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Veröffentlicht am 16.05.2025

Wunderbare Sprache

Das ist Glück
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Noel ist mit 16 Jahren ins Priesterseminar eingetreten und dort sehr unglücklich. Er entschließt sich zu einer Pause, um seine Entscheidung zu überdenken, und zieht zu seinen Großeltern in die kleine Stadt ...

Noel ist mit 16 Jahren ins Priesterseminar eingetreten und dort sehr unglücklich. Er entschließt sich zu einer Pause, um seine Entscheidung zu überdenken, und zieht zu seinen Großeltern in die kleine Stadt Faha an der Westküste Irlands, wo es immer regnet. Doch dann geschieht ein Osterwunder: der Regen hört auf, die Sonne scheint über Wochen, die Menschen und die Natur leben auf. Und zur selben Zeit wird Faha an den Rest der Welt angeschlossen, die Stadt soll Strom bekommen. 1958! Der alte Christy zieht als Angestellter der Stromgesellschaft zu den Großeltern ins Haus und teilt sich das Zimmer mit Noel. Damit setzt er eine Lawine an Ereignissen in Gang, die für Noel bis ins hohe Alter unvergessen ist.
Das Buch besteht aus 450 Seiten Lesevergnügen, die man nicht so schnell vergisst. Obwohl nicht viel passiert, hat mich das Buch von Anfang an gefesselt und das liegt an der blumigen, detailreichen Sprache des Autors und an der genialen Übersetzung von Tanja Handels.
Man muss sich auf dieses Buch einlassen, aber dann beschert es den Lesern das pure Glück!

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Veröffentlicht am 24.04.2025

Macht und Missbrauch

Der Einfluss der Fasane
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Hella Renata Karl ist Feuilletonchefin des Berliner Abendblatts und hat Einfluss im Kulturbetrieb. Doch dann wird sie aus der Bahn geworfen, als der Star der Berliner Theaterszene sich spektakulär in Sydney ...

Hella Renata Karl ist Feuilletonchefin des Berliner Abendblatts und hat Einfluss im Kulturbetrieb. Doch dann wird sie aus der Bahn geworfen, als der Star der Berliner Theaterszene sich spektakulär in Sydney das Leben nimmt. Hella hatte aufgedeckt, dass Kai Hochwerth übergriffiges Verhalten gegenüber Frauen vorgeworfen wurde und er eine Schauspielerin zur Abtreibung zwingen wollte. Von nun an ist alles anders, Hella wird beurlaubt, in den angeblich "sozialen" Netzwerken beginnt eine Hexenjagd, es gibt Drohungen, weil sie angeblich dem Mann in den Tod getrieben hat.
Das Buch ist einfach großartig, es deckt feinfühlig die Manierismen und Verflechtungen im Kulturbetrieb auf und obwohl es fiktional ist, könnte es doch genau so passiert sein. Hella ist keine sympathische Person, ebenso wir Kai, aber sie sind sind von ihrer einfachen Herkunft her ähnlich und es gab eine besondere Beziehung zwischen ihnen. Aber die Meute ist gnadenlos, so lange sie sich in der Masse verstecken kann. Damit ist das Buch hochaktuell, aber es ist viel mehr als ein Kommentar zu den unheilvollen medialen Auswirkungen von Insta und Co.
Alles beschreibt Strubel in einer wunderbaren Sprache, die tief in die Materie eindringt und mit einer angenehmen Distanz, die eine Portion Ironie zulässt. Aber auch ihre einfühlsamen Naturschilderungen sind lesenswert.
Die Bedeutung des Titel erschließt sich erst ganz am Ende des Buches. Ein herrlicher Schluss mit einem guten Schuss Sarkasmus!

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Veröffentlicht am 16.04.2025

Blumige Familiengeschichte

Frau im Mond
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Dass es im Libanon in den 1960er Jahren erfolgreiche Raketenforschung gab, das war mir vollkommen neu. Um diese Tatsache herum hat Pierre Jarawan eine wunderbare Familiengeschichte komponiert.
Die Zwillinge ...

Dass es im Libanon in den 1960er Jahren erfolgreiche Raketenforschung gab, das war mir vollkommen neu. Um diese Tatsache herum hat Pierre Jarawan eine wunderbare Familiengeschichte komponiert.
Die Zwillinge Lilit und Lena wachsen in Montreal auf, ihre Großeltern sind armenischer Abstammung, aber über die Familiengeschichte wissen sie wenig. Lilit ist Dokumentarfilmerin und macht sich irgendwann auf in den Libanon, um die Wurzeln der Familie ihrer Großeltern zu finden. Besonders ihre Großmutter Anoush, die früh verstorben ist, interessiert Lilit, denn auch sie hatte eine Zwillingsschwester, die allerdings verschollen ist. Bei ihrer Suche erfährt sie auch mehr über das Raketenprojekt ihres Großvaters Maroun, der im hohen Alter noch begeistert von der Weltraumforschung ist.
Das Buch ist wunderbar, reich an Details und eindringlich geschrieben. Man erfährt viel über die elenden Lebensbedingungen im heutigen Libanon, das Land ist vollkommen dysfunktional, es ist im Besitz korrupter Eliten und die Menschen müssen sich irgendwie durchschlagen.
Die Familiengeschichte ist spannend und voller Poesie und das findet sich auch in dem eigentlich verlorenen Land wieder. Viele Ereignisse sind eher tragikomisch als lustig, aber es gibt immer wieder Momente von wunderbarer Leichtigkeit.
Die fast 500 Seiten haben zwar auch ein paar Längen, aber das hat den guten Gesamteindruck nicht gestört.
Ein Buch, auf das man sich einlassen muss, das die Leser aber reich belohnt!

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Veröffentlicht am 15.03.2025

Sehr anschaulich

Der ewige Tanz
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Dieses Buch wirft die Leserinnen und Leser direkt hinein in die 1920er Jahre. Der Krieg ist vorbei, man beginnt wieder zu leben, nutzt jede Gelegenheit zum Vergnügen und schlägt auch oft genug über die ...

Dieses Buch wirft die Leserinnen und Leser direkt hinein in die 1920er Jahre. Der Krieg ist vorbei, man beginnt wieder zu leben, nutzt jede Gelegenheit zum Vergnügen und schlägt auch oft genug über die Stränge. Die junge Tänzerin Anita Berber, die wirklich gelebt hat, ist mittendrin. Sie hat zwar klassischen Tanz gelernt, fühlt sich aber viel mehr den neuen Ausdrucksformen nahe und tanzt Choreografien, die sie selbst erfindet und die für viele Menschen ein Skandal sind. Auch als Schauspielerin erlebt sie Höhen und Tiefen, dreht mit Fritz Lang und anderen berühmten Stummfilmregisseuren. Otto Dix malt sie in einem roten Kleid, das Bild ist berühmt.
Trotzdem endet ihr Leben tragisch und das ist auch der Hintergrund dieses Buches, denn Steffen Schroeder erzählt auf zwei Zeitebenen. Einmal ist da die erfolgreiche, skandalöse, drogenabhängige Frau und dann die schwerkranke 29jährige, die die Erinnerungen an ihre Erfolge und Niederlagen heraufbeschwört.
Schroeder gelingt es hervorragend das alles in ein sehr lebendiges Zeitpanorama einzufügen, man ist mitten drin in den Bars, Tanzlokalen und vornehmen Hotels, aber auch in den schäbigen Absteigen und auf der Krankenstation.
Ich habe einen zerrissenen Menschen kennengelernt, der die großen Erfolge nicht verkraftet hat, immer wieder an die falschen Männer gerät und dann tief abstürzt.
Ein erstklassiges Portrait einer heute fast vergessenen Frau!

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Veröffentlicht am 06.03.2025

Politisch aktuell

Echokammer
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Von Ingar Johnsrud hatte ich schon die vorige Reihe um den Hirten gelesen und fand sie sehr spannend. Auch dieses Buch hat mich wieder begeistert und ich bin gespannt auf die nächsten Bände.
Im Mittelpunkt ...

Von Ingar Johnsrud hatte ich schon die vorige Reihe um den Hirten gelesen und fand sie sehr spannend. Auch dieses Buch hat mich wieder begeistert und ich bin gespannt auf die nächsten Bände.
Im Mittelpunkt steht ein norwegischer Wahlkampf. Die Arbeiterpartei hat eine multinationale Beraterfirma engagiert, die sie im Wahlkampf beraten und unterstützen soll. Als ein schlimmer Terroranschlag aufgedeckt wird, gerät auch diese Firma in den Fokus des Ermittlerteams. Liselott Benjamin und Martin Tong müssen tief in die Strukturen der Partei und der Terrorgruppe eintauchen, trotzdem sind die Terroristen immer einen Schritt voraus.
Das Buch ist eines der seltenen Exemplare, die die Leser von Anfang bis Ende fesseln. Gut geschrieben, mit immer neuen und spannenden Wendungen, ein ungewöhnliches Ermittlerpaar und ein sehr aktueller politischer Hintergrund, da passt alles!
Man fragt sich, was sich bei uns vor den Wahlen an Einflussnahme abspielt und wer im Hintergrund die Strippen zieht. Das macht das Buch zu viel mehr als einem Krimi, denn den aktuellen Bezug kann man nicht ausblenden.

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