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Veröffentlicht am 18.04.2025

Madame Bonheur ermittelt wieder

Madame Bonheur und ein Mord zwischen Weinreben
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Margarete Knöpfle alias Madame Bonheur und Privatdetektiv Xavier Degrange reisen auf das Weingut seiner Mutter südöstlich von Avignon. Kein Verbrechen führt sie dorthin, vielmehr sind sie zu dem mehrtägigen ...

Margarete Knöpfle alias Madame Bonheur und Privatdetektiv Xavier Degrange reisen auf das Weingut seiner Mutter südöstlich von Avignon. Kein Verbrechen führt sie dorthin, vielmehr sind sie zu dem mehrtägigen Fest eingeladen, das alljährlich die Weinlese abschließt. Maggie hofft, Xavier dort näherzukommen, da sie sich in ihn verliebt hat. Ihr Wunsch scheint in Erfüllung zu gehen, doch als sich die beiden endlich zum ersten Mal küssen wollen, unterbricht sie ein gellender Schrei. Coco, eine der Erntehelferinnen, wurde brutal erstochen.

„Madame Bonheur und ein Mord zwischen Weinreben“ ist bereits der dritte Band der provenzalischen Wohlfühlkrimi-Reihe von Lilou Favreau mit der Wahrsagerin Maggie und dem Privatdetektiv Xavier als Ermittlerduo. Das hübsche Cover mit der charakteristischen schwarzen Katze hat mein Interesse geweckt und mich nach Südfrankreich entführt. Die Bände sind gut unabhängig voneinander lesbar.

Dieses Mal verlaufen die Ermittlungen anders als gewohnt, denn bei ihrem dritten gemeinsamen Fall ist Xavier persönlich involviert. Wie sich herausstellt, muss der Mörder aus seinem engsten Familien- und Freundeskreis kommen. Dadurch wirkt er sehr zögernd, während sich Maggie unbeirrt auf Tätersuche begibt. Doch die Ermittlungen erweisen sich als kniffelig und auch die Polizei tappt im Dunkeln. Um den Täter doch noch zu stellen, bevor sich die Feiergesellschaft in alle Winde zerstreut, stellen die Privatdetektive eine gewagte Falle auf.

Mit ihrer guten Beobachtungsgabe, Intuition und Menschenkenntnis hat sich Maggie zu einer fähigen Detektivin gemausert. Einst ist die Schwäbin der Liebe wegen nach Südfrankreich ausgewandert. Diese Beziehung ist lange vorbei, aber sie ist in Südfrankreich geblieben und verdient sich mittlerweile ihren Lebensunterhalt als Wahrsagerin und Kartenlegerin. Zwar sieht sie diese Dienstleistung eher als Show an, aber dank positivem Feedback ist ihr Selbstbewusstsein inzwischen gestiegen. Xavier ist Privatdetektiv und hat sich einst auf Empfehlung einer Freundin bei Maggie Hilfe gesucht und gefunden. Er glaubt an ihre Fähigkeiten. Beide sind sehr sympathisch und ergänzen sich gut. Auch die übrigen Charaktere sind glaubwürdig angelegt.

Die Autorin schreibt flüssig und locker. Die kurzen Kapitel unterstützen den Lesefluss. Lilou Favreau versteht es hervorragend, Landschaft und Ambiente mit starken Bildern zu beschreiben. Sie fängt das französische Savoir-vivre sehr gut ein. Erfreulicherweise kommt dabei auch die einheimische Küche nicht zu kurz.

Ich wurde von diesem Wohlfühlkrimi gut unterhalten. Der Plot hat mich angesprochen und der Fall wurde restlos aufgeklärt. Maggie, Schwäbin wie ich, war mir von Beginn an sympathisch. Mir gefällt, dass hier eine Person ermittelt, die einer unkonventionellen Tätigkeit nachgeht, dem Legen von Tarotkarten und Wahrsagen. Auch bei ihren Ermittlungen greift Maggie zu unorthodoxen Methoden und schreckt auch nicht davor zurück, bspw. an Türen zu lauschen. Das Erzähltempo ist gemächlich und stellenweise lässt die Spannung etwas nach. Wie bei einem Cosy Crime üblich, kommt Gewalt nur sehr dosiert zum Einsatz.

Ich vergebe vier von fünf Sternen und eine Leseempfehlung
für alle Südfrankreich- und Cosy Crimefans.

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  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.04.2025

Wikinger Saga mit einem Schuss Fantasy

Die Skaland-Saga, Band 1 - A Fate Inked in Blood
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Freya hasst ihren gewalttätigen Mann Vragi, mit dem sie eine Zwangsehe führen muss, weil es ihrer Familie nutzt. Seit über einem Jahr erträgt sie ihn und seine Launen. Dabei träumt sie davon, eine Kriegerin ...

Freya hasst ihren gewalttätigen Mann Vragi, mit dem sie eine Zwangsehe führen muss, weil es ihrer Familie nutzt. Seit über einem Jahr erträgt sie ihn und seine Launen. Dabei träumt sie davon, eine Kriegerin zu sein. Nach einem weiteren Streit mit Vragi, der Freya wieder einmal demütigt und bedroht, lernt sie einen geheimnisvollen Fremden kennen, dessen Anziehung sie sich nur schwer entziehen kann. Kurze Zeit später kehrt dieser mit Jarl Snorri und Vragi zurück. Snorri fordert den Fremden, seinen Sohn und Erben Bjorn dazu auf, mit Freya einen Kampf auf Leben und Tod zu führen ...

Danielle L. Jensen entführt uns mit dem ersten Teil ihrer Skaland-Saga in die sagenumwobene Welt der Wikinger. Ihre Geschichte erzählt von den Gotteskindern, das sind Menschen, die bei der Geburt einen Tropfen göttlicher Macht geschenkt bekommen. Dazu gehören Freya und Bjorn, aber auch Vragi. Andere, wie Fürst Snorri, wollen sich diese Kräfte zunutze machen. Aus diesem spannenden Stoff webt die Autorin ein fesselndes Epos.

Freya ist die Schildmaid, ein Kind der Göttin Hlind. Das macht sie zur Königsmacherin, die ihre Heimat Skaland einen wird. Die Seherin Saga, Bjorns Mutter, hat dies vor zwanzig Jahren prophezeit, bevor sie ermordet wurde. Nachdem Freya als Schildmaid identifiziert ist, macht jeder Jarl in Skaland Jagd auf sie, um König zu werden. Snorri zwingt sie in die nächste Zwangsehe, indem er Freyas Familie bedroht.

Danielle L. Jensen schreibt flüssig und bildhaft. Die Welt von Skaland ist voll Schmutz, Elend, Gewalt und Willkür, was die Autorin in gelegentlich derber Sprache schildert, ebenso wie Freyas sexuelle Fantasien. Leicht vorhersehbar entwickelt sich zwischen Bjorn und ihr eine enorme Anziehung, während sie mit Snorri nur eine Scheinehe führt. Der Jarl zwingt sie mit Runenschwüren und der schwelenden Bedrohung ihrer Familie zu bedingungslosem Gehorsam.

Freya wird uns als starke Frau präsentiert, doch zumindest im ersten Band wird sie dieser Rolle nur streckenweise gerecht. Zwar entledigt sie sich mit einem Kraftakt ihres widerwärtigen ersten Ehemanns, doch nur, um in der nächsten Zwangsehe zu landen. Von Selbstbestimmung kann keine Rede sein. Ihre Familie, von der Freya schrecklich behandelt und ausgenutzt wird, dient ständig als Druckmittel gegen sie. Snorri und seine Hauptfrau Ylva schikanieren sie. Jede neue Willkür wird zur „Prüfung der Götter“ erklärt. Freya hat Schwierigkeiten, ihre Macht zu kontrollieren, sodass einer ihrer Wutausbrüche zu vielen Toten führt. Sie droht im Selbstmitleid zu versinken und ihre unerfüllbare Liebe schwächt sie zusätzlich. Bjorn, ist eine der wenigen, der Freya wie einen gleichberechtigten Menschen behandelt und nicht als rechtlose Sklavin. Darüber hinaus werden wiederholt sein gutes Aussehen und seine überzeugenden körperlichen Attribute erwähnt. Er ist ebenfalls ein Gotteskind und ein starker Kämpfer. Seine Wortgeplänkel mit Freya lockern die vorwiegend düstere Atmosphäre immer wieder auf. Trotzdem ist er schwer durchschaubar. Die anderen Charaktere bleiben noch etwas flach.

Der Klappentext hat meine Aufmerksamkeit geweckt und der Einstieg in die Geschichte fiel mir leicht. Doch im Mittelteil kam es zu Längen und nicht nachvollziehbaren Handlungen. Während die Romanze zwischen Bjorn und Freya sich glaubwürdig entwickelt, warf Freyas sonstige Haltung Fragen auf. Alle ihre Parasiten, ob die unmögliche Familie, die sogar eine Killerin wie Skade abstößt, oder Snorri und Ylva, schubsen sie herum und behandeln sie ganz selbstverständlich wie Dreck ohne den geringsten Hauch von Dankbarkeit. Trotzdem denkt sie nicht an Flucht, sondern wird immer schwächer. Ich frage mich, ob die Ereignisse im letzten Teil daran etwas ändern und die starke Freya neu erstehen lassen.

Trotz Schwächen bzw., nicht ausgeschöpftem Potenzial, bin schon gespannt auf Band zwei.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.04.2025

Listland – Der Ort am Ende der Welt

Die Bücherfrauen von Listland. Der Gesang der Seeschwalben
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Anna März, Journalistin und erfolgreiche Podcasterin, plant die Biografie der Kinderbuchautorin Fenja Lorenzen zu schreiben. Dazu fährt sie nach Listland im Norden von Sylt. Anna trifft ihre Interviewpartnerin ...

Anna März, Journalistin und erfolgreiche Podcasterin, plant die Biografie der Kinderbuchautorin Fenja Lorenzen zu schreiben. Dazu fährt sie nach Listland im Norden von Sylt. Anna trifft ihre Interviewpartnerin nicht an, sondern findet nur eine kurze Notiz von Fenja, die aus unbekannten Gründen dringend verreisen musste. Tatsächlich werden wir sie erst in der Mitte des Buches treffen. Inzwischen lernt Anna Fenjas Kinder Elisa und Eric kennen. Nach einem schweren Unwetter, das das alte Reetdach ihres Elternhauses demoliert hat, versuchen sie gemeinsam mit Anna den Bücherschatz ihrer Mutter zu retten. Dabei entdecken sie ein Geheimversteck, dessen Inhalt Fragen aufwirft. Anna verliebt sich in Eric Lorenzen. Ähnlich ergeht es Lene, Fenjas Mutter, die wir im zweiten Erzählstrang kennenlernen, der 1937 beginnt. Sie hat sich unsterblich in den Feriengast Marten verliebt. Doch diese Verbindung endet tragisch …

„Die Bücherfrauen von Listland. Der Gesang der Seeschwalben“ ist der Auftaktband der Listland-Dilogie von Gabriella Engelmann. Für mich war es das erste Buch der Autorin und ein Ausflug in ein neues Genre.

Gabriella Engelmann beschreibt liebevoll und akribisch die einzigartige Landschaft Listlands, sodass ich am liebsten gleich hingefahren wäre, obwohl Sylt nicht meine bevorzugte Insel ist. Sie fängt die friesische Lebensart und das Inselfeeling für den Leser perfekt ein. Die beiläufige Erwähnung zahlreicher Personen, die mit der Insel verbunden sind, wie Valeska Gert, Friedrich Hollaender, Thomas Mann und echter Sylter wie Dora Heldt, Jens Emil Mungard oder Franz Korwan belegen die gute Recherche der Autorin. Ebenso wie die im Gespräch genannten Gebäude, so die historische Lese-Strandhalle oder das legendäre Haus Kliffende. Die Detailfreude der Autorin sorgt für ein gemächliches Erzähltempo, auf das sich der Leser einlassen sollte.

Die Hauptcharaktere wirken authentisch, obwohl ihre Handlungsweise nicht immer nachvollziehbar erscheint. Manches erklärt sich im Rückblick. Anderes nicht. Sehr gefallen hat mir, wie liebevoll die Familie Iwersen miteinander umgeht. Warum aber erweisen sich Beeke und Konrad als so blauäugig bezüglich der Partner ihrer geliebten Tochter Lene? Weder ziehen sie Informationen über Marten ein, obwohl dessen Heimatort Friedrichstadt per Zug erreichbar ist, noch bringen sie in Erfahrung, dass Friso ein strammer Nazi und Antisemit ist. Im ersten Fall wäre Martens Verschwinden erklärbar geworden. Und Friso hätten sie Lene nach einer kleinen Recherche vermutlich nicht als Ehemann angedient.

Gewöhnen musste ich mich an die etwas abgehobene Sprache „Der Duft der Dünenrosen ist betörender als jedes edle Parfum aus Paris“ oder „der in diesem Moment ganze Felsbrocken vom Herzen polterten“.

Sehr gefallen hat mir, die Erwähnung zahlreicher guter Bücher. Das passt hervorragend zum Thema „Bücherfrauen“, die neben der Leidenschaft fürs Lesen im Roman auch der Hang zu unerfüllter Liebe verbindet. Dazu fällt mir natürlich sofort Eric ein. Die Denkweise, dass es für Kinder wichtig ist, dass die Eltern zusammenbleiben, auch wenn sie sich „entliebt“ haben, erschließt sich mir nicht. Vor allem, da Anna und Christian mit Kathrin das Gegenteil beweisen. Kritisch anmerken muss ich auch die Zufälle, die Annas Recherchearbeit begünstigen.

Zum Schluss will ich nicht die Figur vergessen, die mir besonders gut gefallen hat. Der geheimnisvolle Bo, mit dem Lene mehrere magische Begegnungen hat. Er bringt einen Hauch von Mystery in die Erzählung.

Trotz meiner Kritikpunkte hat mich der Roman gut unterhalten und ich habe es nicht bereut, mich auf das Genre „Wohlfühlroman“ eingelassen zu haben.

Ich vergebe 4 Sterne und eine Leseempfehlung an alle Fans dieses Genres.

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Veröffentlicht am 19.04.2025

Tödliche Silvesterparty

Die Yacht
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Hannah ist zur alljährlichen Silvesterparty ihrer reichen Freundin Libby eingeladen. Statt auf einer Burg in Schottland findet das Luxus-Event dieses Mal auf der eigenen Yacht an der italienischen Riviera ...

Hannah ist zur alljährlichen Silvesterparty ihrer reichen Freundin Libby eingeladen. Statt auf einer Burg in Schottland findet das Luxus-Event dieses Mal auf der eigenen Yacht an der italienischen Riviera statt. Da sich Hannah einen Flug nicht leisten kann, nimmt sie eine 12-stündige Fahrt sowie eine Übernachtung im Auto auf sich, um mit ihrer Freundin feiern zu können. Endlich am Ziel erweist sich die Location als sehr exklusiv, die Stimmung ist eher unterkühlt. Alkohol und Drogen werden reichlich konsumiert. Leon und Olly, die Männer von Libby und Maggie, einer weiteren betuchten Schulfreundin, behandeln Hannah äußerst herablassend. Einer bietet ihr sogar Geld für Sex. Als einziger Lichtblick erweist sich Harry, ein weiterer Freund aus Studienzeiten, der erst seit kurzem als Künstler seinen Durchbruch feiern konnte. Hannah beschließt, die Yacht am nächsten Morgen zu verlassen. Sie hat es endgültig satt, als Sozialprojekt behandeln zu werden, trotz aller Reminiszenzen an früher. Diesen vernünftigen Entschluss kann sie jedoch nicht umsetzen, da die Yacht am nächsten Morgen führerlos auf dem Meer treibt. Wie sich bald herausstellen wird, ohne Proviant, ohne Rettungsboote, ohne Funk, ohne Sprit. Der Kampf ums Überleben kann beginnen.

„Die Yacht“ ist der neue Thriller von Sarah Goodwin. Ich habe schon ihren Roman „Das Resort“ gelesen.

Sarah Goodwin schreibt flüssig und bildhaft. Ihr Plot ist vielversprechend und die Geschichte beginnt spannend. Eine Yacht, die führerlos und ohne Ressourcen im Meer treibt. Die verwöhnten Reichen entpuppen sich als völlig hilflos in der Krise und kompensieren ihre Ängste mit Alkohol und Aggressionen. Das führt zu Streit und Tätlichkeiten. Einige schmutzige Geheimnisse werden gelüftet und die Lage wird immer unerträglicher. Nur Harry und Hannah behalten die Nerven. Als Libby spurlos verschwindet, droht die Situation zu eskalieren. Dann entschließt sich Harry zu einer Kamikaze-Rettungsaktion und lässt Hannah mit den asozialen Reichen zurück. Durch die häufigen Wiederholungen, die Protagonisten streiten und dann beleidigen sie wieder Hannah, verliert die Geschichte an Fahrt und die Spannung lässt nach.

Außer der sympathischen, gelegentlich viel zu gutherzigen, Hannah und dem undurchsichtigen Harry bleiben die Charaktere eindimensional, Leon und Olly sogar austauschbar.

Mein Fazit fällt durchwachsen aus. Sarah Goodwins Schreibstil gefällt mir, sie kann sehr gut Spannung aufbauen und der Plot hat mich überzeugt. Doch die Ausführung weist Mängel auf. Zwar wird der Überlebenskampf der Protagonisten in Teilen packend geschildert, doch dann führen Wiederholungen zu Längen.

Da die Geschichte aus Hannahs Sicht erzählt wird, erfahren wir, was in ihr vorgeht, was sie bewegt, warum sie an der Kindheitsfreundschaft mit Libby und Maggie festhält, obwohl sie fühlt, dass die beiden mittlerweile auf sie herabsehen. Auf ihrem einsamen Felsen im Meer mit sich selbst konfrontiert, erkennt Hannah, was sie in ihrem Leben falsch gemacht hat. Sich von Gefühlen für andere abzuschirmen, um den Schmerz zu vermeiden, den ihre Mutter durchleben musste. Ihre Kunst aufzugeben, weil sie ihr nicht genug einbrachte und ihre Ideen gestohlen wurden. Das hat mir gut gefallen.

Umso mehr stört, dass die übrigen Charaktere zum größten Teil so flach bleiben. Die Auflösung erfolgt auch nicht vollständig, z. B. Libbys Verschwinden, der Blutfleck an der Wand. Dazu kommen Logikfehler: Die Route der Yacht wird nachgezeichnet, u.a. hat sie die Straße von Gibraltar passiert. Diese ist eine der meistbefahrenen Wasserstraßen der Welt, die täglich von ca. 300 Handelsschiffen durchfahren wird. Trotzdem keine Sichtung? Harry wurde von einem Fischtrawler gerettet, aber die Yacht taucht nicht auf deren Radar auf?

Ich vergebe knappe 4 Sterne. Wer "Das Resort" und "Stranded - Die Insel" mochte, wird auch von "Die Yacht" gut unterhalten.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 07.04.2025

Neapel sehen und sterben

Commissario Gaetano und der lügende Fisch
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Dieses Sprichwort überlieferte der Dichter Johann Wolfgang von Goethe bereits bei seiner „Italienischen Reise“ 1786. Für Dottore Ianus Capuano wird es zur Realität.

Am 19. September, dem höchsten Feiertag ...

Dieses Sprichwort überlieferte der Dichter Johann Wolfgang von Goethe bereits bei seiner „Italienischen Reise“ 1786. Für Dottore Ianus Capuano wird es zur Realität.

Am 19. September, dem höchsten Feiertag Neapels, kommt ein gestresster Mann in die Questura, um einen geplanten Anschlag auf seine Person zu melden. Obwohl an diesem Tag die Hölle los ist und er die Ängste des unsympathischen Dr. Capuano nicht nachvollziehen kann, sagt Commissario Salvatore Gaetano widerwillig seine Hilfe zu. Noch ist ihm nicht bewusst, dass er vor den schwierigsten Ermittlungen seiner Karriere steht.

„Commissario Gaetano und der lügende Fisch“ ist der erste Band, der in Neapel spielenden Krimi-Reihe von Fabio Nola. Der Autor, ein deutscher Historiker, hat einige Jahre in der Stadt gelebt. Der ungewöhnliche Titel hat sofort mein Interesse geweckt und mir eine spannende Ermittlung in Neapel beschert.

Am 19. September jeden Jahres feiern die Neapolitaner ihren Stadtpatron San Gennaro. Im Dom von Neapel warten die Gläubigen auf das „Blutwunder“, das nach altem Volksglauben eine glückliche Zukunft für die Stadt verspricht. Für Ianus Capuano nimmt der Festtag kein gutes Ende. Er wird von der Streife, die Gaetano ihm versprochen hatte, tot in seiner Wohnung aufgefunden. Enthauptet – wie sein Namensvetter San Gennaro.

Die Geschichte hat mich schnell gefesselt. Während der Festa di San Gennaro wird ein anderer Januarius geköpft. Dieser Plot passt gut zu einer Stadt, in der schnell die Emotionen hochkochen und die Einwohner häufig abergläubisch sind. Wir lernen einige von ihnen kennen, allen voran den Commissario, der früher ein Winzer war und jetzt bei der Polizei arbeitet. Salvatore Gaetano kommt aus schwierigen familiären Verhältnissen, die ihn noch heute verfolgen. Über sein Ermittlungsgeschick bin ich mir noch nicht im Klaren, einerseits wird nur durch seine Sturheit der wahre Täter entlarvt, andererseits übersieht er wichtige Details oder lässt sich von einem attraktiven Äußeren ablenken. Seine Nichte Carla ist für mich eher schwierig. Ich kann ihre Ängste um den Vater verstehen, aber mit ihrem aufbrausenden Temperament, das in überzogenen Anschuldigungen und sogar Tätlichkeiten gipfelt, wenig anfangen. Gaetanos Team bleibt noch etwas blass, aber das finde ich bei einem Auftaktband nachvollziehbar. Insgesamt ist bei der Charakterzeichnung noch Luft nach oben.

Fabio Nola versteht es, Neapel mit all seinen Facetten zu beschreiben. Ich habe den Verkehrslärm gehört, die stechende Sonne auf meinen Armen gespürt, mal Meeresluft, mal Espresso gerochen und mich im bunten Gewühl der Neapolitaner und Touristen aus aller Welt vorwärts gekämpft. Ob es aber in der ganzen Stadt wirklich überall so dreckig ist, wie mehrfach beschrieben?

Missfallen hat mir das Verhör eines kleinwüchsigen Verdächtigen. Zwar wird erklärt, warum in Neapel Vorurteile gegenüber diesem Handikap entstanden sind, das entschuldigt den Umgangston der Polizisten aber nicht. Auch das Verhalten gegenüber Frauen ist dringend verbesserungsfähig. Zwei Beispiele: Eine Kollegin wird aus Faulheit oder Ignoranz konstant nicht mit ihrem richtigen Namen angesprochen. Es wird die Ansicht geäußert, nur sexuelle Übergriffe, die auch zur Anzeige kommen, fänden statt.

Zum Lektorat werde ich nichts weiter schreiben, da darauf hingewiesen wird, dass es noch nicht abgeschlossen sei. Das stimmt.

Insgesamt hat mich der Krimi gut unterhalten, der Plot ist spannend und Neapel ein attraktiver Schauplatz. Der Autor schreibt flüssig und bildhaft. Seine Kenntnisse der Stadt, ihrer Geschichte und Einwohner sind jederzeit spürbar. Der Fall wird letztendlich nach einigen Wendungen gelöst.

Faszinierend finde ich das Napulitano, die eigene Sprache Neapels, die mittlerweile offiziell anerkannt ist. Ein kleines Glossar am Ende des Buches erklärt die im Krimi verwendeten Ausdrücke.

Ich vergebe 4 Sterne und eine Leseempfehlung an Fans leicht skurriler Krimis.

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