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Veröffentlicht am 21.04.2025

Der bisher beste Band der Reihe

Der Inugami-Fluch
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Als das Oberhaupt der Familie Inugami, ein reicher Geschäftsmann und Besitzer eines Seidenimperiums, stirbt, wendet sich einer seiner Anwälte an Kosuke Kindaichi, denn er befürchtet, dass nun ein unerbittlicher ...

Als das Oberhaupt der Familie Inugami, ein reicher Geschäftsmann und Besitzer eines Seidenimperiums, stirbt, wendet sich einer seiner Anwälte an Kosuke Kindaichi, denn er befürchtet, dass nun ein unerbittlicher Kampf zwischen den Verwandten ausbrechen wird. Und tatsächlich löst die Testamentseröffnung Konflikte innerhalb der Familie aus – genau wie Sahei Inugami es geplant hatte. Bald darauf geschieht ein erster Mord und Detektiv Kindaichi macht sich auf die Suche nach dem Täter. Dabei kommen auch jede Menge Geheimnisse ans Licht.

„Der Inugami-Fluch“ von Seishi Yokomizo ist der vierte, im Deutschen erschienene Band der Reihe um den etwas seltsamen, aber brillanten Detektiv Kosuke Kindaichi. Das Original wurde bereits 1950 veröffentlicht, die deutsche Übersetzung stammt von der großartigen Ursula Gräfe. Erzählt wird die Geschichte in der dritten Person und der Vergangenheitsform vom Autor selbst, der auch immer wieder auf vorhergegangene Bände verweist und einen Überblick über das gesamte Material des Falls hat. Der Schreibstil ist daher eher berichtartig, eine sachliche Dokumentation der Verbrechen.

Der Ausgangspunkt der Handlung ist recht klassisch; ein Mann ist verstorben und seine Familie streitet sich um das Erbe. Im Fall der Familie Inugami wird dieses durch drei Insignien repräsentiert: Chrysantheme, Koto und Axt. Wer sie besitzt, hat das Sagen und so ist es besonders grausam, dass diese Symbole bei der folgenden Mordserie aufgegriffen werden. Durch die Menge an Charakteren (für die es zum Glück ein Personenregister gibt) und zahlreiche plötzliche Wendungen bleibt es bis zuletzt spannend.

Auch wenn Elemente wie der Streit um das Erbe, Familiengeheimnisse und aus dem Krieg zurückkehrende Söhne sich stets zu wiederholen scheinen, ist „Der Inugami-Fluch“ für mich absolut lesenswert und der bisher beste Band der Reihe. Das Setting hat mir gut gefallen und die Handlung war nicht so konstruiert, wie in manch einem der Vorgängerbände. Zusätzlich brachte das Einbeziehen der Familieninsignien noch einen zusätzlichen Spannungspunkt und eine Vorausdeutung darauf, was zwangsläufig noch passieren musste.

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Veröffentlicht am 09.04.2025

Ein Laden zum Wohlfühlen

Der kleine Laden des Herrn Takarada
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Im Tokioter Stadtteil Ginza liegt der kleine Schreibwarenladen von Ken Takarada. Hier finden Kunden nicht nur eine große Auswahl an Papier, Notizbüchern oder Schreibgeräten, sondern der Inhaber hilft auch ...

Im Tokioter Stadtteil Ginza liegt der kleine Schreibwarenladen von Ken Takarada. Hier finden Kunden nicht nur eine große Auswahl an Papier, Notizbüchern oder Schreibgeräten, sondern der Inhaber hilft auch beim Verfassen schwieriger Briefe. Hierzu hat er im Obergeschoss einen ruhigen Ort mit einem großen Schreibtisch geschaffen, an dem der Brief entworfen und geschrieben werden kann. Dabei hat Takarada-san stets ein paar aufbauende Worte übrig und greift manchmal auch ein wenig ins Geschehen ein.

„Der kleine Laden des Herrn Takarada“ von Kenji Ueda ist Band 1 einer Reihe, die im japanischen Original bereits 5 Bände umfasst; die deutsche Übersetzung stammt von Rainer Schmidt. Jedes der fünf Kapitel ist dabei aus der Sicht einer Kundin oder eines Kunden in der Ich- und Vergangenheitsform erzählt, so dass wir den Inhaber aus verschiedenen Perspektiven erleben. Gleichzeitig ist jedes Kapitel auch einer bestimmten Schreibware gewidmet, die im Fokus steht, zum Beispiel das Notizbuch oder der Füller – eine interessante Herangehensweise.

Der Schreibwarenladen „Shihodo“ ist ein echter Ort zum Wohlfühlen. Inhaber Takarada-san berät all seine Kunden mit Verständnis und gibt ihnen die Zeit, wichtige Briefe in seinem Laden zu schreiben. Da ist beispielsweise Berufseinsteiger Rin, der seiner Großmutter von seinem ersten Gehalt ein Geschenk mit Begleitbrief senden möchte, um sich bei ihr für ihre Unterstützung zu bedanken. Oder der Unternehmer Herr Minatogawa, der mit der Trauerrede für seine Ex-Frau hadert, die er vor der ganzen Familie vortragen soll.

Kenji Ueda gelingen mit seinem Roman „Der kleine Laden des Herrn Takarada“ zwei Dinge gleichzeitig: Auf der einen Seite erzählt er kurze Episoden aus dem Leben einer oder mehrerer Personen, die aber dennoch in sich abgeschlossen sind. Auf der anderen Seite setzt er anhand dieser fremden Perspektiven ein Bild des Inhabers zusammen und wir erfahren zumindest Fragmente aus seinem Leben. Für zukünftige Bände würde ich mir hier noch mehr Informationen wünschen, damit seine Person mehr Tiefe erhält. Dennoch ein sehr schöner Reihenstart!

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Veröffentlicht am 31.03.2025

Interessanter Rätselkrimi

HEN NA E - Seltsame Bilder
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Es ist der 19. Mai 2014, als der Student Shūhei Sasako zum ersten Mal von dem mysteriösen Blog erfährt. Ein gewisser Ren Nanashino (Nanashino = japanisches Äquivalent zu unserem „Mustermann“) berichtet ...

Es ist der 19. Mai 2014, als der Student Shūhei Sasako zum ersten Mal von dem mysteriösen Blog erfährt. Ein gewisser Ren Nanashino (Nanashino = japanisches Äquivalent zu unserem „Mustermann“) berichtet dort von seiner Frau Yuki, deren Schwangerschaft und ihrem plötzlichen Tod. Illustriert sind die Einträge mit seltsamen Zeichnungen, die Yuki selbst angefertigt hat. Am 28. November 2012 schreibt Ren dann überraschend, dass er den Blog nicht mehr aktualisieren wird. Shūhei ist enttäuscht – er muss unbedingt herausfinden, was aus Ren geworden ist und was die Zeichnungen zu bedeuten haben.

„HEN NA E. Seltsame Bilder“ ist der erste Roman des anonymen Autors Uketsu, der stets mit schwarzem Ganzkörperanzug und weißer Maske auftritt. Die Übersetzung aus dem Japanischen stammt von Heike Patzschke. Der Autor wird als Schöpfer eines neuen Trend-Genres verstanden, dem „Sketch Mystery-Roman“. Jedes der insgesamt vier Kapitel befasst sich mit einer oder mehreren Zeichnungen, anhand deren ein konkreter Fall gelöst wird. Diese Bilder, die Blogeinträge sowie weitere Skizzen und Berichte bilden den Kern der eigentlichen Kriminalhandlung.

Zu Beginn wirken die vier Kapitel sowie die vorgeschaltete kurze Erzählung sehr willkürlich und scheinen nur die Zeichnungen gemeinsam zu haben. Durch die Perspektiven der unterschiedlichsten Figuren setzt sich jedoch bald nach und nach aus Puzzleteilen ein Gesamtbild zusammen und es wird klar, wie alles miteinander zusammenhängt. Der Schreibstil ist dabei sehr sachlich, die Handlung eher konstruiert – für mich passte das aber gut zu dieser Art des Rätselkrimis, Hier geht es eher darum faktisch darzustellen, wie und warum etwas geschehen ist, als in schöner literarischer eine Geschichte zu erzählen.

Mir hat diese andere Form des Kriminalromans gut gefallen, ich bin aber auch gespannt, wie gut sie auf Dauer funktioniert und ob sich dieses spezielle Genre nicht schnell abnutzt. Wer gerne miträtselt und versteckte Hinweise sucht, kann an diesem Buch sicherlich viel Spaß haben. Darüber hinaus gibt der Aufbau der Handlung den Charakteren mehr Tiefe und wirft diskussionswürdige Fragen auf.

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Veröffentlicht am 29.03.2025

Solide Fortsetzung der Reihe

Amari und der Preis der Magie
1

Das Spiel der Magier ist beendet und hat die gesamte übernatürliche Welt ins Chaos gestürzt. Amari und ihre Freunde Elsie und Jayden sind nun als Verräter gebrandmarkt und müssen sich verstecken, während ...

Das Spiel der Magier ist beendet und hat die gesamte übernatürliche Welt ins Chaos gestürzt. Amari und ihre Freunde Elsie und Jayden sind nun als Verräter gebrandmarkt und müssen sich verstecken, während ihr großer Widersacher Dylan van Helsing geheime Umsturzpläne schmiedet. Auch in der Oberbehörde ist Amari nicht mehr willkommen, seit Elaine Harlowe dort zur Präsidentin wurde. Auf diese Weise isoliert, versucht die Nachwuchsagentin ihr Bestes, um Dylan aufzuhalten, doch selbst ihr Bruder Quinton scheint in ihr keine große Hilfe zu sehen. Was können Amari und ihre Freunde überhaupt ausrichten, wenn niemand an sie glaubt?

Nach fast 2,5 Jahren erscheint nun endlich der dritte Band „ Amari und der Preis der Magie“ aus B.B. Alstons Reihe rund um die junge Amari Peters; die deutsche Übersetzung stammt erneut von Katrin Segerer und Jennifer Michalski. Erzählt wird aus der Protagonistin Amari in der Ich- und Gegenwartsform, so dass wir immer nur so viel wissen, wie unsere Heldin selbst. Bei wem die Lektüre des zweiten Bandes, wie bei mir, schon ein wenig her ist, sollte den Inhalt nochmals etwas auffrischen. Hier hätte ich mir einen Rückblick zu Beginn des Buches gewünscht. Zwar werden viele Geschehnisse angedeutet, so manchen Zusammenhang hatte ich aber nicht mehr parat.

Als Amari und ihre Freunde endlich erfahren, welche grausamen Pläne Dylan verfolgt, machen sie sich auf die Suche nach einer Reihe magischer Artefakte. Dabei werden sie von einigen neuen Verbündeten unterstützt, schleichen sich auf einen Ball oder suchen in einem düsteren Gefängnis nach Informationen. Gut gefällt mir, dass dabei die Taten der Jugendlichen immer im Rahmen ihrer Fähigkeiten und Möglichkeiten bleiben und niemand hier Übermenschliches leisten muss, auch wenn Amari für ihr Alter viel Verantwortung auf sich nimmt.

In „Amari und der Preis der Magie“ wird zwar ein Handlungsstrang abgeschlossen, vieles bleibt aber für weitere Bände offen, vor allem Amaris zukünftige Rolle in der übernatürlichen Welt. Ein solider Band der Reihe über Geschwisterliebe und die Frage, was wir für unsere Freunde zu opfern bereit sind.

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Veröffentlicht am 20.03.2025

Ein Klassiker der japanischen Literatur

Nicht länger ein Mensch. Roman. Das Kultbuch aus Japan
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Yōzō Ōba ist schon als Kind der Außenseiter in seiner Familie. Er kann die Welt um sich herum nicht recht begreifen und überspielt seine Ängste mit Clownereien, weshalb ihn niemand ernst nimmt. So wird ...

Yōzō Ōba ist schon als Kind der Außenseiter in seiner Familie. Er kann die Welt um sich herum nicht recht begreifen und überspielt seine Ängste mit Clownereien, weshalb ihn niemand ernst nimmt. So wird aus einem unsicheren Jungen ein ebenso unsicherer Mann, der zu viel Alkohol trinkt, Prostituierte aufsucht und nie Geld hat. Als er dann die Hostess Tsuneko kennenlernt, nimmt das Unglück seinen Lauf.

„Nicht länger ein Mensch“ von Osamu Dazai ist ein Klassiker der japanischen Literatur und wurde im Original 1948 als dreiteilige Serie veröffentlicht. Im Anaconda Verlag ist nun eine Neuübersetzung von Sabrina Wägerle in einer schönen gebundenen Ausgabe erschienen. Erzählt wird die Geschichte in insgesamt drei Notizbüchern, die der Protagonist Yōzō selbst verfasst hat. In einer kurzen selbstreflexiven Rahmenhandlung erfahren wir, wie der Schriftsteller über eine Bekannte an die Notizbücher und drei zugehörige Fotos gekommen ist und daraus einen Roman machen konnte.

In der Geschichte wird mehrmals die Ansicht vertreten, Yōzōs Vater sei der Grund, warum sein Sohn im Leben gescheitert sei. Und zugegeben: der Junge fürchtet seinen strengen Vater und fühlt sich zuhause nicht wohl. Doch auch, als er zum Studium wegzieht, kann er sich aus der Abhängigkeit von seinen Verwandten nicht befreien. Die Vorstellung, einer geregelten Arbeit nachzugehen, schreckt ihn ab und so ist er oft auf finanzielle Hilfe anderer angewiesen. Dem japanischen Arbeitsethos kann er nicht entsprechen.

Yōzō Ōba ist ein Paradebeispiel für die Frage, ob der Mensch ein Opfer seiner Umstände ist oder ob er sich von seinem Schicksal befreien kann. In gewissem Maß kann ich Mitleid mit ihm haben, auf der anderen Seite ist er aber auch ein Mensch, der andere mit in den Abgrund reißt, der Frauen ohne jeglichen Respekt behandelt und seine Partnerinnen im Stich lässt. An diesen Stellen liest sich der Text schwer, dabei muss aber wohl auch beachtet werden, dass er ein Produkt seiner Zeit und in Teilen autobiografisch ist. Da der Autor nach Erscheinen des letzten Teils Selbstmord beging, wird „Nicht länger ein Mensch“ als sein Abschiedsbrief verstanden.

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