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Veröffentlicht am 07.07.2025

Faszinierendes Buch zum Thema Weltraum für die ganze Familie

National Geographic Kids - Jenseits der Unendlichkeit
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Das Buch widmet sich dem Superteleskop, dem James-Webb-Teleskop. Spannend zu lesen, dass es ganze 25 Jahre gebraucht hat, dieses zu entwickeln aber auch interessant, wie es aufgebaut ist und funktioniert. ...

Das Buch widmet sich dem Superteleskop, dem James-Webb-Teleskop. Spannend zu lesen, dass es ganze 25 Jahre gebraucht hat, dieses zu entwickeln aber auch interessant, wie es aufgebaut ist und funktioniert. Die Bilder von fernen Galaxien sind großartig und besonders der Vergleich zu dem Vorgängermodell, dem Hubbleteleskop, sind beeindruckend und faszinierend.
Zwischendrin kommen in Interviewform verschiedene Weltraumforscher zu Wort. Insbesondere mit welcher Leidenschaft und Expertise Frauen dieses technische Fach vertreten fand ich sehr inspirierend und vorbildlich.
Jetzt kommt leider das große Aber... meine beiden Kinder (8 und 11 Jahre) waren anfangs trotz der tollen Bilder wenig für das Buch zu begeistern. Zu unstrukturiert ist teilweise die Kapitelanordnung und zu viel Wissen wird bereits vorausgesetzt (Aufbau des Sonnensystems, Gravitation, ...), so dass das Lesen und Verstehen für sie alleine mühsam war. Erst durch meine Begeisterung und viel zusätzliche Erklärung wurde das Buch auch für sie spannend und interessant. Die Altersangabe ab 8 Jahre finde ich zu früh, es sei denn, das Kind ist ein ausgesprochener Astronomiefan. Als Buch für die ganze Familie mit der Möglichkeit, auf Fragen der Kinder direkt eingehen zu können, gibt es einen tollen Einblick zum Thema Weltraum und James-Webb-Teleskop.

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Veröffentlicht am 27.06.2025

Ein wenig wie ein alter französischer Film

Unsere Suche nach Zärtlichkeit
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Ein wenig erinnert der Roman mich an einen alten französischen Film - langsame Kamerafahrten, viel Zeit für das Bewegungsspiel der Mimik, immer etwas melancholisch, immer etwas schwierige Beziehungsthemen...
Als ...

Ein wenig erinnert der Roman mich an einen alten französischen Film - langsame Kamerafahrten, viel Zeit für das Bewegungsspiel der Mimik, immer etwas melancholisch, immer etwas schwierige Beziehungsthemen...
Als Leser starten wir in Brüssel, wo Dumont nachts als Telefonseelsorger arbeitet und tagsüber ein kleines Uhrengeschäft betreibt. Geschieden, scheu im Kontakt mit Frauen, rührt ihn plötzlich eine nächtliche anonyme Anruferin so an, dass er ihren Spuren nach Antibes folgt.
Der Roman ist grundsätzlich gut lesbar, wenngleich mich der Schreibstil jetzt nicht völlig in seinen Bann ziehen konnte bzw. mir etwas die Originalität gefehlt hat. Die Ortsbeschreibungen sind sehr ansprechend und man fühlt das Meer und die Sonne an der Côte d'Azur. Insgesamt ist es ein leiser Roman über die Sehnsucht nach Nähe und Zärtlichkeit, blieb mir an manchen Stellen dann leider doch etwas zu flach und stereotyp.

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Veröffentlicht am 14.06.2025

.Dystopie die philosophische Fragen aufwirft

Schweben
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Die Protagonistin, die sich selber nicht mehr an ihren Namen erinnert, nimmt im Rahmen ihres Berufes immer neue Identitäten an, um die Rolle der Schwester, Tochter, Freundin zu übernehmen. Das Setting ...

Die Protagonistin, die sich selber nicht mehr an ihren Namen erinnert, nimmt im Rahmen ihres Berufes immer neue Identitäten an, um die Rolle der Schwester, Tochter, Freundin zu übernehmen. Das Setting spielt in der Zukunft. Menschen leben in einer abgeschotteten Siedlung. Nach "draußen" zu gehen ist mit dem sicheren Tod assoziiert. Nach der Vergangenheit zu forschen, "mehr" zu wollen, nach Entwicklung zu streben, ist untersagt. Insbesondere die Jugendlichen leiden darunter. Aber insbesondere auch die Frauen sind überwiegend müde und erschöpft, antriebslos.
Die Dystopie eröffnet gedanklich einen Raum für philosophische Gedankenexperimente - inwieweit gibt das Wissen um unsere Herkunft und ein Streben nach Weiterentwicklung uns Halt, inwieweit lässt sich die Metapher des Schwebezustandes (insbesondere bei den Jugendlichen) auf unsere Gesellschaft übertragen, was hat es mit Erschöpfungssyndrom bei den Frauen auf sich.
Allerdings fand ich die Figuren nicht ganz ausgemalt und hätte mir an mancher Stelle noch mehr Tiefe gewünscht. Viele Themen werden reingebracht und angeschnitten. Gerade die Schilderung der toxischen Beziehung hätte es meiner Meinung nicht unbedingt gebraucht und ging für mein Empfinden zu Lasten der eigentlich interessanten Fragen des Buches. Es bleibt ein Gedankenexperiment, was aber für mein Empfinden an der Oberfläche bleibt.

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Veröffentlicht am 09.04.2025

Ein leiser, teils poetischer Roman

Schwimmen im Glas
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In dem Roman geht es um Lore, die in kleinen Sequenzen aus ihrer Kindheit erzählt. Ländlich aufwachsend in den 90er Jahren in Österreich, zwischen Eltern- und Großelternhaus pendelnd. Es gibt keine Unterteilung ...

In dem Roman geht es um Lore, die in kleinen Sequenzen aus ihrer Kindheit erzählt. Ländlich aufwachsend in den 90er Jahren in Österreich, zwischen Eltern- und Großelternhaus pendelnd. Es gibt keine Unterteilung in größere Kapitel. Nur Absätze markieren die gedanklichen Wechsel. Beim Lesen stellt sich schnell ein Fluss ein. Vieles bleibt aus dem kindlichen Verständnis und dessen unschuldigen Betrachtung heraus offen und unerklärlich. Und dennoch begleitet einen als Leser eine Ahnung, was der Großvater wohl erlebt haben mag, wie die Beziehungsqualitäten zwischen den Erwachsenen sein mögen, welche Rollenbilder Männer und Frauen in sich tragen. Schwimmen im Glas - ein poetischer Ausdruck über die Begrenztheit der Lebens- und Erlebensmöglichkeiten vor allem von Frauen in einem patriarchalem Umfeld. Ich mochte den leisen, feinfühligen Ton der Autorin, wie die Fragezeichen in der Luft hängen bleiben, vieles nicht ausgesprochen wird. Letztendlich waren es mir manchmal fast etwas zu viel Fragezeichen und Verbleiben in der Vorahnung beim Lesen. Dennoch ein lesenswertes Buch vor allem für diejenigen, die eine teilweise poetische Sprache schätzen.

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Veröffentlicht am 30.03.2025

Interessantes Gedankenexperiment

Für immer
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Maja Lunde geht in diesem Roman der Frage nach, was macht es mit Menschen, wenn plötzlich die Zeit stehen bleibt. Es stirbt niemand mehr, Babies werden nicht mehr geboren, Krankheiten kommen zum Stillstand. ...

Maja Lunde geht in diesem Roman der Frage nach, was macht es mit Menschen, wenn plötzlich die Zeit stehen bleibt. Es stirbt niemand mehr, Babies werden nicht mehr geboren, Krankheiten kommen zum Stillstand. Jedes Kapitel widmet sich jeweils einer Figur, was die Perspektiven auf das Thema erweitert - die todkranke Fotografin und Mutter Jenny, der Rentner Otto usw. Mit der Zeit verweben sich einzelne Biografien, treffen Figuren aufeinander. Besonders nachgegangen ist mir die Figur des Außenseiters Philip, der "es in seinem Leben nicht leicht gehabt" hatte, vernachlässigt und oft sich selber überlassen gewesen war, seinen Selbstwert aus einer vermeintlichen "angeborenen inneren Stärke" zieht und gleichzeitig eine massive innere Unruhe und tiefe Unsicherheit und Verlorenheit spürt. Dessen kontraphobischer Krisengewinn, Vergemeinschafterung mit Pseudo-Gleichgesinnten und Radikalisierung mit der Möglichkeit sich nun endlich erfolgsorientiert präsentieren zu können, hat mich zeitweise auf eine beklemmende Art an die Coronazeiten erinnert. Auch die Figur der Fotografin Jenny hat mich sehr berührt mit der Frage, was bleibt, wenn ein Mensch geht. Ein bisschen mehr Tiefe in der philosophischen Auseinandersetzung mit der Frage des gesellschaftlichen Zeitstillstandes hätte mich sehr gereizt. Alles in allem ist aber in jedem Fall ein gut lesbarer Roman, bei dem jeder Leser vermutlich auf seine Art Figuren findet, denen er sich näher fühlt bzw. andere, die ihn möglicherweise weniger erreichen.

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