Profilbild von Jecke

Jecke

Lesejury Star
offline

Jecke ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Jecke über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.06.2025

✎ Hayley Kiyoko - Girls like girls: Sag mir nicht, wie ich mich fühle

Girls like girls – Sag mir nicht, wie ich mich fühle
0

„Girls Like Girls“ von Hayley Kiyoko ist eher zufällig auf meinem Lesestapel gelandet. Ich hatte keine Vorkenntnisse zur Autorin - weder ihre Musik noch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit waren mir vertraut. ...

„Girls Like Girls“ von Hayley Kiyoko ist eher zufällig auf meinem Lesestapel gelandet. Ich hatte keine Vorkenntnisse zur Autorin - weder ihre Musik noch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit waren mir vertraut. Entsprechend unvoreingenommen habe ich das Buch aufgeschlagen.

Was ich erwartet hatte, war eine zarte queere Liebesgeschichte mit emotionaler Tiefe und authentischer Charakterentwicklung. Bekommen habe ich leider vor allem eines: viel Drama ohne echten Fortschritt.

Die Handlung pendelt zwischen romantischen Tagträumen, Selbstzweifeln und unausgesprochenem Schmerz - was an sich Potenzial hätte, wäre es nicht so oberflächlich geblieben. Die Figuren treten lange auf der Stelle, entwickeln kaum neue Facetten, und das emotionale Auf und Ab wirkt eher ermüdend als bewegend. Vor allem die Protagonistin verharrt in einem Zustand zwischen Trotz, Schwärmerei und stillem Kummer, der einen trotzdem irgendwie immer anschreit.

Ich habe mich oft gefragt, ob ich einfach nicht (mehr) zur Zielgruppe gehöre. Das Buch wird ab 13 Jahren empfohlen, obwohl die Hauptfigur bereits 17 ist.
Es dominiert eine sehr jugendliche Sichtweise. Viele Konflikte wirken wie aus der frühen Pubertät entlehnt, begleitet von einem Mangel an Selbstreflexion bei fast allen Beteiligten.

Was mir persönlich gefehlt hat, war eine klare Einordnung heikler Themen. Besonders der Umgang mit Alkohol wird meiner Meinung nach zu sorglos dargestellt - gerade in einem Jugendroman ein Punkt, der mehr Sensibilität verdient hätte.

Inhaltlich bleibt die Geschichte leider vorhersehbar. Überraschende Wendungen oder emotionale Aha-Momente? Fehlanzeige. Die große Entwicklung - sei es in der Liebesbeziehung oder im Selbstbild der Figuren - bleibt aus.

Die Story bietet wenig Tiefe und setzt eher auf das Setting als auf die psychologische Entwicklung der Figuren.

Man könnte zwar die Repräsentation queerer Gefühle loben, doch die Umsetzung empfinde ich als klischeehaft und wenig überzeugend.

Unterm Strich ist „Girls Like Girls“ wohl eher ein Buch für Leser:innen, die gerade erst beginnen, sich mit queerer Literatur auseinanderzusetzen. Oder für Fans von Hayley Kiyoko, die den emotionalen Vibe ihrer Songs wiederfinden wollen. Wer jedoch eine durchdachte Coming-of-Age-Geschichte mit echtem Wachstum erwartet, könnte sich eher enttäuscht wiederfinden. Für mich persönlich hat sie nicht gezündet.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 08.05.2025

✎ Susanne Weber - Die kleine Eule 2 Gute Nacht, kleine Eule!

Gute Nacht, kleine Eule!
0

Nach dem großen Erfolg von „Die Eule mit der Beule“ in unserem Kinderzimmer, waren die Erwartungen an das Nachfolgebuch „Gute Nacht, kleine Eule!“ von Susanne Weber entsprechend hoch. Das erste Buch begeisterte ...

Nach dem großen Erfolg von „Die Eule mit der Beule“ in unserem Kinderzimmer, waren die Erwartungen an das Nachfolgebuch „Gute Nacht, kleine Eule!“ von Susanne Weber entsprechend hoch. Das erste Buch begeisterte mit Mitmach-Elementen und liebevoll gestalteten Reimen - perfekt bereits für die Allerkleinsten.

Bei der abendlichen Lektüre von „Gute Nacht, kleine Eule!“ blieb der erhoffte Effekt einer beruhigenden Gute-Nacht-Geschichte jedoch aus. Als Mama hatte ich mir eine Erzählung gewünscht, die zur Entspannung beiträgt und sanft ins Einschlafen überleitet. Wir suchten gezielt nach Kinderbüchern, die eine ruhige Atmosphäre schaffen und zur Kuschelzeit im Bett einladen. Idealerweise schläft mein Kind beim Vorlesen bereits ein – das hat hier leider nicht funktioniert. Stattdessen turnt die kleine Eule als Piratin durchs Zimmer, singt lautstark und hüpft vergnügt auf dem Bett - was bei uns eher für Aufregung als für Stille sorgte.

Trotzdem hatte das Buch auch schöne Momente: Tagsüber holte meine Tochter „Gute Nacht, kleine Eule!“ gerne selbst aus dem Regal, um mit ihrem Kuscheltier Hasi die Szenen nachzuspielen. Die liebevoll illustrierten Seiten sind so aussagekräftig, dass sie die Handlung problemlos nachvollziehen konnte - auch ohne vorgelesen zu bekommen.

Fazit: „Gute Nacht, kleine Eule!“ eignete sich für uns persönlich weniger als klassische Einschlafgeschichte, punktet aber mit fantasievollen Bildern und regt zum Nachspielen an - besonders am Tag ein charmantes Bilderbuch für kleine Eulen-Fans.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 10.04.2025

✎ Monika Spang - Das große Gähnen

Das große Gähnen
0

Wir haben uns das Buch „Das große Gähnen“ angeschaut, aber leider konnten wir damit nicht warm werden.

Die Geschichte spielt im Zoo, einem Ort, den wir aus ethischen Gründen grundsätzlich meiden. Unserem ...

Wir haben uns das Buch „Das große Gähnen“ angeschaut, aber leider konnten wir damit nicht warm werden.

Die Geschichte spielt im Zoo, einem Ort, den wir aus ethischen Gründen grundsätzlich meiden. Unserem Kind haben wir früh erklärt, warum wir solch eine Anlage nicht unterstützen möchten, und dieses Buch passt einfach nicht zu unseren Überzeugungen.

Auch die Illustrationen sprechen uns persönlich nicht besonders an. Natürlich ist das Geschmackssache, doch sie konnten uns einfach nicht begeistern.

Die Reime sind solide. Für ein dreijähriges Kind wirken sie stellenweise jedoch etwas zu lang und verlieren dadurch an Leichtigkeit.

Geschmäcker sind verschieden - für uns hat es einfach nicht gepasst.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 03.04.2025

✎ Herman van de Wijdeven - Die schlechteste Idee in der Geschichte der schlechten Ideen

Die schlechteste Idee in der Geschichte der schlechten Ideen
0

Ich hatte mich auf eine sehr emotionale und vielleicht auch laute Geschichte eingestellt. Ich wollte, dass die Gefühle Achterbahn fahren und Lesende mitgerissen werden.
Doch die Erzählung ist eher leise.

Wir ...

Ich hatte mich auf eine sehr emotionale und vielleicht auch laute Geschichte eingestellt. Ich wollte, dass die Gefühle Achterbahn fahren und Lesende mitgerissen werden.
Doch die Erzählung ist eher leise.

Wir erleben das Buch aus Bents Sicht.
Bent war mir von Anfang an leider sehr unsympathisch. Dass er eifersüchtig ist, liest man bereits aus Zeile 1 quasi. Sein Benehmen dem Neuen gegenüber fand ich unmöglich. Seine Gedanken dazu fast noch schlimmer.

„Es war der erste Tag des neuen Schuljahres und ich wusste etwas, das kein anderer wusste. Ich allein kannte den Namen des Neuen. Nur ich hatte seine komische Stimme gehört. Ich hatte vor den anderen also einen Vorsprung. Das machte den ersten Schultag etwas weniger schlimm.“ (S. 10)

Vorurteile hat jede*r mal, doch wenn ein Kinderroman so beginnt, habe ich bereits einen Klumpen im Magen, der mit jedem weiteren Satz aufgelöst werden muss, um am Ende wieder im Reinen zu sein.

Herman van de Wijdeven hat es bei mir mit „Die schlechteste Idee in der Geschichte der schlechten Ideen“ nicht geschafft.

Der Autor gibt Tiefe an Stellen, an denen es keiner bedarf. (z. Bsp. Landschaftsbeschreibungen)
An anderen Stellen fehlt sie komplett. Die Figuren bleiben blass, die Handlungen bleiben undurchsichtig. Mir persönlich ist das Ganze zu unausgereift, zu oberflächlich.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Geschichte immer hin und her springt. Mal befinden wir uns im Jetzt, mal in der Vergangenheit, mal noch weiter in der Vergangenheit. Durch die Kürze der Kapitel kommt man nirgends richtig an.

Gerade für einen Kinderroman ab 11 Jahren erwarte ich eine gewisse Tiefe, um das Thema „Eifersucht“ adäquat an Lesende heranzubringen. Kinder in diesem Alter haben bereits eine gewisse Reife. Mit ihnen kann man über solchen Stoff fundiert reden.

In einem Klassenverband könnte ich mir das Buch gut vorstellen. Gerade mit Hinblick auf die gefährliche Entwicklung heutzutage, in denen zum Beispiel Videos zum Anlass genommen werden, Mutproben zu bestehen und / oder Wettbewerbe zu veranstalten, die mitunter tödlich enden.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 10.02.2025

✎ Sabine Kuegler - Dschungelkind 1

Dschungelkind
0

Vor Jahren ist mal „Jägerin und Gejagte“ bei mir eingezogen und erst hinterher habe ich erfahren, dass es der 3. Band rund um Sabine Kuegler ist.
Ich kenne den Film zum vorliegenden Buch nicht, weshalb ...

Vor Jahren ist mal „Jägerin und Gejagte“ bei mir eingezogen und erst hinterher habe ich erfahren, dass es der 3. Band rund um Sabine Kuegler ist.
Ich kenne den Film zum vorliegenden Buch nicht, weshalb ich keine Vorstellung vom Inhalt hatte.
Meine Erwartungen hingegen waren hoch, da das Buch und der Film sehr gepusht worden sind.

Anfangs war ich ziemlich angetan von den Erzählungen der Autorin.
Doch schon schnell merkte ich, dass sie hin und her sprang; dass sie Sachen anfing und dann nicht zu Ende erzählte; dass sie an der Oberfläche bleibt, um nicht erzählen zu müssen, was wirklich im Kessel brodelt.

Über den Stamm der Fayu lernt man relativ wenig kennen. Wenn ich jedoch an die Geschichten denke, die hier niedergeschrieben sind, bekomme ich wirklich Bauchschmerzen.
Da kommt ein weißer Mann bzw. eine weiße Familie in den Dschungel West-Papuas. Schnell wird zwischen den Zeilen klar, was hier wirklich stattfinden soll: eine Missionierung.

Als ich das erkannte, war meine Sicht auf das Buch eine ganz andere.
Sabine Kuegler beschreibt sehr romantisierend ihre Kindheitserinnerungen. Da gibt es kein kritisches Wort in die Richtung des Vaters; an seiner Arbeit, an seiner Einmischung in das Leben der indigenen Völker. Alles wird als toll und gewinnbringend für die Fayu dargestellt.

Da die Autorin nicht chronologisch erzählt, kommt es hin und wieder zu Wiederholungen.

Für mich war es leider nicht das, was ich erwartet habe. Die Autorin bleibt zu sehr an der Oberfläche. Ihr fehlt der Weitblick, um wirklich alles überblicken zu können. Sie sieht nur das, was sie sehen möchte, setzt es in einen rosaroten Kontext und hofft, so eine vom Vater geschaffene heile Welt präsentieren zu können.

Eine echte Auseinandersetzung mit sich selbst findet nicht statt. Vor allem als es dann zum Kulturschock kommt. Lesende erfahren nichts Tiefgründiges.

Und immer wieder stelle ich mir die Frage: Wenn ihr Leben im Dschungel so viel toller und besser war, warum ist sie mit ihren eigenen Kindern nicht dorthin zurück gegangen?

©2025 Mademoiselle Cake