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Veröffentlicht am 02.05.2025

Ein Leben im Schatten der Geschichte – und doch voller Licht

Um jeden Preis
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Ich habe jetzt schon einige Tatsachenromane von Hera Lind gelesen – und jedes Mal denke ich: Das kann man doch gar nicht erlebt haben. Und doch sind es wahre Geschichten, aufgeschrieben mit Respekt und ...

Ich habe jetzt schon einige Tatsachenromane von Hera Lind gelesen – und jedes Mal denke ich: Das kann man doch gar nicht erlebt haben. Und doch sind es wahre Geschichten, aufgeschrieben mit Respekt und Tiefe. „Um jeden Preis“ hat mich besonders bewegt.
Im Mittelpunkt steht Lydia, die 1944 als sechzehnjähriges Mädchen aus einem deutschen Dorf bei Odessa vor der Roten Armee flieht. Allein diese Vorstellung – mit nichts als dem Mut der Verzweiflung auf der Flucht – ist kaum greifbar. Lydia und ihre Familie schaffen es tatsächlich nach Deutschland. Doch es ist kein Ende, sondern ein Anfang: Sie werden zurückgeholt. Und was dann folgt, ist ein nie enden wollender Albtraum: Sibirien. Zwangsarbeit. Hunger. Kälte. Und immer wieder: das Festhalten am Leben. Am Glauben. An der Familie.
Tatsächlich musste ich beim Lesen immer wieder innehalten, um das Gelesene zu verarbeiten. Was mich so beeindruckt hat: Lydia verliert nie ihren inneren Kompass. Ihr Leitsatz – unbedingt zusammenbleiben – zieht sich durch ihr ganzes Leben. Trotz aller Unmenschlichkeit hält sie an dem fest, was zählt: Familie, Würde, Hoffnung.
Hera Lind erzählt Lydias Geschichte mit großer Einfühlsamkeit, ohne Pathos, aber mit spürbarer Achtung. In klarer, schnörkelloser Sprache erzählt sie nicht nur von Leid, sondern vor allem von unerschütterlicher Menschlichkeit. Besonders schön fand ich, dass Lydia selbst ihre Lebensgeschichte aufgeschrieben hat – und dass ihre Familie nach ihrem Tod das Tagebuch an Hera Lind geschickt hat. Da, wo das Tagebuch endet, kommen ihre Verwandten zu Wort und erzählen die Reise weiter.
Linds Schreibstil ist gewohnt einfühlsam und detailreich. Sie schafft es, die Leser:innen mitten in das Geschehen zu ziehen, die Kälte Sibiriens spürbar zu machen und die emotionale Belastung der Protagonistin greifbar darzustellen. Der familiäre Zusammenhalt, der sich wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht, ist besonders berührend.
Ein zutiefst bewegendes Buch über Stärke, Leid und die Kraft der Liebe. Es ist ein wichtiges Zeitzeugnis, das die Schicksale vieler Russland-Deutscher beleuchtet. Wer Geschichten sucht, die Mut machen und Erinnerungen wachhalten, sollte „Um jeden Preis“ unbedingt lesen.
Mich hat Lydias Geschichte noch lange nach dem Zuklappen des Buches begleitet.

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Veröffentlicht am 07.04.2025

Ein echter Pageturner!

Die Kollegin – Wer hat sie so sehr gehasst, dass sie sterben musste?
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Freida McFadden ist bekannt für ihre nervenaufreibenden Thriller – und ist für mich die Queen der Plottwists. Auch dieses Buch hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt, ein echter Pageturner ...

Freida McFadden ist bekannt für ihre nervenaufreibenden Thriller – und ist für mich die Queen der Plottwists. Auch dieses Buch hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt, ein echter Pageturner mit bestem Nervenkitzel.
Im Mittelpunkt steht Dawn Schiff, eine schüchterne und etwas sonderbare Buchhalterin, die in ihrem Büroalltag nicht gerade beliebt ist. Sie hat klare Routinen, mag keine sozialen Interaktionen und ihr liebstes Gesprächsthema sind Schildkröten (!). Doch als sie nicht zur Arbeit erscheint, beginnt ihre Kollegin Natalie – charmant, selbstbewusst und hübsch, sich Sorgen um Dawn zu machen. Als Natalie zu Dawns Haus fährt, um nach dem rechten zu sehen beginnt alles aus dem Ruder zu laufen.
McFadden spielt meisterhaft mit Perspektiven und den Erwartungen wer gut oder böse ist, wer die Wahrheit sagt, oder manipuliert. Die Geschichte ist clever konstruiert und man kann das Buch kaum aus der Hand legen.
Der Schreibstil ist flüssig und die kurzen Kapitel und eingeschobenen E-Mails treiben das Tempo an und lassen einen regelrecht durch die Seiten fliegen. Besonders beeindruckend ist die subtile Art, mit der McFadden Spannung aufbaut – ein leichtes Unbehagen, das sich immer weiter steigert.
Ich mochte die Serie „How to get away with murder“ und „Die Kollegin“ hat mir ähnliche Vibes beschert.
Leider blieb in diesem Buch der große Twist aus, aber das hat der Geschichte nicht geschadet.
Fazit: „Die Kollegin“ ist ein packender Psychothriller, der einen in die dunklen Abgründe der menschlichen Psyche eintauchen lässt. Wer psychologische Spannung mit Wendungen liebt, wird dieses Buch verschlingen. Für mich eine klare Leseempfehlung für Freundinnen und Freunde der Spannungsliteratur und ich kann nur 5 von 5 Sternen vergeben!

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Veröffentlicht am 05.04.2025

Ein starkes Buch!

Wild wuchern
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Es sind oft die schmalen Bücher, die am tiefsten schneiden. Wild Wuchern ist so eines. Gerade einmal 200 Seiten, aber jede davon vibriert. Mit etwas Ungesagtem, das sich langsam an die Oberfläche tastet. ...

Es sind oft die schmalen Bücher, die am tiefsten schneiden. Wild Wuchern ist so eines. Gerade einmal 200 Seiten, aber jede davon vibriert. Mit etwas Ungesagtem, das sich langsam an die Oberfläche tastet. Leise, aber unaufhaltsam.

Marie ist auf der Flucht. Vor was, bleibt lange im Nebel. Sie sucht Zuflucht bei Johanna, ihrer Cousine, die allein in einer Hütte hoch oben in den Tiroler Bergen lebt. Einsamkeit als Lebensform. Rückzug als Widerstand.

Die beiden Frauen könnten unterschiedlicher kaum sein: Marie – blond, schön. Johanna – dunkelhaarig, kantig. Doch zwischen ihnen spannt sich eine unsichtbare Linie, gezogen aus Erinnerungen, Erwartungen, Verletzungen. Die Rollen, die man ihnen zugeschrieben hat, waren nie dieselben – und doch tragen beide die Schwere von dem, was man ihnen mitgegeben hat.

Die Sprache in Wild Wuchern ist ein Ereignis für sich. Poetisch, bildreich, durchzogen von österreichischem Dialekt, ohne jemals zu sehr zu wollen. Der Roman kommt ohne Kapitel aus, als würde er sagen: Dies ist ein einziger Strom, ein Atemzug, eine Erinnerung, die sich nicht zerteilen lässt.

Wild Wuchern erzählt von Herkunft, Erwartungen, Zuschreibungen. Und von der leisen Rebellion, die darin liegt, auszubrechen – oder einfach nur auszuhalten. Es stellt keine Fragen in Großbuchstaben, es sucht nicht nach Antworten. Es lässt Raum. Für das, was zwischen den Zeilen wächst.

Ein stilles, starkes Buch. Eins, das bleibt.

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Veröffentlicht am 03.04.2025

Frauen und Alkohol – Ein wichtiges Buch, das aufklärt und sensibilisiert

Frauen und Alkohol
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Alkohol ist für viele Frauen ein fester Bestandteil des Alltags – sei es zur Entspannung, zum Feiern oder als Bewältigungsstrategie. Doch wann wird der Konsum problematisch? Und warum trinken Frauen anders ...

Alkohol ist für viele Frauen ein fester Bestandteil des Alltags – sei es zur Entspannung, zum Feiern oder als Bewältigungsstrategie. Doch wann wird der Konsum problematisch? Und warum trinken Frauen anders als Männer? Diesen Fragen geht Nathalie Stübens und Falk Kiefers Buch „Frauen und Alkohol“ mit wissenschaftlicher Expertise, gesellschaftlicher Analyse und persönlichen Einblicken nach.
Besonders eindrücklich sind die fünf fiktiven Frauencharaktere – Helga, Sabine, Carmen, Jamila und Elena – deren Geschichten unterschiedliche Wege in die Abhängigkeit und mögliche Auswege zeigen. Man fühlt mit ihnen, fiebert mit, hofft, dass sie einen Ausweg finden. Die Biografien sind dabei eng mit den gesellschaftlichen Normen ihrer jeweiligen Generation verknüpft. So wird deutlich, wie sehr auch kulturelle Prägungen und gesellschaftliche Erwartungen den Alkoholkonsum beeinflussen.
Was das Buch so wertvoll macht, ist die sachliche, fundierte Sprache, die dennoch empathisch bleibt. Es klärt auf, ohne zu belehren, und regt zum Nachdenken an: Wie viel Alkohol gehört zu meinem Leben? Beeinträchtigt er meine Lebensqualität? Die Menge spielt dabei nicht die größte Rolle – es geht um den Stellenwert, den Alkohol einnimmt.
Besonders spannend ist die kritische Auseinandersetzung mit der Alkohollobby: Hersteller suggerieren, dass Alkohol Genuss, Lebensqualität und Kultur bedeutet. Doch wehe, jemand hat seinen Konsum nicht unter Kontrolle – dann folgen Stigmatisierung und Scham. Dabei ist Alkohol ein Zellgift und verursacht oder fördert mehr als 200 Krankheiten! Dennoch wird er verherrlicht, und viele Menschen betrügen sich selbst, indem sie ihn als harmlos einstufen.
Neben der Analyse der Problematik bietet das Buch auch Lösungsansätze: Wie kann man Alkoholprobleme bei anderen ansprechen? Welche Motivationsphasen durchläuft jemand, der mit dem Trinken aufhören möchte? Und welche Alternativen gibt es? Es wird auch beleuchtet, wie sich die mediale Berichterstattung über Alkohol in den letzten Jahren verändert hat und wie sich die Sober-Bewegung entwickelt.
Fazit: „Frauen und Alkohol“ ist eine wichtige Lektüre für alle, die sich mit dem Thema auseinandersetzen möchten. Mir hat das Buch viele Aha-Momente beschert und komplett abgeholt. Ich fühle mich gestärkt in Zukunft auf Alkohol zu verzichten. Dafür vergebe ich eine klare Leseempfehlung und 5 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 30.03.2025

Entspannt gärtnern

Die Slow Gardening-Revolution
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Dieses Buch ist für mich ein wahrer Schatz an Wissen und Inspiration! Pia, die Autorin, selbst Landwirtin und Gartenbäuerin, zeigt uns, wie wir das Gärtnern ganz entspannt angehen können, indem wir einfach ...

Dieses Buch ist für mich ein wahrer Schatz an Wissen und Inspiration! Pia, die Autorin, selbst Landwirtin und Gartenbäuerin, zeigt uns, wie wir das Gärtnern ganz entspannt angehen können, indem wir einfach der Natur zuhören. Wer braucht schon einen starren Saisonkalender, wenn die Natur uns durch sogenannte Zeigerpflanzen genau anzeigt, wann welche Gartenarbeiten anstehen? Aber auch das Beobachten der Tierwelt kann nützlich zur Bestimmung sein. Dieses Konzept des "Slow Gardening" schenkt nicht nur mehr Ruhe im Gartenalltag, sondern auch ein positives Mindset: Entspannt bleiben und den Garten auch mal genießen!
Schon das Cover lädt mit seiner liebevollen Gestaltung zum Schmökern ein, und auch das Innere des Buches ist ein Genuss fürs Auge: wunderschöne Fotos, liebevolle Illustrationen und kluge Anmerkungen machen es zu einem echten Wohlgefühl-Buch. Doch nicht nur die Optik, auch der Inhalt ist ein echtes Highlight.
Statt sich an den klassischen vier Jahreszeiten zu orientieren, stellt das Buch die zehn phänologischen Jahreszeiten vor: Frühling, Sommer und Herbst werden jeweils in drei Phasen unterteilt, und erst dann kommt der Winter. Dadurch bekommt man ein viel feineres Verständnis für die natürlichen Kreisläufe und kann die Gartenarbeit genau dann erledigen, wenn es auch wirklich sinnvoll ist.
Das Buch bietet geballtes Gartenwissen: Wann sollte man welche Pflanzen und Bäume zurückschneiden? Wie legt man einen guten Kompost an? Welche Stauden und Gemüse passen gut zusammen? Wie fördert und schützt man Gartennützlinge? All das wird hier verständlich erklärt. Zusätzlich gibt es kleine, hilfreiche "Infos am Rande" – von Upcycling-Ideen bis hin zu praktischen Anzuchttipps.
Besonders gut gefallen hat mir das Thema klimafittes Gärtnern: Statt sich zum Beispiel über einen braunen Rasen im Sommer zu ärgern, zeigt Pia, wie man mit einer Wildkräuter-Wiese samt Wegen eine schöne, naturnahe Alternative schafft. So passt sich der Garten den Klimaveränderungen an und bleibt lebendig und grün.
Fazit: Dieses Buch ist perfekt für alle Gartenliebhaberinnen und jene, die den natürlichen Kreislauf besser verstehen möchten. Für mich genau das Buch, das ich gesucht habe – voller Wissen, Inspiration und der Bestätigung, dass Gärtnern auch entspannt sein darf!

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