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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.04.2025

Eine gelungene Fortsetzung

Die Hausboot-Detektei - Tödliche Blüten
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Wenige Tage vor der alljährlichen Eröffnung des Mekkas der Tulpen, dem berühmten Keukenhof, haben Wühlmäuse ausgerechnet die Tulpenbeete der aktuellen Neuzüchtungen, von denen sich der Direktor einen Preis ...

Wenige Tage vor der alljährlichen Eröffnung des Mekkas der Tulpen, dem berühmten Keukenhof, haben Wühlmäuse ausgerechnet die Tulpenbeete der aktuellen Neuzüchtungen, von denen sich der Direktor einen Preis erhofft, zerstört. Die Polizei hat werde Zeit und Kapazität zu ermitteln, handelt es sich doch bloß um eine Sachbeschädigung. Der Direktor des Keukenhof sieht das natürlich anders und engagiert die Hausboot-Detektei, um zunächst einmal undercover zu recherchieren.

Erst als eine Mitarbeiterin niedergeschlagen wird und eine andere spurlos verschwindet, wird die Polizei aktiv. Dabei ist die Truppe der Hausboot-Detektive den offiziellen Ermittlern ein wenig voraus, haben sie doch mit Elin ein Kriminalromane schreibendes Mitglied, das sich ziemlich kriminelle Szenarien ausdenken kann.

Bei ihren Recherchen entdecken sie, dass es im Umfeld des Keukenhofs eine auffällig hohe Rate von sitzengelassenen Ehefrauen gibt. Ob das im Fall der zerstörten Tulpenbeete eine Rolle spielt?

Meine Meinung:

Amy Achterop ist wieder eine spannende Fortsetzung gelungen. Neben der personellen Änderung, Jack ist nicht mehr dabei, wird es auch bei den tierischen Mitgliedern Änderungen geben. Hund, der Labrador sieht dem Ende seines Lebens entgegen während Fru Gunilla zuerst einmal ausbüxt, um dann trächtig zurückzukehren. Das verspricht für den nächsten Band jede Menge Aufregung.

Die Hausboot-Detektive ermitteln wieder in ihrer üblichen etwas unkonventionellen Art, auch wenn sie diesmal wegen Hund und Fru Gunilla in Sorge sind.

Die Autorin legt zahlreiche Spuren, die durchaus einen möglichen Hintergrund haben. Aber, wie wir schon aus den vier Vorgängern wissen, ist das Offensichtliche Amy Achterops Sache nicht. Zahlreiche Wendungen erhöhen die Spanung und fesseln die Leser dieses Tulpenkrimis.

Ich bin ja ein erklärter Tulpenfan, weshalb ich diesen Krimi unbedingt lesen musste. Interessant ist der Einblick in die Arbeit der Gärntner beim wohl bekanntesten Tulpenzüchter. Jedes Jahr nehme ich mir vor, das Blütenmeer in Augenschein zu nehmen. Vielleicht wird es 2026 gelingen.

Fazit:

Ein gelungener 5. Fall für die Hausboot-Detektive, dem ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 04.04.2025

Eine gelungene Fortsetzung

Ich mach' mein Ding
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Dieser Krimi ist der vierte aus der Reihe rund um Lukas Hammerstein, in dem Udo Lindenberg einen Cameo-Auftritt hat bzw. der Buchtitel aus einem seiner Lieder stammt.

Diesmal drückt er wegen einer Reportage ...

Dieser Krimi ist der vierte aus der Reihe rund um Lukas Hammerstein, in dem Udo Lindenberg einen Cameo-Auftritt hat bzw. der Buchtitel aus einem seiner Lieder stammt.

Diesmal drückt er wegen einer Reportage über Hamburg Elite-Gymnasium Elyseum für einen Monat als außerordentlicher Schüler die Schulbank. Es gibt nämlich Gerüchte, man könne, so ferne man genug Kleingeld hat, durch eine Geldspende das Wohlwollen einiger Lehrer kaufen, um dem lieben, aber mitunter faulen, Fortpflanz zu besseren Noten zu verhelfen.

Natürlich kommt das bei der Leserschaft der „Hamburg News“ nicht gar so gut an und die betuchte Klientel kündigt reihenweise ihre Zeitungsabos. Gleichzeitig verschwindet die Direktorin des Gymnasiums. Sofort wird ein Zusammenhang mit der Bestechung der Lehrer vermutet und die Direktorin der Mitwisserschaft sowie ihres Selbstmords geziehen.

Doch ist das wirklich so? Und was hat der TV-Moderator, dessen Kinder sowie der Kindermädchen gemeinsam die Privatschule besuchen damit zu tun?

Meine Meinung:

Ach, wie kommt mir das Thema Privatschule und Notenkauf bekannt vor! Auch in Österreich gibt es solche Gerüchte, die ich als ehemalige und langjährige Vorsitzende des Elternvereins eines Privatgymnasiums nur zu gut kenne. Auch eine Liebesbeziehung zwischen Lehrkaft und Schüler(in) ist nicht ganz unbekannt. Das gab’s schon zu meiner Gymnasialzeit in den 1970er-Jahren. Geht natürlich gar nicht. Aber wo die Liebe (?) hinfällt, wächst oft kein Gras mehr ....

Wie schon seine drei Vorgänger ist auch dieser Krimi hier flott und flüssig geschrieben. Lars Haider lässt seine Leser sowohl an den polizeilichen Ermittlungen als auch an den Recherchen der Journalisten teilhaben. Natürlich gibt es da immer wieder Konflikte, zumal Lukas‘ Freund Enno, Kriminalbeamter und Mitglied der „Vier Flaschen“ sowie der Lebensgefährte von Polizeireporterin Kaja ist. Lukas und Kaja haben gegenüber der Polizei den Vorteil, das eine oder andere Gesetz zu ihren ermittlungstechnischen Gunsten ein wenig zu dehnen.

Wieder mit dabei sind Lukas‘ Familie und Schiwegerfamilie sowie Dackelin Finchen, deren unbedachter Ausflug, winselnde Folgen hat.

Ein Fixpunkt in den Hammerstein-Krimis ist neben dem Cameo-Auftitt von Udo Lindenberg auch das monatliche Treffen der „Vier Flaschen“, in dem Lukas und seine Freunde nicht nur jeweils vier unterschiedliche Weine verkosten, sondern auch das eine oder andere politische Thema der Hansestadt besprechen.

Fazit:

Eine gelungene Fortsetzung dieser Krimi-Reihe aus meiner Lieblingsstadt in Deutschland. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 31.03.2025

Vom Fremdsein und der Schwierigkeit, ein anderes Land als neue Heimat anzunehmen

Laurenzerberg | Roman
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Christoph Zielinski, 1952 in der Nähe von Krakau (Polen) geboren, kommt 1957 mit seinen Eltern nach Wien. Heute ist er der führende Onkologe in Österreich und hat gemeinsam mit Herbert Lackner einige ...

Christoph Zielinski, 1952 in der Nähe von Krakau (Polen) geboren, kommt 1957 mit seinen Eltern nach Wien. Heute ist er der führende Onkologe in Österreich und hat gemeinsam mit Herbert Lackner einige Sachbücher verfasst.

Dieses Buch ist eine Art Essay, der sich mit dem Fremdsein in einem anderen Land und dem Gefühl der Verlorenheit beschäftigt. In einem ORF-Interview erklärt er, dass in seinen fiktiven Charakteren einiges aus zahlreichen wahren Personen steckt. Er beschreibt in eindringlichen Worten das Leben von mehreren polnischen Juden, die in der kurzen Zeit des Tauwetters als Nikita Sergejewitsch Chruschtschow von 1958 bis 1964 Regierungschef der UdSSR war. Unter seiner Herrschaft durften einige (jüdische) Bürger aus den Bruderstaaten des Warschauer Pakts in den Westen ausreisen. Viele dieser Menschen landeten zunächst für einige Zeit in Wien bis sie in die USA oder nach Israel weiterreisen konnten.

Obwohl es ein Netzwerk der jüdischen und polnischen Community gibt, sind die Anfänge für die Auswanderer nicht einfach. Vieles ist unbekannt und der Antisemitismus nach wie vorhanden. Man bewegt sich wie auf dünnem Eis. In der Rückschau, so Ophelia, war es in Polen gar nicht so übel - die politischen Einschränkungen, das fehlende Warenangebot fällt nun nicht so sehr ins Gewicht, wie die kaum beherrschte deutsche Sprache. Das unbequeme alte Leben in Polen, scheint plötzlich weniger bedrohlich zu sein, als das neue, unbekannte in Wien.

Wie sehr das NS-Gedankengut noch in den Menschen verwurzelt ist, kann man lesen, als Ada ärztlichen Rat bei einem ungenannten Professor sucht. Als er entdeckt, dass Ada Polin ist, erzählt er frisch von der Leber über seine Wehrmachtszeit in Lemberg und die schönen Polinnen dort.

Ihr Kommentar ist herrlich trocken:

„Wir waren offenbar gleichzeitig in Lemberg - Sie im Theater, ich im Versteck. Sie offenbar nur kurz, während ich über Jahre dort gewesen bin.“

Meine Meinung:

Das Coverfoto hat mir sehr gut gefallen, zeigt es doch das noch nicht ganz fertiggestellte Hochhaus Ecke Schwedenplatz/Laurenzerberg.

Mir persönlich hat das Buch sehr gut gefallen. Der Schreibstil wirkt ein wenig melancholisch. Für Leserinnen und Leser, die sich in Wien nicht auskennen, kann es schwierig sein, sich zurecht zu finden. Als Wienerin, die im zweiten Bezirk, der Leopoldstadt, aufgewachsen ist und mehr als 40 Jahre im Karmeliterviertel gearbeitet hat, kenne ich natürlich die Straßen, Gassen und Plätze durch die Autor Christoph Zielinski seine Protagonisten gehen lässt. Auch das Café Prückl mit seiner Bridge-Runde sowie das Café Dogenhof sind mir bestens bekannt, habe ich doch in beiden Kaffeehäusern Tage des Schulschwänzens verbracht. Und am Schaufenster des Spielwarengeschäft in der Praterstraße, an dem Wacek vorbeiläuft, habe ich mir mehrmals die Nase platt gedrückt.

Diese Ausreisewelle Anfang der 1960er-Jahre, die hier beschrieben wird, habe ich nicht wirklich mitbekommen. Erst die zweite in den 1970er-Jahren als zahlreiche orthodoxe Juden die UdSSR verlassen haben, ist mir noch gut in Erinnerung.

Fazit:

Ein interessantes Buch über das Fremdsein und die Schwierigkeit ein anderes Land als neue Heimat anzunehmen. Gerne gebe ich diesem Roman 5 Sterne.

Veröffentlicht am 31.03.2025

Fesselnd bis zur letzten Seite

Treue
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In seinem neuesten Buch über die Mafia „Treue“ gewährt uns Roberto Saviano, einer der besten Kenner der Mafia einen Blick auf ein wenig beachtetes Thema: auf deren Frauen. Dabei meint er nicht nur die ...

In seinem neuesten Buch über die Mafia „Treue“ gewährt uns Roberto Saviano, einer der besten Kenner der Mafia einen Blick auf ein wenig beachtetes Thema: auf deren Frauen. Dabei meint er nicht nur die Ehefrauen, sondern auch Mütter, Töchter und Geliebte. Allerdings enthält dieses Buch zwar zwölf Geschichten über zwölf Frauen und deren Schicksale, ist aber kein Buch über Frauen als Patinnen, auch wenn das eine oder andere Mal eine Frau für eine kurze Zeitspanne, wenn der eigentliche Clanchef verhindert ist, die Zügel in der Hand hält.

Saviano schreibt über extremes Patriarchat, in dem Frauen keine Rechte sondern nur Pflichten haben, wie zum Beispiel möglichst viele Söhne zu gebären. Und es geht immer um Ehre und Treue. Daher, so der logische Schluss, verdient ein Homosexueller keinen Respekt und kann kein Anführer sein.

Saviano führt stellvertretend für die vielen Frauen, die dem extremen Ehrencodex der Mafia unterworfen einige plakative Beispiel an.

Schon der Einstieg ist fesselnd: Lou, ein notorischer Spieler, setzt seine Ehefrau als Spieleinsatz, verzockt sich (natürlich) und muss die Wettschuld einlösen, also seine Frau, nicht er. Die kontaktiert nach dieser gewalttätigen Nacht ihren Bruder. Das Urteil ist schnell gefällt: Lou ist unzuverlässig, wenn einer seiner eigene Ehefrau verkauft, verkauft er das nächste Mal geschäftliche Interna, also muss der gleich mehrfach treulose Lou weg.

Hier geht es nicht um die Ehre der Frau, sondern um die pure Ehre, um die Eier, um Respekt und um die Macht.

Da ist z. B. Vincenzina Marchese, deren erzwungene Heirat mit einem Vertreter aus einer rivalisierenden Mafiafamilie, den Frieden besiegeln soll. Nun ähnlich dynastisches Denken kennt man aus dem Adel. Berühmtes Beispiel ist die Hochzeit von Napoleon mit Marie Louise, der Tochter des unterlegenen Kaisers von Österreich, die den Freiden sichern soll. Vincenzina wird sich nach mehreren Fehlgeburten erhängen, weil sie ihrem ureigensten Zweck, gesunde Söhne zu gebären, nicht entsprechen kann.

Man kann das Leben der Frauen ganz einfach zusammenfassen:

„Ob Ehefrau, Tochter, Schwester, Geliebte, Freundin, Verwandt: Es gibt keine weibliche Existenz, die nicht von einem Mann abhängt und nicht in einer Beziehung zu einem Mann steht. Solange diese Beziehung besteht - in der Zeit, in der die Frau die Kingheit hinter sich lässt und als erwachsenes Wesen angesehen wird -, besteht die konkrete Gefahr, dass sie zur Beute eines unerwünschten Mannes wird.“ (S. 108)

Manchmal begibt sich eine Ehefrau und Mutter in die Höhle des Löwen, wie Teresa Managò, die nachdem ihr Ehemann ermordet worden ist, sich unter den den Schutz des Mörders stellt, um ihre Kinder zu schützen. Hilft das?

Andere wie Anna Carino, übernehmen interimistisch die Familiengeschäfte, während ihre Männer in Haft sind. Allerdings gibt es dann auch jene, die dann auspacken, wenn sie von der heimlichen Geliebten erfahren.

Roberto Saviano ist einer, der wohl am besten über die Mafia Bescheid weiß. Mit seinem Buch über den ermordeten Richter und Mafiajäger Giovanni Falcone (1939-1992) hat er weltweites Aufsehen erregt. Der Preis, den er dafür bezahlen muss, ist gewaltig. Seit Jahren lebt er unter Polizeischutz.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem mutigen Buch, das uns Einblicke in weibliche Schicksale der männlich dominierten Welt der Mafia gibt, 5 Sterne-

Veröffentlicht am 31.03.2025

Penibel recherchiert und fesselnd erzählt

Rauch und Asche
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Ich kannte die Bücher von Autor Amitav Ghosh bislang nicht und habe dieses hier von der Buchhandlung Seeseiten empfohlen bekommen.

Worum geht’s?

Autor Amitav Ghosh ist 1956 in Kalkutta geboren und hat ...

Ich kannte die Bücher von Autor Amitav Ghosh bislang nicht und habe dieses hier von der Buchhandlung Seeseiten empfohlen bekommen.

Worum geht’s?

Autor Amitav Ghosh ist 1956 in Kalkutta geboren und hat für seine Ibis-Trilogie aufwändige und langjährige Recherchen betrieben, die einen völlig neuen Blick auf die als „Opium-Kriege“ bekannten Handelskonflikt zwischen China und dem Britischen Empire werfen. Völlig unerwartet entdeckt er, dass auch einige seiner Vorfahren im 19. Jahrhundert am Schmuggel von Opium beteiligt waren.

Während er die Trilogie als historische Romane anlegt, ist „Rauch und Asche“ eine Mischung aus Sachbuch, Reisebericht und Essay, das in 18 Kapiteln schlüssig darlegt, wie Großbritannien die Mohnpflanze und das daraus gewonnene Opium für seine Zwecke brutal einsetzt. Dafür spannt er den Bogen bis in die Gegenwart, wenn er über die Opioid-Epidemie und den damit verbundenen Oxycontin-Skandal in den USA schreibt.

Die (Handels)Geschichte der Europäer, seien es die Niederländer, Portugiesen oder eben die Briten, mit China oder Indien, ist gespickt mit Falschinformationen und nicht selten mit Geschichtsfälschung.

Obwohl ich mich intensiv Geschichte beschäftige, kenne ich nur die europäische, in dem Fall, die britische Seite der Historie. Vieles, worüber Amitav Ghosh hier schreibt, war mir nicht wirklich geläufig, hat aber nach kurzem Reflektieren und Nachdenken Hand und Fuß. Durch den anderen Blickwinkel lassen sich die Mengen sowie manche Auswirkungen des Mohnanbaus, der Verarbeitung und des Opiumschmuggels erst so richtig begreifen.

Das Buch ist, ob der Fülle von bislang unbekannten Details, nichts für Zwischendurch. Hier ist genaues Lesen erforderlich. Das eine oder andere Mal muss man vielleicht selbst noch ein wenig recherchieren.

Amitav Ghoshs Schreibstil ist, wie ich es mir erwartet habe, blumiger und opulenter als ich es von anderen Sachbüchern gewöhnt bin.

Fazit:

Eine interessante Darlegung, wie man die Geister, die einst die Briten riefen, nun nicht mehr los wird. Gerne ich gebe ich diesem Buch 5 Sterne.