Profilbild von Naraya

Naraya

Lesejury Star
offline

Naraya ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Naraya über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.04.2025

90 vegane Klassiker

Kochen alla Nonna
0

Als Giuseppe Federici auf Social Media eines Tages seine Nonna Marianna beim Kochen zeigt, ahnt er nicht, welchen Erfolg er damit haben soll. Inzwischen ist sein erstes Kochbuch „Kochen alla Nonna vegan“ ...

Als Giuseppe Federici auf Social Media eines Tages seine Nonna Marianna beim Kochen zeigt, ahnt er nicht, welchen Erfolg er damit haben soll. Inzwischen ist sein erstes Kochbuch „Kochen alla Nonna vegan“ erschienen, in dem 90 Klassiker der italienischen Küche zu finden sind. Das verwundert zunächst, da viele Gerichte, die uns in den Sinn kommen, Milchprodukte oder Fleisch enthalten, aber Federici erklärt, dass die ländliche italienische Küche, die „povera cucina“ (=Küche der Armen) von Haus aus oft vegetarisch oder vegan ist.

Zu Beginn seines Kochbuchs erzählt Giuseppe zuerst die Geschichte seiner Nonna, die der Liebe wegen nach Großbritannien ging und dort sowohl einen Fish-and-Chips-Laden, als auch später eine Eisdiele bzw. ein italienisches Restaurant besaß. Er verrät aber auch, wie die Familie zur veganen Ernährung kam, als sein Vater an Darmkrebs erkrankte und Giuseppe zum ersten Mal seine Essgewohnheiten überdachte. Daraus entstand ein Kochbuch für alle – egal ob Veganer oder jemanden, der einfach nur ab und zu vegan essen will.

Dann empfiehlt Federici einige vegane Vorräte, die er gerne immer zur Hand hat, zum Beispiel Grundnahrungsmittel wie Nudeln, Öl oder Reis, aber auch frische Zutaten wie Kräuter, Gemüse oder pflanzlichen Käse. Anschließend folgen Rezepte in den Kategorien Vorspeisen & Salate, Erster Gang & Beilagen, Suppen & Eintöpfe, Brot, Pasta, Hauptgänge und Süßes & Drinks. Dabei fehlt tatsächlich kein einziger Klassiker, egal ob Pizza oder Lasagne, Pesto oder Arancini Tiramisu oder Gelato. Jedes Rezept enthält zudem eine kurze Info, Zutaten und Zubereitung sowie je nach Rezept die Vorbereitungs- bzw. Zubereitungszeit sowie die Personenzahl. Trägt ein Rezept „Nonnas Gütesiegel“ in der oberen Ecke, ist es ein Original von Nonna Marianna.

„Kochen alla Nonna vegan“ ist ein wunderbares Buch mit authentischen italienischen Gerichten, die von Generation zu Generation weitergegeben und auf eine vegane Lebensweise angepasst wurden. Der Charme des Buchs wird von David Loftus’ tollen noch Fotos noch unterstrichen, die die Gerichte, aber auch Giuseppe und seine Nonna zeigen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.03.2025

Ein wunderschöner Wohlfühlroman

Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen
0

Nach dem Tod ihrer Großmutter kehrt die 25-jährige Hatoko aus dem Ausland nach Kamakura zurück, um deren Schreibwarenladen zu übernehmen. Zu Lebzeiten war das Verhältnis der beiden immer kompliziert, was ...

Nach dem Tod ihrer Großmutter kehrt die 25-jährige Hatoko aus dem Ausland nach Kamakura zurück, um deren Schreibwarenladen zu übernehmen. Zu Lebzeiten war das Verhältnis der beiden immer kompliziert, was Hatoko schließlich auch veranlasste, fortzugehen. Dennoch will sie nun den Beruf ihrer Großmutter fortführen, den der Schreiberin. Zu Hatoko kommen von nun an die unterschiedlichsten Kundinnen, um sich von ihr Briefe schreiben zu lassen. Doch diese Kunst ist komplex: Hatoko muss nicht nur den richtigen Ton treffen, sondern auch das richtige Schreibgerät, die passende Schrift und das Papier auswählen.

„Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen“ ist Ito Ogawas erster Roman, der in deutscher Sprache erschien, obwohl sie in Japan bereits seit 2008 Bücher veröffentlicht. Die Übersetzung stammt von Sabine Mangold, die auch schon Werke von Haruki Murakami oder Yoko Ogawa übertrug. Die Geschichte wird von der Protagonistin Hatoko selbst in der Ich-Form und im Präsens erzählt, ganz so als würden wir sie dabei begleiten. Darüber hinaus ist besonders, dass die Handlung alle vier Jahreszeiten durchschreitet – beginnend im Sommer, als Hatoko in Kamakura ankommt, bis in den Frühling, in dem sich für sie vieles verändert.

Zwei Dinge sind im Roman zentral: Hatokos Kund
innen und deren Briefe sowie das Verhältnis zur Großmutter, die Hatoko nur „meine Vorgängerin“ nennt. Das erste Thema ist unglaublich interessant, weil die Autorin sehr ausführlich beschreibt, wie viel Herzblut im Schreiber-Handwerk steckt und welche Konventionen bestehen, zum Beispiel, welches Papier oder welche Tinte zu verwenden ist und sogar, welche Briefmarke letztendlich ausgewählt wird. Auch die Kund*innen haben inhaltlich die unterschiedlichsten Wünsche, der Fokus bleibt jedoch immer auf Hatokos Leben.

Hatoko fühlte sich von ihrer Großmutter stets zu streng behandelt und in das Schreiberhandwerk hineingezwungen. Aus diesem Grund ging sie im Streit fort und kam erst nach deren Tod zurück, so dass beide kein klärendes Gespräch mehr führen konnten. Auch die Tante ist inzwischen verstorben, eine Mutter hat Hatoko nicht und so fühlt sie sich in Kamakura zunächst sehr einsam – wären da nicht ihre Freunde, wie Nachbarin Barbara, Grundschullehrerin Panty oder die 5-jährige QP-chan, die ihr zeigen, dass Familie nicht zwingend Blutbande bedeuten müssen. Und vielleicht kann Hatoko sich trotz allem mit ihrer Großmutter aussöhnen. Ein wirklich schöner Roman, der hoffentlich zu weiteren Übersetzungen der Autorin führen wird.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.03.2025

Roman über Depressionen und vererbte Traumata

Kankos Reise
0

Die 17-jährige Kanko leidet unter Depressionen. Sie würde am liebsten nicht mehr zur Schule gehen und dafür in ihrem Bett bleiben. Von ihrer Familie hat sie keine Unterstützung zu erwarten. Seit einem ...

Die 17-jährige Kanko leidet unter Depressionen. Sie würde am liebsten nicht mehr zur Schule gehen und dafür in ihrem Bett bleiben. Von ihrer Familie hat sie keine Unterstützung zu erwarten. Seit einem Schlaganfall ist ihre Mutter, eine Alkoholikerin, halbseitig gelähmt und eine völlig andere Person geworden. Mit dem Vater ist so lange gut auszukommen, bis ihn die Wut packt und er zuschlägt. Als seine Mutter im Sterben liegt, macht die Familie sich gemeinsam im Auto auf den Weg. Auf engem Raum spitzt sich die Situation immer weiter zu und droht zu eskalieren.

Mit ihrem Debütroman „Idol in Flammen“ gab die heute 25-jährige Rin Usami bereits einen tiefen Einblick in die Psyche einer jungen Frau. In „Kankos Reise“ ist ihr das, meiner Meinung nach, noch besser gelungen. Aus dem Japanischen übersetzte auch dieses Mal Luise Steggewentz. Die Handlung wird völlig aus der Sicht der Protagonistin Kanko erzählt, was das Geschehen umso eindringlicher wirken lässt. Im Zentrum steht dabei die Fahrt zur Großmutter, es wird aber auch das Davor und Danach geschildert.

Kanko lebt in einer völlig dysfunktionalen Familie. Ihre beiden Brüder haben bereits das Elternhaus verlassen, der ältere mit einem großen Knall, der jüngere eher unauffällig und leise. Zurück bleibt Kanko, die immer wieder vermittelt. Zwischen den Eltern, den Eltern und ihren Brüdern – dabei ist sie diejenige, für die sich jemand einsetzen müsste. Ihre Depressionen haben ihr schwer zugesetzt, sie hat bereits versucht, sich das Leben zu nehmen. Doch in Kankos Familie scheint jeder nur mit sich selbst beschäftigt. Alles gipfelt in einer folgenschweren Autofahrt, deren Ausgang schockiert.

„Kankos Reise“ ist ein Roman über Depressionen, aber vor allem einer über ungesunde familiäre Beziehungen und vererbte Traumata. Im Verlauf der Handlung wird deutlich, dass nicht nur Kanko sich verloren fühlt, sondern auch Vater und Mutter. Ein fataler Kreislauf, aus dem es auszubrechen gilt, aber wie soll das gehen, wenn Eltern ihre Kinder im Stich lassen und auch die Geschwister nicht füreinander da sind? Ein emotionaler, teilweise schwer zu ertragender Roman.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.03.2025

Beeindruckende Sammlung

YOKAI - GEISTER
0

Im japanischen Volksglauben existiert eine Reihe von übernatürlichen Wesen, die unter dem Begriff „yōkai“ zusammengefasst werden. Der Prestel Verlag hat nun mit „Yōkai – Geister“ eine wunderschön gestaltete ...

Im japanischen Volksglauben existiert eine Reihe von übernatürlichen Wesen, die unter dem Begriff „yōkai“ zusammengefasst werden. Der Prestel Verlag hat nun mit „Yōkai – Geister“ eine wunderschön gestaltete Sammlung von Holzschnitten herausgegeben, die jene Wesen dokumentiert. Die Ausgabe ist mit einem festen, seidig glänzenden Einband und mit einer Schlauchbindung (auch japanische Blockbindung) versehen. Die Rückseiten der Illustrationen sind somit nicht bedruckt, so dass die Motive nicht durchscheinen und dicke Doppelseiten entstehen. Das Buch wird mit einer schwarzen Schleife verschlossen.

In seinem begleitenden Texten stellt der Gerichtsmediziner Philippe Charlier die unterschiedlichsten Arten von Geistern vor. Die yūrei sind bspw. Frauen in weißen Gewändern und mit offenen Haaren, wobei Weiß in Japan die Farbe des Todes ist. Die Holzschnitte sind manchmal farblos und trist, manchmal voll kräftiger Farben. Wir sehen schlichte Darstellungen, überladene Szenen, riesenhafte Skelette und herumfliegende Köpfe ohne Körper – es gibt allerhand zu entdecken in dieser Sammlung.

Die verschiedenen Geister und ihre Geschichten sind in Japan jedem Kind bekannt und es gibt für alles den passenden Geist. Da wäre zum Beispiel ubume, der Geist einer bei der Geburt verstorbenen Mutter auf der Suche nach ihrem Kind. Oder die so genannten funayūrei, Geister Ertrunkener, halb Mensch, halb Fisch, die Schiffe anlocken und auf Riffe zusteuern. Yuki-Onna, die Schneefrau lässt ihre Opfer erfrieren und die tsukumogami sind beseelte Alltags- und Gebrauchsgegenstände. Besonders aktiv sind Geister übrigens in der „Stunde der Kuh“ zwischen 2 und 3 Uhr nachts.

Charlier erzählt auch Geschichten, wie die des Tellergeists Okiku, einer Magd, die von ihrem Herrn, einem Samurai, getötet wurde, weil sie sich ihm nicht hingeben wollte. Er stürzte sie in einem Brunnen, der als Tor zur Unterwelt verstanden wird und Filme wie „The Ring“ inspirierte. Am Ende weist ein Abbildungsverzeichnis alle gezeigten Werke mit Titel, Künstler, Lebensdaten und Ausstellungsort aus. Die bekanntesten Künstler dürften dabei Utagawa Hiroshige und Katsushika Hokusai sein.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.02.2025

Generationenroman mit komplexen Beziehungen

Die Tage nach dem Pflaumenregen
1

Shanghai, April 1947. Suchi und Haiwen sind verliebt und wollen unbedingt heiraten. Doch dann meldet sich Haiwen freiwillig als Rekrut für den Bürgerkrieg, damit sein Bruder stattdessen bei seiner schwangeren ...

Shanghai, April 1947. Suchi und Haiwen sind verliebt und wollen unbedingt heiraten. Doch dann meldet sich Haiwen freiwillig als Rekrut für den Bürgerkrieg, damit sein Bruder stattdessen bei seiner schwangeren Frau bleiben kann. Es werden viele Jahre vergehen, bis Suchi 2008 in Los Angeles wieder in Haiwens Leben tritt. Dieser nennt sich nun Howard und das ist nicht die einzige Veränderung, welche die beiden aneinander feststellen. Was haben sie in der Zwischenzeit erlebt? Und können sie wieder an die Vergangenheit anknüpfen?

„Die Tage nach dem Pflaumenregen“ ist der Debütroman der taiwanesisch-amerikanischen Autorin Karissa Chen und wurde von Elke Link aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt. Erzählt wird aus der Perspektive der beiden Hauptfiguren Suchi und Haiwen; das jedoch nicht in chronologischer Reihenfolge. Die Autorin springt stattdessen immer wieder zwischen unterschiedlichen Zeitebenen hin und her. Insgesamt bewegen wir uns zwischen 1938, als Suchi und Haiwen sich als Siebenjährige in der Schule kennenlernen und der Gegenwart des Jahres 2008, als sie sich in Los Angeles wiedersehen und gemeinsam der Vergangenheit stellen.

Auch wenn der Titel eine schnulzige Liebesgeschichte vermuten lässt, ist „Die Tage nach dem Pflaumenregen“ so viel mehr. Der Roman zeigt, wie Kriege ein ganzes Volk spalten und Familien für immer voneinander getrennt werden. Suchi flieht mit ihrer Schwester 1948 nach Hongkong und schlägt sich dort als Sängerin in einem Nachtclub durch. Sie geht eine Ehe voller Gewalt ein, um den beiden ein besseres Leben zu sichern. Haiwen erlebt als Soldat die Schrecken des Krieges am eigenen Leib. Als er sich jedoch in eine Taiwanerin verliebt, muss er erkennen dass die Unterscheidung in Aggressoren und Unschuldige vielleicht auch nur eine Frage der Perspektive ist.

Was für ein unglaublicher Roman! Ich hatte zunächst befürchtet, dass hier nur die Beziehung zwischen Suchi und Haiwen im Vordergrund steht und sie auf magische Weise wieder zusammenfinden. Stattdessen bekam ich einen Generationenroman mit komplexen Beziehungen – unbedingt lesen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere