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Veröffentlicht am 11.04.2025

Ein umkämpftes Erbe

Das Pfauengemälde
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Ana, in Deutschland geboren, hat Rumänische Wurzeln und stammt aus einer einstmals vermögenden Familie. Unter der Herrschaft der Kommunistischen Partei wurde die Familie enteignet. Anas Vater Nicu hatte ...

Ana, in Deutschland geboren, hat Rumänische Wurzeln und stammt aus einer einstmals vermögenden Familie. Unter der Herrschaft der Kommunistischen Partei wurde die Familie enteignet. Anas Vater Nicu hatte alles daran gesetzt, die Besitztümer zurückzuerlangen, besonders das Pfauengemälde, das er Ana schenken wollte. Jahrelange Prozesse liegen hinter der Familie, Nicu ist seit zwei Jahren tot, da kommt endlich das erhoffte Urteil. Ana reist nach Rumänien, um endlich zu beenden, was ihrem Vater nicht gelungen war, das Pfauengemälde wieder in Besitz zu nehmen.

Gemeinsam mit Ana stürzen wir uns in ihre weit verzweigte, schnatternde und liebevolle Familie. (Die vielen Namen und Verwandtschaftsbeziehungen stiften Verwirrung.) Wir haben Teil an den guten Erinnerungen, während der Sommermonate in Rumänien und den schmerzvollen, als die Geheimpolizei Securitate und Staatspräsident Ceaușescu die Macht in Händen hielten. Wir sind auf dem Land, wo die Zeit stehen geblieben zu sein scheint und in der Stadt, wo Demonstrantinnen um ihr Leben fürchten müssen. Durchwirkt wird alles durch die unglaubliche Bürokratie in Rumänien, die schon an Satire grenzt und die Lethargie und Gleichgültigkeit der Beamteninnen.

So wechseln sich komische, traurige und herzliche Episoden ab und durchdringen einander. Durch das Schicksal der Familie wird der Geschichte des Landes nachgespürt. Das beschreibt die Autorin mehr poetisch als rasant.

Insgesamt hatte ich etwas ganz Anderes erwartet. Eher die spannende Suche nach dem titelgebenden Gemälde, das aber mehr im Hintergrund als Symbol fungiert. Der ruhige Roman ist eine Familiengeschichte, die mich stellenweise an "Brilka" erinnert hat, aber mich nicht so uneingeschränkt überzeugen konnten.

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Veröffentlicht am 18.02.2025

Tod eines Politikers

Freunderlwirtschaft
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Der Titel verrät, um was es in diesem Krimi aus Österreich geht: Vetternwirtschaft in der Politik. Zunächst beginnt die Geschichte recht spannend mit dem Verschwinden der 17jährigen Maria. Zurück bleibt ...

Der Titel verrät, um was es in diesem Krimi aus Österreich geht: Vetternwirtschaft in der Politik. Zunächst beginnt die Geschichte recht spannend mit dem Verschwinden der 17jährigen Maria. Zurück bleibt ihre jüngere Schwester Alma, die sich Jahre später entscheidet, Polizistin zu werden. Und Alma Oberkofler von der Wiener Mordkommission ist es dann, die den Tod des jungdynamischen Ministers für Landwirtschaft und Tourismus aufklären muss.

In vielen kurzen Kapiteln wird die Geschichte des Ministers Max Langwieser und seiner Verlobten Jessica, der Hauptverdächtigen, erzählt. Wir erfahren in Rückblenden, wie sie es beide aus einem kleinen Dorf nach Wien und die Politik geschafft haben und begleiten Jessica, die sich vor der Polizei versteckt.

Mir fehlte hier vor allem Spannung. Die Handlung plätschert vor sich hin und auch die Figuren fand ich nicht besonders interessant. Vielleicht wirkt das Buch ganz anders, wenn man Parallelen zur wirklich Politiklandschaft in Österreich ziehen kann. Vermisst habe ich die Fortsetzung des Prologs, das war fesselnder als der Politikermord und seine Aufklärung.

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Veröffentlicht am 17.01.2025

Geheimnis wird in Teil 2 gelüftet

Sonnenwende
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Nach Kaiserwald ist Sonnenwende der zweite Teil dieser Dilogie und beendet die Geschichte um die verschwundene Mutter von Penelope und den Mord an Alise.

Mich konnte bereits Kaiserwald nicht überzeugen, ...

Nach Kaiserwald ist Sonnenwende der zweite Teil dieser Dilogie und beendet die Geschichte um die verschwundene Mutter von Penelope und den Mord an Alise.

Mich konnte bereits Kaiserwald nicht überzeugen, zu verwirrend mit den diversen Sichtweisen, teilweise sehr vorhersehbar und Spannung kam erst ganz zum Ende auf. Sonnenwende habe ich zu Weihnachten geschenkt bekommen, selbst gekauft hätte ich mir die Fortsetzung nicht. Mir ist auch nur noch wenig vom ersten Band im Gedächtnis geblieben, allerdings sollte man ohne die Kenntnis von Kaiserwald dennoch nicht mit dem zweiten Teil beginnen. Da ist einfach zu viel Vorgeschichte vorhanden, allerdings wird auch einiges kaum mehr aufgegriffen, z.B. das phänomenale Gedächtnis der Protagonistin.

Penelope aka Mathilda sucht immer noch ihre vor 25 Jahren verschwundene Mutter und hat sich dazu nicht nur in die von ihr verdächtigte Familie von Prokhoff eingeschlichen, sondern gleich den Sohn geheiratet. Die Nachforschungen gehen weiter und führen sie schließlich zurück nach Riga, wo ihre Familie einst lebte und Penelopes Mutter möglicherweise ein Verhältnis mit Herrn von Prokhoff hatte. Dieser steht ganz oben auf ihrer Verdächtigenliste. Derweil stolpert Penelopes Mann, Falk von Prokhoff, über Ungereimtheiten in den Firmenfinanzen und beginnt an der "Echtheit" seiner Ehefrau zu zweifeln.

Leider konnte mich auch der zweite Teil nicht packen. Er verliert sich ebenso in Nebensächlichkeiten und zieht die Handlung unnötig in die Länge, Spannung habe ich über weite Teile vermisst und die Auflösung ... naja. So manches fand ich im Fortgang des Geschehens nicht einleuchtend. In jedem Fall lässt sich die Geschichte dank des Schreibstils schnell und locker lesen.

Gerne hätte ich mehr über die "Ökodörfer" erfahren, die aber leider nur recht knapp abgehandelt wurden. Da wäre ein intensiveres Eintauchen in die Mechanismen sicherlich interessant und möglich gewesen, zumal die Autorin sich umfassend mit dem Thema auseinandergesetzt hat, wie das Nachwort und das Quellenverzeichnis deutlich machen.

Wem der erste Teil gefallen hat, der wird auch die Fortsetzung gut finden und den Fall Rebecca Maywald befriedigt abschließen können.

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Veröffentlicht am 27.11.2024

Love-Scammer, Tattoos und Mythologie

Hey guten Morgen, wie geht es dir?
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Drei Personen:

Juno, Performancekünstlerin und Tänzerin, "eine Weltraumsonde, die man zu Jupiter hinaufgeschossen hatte, damit sie alles von ihm aufzeichne." (S. 197)

Jupiter, kranker Schriftsteller ...

Drei Personen:

Juno, Performancekünstlerin und Tänzerin, "eine Weltraumsonde, die man zu Jupiter hinaufgeschossen hatte, damit sie alles von ihm aufzeichne." (S. 197)

Jupiter, kranker Schriftsteller und Junos Ehemann, der "mit seiner Gravitationskraft die Erde von Asteroideneinschlägen schützt". (S. 145)

Benu, ein Love-Scammer aus Nigeria. "Ein Satellit, der verloren gegangen war." (S. 103)


Während sich Junos Alltag um den kranken Ehemann, Proben, Geldsorgen und Tanzen dreht, flüchtet sie sich nachts in die Chats mit Betrügern, sogenannten Love-Scammern, die nach einiger Zeit des verliebten Chattens Geld fordern und häufig genug auch erhalten. Juno spielt ihre ganz eigenen Spielchen mit diesen Internet-Lovern; sie erfindet sich in diesen Gesprächen neu und fällt doch jeden Morgen wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Mit Benu jedoch, tauscht sie sich über einen langen Zeitraum aus.


Martina Hefter hat diese Geschichte in einer leicht zu lesenden Sprache verfasst, die aber durch eine Vielzahl von mythologischen und astronomischen Anspielungen Tiefe erhält. Neben den für fast allen Haupt- und Nebenfiguren verwendeten Namen aus verschiedenen Mythologien steht der profane Alltag. Die Angst vor dem Älterwerden und dem Sterben wird thematisiert und immer wieder durch die Erwähnung des Filmes "Melancholia" (2011) von Lars von Trier im Roman eingebaut. In diesem Film wird die Erde durch die Kollision mit einem anderen Planeten vernichtet.


Hier nur ein paar Beispiele für die sprechenden Namen: Juno ist u.a. die römische Göttin der Fürsorge. Jupiter ist der größte Planet unseres Sonnensystems und gleichzeitig der oberste Gott der römischen Mythologie. Als Benu wurde ein altägyptischer Totengott bezeichnet. Plutos, den Juno als gut verdienenden Mann erkennt und kennenlernt, ist in der griechischen Mythologie die Personifikation des Reichtums.


Die Geschichte war einerseits ganz interessant, andererseits müsste ich mich noch viel intensiver mit den Anspielungen befassen. Dafür fehlt mir gerade etwas die Lust. Man kann den Roman sicherlich auch so lesen, aber ich denke, dass einiges verloren geht. Die Autorin fasst an einer Stelle selbst zusammen, um was es in diesem Text geht, der sicherlich auch viel von ihr persönlich enthält: "Es ist dieser Text hier. [...] manchmal schreibt sie auch abends oder nachts. Einen Text über Tattoos, den Planeten Melancholie, über ältere Frauen, Love-Scammer, Nigeria." (S. 129)

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Veröffentlicht am 27.11.2024

Der letzte Sommer

Kostbare Tage
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Mein erster Besuch in der Kleinstadt Holt, Colorado. Leider verlief er nicht so angenehm, wie in Crosby, Main. Auch Haruf hat - wie Elizabeth Strout - eine fiktive Kleinstadt zum Handlungsort seiner Romane ...

Mein erster Besuch in der Kleinstadt Holt, Colorado. Leider verlief er nicht so angenehm, wie in Crosby, Main. Auch Haruf hat - wie Elizabeth Strout - eine fiktive Kleinstadt zum Handlungsort seiner Romane gemacht. Hier kreuzen sich die Lebenswege und Schicksale der unterschiedlichsten Menschen. Im Zentrum dieses Romans steht Dad Lewis, der es in Holt mit seiner Eisenwarenhandlung zu einigem Wohlstand gebracht hat. Seine kostbaren Tage sind jedoch gezählt, denn eine Krebserkrankung zerrt ihn langsam aus. Seine Tochter reist zur Unterstützung an, sein Sohn, mit dem er sich vor Jahrzehnten wegen dessen Homosexualität zerstritten hatte, bleibt unauffindbar. Eine weitere wichtige Rolle spielt Reverend Rob Lyle, der mit seinen Ansichten in Holt aneckt und dessen Sohn ebenfalls darunter leidet. Viele weitere vom Leben gebeutelte Figuren treten auf und wieder ab. Einige jedoch verfolgen Dad Lewis bis in seine letzten Träume.

Haruf ist ein genauer Beobachter und viele Szenen wirken authentisch und sind berührend, überzeugen beim Lesen, aber keine Figur war mir sympathisch. Auch hatte dieses Buch eine deprimierende Grundstimmung, das mag ich derzeit gar nicht. Vielleicht hätte es zu einem anderen Zeitpunkt anders gewirkt. Allerdings gibt es für mich auch keinen wirklichen Spannungsbogen in der Handlung. Man fühlt sich als stille Beobachterin bei diesen krisenhaften Zusammenkünften und Gesprächen und bleibt auf Abstand.

Die wörtliche Rede bleibt ohne Anführungszeichen, daran muss man sich gewöhnen. Wenn man sich aber erst eingelesen hat, übersieht man es praktisch. Den Lesefluss hat es nach einigen Seiten nicht mehr behindert und Dank der flüssigen Sprache liest sich das Buch recht schnell.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich nochmal auf den Weg nach Holt machen werde.

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