Profilbild von odile

odile

Lesejury Star
offline

odile ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit odile über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.04.2025

Mörderisches Tessin

Der Schädel von Sant'Abbondio
0

Moira ist glücklich. Ihre große Liebe Luca hat sich endgültig von seiner gewalttätigen Ehefrau getrennt, Papa Ambrogio erholt sich gut von seinem leichten Schlaganfall und Tochter Luna findet Geschmack ...

Moira ist glücklich. Ihre große Liebe Luca hat sich endgültig von seiner gewalttätigen Ehefrau getrennt, Papa Ambrogio erholt sich gut von seinem leichten Schlaganfall und Tochter Luna findet Geschmack am Leben im Tessin. Alles bestens. Zusammen helfen sie bei der Weinlese, einem bedeutenden Ereignis in Sant’Abbondio. Bis Wolfsspitz Liam unterhalb des Weinbergs einen menschlichen Schädel ausbuddelt. Schnell wird die Identität des Toten festgestellt: Domenico Tosi, der 1970 unter nie geklärten Umständen verschwand, ein Jugendfreund Ambrogios. Damit wäre der tragische Fall eigentlich erledigt. Denn in der Schweiz verjährt Mord nach dreißig Jahren. Kein Fall für die Polizei. Doch plötzlich kommen Gerüchte auf, Ambrogio sei der Täter und einige Dörfler wenden sich von ihm ab. Moira sieht sich gezwungen, selbst zu ermitteln, um ihren Vater zu entlasten. Nach so langer Zeit erweisen sich die Recherchen als schwierig und viele boykottieren Moiras Initiative. Damit ist Schluss als ein zweiter Mord geschieht. Denn jetzt ermittelt die Polizei …

„Der Schädel von Sant’Abbondio“ ist bereits der vierte Band der Tessinkrimireihe von Mascha Vassena. Die Bände können unabhängig voneinander gelesen werden. Für mich war es der Einstieg in die Reihe und ich habe mich problemlos zurechtgefunden.

Der Plot hat mich sofort getriggert. Kann ein Verbrechen, in dem vorher nie ermittelt wurde, nach so langer Zeit noch aufgeklärt werden? Im vorliegenden Fall wurde angenommen, dass der junge Domenico nach Amerika ausgewandert ist. Die Polizei hat damals nicht ermittelt und jetzt wird sie erneut nicht tätig. Wie den Hauptcharakter Moira hat es mich sehr erstaunt, dass in der Schweiz Mord nach dreißig Jahren verjährt. Mittlerweile besteht die Möglichkeit, dass sich dies ändert, da im März 2025 der Ständerat einer entsprechenden Vorlage zugestimmt hat. Jetzt muss der Nationalrat entscheiden.

Ich habe schnell in die Geschichte hineingefunden. Mascha Vassena schreibt flott und bildhaft. Es wundert mich nicht, dass das Tessin Touristen in Scharen anzieht. Land und Leute werden so anschaulich beschrieben, dass sich der Reisekoffer fast von selbst packt. Essen und Trinken kommen erfreulicherweise auch nicht zu kurz. Mir hat gut gefallen, dass die Autorin auch die Kehrseiten des abgeschiedenen Lebens nicht verschweigt.

Moira war mir sofort sympathisch. Sie ist klug, aufgeschlossen, loyal, verständnisvoll. Trotz ihrer Verlustängste setzt sie ihren Freund nicht unter Druck, sondern vertraut ihm. Als Ermittlerin beweist sie gute Instinkte und Empathie, die sie häufig zum Erfolg führen. Ihr Partner, der Rechtsmediziner Luca, liebt Moira, steckt aber im emotionalen Dilemma wegen seines kleinen Sohnes Alessio, den dessen Mutter als Druckmittel gegen ihn einsetzt. Auch die anderen Protagonisten finde ich überzeugend, wobei ich eine Schwäche für den pfiffigen Ambrogio entwickelt habe.

Der Tessinkrimi hat mir gut gefallen. Er lädt zum Miträtseln ein und wird glaubwürdig aufgelöst. Das eher gemächliche Erzähltempo und die zurückhaltende Dosis an Gewalt passen hervorragend zu einem Cosy Crime. Mir fehlte im Mittelteil ein klein wenig die Spannung, aber ich wurde doch so gut unterhalten, dass ich mir auch die anderen Bände der Reihe zulegen werde.

Ich vergebe 4,5 von 5 Sternen und eine Leseempfehlung an alle Fans von Cosy Crime mit Lokalkolorit.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.04.2025

Das Rotkehlchen soll leben

Das Schweigen der Kanarienvögel
0

Amalia Fink, emeritierte Professorin der Zoologie mit Fachgebiet Ornithologie, plant ein Sachbuch über die Vogelwelt Teneriffas zu schreiben. Dazu gönnt sie sich zusammen mit ihrer besten Freundin Lydia, ...

Amalia Fink, emeritierte Professorin der Zoologie mit Fachgebiet Ornithologie, plant ein Sachbuch über die Vogelwelt Teneriffas zu schreiben. Dazu gönnt sie sich zusammen mit ihrer besten Freundin Lydia, der Philosophin, eine erholsame Auszeit auf der Insel. Bei einem Ausflug in das Küstenstädtchen Puerto Santiago treffen sie eine ehemalige Studentin Amalias, die inzwischen Gesang studiert. Was macht Katie während des Semesters hier? Das Rotkehlchen, wie die Professorin sie insgeheim nennt, denn sie gibt allen ihren Bekannten Vogelnamen, erzählt, dass sie sich unsterblich in einen, leider verheirateten, Tinerfeño verliebt hat und ihm auf die Insel gefolgt ist. Die drei Frauen verabreden sich für den nächsten Tag, aber die Studentin erscheint nicht. Nach 24 Stunden hat sich die sonst zuverlässige Katie noch immer nicht gemeldet und die besorgte Amalia geht zur Polizei.

Dieses Mal hat die Autorin Ingrid Walther die Provence gegen Teneriffa getauscht. Ich war sehr gespannt auf ihren ersten Kanarenkrimi.

Obwohl der zuständige Kommissar Martínez einen guten Eindruck hinterlässt, beschließen die beiden Salzburgerinnen das Rotkehlchen selbst zu suchen. Schnell identifizieren sie Katies mysteriösen Liebhaber als Héctor Guarnido, einen zwielichtigen Unternehmer. Als sie bei ihrer Suche zuerst auf den rätselhaften Todessturz eines deutschen Touristen stoßen und dann die Leiche der bekannten Abgeordneten Margarita Sánchez Jiménez finden, kommt Bewegung in den Fall. Zunächst wird ihr Chauffeur Jesús bedroht, dann gerät auch Amalia in Gefahr.

Ingrid Walther schreibt gewohnt locker und bildhaft. Sie beschreibt die unbekannteren Seiten und die raue Natur Teneriffas so anschaulich, dass sofort Reiselust aufkommt. Von der bedrohten Lorbeertaube bspw. hatte ich vorher noch nie gehört. Ich hoffe sehr, dass sie jedem skrupellosen „Feinschmecker“ oder Jäger im Hals steckenbleibt.

Der Kriminalfall entwickelt sich rasch, sodass sich bald Spannung aufbaut, die bis zum Schluss anhält. Da zwischendurch aus der Perspektive Katies, statt aus der Sicht Amalias erzählt wird, behält der Leser stets den Überblick über die Geschehnisse.

Die Charaktere sind glaubwürdig, allen voran die sympathische Vogelkundlern Amalia, taff, klug, attraktiv und fürsorglich. Ihre liebenswerte Marotte finde ich amüsant. Mir leuchtet ein, dass sie sich Vogelnamen einfach besser merken kann. Ihr Beruf, der genaues Beobachten ihrer gefiederten Studienobjekte verlangt, hat ihren Blick für Details geschärft. Amalias beste Freundin Lydia besticht mit ihrer Lebensweisheit, sie ist bodenständig, humorvoll, klug und tiefgründig. Auch die übrigen Protagonisten konnten mich überzeugen.

Ingrid Walthers Kanarenkrimi lädt zum Miträtseln ein. Mir gefällt, dass der Lesende stets alle Fakten erhält, die auch den Hobbydetektivinnen bekannt sind. Im letzten Viertel des Buchs erhält Amalia einen wichtigen Hinweis, der uns beide auf die richtige Spur gebracht hat. Der Fall wird aufgelöst und hat mich bestens unterhalten. Im Lauf ihrer Ermittlung bahnt sich für Amalia nebenbei eine vielversprechende Romanze an, die sich gut in die Geschichte einfügt.

Ein kurzes Glossar der verwendeten fremdsprachlichen Ausdrücke am Buchende rundet den Krimi ab.

Da mir die Geschichte gut gefallen hat und ich gespannt bin, wie es mit Amalia und Maurizio weiter geht, hoffe ich auf eine baldige Fortsetzung der neuen Krimi-Reihe. Vielleicht gelingt es Ingrid Walther am Ende sogar, eine Vogelbeobachterin aus mir zu machen. Darauf einen Barraquito!

Ich vergebe 4,5 von 5 Sternen und eine Leseempfehlung an alle Krimifans.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.04.2025

Das Phänomen Hans Zimmer

Hans Zimmer
0

Hans Zimmer wird 1957 in Frankfurt/Main geboren. Seine turbulente Schulzeit, angeblich „flog“ er von einer Vielzahl dieser Einrichtungen, schließt er im englischen Dorking ab. Seit frühester Kindheit fasziniert ...

Hans Zimmer wird 1957 in Frankfurt/Main geboren. Seine turbulente Schulzeit, angeblich „flog“ er von einer Vielzahl dieser Einrichtungen, schließt er im englischen Dorking ab. Seit frühester Kindheit fasziniert ihn die Musik, doch sein einziger Klavierlehrer (das kommt uns bekannt vor) soll bereits nach einer Woche Unterricht geflohen sein. Jetzt also in England gelandet, zieht er nach London und startet dort seine Karriere.

Dr. Andreas Mäckler, Biograf und Schriftsteller, hat sich das große Ziel gesetzt, die umfassende Werksbiografie eines der größten lebenden Hollywood-Komponisten, Hans Zimmer, zu verfassen. In neun Kapiteln erzählt er uns vom Leben und Schaffen des großen Musikers.

Nach einer kurzen Einführung in die Kindheit und Jugend Zimmers sind wir also bei seinem Karrierestart im London der 1970er Jahre dabei. Er experimentiert mit Synthesizern, leidet an Geldmangel und auch mal unter einer Rattenplage. Doch er knüpft auch erste wertvolle Kontakte und widmet sich zunächst der Popmusik und der Werbebranche. Wir begleiten Hans Zimmer nach Hollywood, wo er mit Talent, Durchhaltevermögen und Beharrlichkeit den Durchbruch schafft ...

Für die vorliegende Werksbiografie wertete der Autor eine Vielzahl an Rezensionen, Medienberichten, Artikeln und Interviews aus. Er verwendet Anmerkungen und Erinnerungen von Mitarbeitern und Weggefährten Zimmers (z. b. Henning Lohner, S. 175, Christopher Nolan, S. 262), um ein umfassendes Nachschlagewerk erstellen zu können. Dazu diskutiert er Rezensionen, hinterfragt die Intentionen der Kritiker, die stets auch subjektiv sind, je nach Geschmack und Schwerpunkt des Einzelnen. Gefallen hat mir, dass er, um diesen Eindruck zu verdeutlichen, zwei Kritiken zum selben Soundtrack einander gegenüberstellt (z. B. S. 192). Ein weiteres Plus des Buches ist, dass auch kritische Stimmen und negative Rezensionen enthalten sind.

Die menschliche Seite des vielfachen Preisträgers kommt auch nicht zu kurz. Leider hat Hans Zimmer dem Autor kein Interview gegeben, deshalb hat dieser Interviews und Zitate verwendet, um den Komponisten zu Wort kommen zu lassen. „Das Wichtigste für einen Musiker ist, hören zu lernen - nicht, spielen zu lernen! Die Inspiration kommt von den Anderen."(S. 77) oder "Mit Kritiken ist es so eine Sache. Wenn ich für Filme wie „Besser geht’s nicht“ intimere Musik schreibe und sparsam mit dem Orchester arbeite, werfen sie mir vor, ich kriege den „großen Zimmer-Sound“ nicht mehr hin. Gehe ich’s bombastisch an, schreiben sie „Typisch Zimmer - immer dasselbe“ (S. 136). Am Buchende entdeckte ich, dass ich eine gemeinsame Vorliebe mit Hans Zimmer teile. Wir beide sind große Fans des britischen Komikers Tommy Cooper (S. 411)

Durch dieses Buch lernte ich ein für mich neues Phänomen kennen. Obwohl flüssig geschrieben, konnte ich, erschlagen von der Fülle an Information, Wissen und Material stets nur wenige Seiten auf einmal lesen. Dann musste sich der neue Input erst einmal setzen. Ich habe viel mehr als erwartet über den Werdegang Hans Zimmers, seine Entwicklung, sein Schaffen und sein Werk erfahren. Ebenso über das Entstehen, die Bedeutung und die Geschichte der Filmmusik. Über das Komponieren und den Weg zur Spitze (Stichwort Mentorenprinzip). Der Autor hat die herausfordernde Aufgabe, die er sich gestellt hat, bravourös gemeistert. Herausgekommen ist ein umfassendes Standardwerk für alle Fans von Hans Zimmer, aber auch für jeden, der sich für die Filmmusik Hollywoods und deren Geschichte interessiert.

Mir hat lediglich ein Personen- bzw. Stichwortverzeichnis gefehlt, das mir das Navigieren in dieser umfangreichen Werksbiografie erleichtert hätte. Das ein oder andere Foto würde den komprimierten Text auflockern.

Von mir 4,5 von 5 Sternen und eine Empfehlung für den genannten Leserkreis.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.04.2025

Zwei pfiffige Teenager und ein Cold Case

Tod im Samtmantel
0

Grace und Suzy sind zwei sympathische Teenager und allerbeste Freundinnen. Ihr Alltag verläuft ziemlich typisch für Dreizehnjährige, wobei die Schule viel Zeit beansprucht. Das ändert sich jäh, nachdem ...

Grace und Suzy sind zwei sympathische Teenager und allerbeste Freundinnen. Ihr Alltag verläuft ziemlich typisch für Dreizehnjährige, wobei die Schule viel Zeit beansprucht. Das ändert sich jäh, nachdem Grace einen schicken Vintage-Samtmantel in einem Secondhand-Laden kauft. Das Kleidungsstück scheint bei Grace Visionen auszulösen, die sie Ereignisse aus dem Leben der Vorbesitzerin des Kleidungsstücks, Olivia, sehen lassen. Als wäre das nicht schon verstörend genug, erlebt Grace während einer weiteren Rückschau mit, wie Liv vor 50 Jahren ermordet wird. Was soll sie jetzt machen?

„Tod im Samtmantel“ ist ein Jugendkrimi der englischen Schriftstellerin und ehemaligen Grundschulpädagogin Sarah Wynne, Das sehr gelungene, ansprechende Cover hat mein Interesse geweckt. Nach dem Lesen des Buches sieht man es mit anderen Augen ...

Der Plot ist ungewöhnlich. Ein Secondhand-Kleidungsstück löst bei der Protagonistin Visionen aus. Es ist leicht vorstellbar, in welch schwieriger Situation sich Grace plötzlich befindet. Zuerst bewahrt sie Stillschweigen und versucht herauszufinden, was mit ihr passiert. Nur ein Traum? Bald erkennt sie die Magie des Samtmantels. Sehr schön fand ich, dass Grace mit Suzy eine Freundin hat, der sie selbst dieses schräge Geheimnis anvertrauen kann, ohne ausgelacht oder für verrückt erklärt zu werden. Überhaupt zieht sich die unerschütterliche Freundschaft der beiden wie ein roter Faden durch die Geschichte. Gemeinsam überstehen sie die schwierigsten Situationen.

Sarah Wynne hat mit Grace und Suzy zwei glaubwürdige mutige Dreizehnjährige gestaltet, die clever und kreativ Rätsel lösen, Spuren verfolgen und sich nicht beirren lassen. Dadurch gelingt es ihnen aufzuklären, was Liv vor Jahrzehnten widerfahren ist. Auch die Nebencharaktere überzeugen und das Ambiente wird bildhaft beschrieben.

Die Geschichte liest sich flüssig, ist spannend und altersgerecht. Die Visionen von Grace sind durch die kursive Schrift deutlich hervorgehoben. Eingestreute Dialoge und Gedankengänge der Täter erhöhen die Spannung und sind teilweise gruselig. Obwohl ich der Zielgruppe des Buchs absolut nicht entspreche, gelegentlich aber gern Jugendbücher lese, fühlte ich mich gut unterhalten. Die sympathischen Hauptfiguren haben mich überzeugt, sodass ich mitgefiebert und mit gezittert habe bei ihrem spannenden Abenteuer. Gut gefallen hat mir auch, dass Grace an Selbstbewusstsein gewonnen hat und der Klassenzicke Jill nunmehr Kontra gibt.

Es ist nur natürlich, dass ein Jugendkrimi für einen Erwachsenen in Teilen vorhersehbar sein mag, doch das hat mich zu keiner Zeit gestört. Vielmehr hoffe ich auf ein Wiedersehen mit Suzy und Grace. Ihren erneuten Einkauf im Secondhand-Laden, dieses Mal ein Ballkleid und ein Rucksack, interpretiere ich mal als Cliffhanger.

Von mir gibt es 4,5 Sterne und eine Leseempfehlung für alle Fans von Jugendkrimis mit einem Schuss Mystery.


  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.03.2025

Lässt sich ein Mordfall nach 39 Jahren lösen?

NordOstAngst (Flensburg-Krimi)
0

Bei der Renovierung des Flensburger Stadttheaters wird ein menschliches Skelett gefunden. Überraschend schnell kann die Identität des Opfers geklärt werden. Die junge dänische Kunststudentin Bjarka Nielsen ...

Bei der Renovierung des Flensburger Stadttheaters wird ein menschliches Skelett gefunden. Überraschend schnell kann die Identität des Opfers geklärt werden. Die junge dänische Kunststudentin Bjarka Nielsen ist vor 39 Jahren in Flensburg spurlos verschwunden. Jetzt steht fest, sie wurde damals ermordet und eingemauert. Die Kommissare Anne Anders und Hendryk Larsson übernehmen den Cold Case. Zunächst besteht wenig Aussicht auf einen Ermittlungserfolg, aber dann werden nacheinander zwei wichtige Zeugen vergiftet. Wer will nach so langer Zeit die Aufklärung des Mordfalls Nielsen verhindern?

„NordOstAngst“ ist der sechste Küstenkrimi von Nele Bruun und der zweite Fall aus Flensburg. Der Lesespaß ist größer, wenn man die ganze Reihe kennt, aber die Bände können gut unabhängig voneinander gelesen werden.

1979 wurde die Verjährungsfrist für Mord, vor dem Hintergrund der Verbrechen in der NS-Zeit, abgeschafft. Seither schließt die deutsche Polizei ungelöste Tötungsdelikte nie vollständig ab. Mit einem solchen Cold Case sehen sich die Flensburger Kommissare Anne Anders und Hendryk Larsson konfrontiert. Obwohl das Ermittlerteam sehr gut harmoniert, erweist sich die Wiederaufnahme des Falls Bjarka Nielsen als schwierig. Die beiden Kommissare werden nicht nur von ihrem schwierigen Chef Peter Dünke unter Druck gesetzt. Vielmehr treibt sie der Wunsch an, den hochbetagten Eltern Nielsen, den Mörder ihres einzigen Kindes präsentieren zu können und dem Opfer nach so vielen Jahren Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

Nele Bruun schafft es wie gewohnt, den Leser bereits nach wenigen Seiten zu fesseln. Dazu tragen das gut gewählte Setting, der flüssige Schreibstil der Autorin und vor allem ihre überzeugenden Charaktere bei. Da sind das sympathische Ermittlerteam, das auch über etwas Privatleben verfügt, Originale wie Opa Nissen oder „der Stadtlautsprecher“ Anneliese Runge und Zeugen wie die Garderobiere Emma Schulz, die seinerzeit nur oberflächlich befragt wurde.

Der Leser bekommt den Ablauf der Ermittlungen hautnah mit, die Schwierigkeiten, nach so langer Zeit verwertbare Zeugenaussagen zu bekommen und die Verbindungen zwischen dem Altfall und den aktuellen Morden herzustellen. Nicht jeder Verdacht hat Bestand, aber auch nicht jedes Alibi. Die Spannung nimmt kontinuierlich zu. Lange Zeit hat mich die Autorin an der Nase herumgeführt. Nach einigen Verwicklungen und Wendungen gelingt es Anders und Larsson den Fall restlos aufzuklären und alle Fragen zu beantworten.

Ich wurde bestens unterhalten, wobei auch der Humor nicht zu kurz kam. Eine meiner Lieblingsszenen war die Begegnung des Schauspielers Michael "Zicken-Michi" Kronenberg, nach eigenem Verständnis Topstar des Theaters, mit einem Bauarbeiter auf der Bühne. Das Küsten-Feeling und die liebenswerten Originale, die ich oben schon erwähnte, runden die Geschichte ab. Ich freue mich schon auf eine Fortsetzung mit dem sympathischen Ermittlerteam. Mein einziger, kleiner Kritikpunkt sind das für mich etwas abrupte Ende und ein paar Längen im Mittelteil.

Von mir gibt es 4,5 Sterne und eine Leseempfehlung an alle Fans guter, nicht zu blutiger, Krimis mit Küstenflair.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere