Profilbild von Julchentim

Julchentim

Lesejury Star
offline

Julchentim ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Julchentim über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.06.2025

Viel versprochen, etwas zu zahm, aber nicht ohne Reiz

I Am Fury
0

Ich hatte große Hoffnungen für I Am Fury, und wurde leider etwas enttäuscht. Das Setting klang wie für mich gemacht: weibliche Wut, Djinn-Magie, eine moralisch fragwürdige Heldin, die sich an ihrem Ex ...

Ich hatte große Hoffnungen für I Am Fury, und wurde leider etwas enttäuscht. Das Setting klang wie für mich gemacht: weibliche Wut, Djinn-Magie, eine moralisch fragwürdige Heldin, die sich an ihrem Ex rächen will? Ja bitte. Aber je weiter ich gelesen habe, desto mehr habe ich gemerkt: Diese Geschichte wollte mutiger sein, als sie am Ende wirklich war.

Dania startet als wütende, gebrochene Figur, eine Frau, die für ein Verbrechen verurteilt wurde, das sie nicht begangen hat, und deren einziger Halt die Vorstellung von Rache ist. Doch kaum begegnet sie demjenigen wieder, der sie verraten hat, zerfließt ihre Entschlossenheit fast vollständig. Statt Kälte, Konfrontation oder wenigstens einem inneren Konflikt, der mich mitreißt, bekommen wir eine ziemlich zahme Romanze. Ihre Wut ist zwar ein zentraler Punkt der Geschichte, aber sie bleibt eher Behauptung als echtes Gefühl. Das fand ich schade, besonders bei einem Titel wie diesem.

Die Liebesgeschichte, enemies-to-lovers, mit Second Chance, hätte funktionieren können, wenn der Verrat nicht so extrem gewesen wäre. Ich konnte es einfach nicht nachvollziehen, warum sie ihn überhaupt wieder in ihr Herz lässt. Es fühlte sich für mich nicht verdient an. Die Option, einen neuen Love Interest einzuführen, hätte der Geschichte vielleicht mehr Tiefe und Spannung gegeben.

Was gut funktioniert hat: die Atmosphäre und das kulturell inspirierte Worldbuilding. Auch wenn ich mir gerade da etwas mehr Hintergrundwissen und Tiefe gewünscht hätte, war das Flair der Welt definitiv spürbar. Freundschaften (vor allem mit Noor) und der Umgang mit Identität und Schuld waren weitere interessante Aspekte, allerdings hat auch da das Gleichgewicht manchmal gefehlt. Noor fühlte sich oft wie ein Begleit-Tool statt wie ein echter Charakter.

Insgesamt: solide geschrieben, mit schönen Ansätzen, aber nicht ganz das, was ich mir erhofft hatte. Für Leser*innen, die Revenge-Stories mit Romantik und einem Schuss Magie mögen, könnte es dennoch funktionieren. Es war einfach nicht ganz mein Buch.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.04.2025

Skurril, smart, manchmal sprunghaft – aber definitiv lesenswert

Das Ministerium der Zeit
0

Ich bin zwiegespalten, wenn ich über Das Ministerium der Zeit von Kaliane Bradley schreibe – nicht, weil das Buch schlecht wäre, im Gegenteil: Ich mochte es wirklich sehr. Es ist schräg, verspielt, traurig, ...

Ich bin zwiegespalten, wenn ich über Das Ministerium der Zeit von Kaliane Bradley schreibe – nicht, weil das Buch schlecht wäre, im Gegenteil: Ich mochte es wirklich sehr. Es ist schräg, verspielt, traurig, charmant und klug.

Das Ministerium der Zeit ist kein Sci-Fi-Blockbuster mit Action im Minutentakt. Wer sowas sucht, wird vielleicht enttäuscht sein. Es ist vielmehr eine ruhige, dialogreiche Geschichte mit einem herrlich absurden Setting.

Ich mochte vor allem den Ton der Erzählung. Es ist introspektiv, stellenweise poetisch (manchmal ein bisschen zu metapher-verliebt, ja), und nie langweilig. Auch wenn auf Handlungsebene lange nicht viel passiert, tragen die Gespräche die Geschichte mühelos. Das Spannende liegt nicht im Plot, sondern in den Themen, die beiläufig aber tiefgründig verhandelt werden: postkoloniale Identität, Sprache, Trauma, Anpassung, Zugehörigkeit.

Und ja natürlich, es gibt Romantik. Kein Hollywoodkitsch, sondern eine leise, seltsame, aber irgendwie glaubwürdige Beziehung, die sich da aufbaut. Besonders das Zusammenspiel zwischen Gore und der Ich-Erzählerin fand ich gelungen: viel Humor, viel Reibung, viel Subtext. Die Nebenfiguren bringen zusätzliche Farbe und Leben ins Geschehen.

Was das Buch für mich nicht zu einem uneingeschränkten Highlight macht, ist genau das, was andere auch kritisieren: Manchmal will es zu viel. Die Mischung aus Sci-Fi, Romanze, Spionage, Gesellschaftskritik und persönlichem Drama ist ambitioniert und nicht immer in Balance. Einige Themen werden nur angerissen, andere verlieren sich in der dichten Metaphernsprache. Ich hätte mir an ein paar Stellen mehr Fokus gewünscht.

Und doch: Dieses Buch hat mich berührt, zum Lachen gebracht, nachdenklich gemacht – und bleibt mir im Kopf. Auch wenn es nicht perfekt ist, finde ich es mutig, originell und alles andere als beliebig. Für ein Debüt: beachtlich. Für den Mainstream: vielleicht zu eigenwillig. Aber für Leser*innen, die gerne abseits der ausgetretenen Pfade unterwegs sind, eine echte Empfehlung.

Also: Nicht von der Diskussion um den Titel abschrecken lassen. Einfach lesen. Und selbst ein Bild machen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.03.2025

Geheimnisse, Morde und ein Hauch von Déjà-vu

Das Mörderarchiv: Der Tod, der am Dienstag kommt
0


Nach dem ersten Band des Mörderarchivs war meine Vorfreude auf die Fortsetzung riesig. Doch diesmal konnte mich die Geschichte nicht ganz so fesseln.

Annie hat sich gerade in das Haus ihrer verstorbenen ...


Nach dem ersten Band des Mörderarchivs war meine Vorfreude auf die Fortsetzung riesig. Doch diesmal konnte mich die Geschichte nicht ganz so fesseln.

Annie hat sich gerade in das Haus ihrer verstorbenen Tante Frances eingelebt, da wird die Wahrsagerin Peony Lane tot in ihrer Orangerie gefunden – und Annie gerät selbst ins Visier der Ermittler. Also bleibt ihr nichts anderes übrig, als erneut das berüchtigte Mörderarchiv zu durchforsten.

Das Setting in Castle Knoll ist wieder wunderbar atmosphärisch, und die Mischung aus Gegenwart und Frances' Tagebucheinträgen sorgt für eine dichte, rätselhafte Handlung. Doch genau diese zeitlichen Sprünge haben mich diesmal etwas überfordert, vor allem im Hörbuch. Die Übergänge waren für mich nicht immer durchschaubar, und es gab viele Nebenfiguren, die eher an Band 1 erinnerten, als wirklich zur aktuellen Handlung beizutragen.

Auch inhaltlich fühlte sich die Geschichte an manchen Stellen zu vertraut an: eine alte Prophezeiung, ein mysteriöser Mord, dunkle Geheimnisse – all das funktionierte im ersten Band wunderbar, doch diesmal fehlte mir das gewisse Etwas, das die Geschichte frisch und eigenständig macht. Besonders Frances’ Liebesleben nahm für meinen Geschmack zu viel Raum ein, während Annie als Hauptfigur fast ein wenig blass blieb.

Trotzdem ist das Buch unterhaltsam, mit charmantem britischen Flair und einigen spannenden Wendungen. Ich hoffe, dass ein möglicher dritter Band neue Akzente setzt – dann aber vielleicht lieber als Printversion, um die Struktur besser nachvollziehen zu können.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.02.2025

Eine solide Ergänzung, aber nicht der beste Band der Reihe

Slough House
0


Als Fan der Serie „Slow Horses“, die mit Gary Oldman brilliert, war meine Erwartung an das Buch hoch. Der gewohnte Wortwitz, die äußerst bissigen Dialoge und die schrulligen Figuren sind auch hier wieder ...


Als Fan der Serie „Slow Horses“, die mit Gary Oldman brilliert, war meine Erwartung an das Buch hoch. Der gewohnte Wortwitz, die äußerst bissigen Dialoge und die schrulligen Figuren sind auch hier wieder präsent. Doch während die Charaktere gewohnt stark gezeichnet sind, bleibt die eigentliche Spionagegeschichte für meinen Geschmack etwas blass. Einige Handlungsstränge fügen sich nicht ganz so elegant zusammen, und der Spannungsbogen erreicht nicht ganz das Niveau früherer Bände. Trotzdem bleibt „Slough House“ eine unterhaltsame Ergänzung der Reihe, auch wenn es nicht mein persönliches Highlight ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.02.2025

Mitreißende Fortsetzung mit kleinen Schwächen

Charons Erbe - Eine Liebe wie Sterne
0

3,5 ⭐

„Charons Erbe“ von Ursa Jaumann setzt die Geschichte von Eka und Maxim fort und liefert dabei eine spannende Mischung aus Emotionen, Magie und Charakterentwicklung. Besonders Eka und Maxim glänzen ...

3,5 ⭐

„Charons Erbe“ von Ursa Jaumann setzt die Geschichte von Eka und Maxim fort und liefert dabei eine spannende Mischung aus Emotionen, Magie und Charakterentwicklung. Besonders Eka und Maxim glänzen erneut mit ihrer intensiven Dynamik – die Anziehung zwischen den beiden ist spürbar und ihre persönlichen Herausforderungen machen sie nur noch greifbarer. Themen wie Mental Health werden sensibel eingebunden, ohne dabei die fesselnde Spannung der Geschichte zu mindern.

Auch die Nebenfiguren, allen voran Irina und Alexej, bringen frischen Wind in die Handlung, und ihre Entwicklungen halten die Neugier auf kommende Bände hoch. Das Magiesystem bleibt faszinierend, spielt hier jedoch eine etwas kleinere Rolle.

Was mir weniger gefallen hat, ist die teils sehr repetitive Sprache. Bestimmte Formulierungen wie das Klackern der Pumps oder verlaufene Mascara tauchen so oft auf, dass sie irgendwann eher störend als atmosphärisch wirken. Das hat für mich an manchen Stellen die Immersion ein wenig geschmälert.

Trotzdem überzeugt das Buch mit einer fesselnden Handlung und emotionaler Tiefe. Wer die Charaktere ins Herz geschlossen hat, wird auch hier wieder mit ihnen mitfiebern – und dennoch Lust auf die Fortsetzung bekommen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere