Profilbild von LeserinLu

LeserinLu

Lesejury Star
offline

LeserinLu ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit LeserinLu über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.03.2026

Zu konstruiert

Das Ende vom Lied
0

Der Roman „Das Ende vom Lied“ spielt im West-Berlin Ende der 60er Jahre, nicht bei den bekannten Bildern der Studentenbewegung, sondern bei den einfachen Jugendlichen auf der Straße. Im Mittelpunkt steht ...

Der Roman „Das Ende vom Lied“ spielt im West-Berlin Ende der 60er Jahre, nicht bei den bekannten Bildern der Studentenbewegung, sondern bei den einfachen Jugendlichen auf der Straße. Im Mittelpunkt steht ein Junge, der mit seinen Eltern in die Belziger Straße zieht – in eine Welt, die von den Traumata des Krieges, von sozialer Härte und von der Gewalt der Straße geprägt ist. Während der Vater mit einer Prothese aus dem Krieg zurückgekehrt ist und die Mutter ihre eigenen Traumata aus Gewalterfahrungen mit sich trägt, muss der Erzähler früh lernen, sich allein zurechtzufinden. Besonders wichtig wird die Nähe zu Körschi, dem Anführer einer Jugendgruppe und erfolgreichen Boxer. Gleichzeitig verliebt sich der Erzähler in dessen Freundin Alina.

Der Roman möchte ein Bild einer Gesellschaft zeichnen, in der persönliche Traumata und politische Spannungen ineinandergreifen. Aus meiner Sicht gelingt dies jedoch leider nicht. Einige Passagen waren zwar sehr zugänglich und atmosphärisch, doch andere Kapitel fand ich deutlich anstrengender. Der Stil orientiert sich einerseits stark an der Wahrnehmung des jugendlichen Erzählers: sprunghaft, verträumt, oft abschweifend. Andererseits ist der Text sprachlich recht anspruchsvoll, es gibt immer wieder unerklärte Zeitsprünge und oft kleine Gedichte als Kommentare des Geschehens. Dadurch wirkt der Text stellenweise verworren, und es bleiben lange Zeit viele Fragen offen. Auch die kursiven Kapitel und Perspektivwechsel rund um einen Spionagehandlungsstrang waren für mich schwer einzuordnen. Gegen Ende wird deutlicher, auf welche politischen Hintergründe anspielt. Diese historische Dimension fand ich sehr spannend. Ohne entsprechendes Vorwissen hätte ich viele Hinweise allerdings kaum verstanden. Die Abschnitte rund um die Gewalt unter Jugendlichen empfand ich dagegen als langatmig und teilweise einfach als schwer auszuhalten.

So bleibt für mich ein zwiespältiger Eindruck. „Das Ende vom Lied“ greift interessante historische und gesellschaftliche Themen auf und enthält einige interessante Episoden. Gleichzeitig wirkt der Stil stellenweise sehr konstruiert, so, als ob vor allem für das Feuilleton geschrieben worden wäre.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.01.2026

Langweilig

Good Spirits
0

Die Grundidee von Good Spirits fand ich großartig: eine moderne, romantische Variante von Dickens’ Weihnachtslied, erzählt aus der Perspektive eines Geistes der vergangenen Weihnacht und der Frau, die ...

Die Grundidee von Good Spirits fand ich großartig: eine moderne, romantische Variante von Dickens’ Weihnachtslied, erzählt aus der Perspektive eines Geistes der vergangenen Weihnacht und der Frau, die er heimsucht. Weil ich Dickens’ Original sehr mag, waren meine Erwartungen vielleicht auch entsprechend hoch. Leider konnte der Roman diese nicht erfüllen.

Nolan Callahan, Geist der vergangenen Weihnacht, und Harriet York, eine durch und durch pflichtbewusste, empathische junge Frau, sollen das Traumpaar im Zentrum des Romans spielen. Doch genau hier liegt für mich das größte Problem: Zwischen den beiden Protagonisten entsteht keinerlei glaubwürdige Chemie. Anziehung, Nähe und emotionale Verbindung wirken konstruiert statt organisch, sodass die Liebesgeschichte mich zu keinem Zeitpunkt wirklich erreicht hat.

Auch die Figurenkonstellation selbst empfand ich als sehr vorhersehbar und inzwischen ermüdend: der verschlossene, innerlich verletzte Mann mit harter Schale trifft auf die unsichere, chaotische, aber warmherzige junge Frau, die ihn „retten“ soll. Dieses Muster habe ich einfach zu oft gelesen, und hier wird es kaum variiert oder vertieft. Zwar entfaltet die Handlung stellenweise eine angenehme weihnachtliche Atmosphäre, und die Idee, die Vergangenheit der beiden Stück für Stück aufzudecken, hätte durchaus Potenzial gehabt. Doch weder die emotionalen Konflikte noch die romantische Entwicklung wirkten für mich überzeugend genug, um darüber hinwegzusehen. Wer klassische Weihnachtsromanzen mit vertrauten Rollenbildern mag, wird hier vielleicht fündig – mich konnte der Roman leider nicht überzeugen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.12.2025

Langweilig

Copenhagen Cinnamon 1. Delicate
0

„Copenhagen Cinnamon“ bietet auf den ersten Blick alles, was man sich von einer herbstlichen Lektüre verspricht: ein gemütliches Coffee-Shop-Setting, Zimtduft, ein Hausboot und zwei junge Menschen mit ...

„Copenhagen Cinnamon“ bietet auf den ersten Blick alles, was man sich von einer herbstlichen Lektüre verspricht: ein gemütliches Coffee-Shop-Setting, Zimtduft, ein Hausboot und zwei junge Menschen mit eigenen Herausforderungen. Stefanie Neeb schafft eine warme Atmosphäre, in der man sich durchaus verlieren könnte – zumindest, wenn die Geschichte einen wirklich packt.

Für mich blieb der Roman jedoch über weite Strecken eher langwellig und inhaltlich dünn. Viele Szenen wirken austauschbar, als würden sie nur darauf warten, endlich zum eigentlichen Konflikt vorzudringen. Erst gegen Ende kommt etwas Dynamik auf, sodass man kurzzeitig das Gefühl bekommt, jetzt könnte es spannend werden. Schwierig fand ich auch die Rollenverteilung: Mads als gut aussehender, geheimnisvoller, innerlich verletzter Barista, Jonna als eigenwillige, aber unsichere Frau, die ihn irgendwie „rettet“, das ist mir zu sehr Schema F. Die Figuren bleiben damit vorhersehbar, und ihre Beziehung entwickelt sich entlang bekannter Tropes ohne eigene Akzente zu setzen.

Ich habe die Geschichte als Hörbuch gehört, und leider hat auch das nicht zur Aufwertung beigetragen. Besonders störend fand ich, dass einige Kopenhagener Stadtviertel falsch ausgesprochen wurden – ein Detail, das man leicht hätte vermeiden können und das umso mehr irritiert, weil die Figuren im Roman gebürtige Dänen sind.

Insgesamt bleibt „Copenhagen Cinnamon“ für mich eine nett gedachte, aber wenig überzeugende Herbstromanze, die hinter ihrem Potential zurückbleibt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.11.2025

Enttäuschend

Geheimnis am Weihnachtsabend
0

Der Titel verspricht einen klassischen Weihnachtskrimi im gemütlichen Oxfordshire – genau das, worauf ich mich gefreut habe. Umso enttäuschender war für mich, dass das Buch diese Erwartung kaum erfüllt. ...

Der Titel verspricht einen klassischen Weihnachtskrimi im gemütlichen Oxfordshire – genau das, worauf ich mich gefreut habe. Umso enttäuschender war für mich, dass das Buch diese Erwartung kaum erfüllt. Zwar reist Mrs. Bradley über die Feiertage zu ihrem Neffen aufs Land, und es gibt ein paar atmosphärische Schauplätze, doch wirklich weihnachtlich wird es kaum. Statt festlicher Stimmung dominiert eine eher trockene, langatmige Handlung.

Der Fall selbst beginnt interessant: ein mysteriöser Brief, eine alte Spuklegende und schließlich ein toter Anwalt, dessen Tod zunächst niemand für verdächtig hält. Doch was vielversprechend klingt, verliert sich schnell in ausufernden Beschreibungen und einem sehr gemächlichen Erzähltempo. Für mich zog sich die Handlung dadurch unnötig in die Länge, ohne echte Spannung aufzubauen. Mit Mrs. Bradley als Ermittlerin bin ich ebenfalls nicht warm geworden. Ihre scharfsinnige Art soll wohl charmant-exzentrisch wirken, blieb für mich aber distanziert – wie die meisten Figuren im Buch, denen ich kaum emotional näher gekommen bin.

Insgesamt war Geheimnis am Weihnachtsabend für mich kein Highlight des Genres. Zu wenig Atmosphäre, zu viel Detailfülle und eine Hauptfigur, zu der ich keinen Zugang fand.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.03.2025

Nicht meins

Nowhere Heart Land
0

Emily Marie Laras Debütroman "Nowhere Heart Land" wird im Netz von vielen gefeiert, doch für mich war er wider Erwarten leider nichts. Eigentlich schätze ich den Pola Verlag für seine durchweg unterhaltsamen ...

Emily Marie Laras Debütroman "Nowhere Heart Land" wird im Netz von vielen gefeiert, doch für mich war er wider Erwarten leider nichts. Eigentlich schätze ich den Pola Verlag für seine durchweg unterhaltsamen Romane, aber dieser Roman war mir einfach zu wenig handlungsgetrieben. Dabei fängt der Roman eigentlich vielversprechend an: Rosa kehrt aus London in ihre Heimatstadt zurück, um das Haus ihrer Großmutter zu verkaufen und deren Pflege zu finanzieren. Dabei wird sie mit Erinnerungen an ihre verstorbene Mutter und ihre eigene Vergangenheit in dem Internat, das sowohl ihre Mutter als auch Rosa besucht haben, konfrontiert.

Doch nach dem starken Beginn mit vielen interessanten Episoden passiert in meinen Augen nicht mehr viel: Rosa bleibt in ihrer Heimatstadt hängen, und anstatt einer tiefgründigen Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit oder einer Entwicklung ihrer Figur, wiederholen sich eintönige Tage, die ausführlich beschrieben werden. Ihr hoher Alkoholkonsum wird nicht kritisch hinterfragt und ihr Verhalten gegenüber ihrer Jugendfreundin Leni, die in der Schulzeit aufgrund ihrer Armut diskriminiert wurde, bleibt problematisch: Statt wirklicher Reflexion entwickelt Rosa beinahe stalkerhafte Züge und respektiert Lenis Grenzen nicht.

Mir fehlte eine greifbare Charakterentwicklung, eine überraschende Wendung oder wenigstens eine tiefere emotionale Ebene. So wirkte der Roman oft langatmig und viele Fragen bleiben offen. Die Rückblicke auf Rosas Schulzeit waren für mich die spannendsten Passagen – eigentlich hätte es den Rahmen in der Gegenwart für mich gar nicht gebraucht. Was mir hingegen gefallen hat, war die sprachliche Gestaltung: Emily Marie Lara schreibt durchaus atmosphärisch und eindringlich.

Dennoch bleibt mein Fazit: "Nowhere Heart Land" konnte mich nicht packen. Die Ausgangsidee ist gut, die Umsetzung jedoch für mich zu zäh, die Figuren zu stagnierend. Schade – denn das Potenzial war definitiv da.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre