Coming-of-Age-Roman mit bedrohlicher Grundstimmung
Licht zwischen den BäumenDer Roman "Das Licht zwischen den Bäumen" von Una Mannion spielt 1981 in den USA, im Bundesstaat Pennsylvania. Am letzten Schultag vor den Sommerferien ist die 14jährige Libby mit ihrer Mutter und ihren ...
Der Roman "Das Licht zwischen den Bäumen" von Una Mannion spielt 1981 in den USA, im Bundesstaat Pennsylvania. Am letzten Schultag vor den Sommerferien ist die 14jährige Libby mit ihrer Mutter und ihren vier Geschwistern im Auto unterwegs. Die Stimmung im Wagen ist angespannt, die Mutter genervt. Libbys jüngere Schwester Ellen reizt die Mutter, woraufhin diese die Zwölfjährige am Straßenrand aussetzt, mitten im Wald, es wird langsam dunkel. Die Geschwister protestieren, doch die Mutter bleibt hart und fährt weiter. Dieser Augenblick wird alles verändern.
Man hätte es nicht erwartet, doch Ellen kehrt zurück, mitten in der Nacht und stark verletzt. Libby und ihre Geschwister beschließen, der Mutter nichts zu sagen, um keinen Ärger zu bekommen, da Ellen getrampt war. Doch was in dieser Nacht geschehen war, wird noch weitere Kreise ziehen...
Das Buch ist in einer eher ruhigen Tonart geschrieben, mit vielen Naturbeschreibungen, die Autorin hat es nicht eilig.
"Im Wald verändern sich die Geräusche; alles verklingt vor dem Summen des Untergrunds und dem leisen Rascheln des Laubs oben im Blätterdach, das Licht bündelt sich zu einzelnen Wolken, alles ist nur noch Grün und Licht und Schatten. "Die Stille des Grüns", wie mein Vater immer aus einem Gedicht zitierte. Ich wusste nicht genau, was das bedeuten sollte, aber unter den geheimnisvollen Worten lag ein Gefühl, dass ich begriff. Die Stille des Grüns, diese Stille Gelassenheit des Waldes."
Es herrscht eine düstere Grundstimmung, die ganze Zeit liegt etwas Bedrohliches in der Luft. Die Beschreibung der fünf Geschwister und ihrer Beziehung zueinander fand ich sehr treffend und gut gelungen. Besonders in Libby konnte man sich gut hineinversetzen, da der Roman aus ihrer Sicht erzählt ist.
Auch den Schmerz der Kinder über den Verlust des Vaters konnte man gut nachempfinden, ebenso die Dynamik in dieser kaputten Familie. In dieser Familie wird über vieles geschwiegen, was letztlich auch zu den tragischen Ereignissen dieses Romans beiträgt.
"Ist dir klar, was du getan hast, Libby?", brüllte Mom mich an. Und die anderen, selbst Marie, hatten mich angeschaut, als wollte ich uns alle ruinieren. Ich hatte das Schweigegelübde gebrochen, an das wir uns in allen Dingen hielten, und das jetzt war ein weiterer Beleg dafür, dass uns allen Schlimmes drohte, wenn ich Geheimnisse an Fremde ausplauderte."
Das Verhalten der Mutter konnte ich leider überhaupt nicht nachvollziehen, wenn auch ihr Charakter sehr authentisch beschrieben war. Was für ein Mensch muss das sein, der sich so wenig um seine Kinder kümmert?
Gegen Ende der Geschichte spitzt sich die Lage zu und es wird immer spannender, bis zu einem fulminanten Finale.
Dennoch bin ich etwas zwiegespalten bei diesem Buch. Aufgrund des Klappentextes uns der Leseprobe hatte ich ein wenig mehr erwartet. Es ist wieder mal so ein Roman, der nicht wirklich schlecht war, aber auch nicht herausragend. Atmosphärisch ist der Roman insgesamt gelungen, das Schreibstil gut lesbar, aber das gewisse Etwas hat mir leider dennoch gefehlt. Ich vergebe schlussendlich 3,5 Sterne.
Positiv hervorzuheben ist allerdings noch das wirklich wunderschön gestaltete Cover!