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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.05.2025

Kreaturen wie wir

A Dowry of Blood: Begehren. Obsession. Macht.
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"Doch es war, als würde ich nach einer Flamme greifen. Mir gelang es nie, in dein brennendes Herz vorzudringen, und so stand ich stets mit leeren, versengten Händen da."

Die rumänische Bäuerin Constanta ...

"Doch es war, als würde ich nach einer Flamme greifen. Mir gelang es nie, in dein brennendes Herz vorzudringen, und so stand ich stets mit leeren, versengten Händen da."

Die rumänische Bäuerin Constanta wird von Dracula vor dem Tod gerettet, indem er sie verwandelt. Fortan ist sie seine Braut., aber ebenso seine Gefangene. Allmählich findet sie heraus, dass es vor ihr andere gab. Was wurde aus ihnen? Und schon bald verwandelt Dracula auch die Adlige Magdalena und den Künstler Alexi...

Der Roman ist ungewöhnlich erzählt, denn Constanta richtet sich die gesamte Zeit über in einem Abschiedsbrief an ihren Schöpfer, den sie nie beim Namen nennt. Die Autorin erzählt wunderbar bildhaft und schafft es, der Geschichte um den berühmten Vampir ganz neue Sreiten abzugewinnen. Obwohl sich die Story vorwiegend auf die Interaktionen zwischen den Vampiren und weniger auf Ereignisse konzentriert, hat sie mich durchweg gefesselt. Schade fand ich allerdings, wie unglaublich schnell die Handlung durch die Jahrhunderte huscht. Der Roman hätte für meinen Geschmack 500 Seiten mehr haben können. Die Ereignisse aus Bram Stokers Dracula schrumpft so zum Beispiel auf die bloße Erwähnung der Probleme mit dem Ehepaar Harker zusammen. Mit mehr vom berühmten "show, don't tell" wäre das Buch für mich perfekt gewesen.

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Veröffentlicht am 26.04.2025

Ein Wunsch für einen Wunsch

Play of Hearts
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"Glaub mir, es gibt hier einige Schatten, die mehr verbergen als nur Licht."

Evie stammt aus einer Familie von Seelenmagiern, die Sterbende in den Tod begleiten. Das macht sie so einsam, dass ...

"Glaub mir, es gibt hier einige Schatten, die mehr verbergen als nur Licht."

Evie stammt aus einer Familie von Seelenmagiern, die Sterbende in den Tod begleiten. Das macht sie so einsam, dass sie sich als Kind verzweifelt einen Freund wünscht, so sehr, dass sie einem geheimnisvollen Spiegeljungen ihr Herz im Tausch für einen Freund verspricht. Doch stattdessen trifft sie ein Fluch und ihre Berührung ist fortan tödlich. Jahre später begegnet sie Arthur und verliebt sich. Doch um den Weg zu Arthur zu finden, braucht sie die Hilfe von Remi, der sie ebenso anzieht wie abstößt...

Die Geschichte zeichnet sich durch eine magisch-verträumte Atmosphäre aus, die sich noch verstärkt, als das Setting in einen Zirkus wechselt. Auch hier wird klar, Wünsche können gefährlich werden! Mir gefällt außerdem, dass ich noch gar nicht sagen kann, ob sich Arthur oder aber Remi als love interest letztendlich durchsetzen wird. Remi ist jedenfalls der faszinierendere Protagonist und wird verglichen mit einem Buch, bei dem Seiten herausgetrennt wurden, ein Rätsel, das unmöglich zu lösen ist.

Es handelt sich um den ersten Teil einer Dilogie und vielleicht ist das der Grund, warum für mich recht viel im Vagen blieb, etwa die magischen Familien. Das betrifft zwangsläufig auch die Verbindung des Liebesdreiecks um Evie, Arthur und Remi. Wie alles zusammenhängt, wurde natürlich noch nicht aufgedeckt und so blieb es manchmal schwer zu unterscheiden, was Illusion oder Realität ist. Ich bin gespannt auf die Auflösung im zweiten Teil, der sicherlich optisch wieder genauso hübsch verpackt wird.

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Veröffentlicht am 05.04.2025

Im Bann der Zeit

Beneath the Ivy - The Witches of Silvercrest Coven
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"Als Dad sich im letzten Herbst mit einem gebrochenen Fuß herumärgern musste, hat das Haus die Treppenstufen einfach ein paar Wochen lang niedriger gemacht. Was allerdings dazu führte, dass wir anderen ...

"Als Dad sich im letzten Herbst mit einem gebrochenen Fuß herumärgern musste, hat das Haus die Treppenstufen einfach ein paar Wochen lang niedriger gemacht. Was allerdings dazu führte, dass wir anderen mindestens einmal am Tag gestürzt sind, weil uns die normale Höhe der Stufen in Fleisch und Blut übergegangen ist."

Dass Cosy Hexen-Fantasy auch mit düsteren Einsprengseln sehr gut funktioniert, zeigt Christian Handel mit Beneath the Ivy.

The junge Hexe Marissa wohnt mit einer ganzen Hexenclan-Familie in Silvercrest Manor, einem Haus mit einem wunderbaren Eigenwillen. Eigentlich glaubt Marissa, sie müsse sich vor allem fragen, warum sie sich ausgerechnet von Caleb, der einer verfeindeten Familie angehört, so angezogen fühlt. Aber da erkrankt Marissas Lieblings-Cousine schwer. Und während Marissa nach Hilfe sucht, beschleicht sie das Gefühl, dass sie diesen Tag nicht zum ersten Mal erlebt...

Die Story glänzt mit Familiengeheimnissen, originellen Einfällen und dem Aufwerfen von moralischen Fragen, die zum Nachdenken anregen. Während der ersten Wiederholung des Tages war ich allerdings irritiert, weil sich nicht nur die Ereignisse, sondern beinahe jede Formulierung komplett wiederholt. Ich dachte tatsächlich, ich hätte mich verblättert. Das war einerseits zwar raffiniert, aber auch sehr redundant. Zum Glück sind die folgenden Wiederholungen aber abwechslungs- und fantasiereicher und die Geschichte macht wirklich Spaß. Schade nur, dass das Lektorat ein paar Ungereimtheiten übersehen hat. Die größte wirkt sich ausgerechnet auf die Auflösung aus. Dennoch eine gelungene Hexengeschichte, die Lust auf noch mehr Magie macht.

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Veröffentlicht am 18.03.2025

Aristokraten sind bissig

Eleanor
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"Dunkelheit drang zusammen mit der Stimme in den Raum. Sie war Jahrhunderte vom Leben und Tageslicht entfernt und wurde nur mithilfe reiner Willensanstrengung durch tote Lungen und eine eisige Kehle angetrieben. ...

"Dunkelheit drang zusammen mit der Stimme in den Raum. Sie war Jahrhunderte vom Leben und Tageslicht entfernt und wurde nur mithilfe reiner Willensanstrengung durch tote Lungen und eine eisige Kehle angetrieben. Obwohl die Kerzen noch brannten, schien der Vampir in seinem eigenen Schatten zu stehen; seine Augen waren wie Rubinsplitter und seine Hände und sein Gesicht so weiß wie die Spitzenkrause an seinem Hals."

Weiter geht es im zweiten Teil von Genevieve Cogmans Reihe um die Französische Revolution, den Geheimorden Scarlet Pimpernel, Vampire und Magier.

Zurück in England, ist Scarlet ehemals Dienstmagd in Vampirdiensten, nun tatsächlich ein Mitglied des Ordens Scarlet Pimpernel. Aber so richtig gleichberechtigt kommt sie nicht zum Einsatz. Adlig wie andere Ordensangehörige ist sie nicht und zu dem noch eine Frau. Dass sie die Seele einer alten Magierin beherbergt und über große Kräfte verfügt, weiß nur Eleanor selbst. Als der bekannte französische Staatsmann Talleyrand verschwindet, kommt die Liga Scarlet Pimpernel einer weitaus größeren Verschwörung auf die Spur...

Endlich bekommen wir mehr von den Vampiren zu sehen. Die Idee, Adlige als Vampire zu präsentieren finde ich sehr gelungen. Nur von den Magiern, die mit den Vampiren in einen Krieg verwickelt waren, erfahren wir weiterhin zu wenig.

Eleanors beeindruckende Entwicklung setzt sich fort und es stellt sich die Frage, ob es für sie und Charles trotz des Standesunterschieds eine Zukunft geben könnte.

Der Mont St. Michel, zu dem es die Liga verschlägt, bietet ein wunderbares Setting und auch die Rolle des gruseligen Prinzen von Paris hat mich fasziniert, so dass ich auf ein Wiedersehen im dritten Teil hoffe.

Bei aller Sympathie für Eleanor fehlen mir noch immer die Protagonisten von Cogmans Reihe um die unsichtbare Bibliothek, die einfach einen einzigartigen Charme hatten.

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Veröffentlicht am 06.03.2025

Endlich nach Luft schnappen

Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben
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"Wenn früher in meiner Gegenwart über die Wechseljahre gesprochen wurde, war mir nie klar, wie lebendig und hungrig man sich fühlt, wenn man offiziell schon abgeschrieben ist.
Warum hören die meisten Lebensträume ...

"Wenn früher in meiner Gegenwart über die Wechseljahre gesprochen wurde, war mir nie klar, wie lebendig und hungrig man sich fühlt, wenn man offiziell schon abgeschrieben ist.
Warum hören die meisten Lebensträume eigentlich mit circa fünfunddreißig Jahren auf?
Ich hätte gerne einen Plan für die nächste Hälfte, irgendwas außer der Vorbereitung auf das Sterben."

Das fragt sich Nina mit fast fünfzig. Bei der Scheidung hat sie sich von ihrem begüterten Ehemann ordentlich über den Tisch ziehen lassen. Inzwischen hat dieser mit einer um Jahrzehnte jüngeren Influencerin eine neue Familie gegründet. Als Nina auf einem Gartenfest dem dreißigjährigen David begegnet, spürt sie zum ersten Mal seit langem wieder Anziehungskraft und Lebenslust. Die beiden landen gemeinsam im Bett und bald stellt sich die Frage ob da je mehr sein kann...

Anika Decker schafft das Kunststück, gleichzeitig leichtfüßig, tiefgründig und amüsant zu erzählen, auf wie vielfältige Weise Frauen noch immer anders behandelt werden als Männer. Die Geschichte bietet dabei, anders als vom Klappentext beworben, einiges mehr als die Age-Gap-Lovestory. Viel Raum nimmt zum Beispiel auch eine Me too-Problematik in der Filmfirma, in der Nina arbeitet ein, ebenso wie das Hausfrauendasein von Ninas Schwester Lena und weitere Familienthemen.

Wirklich aus dem Leben gegriffen waren für mich Ninas Kinder, die die Handlungen ihres Vaters ohne weiteres akzeptieren, Nina ob ihres Interesse an einem jüngeren Mann aber regelrecht beschämen und abkanzeln. Oft legt Anika Decker den Finger gekonnt in die Wunde, z. B. als Nina auf Tinder von einem einzigen gleichaltrigen Mann ein Like bekommt, trotz ihres guten Aussehens ein so seltenes Ereignis, das es von Nina und ihrer Freundin sogar bejubelt wird.

Mich hat es begeistert, dass hier zahlreiche Missstände angesprochen werden und das Lesen dann gleichzeitig noch so viel Spaß machte. Teilweise habe ich förmlich an den Seiten geklebt. Nur schade, dass das Ende dann doch so überzuckert und übertrieben daherkam, das es für mich nicht recht zur übrigen Story passen wollte.

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