Ein Laden zum Wohlfühlen
Der kleine Laden des Herrn TakaradaIm Tokioter Stadtteil Ginza liegt der kleine Schreibwarenladen von Ken Takarada. Hier finden Kunden nicht nur eine große Auswahl an Papier, Notizbüchern oder Schreibgeräten, sondern der Inhaber hilft auch ...
Im Tokioter Stadtteil Ginza liegt der kleine Schreibwarenladen von Ken Takarada. Hier finden Kunden nicht nur eine große Auswahl an Papier, Notizbüchern oder Schreibgeräten, sondern der Inhaber hilft auch beim Verfassen schwieriger Briefe. Hierzu hat er im Obergeschoss einen ruhigen Ort mit einem großen Schreibtisch geschaffen, an dem der Brief entworfen und geschrieben werden kann. Dabei hat Takarada-san stets ein paar aufbauende Worte übrig und greift manchmal auch ein wenig ins Geschehen ein.
„Der kleine Laden des Herrn Takarada“ von Kenji Ueda ist Band 1 einer Reihe, die im japanischen Original bereits 5 Bände umfasst; die deutsche Übersetzung stammt von Rainer Schmidt. Jedes der fünf Kapitel ist dabei aus der Sicht einer Kundin oder eines Kunden in der Ich- und Vergangenheitsform erzählt, so dass wir den Inhaber aus verschiedenen Perspektiven erleben. Gleichzeitig ist jedes Kapitel auch einer bestimmten Schreibware gewidmet, die im Fokus steht, zum Beispiel das Notizbuch oder der Füller – eine interessante Herangehensweise.
Der Schreibwarenladen „Shihodo“ ist ein echter Ort zum Wohlfühlen. Inhaber Takarada-san berät all seine Kunden mit Verständnis und gibt ihnen die Zeit, wichtige Briefe in seinem Laden zu schreiben. Da ist beispielsweise Berufseinsteiger Rin, der seiner Großmutter von seinem ersten Gehalt ein Geschenk mit Begleitbrief senden möchte, um sich bei ihr für ihre Unterstützung zu bedanken. Oder der Unternehmer Herr Minatogawa, der mit der Trauerrede für seine Ex-Frau hadert, die er vor der ganzen Familie vortragen soll.
Kenji Ueda gelingen mit seinem Roman „Der kleine Laden des Herrn Takarada“ zwei Dinge gleichzeitig: Auf der einen Seite erzählt er kurze Episoden aus dem Leben einer oder mehrerer Personen, die aber dennoch in sich abgeschlossen sind. Auf der anderen Seite setzt er anhand dieser fremden Perspektiven ein Bild des Inhabers zusammen und wir erfahren zumindest Fragmente aus seinem Leben. Für zukünftige Bände würde ich mir hier noch mehr Informationen wünschen, damit seine Person mehr Tiefe erhält. Dennoch ein sehr schöner Reihenstart!