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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.03.2025

Fesselnd bis zur letzten Seite

Treue
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In seinem neuesten Buch über die Mafia „Treue“ gewährt uns Roberto Saviano, einer der besten Kenner der Mafia einen Blick auf ein wenig beachtetes Thema: auf deren Frauen. Dabei meint er nicht nur die ...

In seinem neuesten Buch über die Mafia „Treue“ gewährt uns Roberto Saviano, einer der besten Kenner der Mafia einen Blick auf ein wenig beachtetes Thema: auf deren Frauen. Dabei meint er nicht nur die Ehefrauen, sondern auch Mütter, Töchter und Geliebte. Allerdings enthält dieses Buch zwar zwölf Geschichten über zwölf Frauen und deren Schicksale, ist aber kein Buch über Frauen als Patinnen, auch wenn das eine oder andere Mal eine Frau für eine kurze Zeitspanne, wenn der eigentliche Clanchef verhindert ist, die Zügel in der Hand hält.

Saviano schreibt über extremes Patriarchat, in dem Frauen keine Rechte sondern nur Pflichten haben, wie zum Beispiel möglichst viele Söhne zu gebären. Und es geht immer um Ehre und Treue. Daher, so der logische Schluss, verdient ein Homosexueller keinen Respekt und kann kein Anführer sein.

Saviano führt stellvertretend für die vielen Frauen, die dem extremen Ehrencodex der Mafia unterworfen einige plakative Beispiel an.

Schon der Einstieg ist fesselnd: Lou, ein notorischer Spieler, setzt seine Ehefrau als Spieleinsatz, verzockt sich (natürlich) und muss die Wettschuld einlösen, also seine Frau, nicht er. Die kontaktiert nach dieser gewalttätigen Nacht ihren Bruder. Das Urteil ist schnell gefällt: Lou ist unzuverlässig, wenn einer seiner eigene Ehefrau verkauft, verkauft er das nächste Mal geschäftliche Interna, also muss der gleich mehrfach treulose Lou weg.

Hier geht es nicht um die Ehre der Frau, sondern um die pure Ehre, um die Eier, um Respekt und um die Macht.

Da ist z. B. Vincenzina Marchese, deren erzwungene Heirat mit einem Vertreter aus einer rivalisierenden Mafiafamilie, den Frieden besiegeln soll. Nun ähnlich dynastisches Denken kennt man aus dem Adel. Berühmtes Beispiel ist die Hochzeit von Napoleon mit Marie Louise, der Tochter des unterlegenen Kaisers von Österreich, die den Freiden sichern soll. Vincenzina wird sich nach mehreren Fehlgeburten erhängen, weil sie ihrem ureigensten Zweck, gesunde Söhne zu gebären, nicht entsprechen kann.

Man kann das Leben der Frauen ganz einfach zusammenfassen:

„Ob Ehefrau, Tochter, Schwester, Geliebte, Freundin, Verwandt: Es gibt keine weibliche Existenz, die nicht von einem Mann abhängt und nicht in einer Beziehung zu einem Mann steht. Solange diese Beziehung besteht - in der Zeit, in der die Frau die Kingheit hinter sich lässt und als erwachsenes Wesen angesehen wird -, besteht die konkrete Gefahr, dass sie zur Beute eines unerwünschten Mannes wird.“ (S. 108)

Manchmal begibt sich eine Ehefrau und Mutter in die Höhle des Löwen, wie Teresa Managò, die nachdem ihr Ehemann ermordet worden ist, sich unter den den Schutz des Mörders stellt, um ihre Kinder zu schützen. Hilft das?

Andere wie Anna Carino, übernehmen interimistisch die Familiengeschäfte, während ihre Männer in Haft sind. Allerdings gibt es dann auch jene, die dann auspacken, wenn sie von der heimlichen Geliebten erfahren.

Roberto Saviano ist einer, der wohl am besten über die Mafia Bescheid weiß. Mit seinem Buch über den ermordeten Richter und Mafiajäger Giovanni Falcone (1939-1992) hat er weltweites Aufsehen erregt. Der Preis, den er dafür bezahlen muss, ist gewaltig. Seit Jahren lebt er unter Polizeischutz.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem mutigen Buch, das uns Einblicke in weibliche Schicksale der männlich dominierten Welt der Mafia gibt, 5 Sterne-

Veröffentlicht am 31.03.2025

Penibel recherchiert und fesselnd erzählt

Rauch und Asche
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Ich kannte die Bücher von Autor Amitav Ghosh bislang nicht und habe dieses hier von der Buchhandlung Seeseiten empfohlen bekommen.

Worum geht’s?

Autor Amitav Ghosh ist 1956 in Kalkutta geboren und hat ...

Ich kannte die Bücher von Autor Amitav Ghosh bislang nicht und habe dieses hier von der Buchhandlung Seeseiten empfohlen bekommen.

Worum geht’s?

Autor Amitav Ghosh ist 1956 in Kalkutta geboren und hat für seine Ibis-Trilogie aufwändige und langjährige Recherchen betrieben, die einen völlig neuen Blick auf die als „Opium-Kriege“ bekannten Handelskonflikt zwischen China und dem Britischen Empire werfen. Völlig unerwartet entdeckt er, dass auch einige seiner Vorfahren im 19. Jahrhundert am Schmuggel von Opium beteiligt waren.

Während er die Trilogie als historische Romane anlegt, ist „Rauch und Asche“ eine Mischung aus Sachbuch, Reisebericht und Essay, das in 18 Kapiteln schlüssig darlegt, wie Großbritannien die Mohnpflanze und das daraus gewonnene Opium für seine Zwecke brutal einsetzt. Dafür spannt er den Bogen bis in die Gegenwart, wenn er über die Opioid-Epidemie und den damit verbundenen Oxycontin-Skandal in den USA schreibt.

Die (Handels)Geschichte der Europäer, seien es die Niederländer, Portugiesen oder eben die Briten, mit China oder Indien, ist gespickt mit Falschinformationen und nicht selten mit Geschichtsfälschung.

Obwohl ich mich intensiv Geschichte beschäftige, kenne ich nur die europäische, in dem Fall, die britische Seite der Historie. Vieles, worüber Amitav Ghosh hier schreibt, war mir nicht wirklich geläufig, hat aber nach kurzem Reflektieren und Nachdenken Hand und Fuß. Durch den anderen Blickwinkel lassen sich die Mengen sowie manche Auswirkungen des Mohnanbaus, der Verarbeitung und des Opiumschmuggels erst so richtig begreifen.

Das Buch ist, ob der Fülle von bislang unbekannten Details, nichts für Zwischendurch. Hier ist genaues Lesen erforderlich. Das eine oder andere Mal muss man vielleicht selbst noch ein wenig recherchieren.

Amitav Ghoshs Schreibstil ist, wie ich es mir erwartet habe, blumiger und opulenter als ich es von anderen Sachbüchern gewöhnt bin.

Fazit:

Eine interessante Darlegung, wie man die Geister, die einst die Briten riefen, nun nicht mehr los wird. Gerne ich gebe ich diesem Buch 5 Sterne.

Veröffentlicht am 31.03.2025

Eine Hommage zu ihrem 100. Geburtstag

Für mich soll’s rote Rosen regnen. Hildegard Knef
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Christian Schröder, Kulturredakteur beim Berliner Tagesspiegel hat für diese Biografie von Hildegard Knef (1925-2002), die rechtzeitig anlässlich ihres 100. Geburtstag im Dezember 2025 schon im März erscheint, ...

Christian Schröder, Kulturredakteur beim Berliner Tagesspiegel hat für diese Biografie von Hildegard Knef (1925-2002), die rechtzeitig anlässlich ihres 100. Geburtstag im Dezember 2025 schon im März erscheint, nicht nur ihre Bücher gelesen, sondern auch mit ihr selbst, sowie mit zahlreichen ihrer Weggefährten wie David Cameron, Mario Adorf, Nadja Tiller oder Johannes Mario Simmel Interviews geführt. Diese sind nun in vorliegende Biografie eingflossen.

Schröder teilt das Leben der Knef in vier Abschnitte:

Das Trümmermädchen (1925-1948)
Die Sünderin (1948-1962)
Die Sängerin (1962-1977)
Die Legende (1977-2002)

Das Buch ist mit nicht einmal 150 Seiten ziemlich dünn, enthält aber alle wichtigen Informationen Hildegard Knef. Gut gefällt mir der sachliche Schreibstil, der nicht wertet. Schröder zeigt eine ehrgeizige Frau, die immer wieder neu beginnen muss. Der Text ist durch passende Fotos aufgelockert.

Meine erste persönliche Erinnerung an Hildegard Knef ist das Chanson „Für mich soll’s rote Rosen regnen“, denn meine Großmutter war in Besitz der Schallplatte. Ihr Buch „Der geschenkte Gaul“ habe ich auch gelesen. Manches, was sie dort schreibt, hat Autor Christian Schröder in ein etwas anderes Licht gerückt. Das ist eben der UNterschied zwischen Autobiografie und einer Biografie eines AUßenstehenden.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser Biografie, die eine Frau beschreibt, für die es nicht immer rote Rosen waren, die es geregnet hat, sondern manchmal auch Disteln, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 31.03.2025

Eine klare Leseempfehlung!

Die Konspirateure
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Wenn man Widerstand gegen das NS-Regime sagt oder denkt, fallen einem unwillkürlich „nur“ die Namen der militärischen Widerständler rund um Claus Schenk Graf von Stauffenberg sowie der 20. Juli 1944 oder ...

Wenn man Widerstand gegen das NS-Regime sagt oder denkt, fallen einem unwillkürlich „nur“ die Namen der militärischen Widerständler rund um Claus Schenk Graf von Stauffenberg sowie der 20. Juli 1944 oder vielleicht noch die Mitglieder der „Weißen Rose“ ein. Die vielen kleinen, couragierten zivilen Gruppen von Gegnern der Nazis sind zum großen Teil nur wenigen bekannt.

Dieses Buch widmet sich diesen konspirativen Gruppe, die lange Zeit unentdeckt geblieben sind. Eine davon ist das sogenannte Leuschner-Netz, das mit über mehrere tausend Mitglieder verfügt und weit verzweigt in Deutschland agieren kann, weil einige Mitglieder Handlungsreisende sind und recht lange mehr oder weniger unbehelligt reisen können. Heimlich wird auch Kontakt zum militärischen Widerstand aufgenommen.

„Die Kaufleute nutzten ihren Bewegungsspielraum für enge Kontakte. Dabei kam der dringende gesellschaftliche Bedarf an Lebensmitteln und dazugehöriger Technik den Untergrundaktivitäten entgegen. Auch wenn die Nationalsozialisten den Händler auf Grund ihrer politischen Vorgeschichte misstrauten - ihre Betriebe waren zu wichtig für die Kriegswirtschaft, als dass man auf ihre Dienste verzichten konnte. Es galt, die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs sicherzustellen. Zu letzteren gehörten auch Reinigungsgeräte, die ein weiterer Widerständler Ernst Volkmann, erfolgreich von Bochum aus vertrieb. Der Dortmunder Mitverschwörer Müller handelte mit Unterrichtsmaterial für Schulen und später mit Särgen.“ (S.23)


Das Autoren-Duo Ludger Fittkau & Marie-Christine Werner geht der Frage nach, wer diese Menschen gewesen und fördert Erstaunliches zu Tage. Die Mitglieder kommen aus unterschiedlichen sozialen Schichten, darunter Gläubige Christen, Gewerkschafter, Polizisten sowie Sozialisten und haben dementsprechend große politische Differenzen. Es eint sie der Gedanke, die Terrorherrschaft zu beenden, das gemeinsame Ziel vor das Trennende der Weltanschauungen zu stellen.

Die Autoren gedenken auch der zahlreichen Frauen, die ihren Anteil am Widerstand haben, der aber meistens abschätzig bemessen und klein geredet wird. Dass die Nazis selbst den Frauen kein politisches Denken zugestehen, hilft hier bei den Widerstandsgruppen. Man transportiert notwendige Ausrüstung und Flugblätter im Kinderwagen unter dem Kind verborgen, versteckt Juden und andere Widerständler.

Wäre das Staatsstreich vom 20. Juli 1944 gelungen, wäre vermutlich genügend Personal zur Verfügung gestanden, eine neue Verwaltung ohne die NS-Amtsinhaber aufzubauen.

Einige dieser zivilen Widerständler werden wie Wilhelm Leuschner im Umfeld des 20. Juli 1944 denunziert, enttarnt, verhaftet und hingerichtet. Andere wie Gustav Kettel, der als Kurier Nachrichten überbringt und seine eigene Widerstandsgruppe in das Leuschner-Netz integriert.

Dieses Buch setzt allen jenen ein Denkmal, die in größeren oder kleinen Gruppen Widerstand gegen das NS-Regime geleistet haben. Das bislang unbedankt und unter Einsatz des eigenen Lebens. Oft genug haben sie dafür den höchsten Preis, nämlich mit ihrem Leben bezahlt.

Fazit:

Gerne gebe dieser Hommage an die Frauen und Männer des zivilen Widerstandes gegen die NS-Diktatur 5 Sterne.

Veröffentlicht am 31.03.2025

Fesselnd bis zur letzten Seite

Höllische Küste
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In ihrem neunten Fall wird Kommissarin Liv Lammers, obwohl sie im Urlaub auf Sylt ist, zu einem tödlichen Tandemsprung gerufen. Der Tandemmaster hat schwer verletzt überlebt, seine Kundin, die bekannte ...

In ihrem neunten Fall wird Kommissarin Liv Lammers, obwohl sie im Urlaub auf Sylt ist, zu einem tödlichen Tandemsprung gerufen. Der Tandemmaster hat schwer verletzt überlebt, seine Kundin, die bekannte Hochzeitsplanerin Jaline nicht. Recht schnell ist klar, dass die Leinen des Fallschirms durchgeschnitten worden sind. Nur von wem?

Nahezu gleichzeitig ereignen sich mysteriöse Anschläge auf der Insel. So werden Packungen eines Biomehls mit Glassplittern versetzt und Blumenbeete mit Unkrautvernichtungsmittel besprüht. Soll damit dem überbordenden Tourismus geschadet werden? Schluss mit lustig ist, als die Bremsschläuche von eBikes angeschnitten werden, eine Ärztin mehrere Tag tot in ihrem Appartement liegt und der rappende Hauskeeper-Boy ein für ihn bereit gestelltes, aber vergiftetes Törtchen gerade noch überlebt.

Daher muss Liv, deren Tochter Sanna auf dem Sprung nach Japan ist, ihren Urlaub abbrechen und in die komplexen Ermittlungen einsteigen. Es gibt zahlreiche Verdächtige, wie den eifersüchtigen Ex-Freund von Jaline, der jeden ihrer Schritte überwacht hat? Oder ein Konkurrent der Fallschirmspringer? Oder doch der kauzige Naturschützer?

Viele Spuren werden gelegt, einige versanden sprichwörtlich. Jedenfalls haben Liv Lammers und ihre Kollegen mehr als genug zu tun. Daneben gibt es noch Missstimmung an der Dienststelle, weil sich sowohl Momke als auch Rabia um die freie Stelle der Dienststellenleitung beworben haben und das Thema Hochzeit zieht sich wie ein roter Faden durch den Krimi.

Meine Meinung:

Auch der neunte Fall beschert uns Lesern eine komplexe Handlung, die zum Miträtseln anregt. Wie wir es von Sabine Weiß gewöhnt sind, darf auch das Privatleben der Ermittler nicht fehlen. Dabei steht natürlich jenes von Liv Lammers im Fokus. So fokussiert und straight sie in ihrem Beruf ist, so zaghaft und unsicher ist sie in ihrem Privatleben. Das ist auf Grund der Ereignisse in der Vergangenheit keine Überraschung. Nun hat sie mit Sebastian einen passenden Partner gefunden, der auch von Tochter Sanna akzeptiert wird. Doch das Brimborium um eine Hochzeit scheint ihr unangemessen. Sie lässt sich überreden, während einer Zeugenbefragung Brautkleider probieren, was ist nicht gar so gut finde. Gut gefällt mir das Happy End für ihre Großmutter. Dass ausgerechnet bei dieser Hochzeitsfeier ihre Schwester Annika und Neffe Jan unheilvoll hereinplatzen, ist eine Garantie, dass das letzte Wort im Privatkrieg der Schwestern, den der verstorbene Vater angezettelt hat, seine Fortsetzung findet.

Durch die vielschichtig angelegten Charakter ist dieser Krimi niemals langatmig. Die eigenartigen Zwischenfälle sowie die tote Fallschirmspringerin halten Momke, Rabia und Liv ordentlich auf Trab. Das Match um den vakanten Chefsessel löst die Autorin nach dem Motto „wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte“. Auch da sind Konflikte vorgezeichnet.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Krimi, in dem Autorin Sabine Weiß alle Register zieht, 5 Sterne.

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