – alles anonym, wie sie glaubt. Doch einiges Tages spricht ein Pfleger sie auf ihre Beiträge an, was Shaka nutzt, ihm ein unmoralisches Angebot zu machen.
„Hunchback“ ist der Debütroman der japanischen Autorin Saou Ichikawa, die selbst aufgrund einer angeborenen Myopathie im Rollstuhl sitzt und ein Beatmungsgerät nutzt. Sie ist die erste Schriftstellerin mit einer Behinderung, die den berühmten Akutagawa-Preis erhielt, die deutsche Übersetzung des Textes stammt von Katja Busson. Erzählt wird die Geschichte von der Protagonistin selbst in der Ich- und Gegenwartsform, was das Geschehen sehr eindringlich und unmittelbar wirken lässt.
Shaka spricht in ihren Texten Gedanken aus, die für eine Frau mit Behinderung ungehörig scheinen. „Im nächsten Leben werde ich Edelnutte.“, schreibt sie oder „Ich würde gerne schwanger werden und abtreiben.“ Was zunächst schockierend wirken mag, ist einfach nur Ausdruck des Wunsches nach Normalität, nach Körperlichkeit und Selbstbestimmung – Rechte, die behinderten Menschen nur allzu oft abgesprochen werden. Als sich für Shaka eine Gelegenheit bietet, einen dieser Wünsche aktiv umzusetzen, ergreift sie diese Chance, doch das alles ist nicht so unkompliziert, wie sie es sich vorgestellt hat.
„Hunchback“ ist ohne Frage ein kraftvoller Text, der einen Einblick in das Leben einer behinderten Frau mit all ihren Wünschen und Sehnsüchten gibt und aufzeigt, welchen Beschränkungen und gesellschaftlichen Ansichten sie ausgesetzt ist. Man muss jedoch auch sagen, dass Shaka – trotz ihrer Einschränkungen – ein sehr privilegiertes Leben führt. Sie ist reich, besitzt das gesamte Heim, in dem sie wohnt und hat Einnahmen aus weiteren Immobilien. Sie wird nie im selben Maße so von anderen Abhängigkeit sein, wie wohl der Großteil behinderter Menschen.