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Veröffentlicht am 05.04.2025

Zwei pfiffige Teenager und ein Cold Case

Tod im Samtmantel
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Grace und Suzy sind zwei sympathische Teenager und allerbeste Freundinnen. Ihr Alltag verläuft ziemlich typisch für Dreizehnjährige, wobei die Schule viel Zeit beansprucht. Das ändert sich jäh, nachdem ...

Grace und Suzy sind zwei sympathische Teenager und allerbeste Freundinnen. Ihr Alltag verläuft ziemlich typisch für Dreizehnjährige, wobei die Schule viel Zeit beansprucht. Das ändert sich jäh, nachdem Grace einen schicken Vintage-Samtmantel in einem Secondhand-Laden kauft. Das Kleidungsstück scheint bei Grace Visionen auszulösen, die sie Ereignisse aus dem Leben der Vorbesitzerin des Kleidungsstücks, Olivia, sehen lassen. Als wäre das nicht schon verstörend genug, erlebt Grace während einer weiteren Rückschau mit, wie Liv vor 50 Jahren ermordet wird. Was soll sie jetzt machen?

„Tod im Samtmantel“ ist ein Jugendkrimi der englischen Schriftstellerin und ehemaligen Grundschulpädagogin Sarah Wynne, Das sehr gelungene, ansprechende Cover hat mein Interesse geweckt. Nach dem Lesen des Buches sieht man es mit anderen Augen ...

Der Plot ist ungewöhnlich. Ein Secondhand-Kleidungsstück löst bei der Protagonistin Visionen aus. Es ist leicht vorstellbar, in welch schwieriger Situation sich Grace plötzlich befindet. Zuerst bewahrt sie Stillschweigen und versucht herauszufinden, was mit ihr passiert. Nur ein Traum? Bald erkennt sie die Magie des Samtmantels. Sehr schön fand ich, dass Grace mit Suzy eine Freundin hat, der sie selbst dieses schräge Geheimnis anvertrauen kann, ohne ausgelacht oder für verrückt erklärt zu werden. Überhaupt zieht sich die unerschütterliche Freundschaft der beiden wie ein roter Faden durch die Geschichte. Gemeinsam überstehen sie die schwierigsten Situationen.

Sarah Wynne hat mit Grace und Suzy zwei glaubwürdige mutige Dreizehnjährige gestaltet, die clever und kreativ Rätsel lösen, Spuren verfolgen und sich nicht beirren lassen. Dadurch gelingt es ihnen aufzuklären, was Liv vor Jahrzehnten widerfahren ist. Auch die Nebencharaktere überzeugen und das Ambiente wird bildhaft beschrieben.

Die Geschichte liest sich flüssig, ist spannend und altersgerecht. Die Visionen von Grace sind durch die kursive Schrift deutlich hervorgehoben. Eingestreute Dialoge und Gedankengänge der Täter erhöhen die Spannung und sind teilweise gruselig. Obwohl ich der Zielgruppe des Buchs absolut nicht entspreche, gelegentlich aber gern Jugendbücher lese, fühlte ich mich gut unterhalten. Die sympathischen Hauptfiguren haben mich überzeugt, sodass ich mitgefiebert und mit gezittert habe bei ihrem spannenden Abenteuer. Gut gefallen hat mir auch, dass Grace an Selbstbewusstsein gewonnen hat und der Klassenzicke Jill nunmehr Kontra gibt.

Es ist nur natürlich, dass ein Jugendkrimi für einen Erwachsenen in Teilen vorhersehbar sein mag, doch das hat mich zu keiner Zeit gestört. Vielmehr hoffe ich auf ein Wiedersehen mit Suzy und Grace. Ihren erneuten Einkauf im Secondhand-Laden, dieses Mal ein Ballkleid und ein Rucksack, interpretiere ich mal als Cliffhanger.

Von mir gibt es 4,5 Sterne und eine Leseempfehlung für alle Fans von Jugendkrimis mit einem Schuss Mystery.


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Veröffentlicht am 27.03.2025

Lässt sich ein Mordfall nach 39 Jahren lösen?

NordOstAngst (Flensburg-Krimi)
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Bei der Renovierung des Flensburger Stadttheaters wird ein menschliches Skelett gefunden. Überraschend schnell kann die Identität des Opfers geklärt werden. Die junge dänische Kunststudentin Bjarka Nielsen ...

Bei der Renovierung des Flensburger Stadttheaters wird ein menschliches Skelett gefunden. Überraschend schnell kann die Identität des Opfers geklärt werden. Die junge dänische Kunststudentin Bjarka Nielsen ist vor 39 Jahren in Flensburg spurlos verschwunden. Jetzt steht fest, sie wurde damals ermordet und eingemauert. Die Kommissare Anne Anders und Hendryk Larsson übernehmen den Cold Case. Zunächst besteht wenig Aussicht auf einen Ermittlungserfolg, aber dann werden nacheinander zwei wichtige Zeugen vergiftet. Wer will nach so langer Zeit die Aufklärung des Mordfalls Nielsen verhindern?

„NordOstAngst“ ist der sechste Küstenkrimi von Nele Bruun und der zweite Fall aus Flensburg. Der Lesespaß ist größer, wenn man die ganze Reihe kennt, aber die Bände können gut unabhängig voneinander gelesen werden.

1979 wurde die Verjährungsfrist für Mord, vor dem Hintergrund der Verbrechen in der NS-Zeit, abgeschafft. Seither schließt die deutsche Polizei ungelöste Tötungsdelikte nie vollständig ab. Mit einem solchen Cold Case sehen sich die Flensburger Kommissare Anne Anders und Hendryk Larsson konfrontiert. Obwohl das Ermittlerteam sehr gut harmoniert, erweist sich die Wiederaufnahme des Falls Bjarka Nielsen als schwierig. Die beiden Kommissare werden nicht nur von ihrem schwierigen Chef Peter Dünke unter Druck gesetzt. Vielmehr treibt sie der Wunsch an, den hochbetagten Eltern Nielsen, den Mörder ihres einzigen Kindes präsentieren zu können und dem Opfer nach so vielen Jahren Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

Nele Bruun schafft es wie gewohnt, den Leser bereits nach wenigen Seiten zu fesseln. Dazu tragen das gut gewählte Setting, der flüssige Schreibstil der Autorin und vor allem ihre überzeugenden Charaktere bei. Da sind das sympathische Ermittlerteam, das auch über etwas Privatleben verfügt, Originale wie Opa Nissen oder „der Stadtlautsprecher“ Anneliese Runge und Zeugen wie die Garderobiere Emma Schulz, die seinerzeit nur oberflächlich befragt wurde.

Der Leser bekommt den Ablauf der Ermittlungen hautnah mit, die Schwierigkeiten, nach so langer Zeit verwertbare Zeugenaussagen zu bekommen und die Verbindungen zwischen dem Altfall und den aktuellen Morden herzustellen. Nicht jeder Verdacht hat Bestand, aber auch nicht jedes Alibi. Die Spannung nimmt kontinuierlich zu. Lange Zeit hat mich die Autorin an der Nase herumgeführt. Nach einigen Verwicklungen und Wendungen gelingt es Anders und Larsson den Fall restlos aufzuklären und alle Fragen zu beantworten.

Ich wurde bestens unterhalten, wobei auch der Humor nicht zu kurz kam. Eine meiner Lieblingsszenen war die Begegnung des Schauspielers Michael "Zicken-Michi" Kronenberg, nach eigenem Verständnis Topstar des Theaters, mit einem Bauarbeiter auf der Bühne. Das Küsten-Feeling und die liebenswerten Originale, die ich oben schon erwähnte, runden die Geschichte ab. Ich freue mich schon auf eine Fortsetzung mit dem sympathischen Ermittlerteam. Mein einziger, kleiner Kritikpunkt sind das für mich etwas abrupte Ende und ein paar Längen im Mittelteil.

Von mir gibt es 4,5 Sterne und eine Leseempfehlung an alle Fans guter, nicht zu blutiger, Krimis mit Küstenflair.

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Veröffentlicht am 27.03.2025

Wer ermordete Sir Mark?

Mord auf Westwater Manor
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Sally und Johnny Heldar, ein junges Buchhändlerpaar aus London, wird von Sir Mark Mercator beauftragt, die Bibliothek von Westwater Manor zu taxieren. Sie sollen klären, welche Teile der Bibliothek ihm ...

Sally und Johnny Heldar, ein junges Buchhändlerpaar aus London, wird von Sir Mark Mercator beauftragt, die Bibliothek von Westwater Manor zu taxieren. Sie sollen klären, welche Teile der Bibliothek ihm und welche Bücher seinem Großneffen Richard Thaxton zustehen. Bald entdecken Sally und Johnny, dass eine wertvolle Erstausgabe der Sammlung gegen eine schlechte Kopie ausgetauscht wurde. Dann hat Sir Mark einen Unfall, den er mit einer schweren Gehirnerschütterung übersteht. Doch nur eine Woche später wird er ermordet. Richard Thaxton bittet die Heldars auf Westwater Manor zu bleiben und bei der Aufklärung des Verbrechens zu helfen.

Die Originalausgabe von „Mord auf Westwater Manor“ ist bereits 1957 unter dem Titel „Death at One Blow“ erschienen. Es handelt sich um den zweiten Band von Henrietta Hamiltons wieder entdeckter fünfteiliger Krimiklassikerreihe rund um das sympathische Ermittlerpaar Sally und Johnny Heldar, der jetzt ins Deutsche übersetzt wurde. Die Bände können unabhängig voneinander gelesen werden.

Henrietta Hamilton, eigentlich Hester Denne Shepherd, war im Zweiten Weltkrieg beim Women’s Royal Naval Service, dem britischen Marinedienst für Frauen, und arbeitete später in einer antiquarischen Buchhandlung in London. Ich finde, dass sich diese Erfahrungen in ihren Krimis widerspiegeln.

Bereits im ersten Teil „Mord in der Charing Cross Road“ hat sich das Buchhändlerpaar Heldar seine ersten Sporen als Ermittler verdient. In Anspielung auf diesen Fall werden die beiden vom Hausherren um ihre Mithilfe gebeten. Akribisch versuchen sie einen Zeitplan für den Ablauf des Verbrechens aufzustellen und mit den Alibis der Verdächtigen abzugleichen. Doch dann liegt ihr Hauptverdächtiger tot im Stausee und der Verdacht richtet sich ausgerechnet gegen die Person, die sie für unschuldig halten.

Bei „Mord auf Westwater Manor“ handelt es sich um einen klassischen britischen Kriminalroman, der in den 1950er Jahren spielt. Dank der behutsamen Übersetzung und einer vorsichtigen Modernisierung wirkt der Schreibstil zwar etwas altmodisch, aber nicht antiquiert. Also genau so, dass man sich bei den Beschreibungen und Gesprächen vorübergehend in die damalige Zeit versetzt fühlt. Die Charaktere wirken teilweise exzentrisch und das Aufgebot an Personal erstaunt. Erwartungsgemäß ist das Frauenbild ein anderes, aber nicht abschätzig oder herabwürdigend. Atmosphäre und Ambiente stimmen, die Geschichte verläuft ruhig und gänzlich ohne Hektik. Das eher gemächliche Erzähltempo ist zwar ungewohnt, macht aber einen Teil des Charmes dieses Krimiklassikers aus, wenn man sich darauf einlassen kann.

Henrietta Hamilton erzählt uns von einem Mord im Stil einer Agatha Christie oder Dorothy L.Sayers, auch wenn sie deren Klasse nicht ganz erreicht. Unterhaltsam und spannend ist „Mord auf Westwater Manor“ auf jeden Fall. Die Ermittler Sally und Johnny können das Verbrechen logisch und nachvollziehbar auflösen. Ihre Gespräche und Recherchen regen zum Mitraten an. Dass ich mit meinem Verdacht dieses Mal richtig lag, hat meinen Lesespaß nicht getrübt. Vielmehr freue ich mich, dass sich ein Verlag gefunden hat, der diese Krimiklassikerreihe nach Deutschland bringt. Den ersten Band habe ich bereits gelesen und harre nun auf das Erscheinen von Band drei.

Ich vergebe 4,5 Sterne und eine Leseempfehlung an alle, die nostalgische Krimiklassiker schätzen.

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Veröffentlicht am 18.03.2025

Love Story und mehr auf irisch

Irish Kisses – Mein Weg zu dir
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Der 17.03., St. Patricks Day, wird von den Iren heißgeliebt und enthusiastisch gefeiert. Carly McCormick teilt diese Liebe ihrer Landsleute nicht. Für sie hat sich der irische Nationalfeiertag in den letzten ...

Der 17.03., St. Patricks Day, wird von den Iren heißgeliebt und enthusiastisch gefeiert. Carly McCormick teilt diese Liebe ihrer Landsleute nicht. Für sie hat sich der irische Nationalfeiertag in den letzten Jahren zu einem wahren Alptraum entwickelt. Also flieht sie stets rechtzeitig in einen möglichst weit entfernten Urlaubsort. Dieses Jahr will sie in den Etosha-Nationalpark nach Namibia reisen. Leider macht der Reiseveranstalter kurz vor Reisebeginn Pleite. Was also tun? Carly sieht sich nicht in der Lage, St. Patricks Day in Dublin zu verbringen. Auf die Schnelle scheint die einzige Fluchtmöglichkeit eine Radrundreise entlang der irischen Westküste zu sein. Mit gemischten Gefühlen steigt Carly in den Bus nach Galway …

Auf der Suche nach einem Wohlfühlroman fiel mir das Cover von „Irish Kisses. Mein Weg zu Dir“ von Josie Donovan auf. Trotz des für meinen Geschmack etwas sehr romantischen Titels hat mich die Aussicht auf Irish Feeling überzeugt. Es war das erste Buch der Autorin für mich.
Wir lernen zunächst die kleine, aber diverse Reisegruppe kennen. Fünf Touristen, das sind neben Carly, die coole Rechtsanwältin Wanda, der sympathische Rentner Fred, die liebenswürdige Großmutter Dottie und der schroffe Archäologe Horan. Reiseleiter Sam und die Fahrerin des Begleitfahrzeuges, Aminata, vervollständigen die bunte Truppe. Drei der Teilnehmer haben den Radtrip geschenkt bekommen, aus guten Gründen, wie sich noch herausstellen wird.

Die Charaktere sind glaubwürdig und passen hervorragend in die Geschichte, die sich flüssig liest und bei mir des Öfteren Kopfkino auslöste. Dann radelte ich neben Carly, versuchte mit Wanda mitzuhalten und spürte meine Sitzfläche wie die untrainierte Dottie. Auf dieser Reise erlebt die kleine Gruppe einige Krisen und überwindet manche Schwierigkeit. Das schweißt sie zusammen und allmählich lernen wir die Schicksale der einzelnen kennen. Dabei kommen Themen zur Sprache, die der romantische Titel nicht erwarten lässt. Da wurde ich angenehm überrascht.

Mein Fazit

Ich habe einen Wohlfühlroman gesucht und mit „Irish Kisses. Mein Weg zu Dir“ auch gefunden. Carly war mir von Beginn an sympathisch, aber auch die anderen Reiseteilnehmer habe ich im Lauf der Lektüre ins Herz geschlossen, selbst die adrenalinsüchtige Wanda und den muffigen Horan. Wie so oft entpuppen sich die Menschen, wenn man sie näher kennenlernt, als anders als zunächst eingeschätzt. Diese Einsicht vermittelt die Autorin auf unterhaltsame und spannende Weise. Die Beschreibung der herrlichen irischen Landschaft und des dazugehörigen Lebensgefühls runden den Roman zu einem gelungenen Lesevergnügen ab. Mein einziger, kleiner Kritikpunkt: Ich hätte gern noch etwas ausführlicher über das Leben der Teilnehmer nach Abschluss der Radtour gelesen.

Ich vergebe eine Leseempfehlung an alle, die einen Wohlfühlroman mit Irish Feeling schätzen.

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Veröffentlicht am 12.03.2025

Schnee hat viele Gesichter

Snø - Ohne jeden Zeugen: Ein Fall für Snø
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Lydia Winther, genannt Snø, kommt frisch von der Polizeischule in die Abteilung Sondereinsätze nach Oslo. Bei ihrem ersten Fall begegnet sie der Abiturientin Sonja, die glaubt, im leerstehenden Nachbarhaus ...

Lydia Winther, genannt Snø, kommt frisch von der Polizeischule in die Abteilung Sondereinsätze nach Oslo. Bei ihrem ersten Fall begegnet sie der Abiturientin Sonja, die glaubt, im leerstehenden Nachbarhaus Eindringlinge gesehen zu haben. Kommissarin Marit, ihre Vorgesetzte, stuft diese Anzeige als Fehlalarm ein. Snøs Bauchgefühl sagt etwas anderes und kurze Zeit später verschwindet Sonja. Neben einem Cold Case, der sich mit einer vermissten Ingenieurin befasst, wird Snø hauptsächlich mit dem Schreiben von Berichten beschäftigt. Sonja bleibt verschwunden, was niemanden zu interessieren scheint, sodass Snø heimlich mit Nachforschungen beginnt. Wenig später bekommt sie den Vermisstenfall der Erdölgeologin Janni Ebeltoft zugeteilt. Nach dem Fund von Leichenteilen in der Städtischen Verbrennungsanlage wird Snø von der Mordkommission zur Ermittlung hinzugezogen. Die Tote ist tatsächlich Janni Ebeltoft und die junge Polizistin darf an einem Mordfall mitarbeiten, was sie sich schon lange gewünscht hat.

»Snø – Ohne jeden Zeugen« ist der Auftaktband zur neuen Reihe der norwegischen Autorin Unni Lindell um die Polizistin Snø. Ein zweiter Band ist in Norwegen bereits erschienen.

Snø ist ein spannender Charakter. Als Kind stand sie stets im Schatten ihres strahlenden Bruders Lars. Weil es sein Traum war, Polizist zu werden, hat sie diesen Beruf gewählt. Lars ist seit sechs Jahren tot, ertrunken in einem Swimmingpool in Japan. Um so erschrockener ist Snø als sie plötzlich Freundschaftsanfragen und Mails ihres Bruders erhält. Neben den üblichen Startschwierigkeiten im neuen Job und ihren Sorgen um Sonja belasten sie jetzt auch noch diese privaten Probleme. Snø ist intelligent, eigenbrötlerisch, dickköpfig und neigt zu Alleingängen. Dank einer Synästhesie ist ihre Wahrnehmung und ihre Art, Informationen zu verknüpfen, häufig unorthodox.

Die anderen Charaktere blieben noch etwas blass, was beim Auftaktband zu einer Serie um eine Hauptfigur nicht ungewöhnlich ist. Lediglich ihr Teamkollege bei der Mordkommission, Hans Arnold Ytrefjord, genannt Har, bekommt mehr Tiefe. Er ist ein fähiger Polizist, freundlich, loyal und gutaussehend. Snø gegenüber benimmt er sich wie ein Freund und ignoriert ihre Avancen.

Der Fall Ebeltoft schlägt Wellen. Wird Snø anfänglich noch für ihre Analysen getadelt, stellt sich bald heraus, dass sie auf der richtigen Spur ist. Diese führt zu Norwegens Schlüsselbranche, der Ölindustrie. Die Grundlage des Wohlstands im Land bildet Norwegens Ölreichtum, der seit den 1970er Jahren ausgebeutet wurde und dem Staat das drittgrößte Bruttoinlandsprodukt pro Kopf weltweit beschert. Dementsprechend taktisch klug muss die Polizei agieren.

Ein sogenanntes Netzwerk verübt zahlreiche Morde, getarnt als Unfälle oder spurloses Verschwinden der Betroffenen, um Unternehmen dieser Branche zu schützen. Lange bleibt es ein Rätsel, wer die führenden Drahtzieher dieses Verbrechersyndikats sind. Lindell versteht es hervorragend, die Spannung aufzubauen und zu halten. In einem atemberaubenden Show-Down werden sowohl die Mordserie als auch Sonjas Verschwinden lückenlos aufgeklärt.

Mein Fazit

Unni Lindells neue Heldin hat viel Potenzial, mit all ihren Fähigkeiten und abgründigen Geheimnissen. Der Fall ist spannend und unterhaltsam. Bis zuletzt bleibt offen, wer die Schlüsselpositionen im „Netzwerk“ innehat. Den Plot fand ich sehr gelungen, ebenso die gute Recherche der Autorin, die Hinweise z B auf die Fälle Kampusch und Fritzl belegen. Noch eine kleine Warnung: Die Beschreibung der Opferbeseitigung ist nichts für schwache Nerven. Dazu hier nur ein Stichwort: Die Seifenmacherin von Correggio, Leonarda Cianciulli.
Sollte der Fortsetzungsband ins Deutsche übersetzt werden, wovon ich ausgehe, werde ich ihn lesen.

Einen kleinen Abzug gibt es für den etwas langatmigen Beginn und noch ausbaufähige Charaktere. Meine Wertung: 4, 5 Sterne und eine Leseempfehlung für alle Krimileser mit guten Nerven.

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