Ein Streifzug durch patriarchale Mythen
Witches, Bitches, It-GirlsMit „Das Patriarchat der Dinge“ hat die Autorin und Journalistin Rebekka Endler ein Werk vorgelegt, an das ich immer wieder denken muss und aus dem ich immer wieder zitiere – meistens, wenn ich wütend ...
Mit „Das Patriarchat der Dinge“ hat die Autorin und Journalistin Rebekka Endler ein Werk vorgelegt, an das ich immer wieder denken muss und aus dem ich immer wieder zitiere – meistens, wenn ich wütend bin. Nun ist mit „Witches, Bitches, It-Girls“ ihr zweites Buch erschienen, in welchem sie in insgesamt 9 Kapitel darstellt, wie patriarchale Mythen uns prägen, wie sie unser Denken und Handeln bestimmen und wie wir das Patriarchat selbst weiter am Laufen halten.
Bei Rebekka Endler beginnt und endet alles mit Pandora, einem perfekten Beispiel der weiblichen Schuldigen, die – wie auch schon die biblische Eva – für alle Übel auf der Welt verantwortlich gemacht wird. Doch was muss die Antwort sein, auf all diese „patriarchalen Beben“, die sich aktuell auf der ganzen Welt ereignen? Der Autorin zufolge kann es da nur eine Antwort geben: intersektionaler Feminismus.
Das Buch beschäftigt sich mit einer wahren Vielzahl an Themen: Die ständige Inszenierung der Frau als Opfer und Objekt, der angeblich zunehmende „Männerhass“ oder die Instrumentalisierung der als „Karen“bezeichneten genervten Frau. Darüber hinaus entlarvt sie Mythen, wie die der angeblich gehäuft auftretenden Falschanschuldigungen gegen Männer, die Ideologie der Tradwives oder die Darstellung der filles fatales in Film und Literatur. Besonders wichtig fand ich das Kapitel „Ist die Frau der Frau eine Wölfin“, denn wenn wir ehrlich sind, leisten auch wir Frauen oft genug dem Patriarchat Vorschub – Rebekka Endler nimmt sich da selbst nicht aus. Dennoch bleibt am Ende, wie bei Pandora, die Hoffnung.
„Witches, Bitches, It-Girls“ versteht sich als Brücke zwischen den unterschiedlichsten feministischen Sachbüchern und verhandelt daher keines der Themen erschöpfend. Endler bezeichnet ihr Buch selbst als einen „anekdotischen Streifzug“ und genau das ist es, was man als Leser*in erhält. Das wirkt manchmal ein wenig sprunghaft und hin und wieder ist in den Kapiteln das übergreifende Thema nicht ganz klar. Zudem hätte ich mir noch eine Literaturliste gewünscht. Das ist allerdings Jammern auf hohem Niveau; ein wichtiges, aber auch unterhaltsames Buch.