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Veröffentlicht am 06.04.2025

Reisen ohne Hektik

Bummelzug nach Istanbul
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Auf den Spuren des Orient-Express sind sie gereist – Tom Chesshyre und sein alter Freund Danny, zwei Männer mittleren Alters, wie im Vorwort zu lesen ist. Das Interrail-Ticket ist gerade unschlagbar günstig, ...

Auf den Spuren des Orient-Express sind sie gereist – Tom Chesshyre und sein alter Freund Danny, zwei Männer mittleren Alters, wie im Vorwort zu lesen ist. Das Interrail-Ticket ist gerade unschlagbar günstig, die Idee nimmt Gestalt an, vier Wochen planen sie für ihr großes Abenteuer auf Schienen ein, ihr Ziel Istanbul haben sie fest im Auge.

Mein erster Eindruck zu diesem Bahnabenteuer ist schon mal sehr positiv, die vordere, aufklappbare Buch-Innenseite wartet mit tollen Reisefotos auf, schon da ist mein Interesse auf mehr geweckt. Die endgültige Reiseroute dann findet man auf der hinteren Innenseite – gespannt schlage ich die ersten Seiten auf. Los geht´s.

Die erste Etappe führt von London über Paris nach Straßburg und Stuttgart bis nach Nürnberg, diesem Kapitel vorangestellt (wie allen nachfolgenden auch) ist ein übersichtlicher Plan, was ich sehr zu schätzen weiß. Jede Stadt, jeder Aufenthalt wird ausführlich beschrieben. Es sind Momentaufnahmen im Hier und Jetzt, er geht allerdings sehr viel weiter ins Detail. Berichtet von Klimaaktivisten, vom Ausscheiden Großbritanniens aus der EU, von Macron und George Orwells Lieblingsplätzen in Paris, er lässt auch die Geschichte des Orient-Express nicht aus, auch von Straßburg und Nürnberg weiß er viel zu erzählen. Nürnberg scheint ihm so gar nicht gefallen zu haben. Obwohl ich diese Stadt zwar nicht allzu gut kenne, aber trotzdem ihren Charme zu schätzen weiß, habe ich vieles vermisst, denn außer den Überbleibseln der Nationalsozialisten, die mit dieser Stadt verbunden sind, fällt ihm nicht viel dazu ein. Schade.

Zehn Kapitel sind es, der Bummelzug macht Halt in Bratislava, in Bukarest und Sofia, in Thessaloniki und Neapel, Bari und Athen, um nur einige wenige Zwischenstationen zu nennen. Dabei kommt das Genießen nicht zu kurz, denn wenn man schon mit einem Bummelzug unterwegs ist, sollte alle Hektik außen vor bleiben. Und genau so sehen es Tom und Danny auch, sie lassen sich treiben, wollen selber entdecken, müssen nicht jede Touristenattraktion mitnehmen. Diese Einstellung gefällt mir sehr, denn wenn man von einem Land, einer Stadt, einem Landstrich mehr wissen will, kommt man einfach später nochmal zurück, um hier intensiv Land und Leute kennenzulernen.

Für diese gut 300 Seiten habe ich mir viel Zeit gelassen. Zum einen wollte ich die mir bekannten Ziele nochmal Revue passieren lassen und dann habe ich mich mit dem doch etwas nüchternen Schreibstil schwer getan. Ein Durchrauschen durch die Seiten wäre mir nicht möglich gewesen, zudem ist der Autor zu sehr ins Geschichtliche abgerutscht, er hat sich auch in Nebensächlichkeiten verloren, was dann oftmals die Leichtigkeit nimmt.

Nichtsdestotrotz werde ich in diesem Buch noch öfter blättern, mir einzelne Sequenzen je nach Lust und Laune aussuchen, der „Bummelzug nach Istanbul“ macht bestimmt so dann und wann bei mir wieder Halt.

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Veröffentlicht am 04.04.2025

So gar nicht paradiesisch

The Surf House
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Bea als Aussteigerin zu bezeichnen, trifft es nicht. Sie hat spontan, im wahrsten Sinne des Wortes von jetzt auf gleich, ihre Modelkarriere beendet. In Marokko steht sie vor der Kamera und trotzdem sie ...

Bea als Aussteigerin zu bezeichnen, trifft es nicht. Sie hat spontan, im wahrsten Sinne des Wortes von jetzt auf gleich, ihre Modelkarriere beendet. In Marokko steht sie vor der Kamera und trotzdem sie so gut wie nichts zu sich nimmt, ist das sündteure Kleid so eng, dass sie damit nicht sitzen kann. Sie hat dieses Leben so satt, sie steigt aus und findet sich in den Gassen Marrakeschs wieder. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf, sie wird überfallen, Rucksack und Papiere sind weg.

Eine schicksalhafte Begegnung führt sie direkt hinein in ein Surfparadies. War es Zufall? War es Schicksal? Bea lernt die Besitzer des Surf House kennen, sie findet hier Arbeit, sie lernt surfen – hat das Leben genau diesen magischen Ort für sie vorgesehen? Das Leben kann so leicht sein, es hat ihr viel zu bieten, wäre da nicht der Überfall zuvor, denn sie wird erpresst.

Der Thriller beginnt direkt gemächlich, je weiter ich dann lese, desto mehr offenbart sich mir. Die anfangs eher oberflächlich wirkende, austauschbare Story, die ich so immer wieder lese, wird intensiver, es wird beklemmend, es wird zunehmend gefährlich. Ich lese von Savannah, deren Bruder Seth sich im Surf House einmietet. Er sucht seit geraumer Zeit nach ihr, ihre Spur verliert sich in dieser Gegend. Da sind Marnie und Ped, die sich hier ihren Lebenstraum erfüllt haben. Aiden scheint hier auch fest verwurzelt zu sein und da ist noch Momo, ein Polizist, der so gar nicht durchschaubar ist. Die so vielschichtigen Charaktere lernt Bea besser kennen, nicht zu jedem findet sie Zugang. Mehr noch, sie ist dem ein oder anderen regelrecht ein Dorn im Auge, andere dagegen vermitteln ihr das Gefühl der Zugehörigkeit.

Lucy Clarke versteht es, die Spannung kontinuierlich zu steigern, sie vermittelt von allen hier, die sich in und um dieses Surf House bewegen, ein durchaus schlüssiges Bild, das sich mir einprägt. So bin ich schon mal voreingenommen gewissen Personen gegenüber, andere sehe ich sehr wohlwollend. Mit Seths Auftauchen dann spürt man eine Bedrohung, die sich nicht mehr aufhalten lässt, die Stimmung kippt. Nicht nur am Haus sind Risse zu sehen, auch die Idylle scheint am Bröckeln zu sein. Die Story entwickelt sich mehr und mehr zu einem Sog, den ich mich nicht entziehen konnte und es auch nicht wollte. Geheimnisse, Lügen, falsche Entscheidungen sind es, die letztendlich die ganze Dramatik offenbaren, das drastische Ende dann habe so nicht vermutet. Ein Thriller, der es in sich hat, den ich gerne gelesen habe.

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Veröffentlicht am 31.03.2025

Paulas Albtraum schlechthin

Das Smartphone
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Die fiktive Story um „Das Smartphone“ war als Dystopie angedacht, so verrät Marc Meller in seinem Nachwort. Letztendlich ist es ein nachdenklich machender Thriller geworden, der das Augenmerk auf die immer ...

Die fiktive Story um „Das Smartphone“ war als Dystopie angedacht, so verrät Marc Meller in seinem Nachwort. Letztendlich ist es ein nachdenklich machender Thriller geworden, der das Augenmerk auf die immer mehr vorhandene Künstliche Intelligenz mit all ihren Auswüchsen legt. Ein Smartphone ist ein Alltagsgegenstand, den wir immer bei uns tragen, mit dem wir uns informieren, uns unterhalten lassen und nicht zuletzt auch sensible Daten eingeben. Immer mit dem Wissen um Big Data, also überlegen wir uns jeden Klick, wir wiegen uns in Sicherheit.

Auch Paula denkt sich nichts dabei, ihr altes Handy wird zu langsam, ein neues muss her, allerdings kann sie sich nur ein gutes gebrauchtes leisten. Der Besitzer des Handyladens nimmt ihr altes Handy in Zahlung und schon abends erhält sie von ihm einen Anruf mit der Bitte, doch nochmal zu kommen, denn er hat eine Sypware darauf gefunden. Als sie am nächsten Morgen vor seiner Tür steht, sieht sie sich inmitten von Polizei und wie sie bald erfährt, ist Eric Naumann, der Landeninhaber, tot aufgefunden worden. Bei Paula tauchen zwei vermeintliche Polizisten auf, sie gerät in Verdacht, Emil, der Zwillingsbruder von Eric meldet sich bei ihr, zugleich wird ihr gekündigt, sie wird verfolgt – ihr Leben steht Kopf. Es gibt Tote, eiskalt ermordet. Auch diese Bluttat wird Paula angelastet, die Ermittler scheinen nicht die Hellsten zu sein.

Von Rooting oder Jailbreaking ist die Sprache, von Sypware, von KI und den Chancen, aber auch den damit einhergehenden Risiken. Diese hochaktuellen Themen sind es, die Marc Meller mit Paulas Horrortrip verknüpft. Er liefert auch Erklärungen dazu, die zwar kurz gehalten sind, die gelegentlich aber doch in Richtung trockenes Fachwissen abdriften.

Der Thriller lebt von der rasanten Story, von den vielen, immer wieder überraschenden Wendungen und von den teilweise sehr suspekt wirkenden und zweifelhaften Charakteren und einer schon auch ratlosen, aber doch zupackenden Hauptakteurin. Den Schluss dann finde ich ein wenig zu konstruiert, was meine Bewertung für diesen mitreißenden und nachdenklich machenden Thriller nur unwesentlich beeinflusst.

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Veröffentlicht am 28.03.2025

Spannender Ostsee-Krimi

Ostseedämmerung
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Der Teich, der zum Gut Hövelau gehört, ist für Trine und Vito ihr Abenteuerspielplatz. Trine meint, auf eine Glasscherbe getreten zu sein. Bei näherer Betrachtung sieht die etwa zwei mal drei cm große, ...

Der Teich, der zum Gut Hövelau gehört, ist für Trine und Vito ihr Abenteuerspielplatz. Trine meint, auf eine Glasscherbe getreten zu sein. Bei näherer Betrachtung sieht die etwa zwei mal drei cm große, bronzefarbene Scheibe mit vier Löcher und goldenen Verzierungen dann doch nach einem alten Schmuckstück aus. Wie sich bald herausstellt, wurde dieses Artefakt zuletzt bei Mira Schneider gesehen, einer Archäologiestudentin, die in einer renovierten Kate auf dem Grundstück von Hubertus von Steben gewohnt hat, bis sie vor eineinhalb Jahren spurlos verschwunden ist. Diesen Vermisstenfall bekommt Pia Korittki auf den Tisch. Nach Miras Verschwinden hatten andere Kollegen ihre Spur verfolgt, die jedoch im Sande verlaufen ist. Und nun wird dieser Fall wieder aufgerollt, Pia ermittelt in ihrem nunmehr zwanzigsten Fall.

Nicht jeden dieser zwanzig Bände habe ich gelesen, irgendwann bin ich eingestiegen und nun verfolge ich gespannt Pia Korittkis weitere Ermittlungen. Sie ist Kriminalhauptkommissarin im K1 der Bezirkskriminalinspektion Lübeck, ihr Freund Marten Unruh arbeitet beim LKA Kiel, ihr Sohn Felix verbringt so manches Wochenende bei Pias Ex-Freund Hinnerk. Auch wenn es von außen betrachtet nicht so aussieht, so hat sie ihr Privatleben ganz gut im Griff, wenngleich sie schon an Felix denkt, wenn sie einer gefährlichen Situation ausgesetzt ist.

Der Vermisstenfall Mira Schneider führt Pia zu deren nächstem Umfeld, zu ihren Eltern, zu ihrem Noch-Ehemann. Miras letzter Wohnsitz mitsamt den Bewohnern von Gut Hövelau wird unter die Lupe genommen, dabei scheint mir so mancher verdächtig. Ebenso sind es so einige der Dorfbewohner, die bei näherer Betrachtung dem Anschein nach doch einiges zu verbergen haben.

Zunächst gilt es, den vielen Personen nachzuspüren, denn meinem ersten Verdacht folgen so einige nach. Mias Leiche wird gefunden, die Dorfbewohner und neue Zeugen werden befragt. Die Ermittlungen weiten sich aus, es gibt immer wieder überraschende neue Erkenntnisse und auch meine Verdächtigen werden zahlreicher. Hatte ich anfangs eine klare Linie zu einer gewissen Person, so ging mir der Durchblick mehr und mehr verloren. Eva Almstädt versteht es bestens, falsche und durchaus glaubhafte Fährten zu legen, bis sich dann doch eine heiße Spur herauskristallisiert. Bis dahin dauert es allerdings, um gegen Ende nochmal so richtig dramatisch zu werden.

Mich hat die „Ostseedämmerung“ gut unterhalten, mein Spürsinn war gefordert, zwischendurch gab es einige Längen, die Ermittlung kam nicht recht vorwärts. Und doch hätte ich das Buch nicht weglegen wollen und letztendlich hatte Pia die richtigen im Verdacht. Die Handlung war logisch aufgebaut, die Charaktere waren allesamt überzeugend, der Schreibstil mitreißend, es war ein wiederum spannender Ostsee-Krimi und nun bin ich auf Pias nächsten Fall gespannt, auch wenn es bis dahin noch etwas dauern mag.

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Veröffentlicht am 26.03.2025

Die Fahndung nach den Tulpenmördern

Die Hausboot-Detektei - Tödliche Blüten
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Miss Universe ist tot. Und nicht nur sie, mindestens sechshundert weitere ihrer Art hat es erwischt. Sie liegen leblos am Boden - eine Katastrophe! Dieses Schlachtfeld hat nur eine einzige überlebt. Der ...

Miss Universe ist tot. Und nicht nur sie, mindestens sechshundert weitere ihrer Art hat es erwischt. Sie liegen leblos am Boden - eine Katastrophe! Dieses Schlachtfeld hat nur eine einzige überlebt. Der kleine Mann mit dem kugeligen Bäuchlein – Zacharias Muis – ist am Boden zerstört. Zwanzig Jahre hat es gedauert, bis er Miss Universe offiziell vorstellen konnte. Tiefschwarz ist sie, eine Schönheit mit goldenen Streifen. Dieses tiefe Schwarz ist zuvor noch keinem Züchter gelungen und nun ruft er nach der Polizei. Sehr ärgerlich, dass der Polizist, dem er diese Metzelei gerade meldet, nur mühsam einen Lachanfall zurückhalten kann.

Zum nunmehr fünften Mal bin ich sozusagen Zaungast, als die Detektive der Hausboot-Detektei wiederum ermitteln. Da die Polizei nichts tun will, bleibt Zacharias gar nichts anderes übrig, als die Aufklärung des Massakers in private Hände zu geben. Was liegt da näher, als die vier mittlerweile etablierten Privatdetektive mit dem Fall zu beauftragen, die ihren Sitz auf der Lakshmi, ihrem Hausboot, haben.

Viel ist los auf dem Keukenhof, in dessen Beeten sich das Drama um die zerstörten Tulpen abgespielt hat. Waren es mutwillig ausgesetzte Wühlmäuse, war es ein Anschlag eines Konkurrenten oder spielt ein verlorener Ehering eine Rolle? Lange tappen sie im Dunkeln, auch wird ein weißer Kastenwagen und zu allem Überfluss auch noch ein buntbemalter Bus gesichtet. Als dann auch noch eine Gärtnerin verschwindet, muss dringend Undercover ermittelt werden. Kommissar Zufall dann ist es, der irgendwann in diesem verzwickten Fall Licht ins Dunkle bringt.

Auch dieser fünfte Fall sorgt für viel Aufregung, dazwischen hat natürlich der Neufundländer, der schlichtweg „Hund“ gerufen wird und zum Hausboot einfach dazugehört, seinen Auftritt. Auch die Sorge um Fru Gunilla, Jans Eichhörnchen, setzt den Detektiven gewaltig zu. Nur gut, dass sie seit neustem im Besitz der Kusche sind – ein leicht verbeulter Multivan, den sie von einem Nachbarn als Honorar erhalten haben. Die „Tödlichen Blüten“ sind – wie schon die Vorgängerbände – ein wiederum witzig-spritziges Lesevergnügen. Ein Wohlfühl-Krimi, der so dann und wann zum Schmunzeln einlädt.

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