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Veröffentlicht am 03.06.2025

Kreislauf

Sputnik
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Auch in Christian Berkels dritten Buch geht es um seine Familie, wie schon in den beiden Vorgängerbänden. Dieses mal steht aber Berkel selbst im Zentrum. Allerdings ist nie ganz klar, wo Tatsachen geschildert ...

Auch in Christian Berkels dritten Buch geht es um seine Familie, wie schon in den beiden Vorgängerbänden. Dieses mal steht aber Berkel selbst im Zentrum. Allerdings ist nie ganz klar, wo Tatsachen geschildert werden und wo die Fantasie beginnt.
Vom Moment seiner Zeugung an bis zu seinem beginnenden Erfolg als Schauspieler wandern wir mit Berkel durch Kindheit und Jugend. Seine Familie ist nicht einfach, seine jüdische Mutter hat einige Zeit in einem Lager der Nazis verbracht, wanderte dann nach Argentinien aus, kehrte zurück und heiratete ihre Jugendliebe. Immer wieder hat sie Phasen, in denen das Leben sie überfordert und sie in Depressionen versinkt. Das ist für ihren Sohn schwer verständlich. Er heißt übrigens Sputnik, weil er am Tag der Sputnik-Fluges in den Weltraum geboren wurde.
Am Rande taucht aus seine Schwester Ada auf, der ein eigenes Buch gewidmet ist.
Besonders hat mich bei diesem Buch die wunderbare, differenzierte Sprache beeindruckt. Da sitzt jedes Wort, nichts ist überflüssig. Man erlebt Berkels Ringen um Akzeptanz, seine Drogenexzesse, Liebe und Leid.
Ein anspruchsvolles, aber faszinierendes Stück Literatur!

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Veröffentlicht am 30.05.2025

Unfassbar

Am Meer ist es schön
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Ich war selbst ein Verschickungskind und kam mit sieben Jahren für sechs Wochen nach Norderney in das Kurheim unseres Landkreises. Aber das, was in diesem Buch geschildert wird und was auch von vielen ...

Ich war selbst ein Verschickungskind und kam mit sieben Jahren für sechs Wochen nach Norderney in das Kurheim unseres Landkreises. Aber das, was in diesem Buch geschildert wird und was auch von vielen anderen Heimen bekannt ist, das habe ich zum Glück nicht erlebt. Vielleicht war die Überwachung bei öffentlich geführten Heimen besser als bei privaten, das weiß ich nicht.
Die achtjährige Susi erlebt in St. Peter-Ording die Hölle. Kinder werden zum Essen gezwungen, in dunkle Keller eingesperrt oder müssen stundenlang auf einem Stuhl stehen. Und das Schlimmste ist, dass ihre Eltern ihren Erzählungen nach ihrer Heimkehr nicht glauben.
Als Susis Mutter im Sterben liegt, erzählt ihre Tochter alles, was sie erlebt hat und kann endlich Frieden mit der Mutter und ihrer Vergangenheit schließen.
Für mich waren die geschilderten Ereignisse, die sich nah an die Realität anlehnen, unfassbar. Die schwarze Pädagogik regierte noch ungebremst, ein Erbe der Nazidiktatur.
Die Autorin hat viel recherchiert, mit Betroffenen gesprochen, das merkt man dem Buch an. Sie erzählt die Geschichte auf zwei Ebenen und das macht das Buch lebendig und gut lesbar. Ich habe nur zwei Tage für das Buch gebraucht, denn es hat mich zugleich gefesselt und entsetzt. Es waren andere Zeiten, aber das kann keine Entschuldigung für eine solche Brutalität sein.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich habe anschließend auch zu dem Thema recherchiert. Ein beschämendes Kapitel der deutschen Geschichte!

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Veröffentlicht am 27.05.2025

Ungewöhnlicher Roman

Vorsehung
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Auf dem Flug von Hobart nach Sydney steht plötzlich eine alte Dame auf und sagt den Passagieren und der Flugbegleiterin, wann und woran sie sterben werden. Später kann sie sich an nichts mehr erinnern. ...

Auf dem Flug von Hobart nach Sydney steht plötzlich eine alte Dame auf und sagt den Passagieren und der Flugbegleiterin, wann und woran sie sterben werden. Später kann sie sich an nichts mehr erinnern. Die Passagiere sind aber in Angst und Schrecken versetzt, denn einigen wurde ein früher und schmerzhafter Tod vorausgesagt. ist es Schicksal, wann wir sterben oder doch eher vom Zufall abhängig? Als eine der Frauen bei einem Verkehrsunfall stirbt - so wie es vorausgesagt wurde - sind viele Menschen beunruhigt und einige der Passagiere fangen an nach der Frau zu suchen.

Das Buch muss auf jeden Fall sehr aufmerksam gelesen werden, denn die Personen wechseln in den Kapiteln schnell ab und es wird nicht in der Überschrift darauf hingewiesen, wer gerade an der Reihe ist. Auch die alte Dame wird nicht vorgestellt, aber es ergibt sich im Laufe der Zeit, dass sie Cherry heißt und ein bewegtes Leben hinter sich hat. Sie spricht die Leser direkt an, bezieht sie in ihre Gedanken mit ein und nimmt sie so mit auf ihren Lebensweg.

Das Buch regt zum Nachdenken an, denn wer hat sich noch nie gefragt, ob das Leben vom Schicksal bestimmt ist und wir uns dagegen nicht wehren können?

Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, auch wenn es nicht immer ganz einfach zu lesen ist. Unbedingte Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 16.05.2025

Wunderbare Sprache

Das ist Glück
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Noel ist mit 16 Jahren ins Priesterseminar eingetreten und dort sehr unglücklich. Er entschließt sich zu einer Pause, um seine Entscheidung zu überdenken, und zieht zu seinen Großeltern in die kleine Stadt ...

Noel ist mit 16 Jahren ins Priesterseminar eingetreten und dort sehr unglücklich. Er entschließt sich zu einer Pause, um seine Entscheidung zu überdenken, und zieht zu seinen Großeltern in die kleine Stadt Faha an der Westküste Irlands, wo es immer regnet. Doch dann geschieht ein Osterwunder: der Regen hört auf, die Sonne scheint über Wochen, die Menschen und die Natur leben auf. Und zur selben Zeit wird Faha an den Rest der Welt angeschlossen, die Stadt soll Strom bekommen. 1958! Der alte Christy zieht als Angestellter der Stromgesellschaft zu den Großeltern ins Haus und teilt sich das Zimmer mit Noel. Damit setzt er eine Lawine an Ereignissen in Gang, die für Noel bis ins hohe Alter unvergessen ist.
Das Buch besteht aus 450 Seiten Lesevergnügen, die man nicht so schnell vergisst. Obwohl nicht viel passiert, hat mich das Buch von Anfang an gefesselt und das liegt an der blumigen, detailreichen Sprache des Autors und an der genialen Übersetzung von Tanja Handels.
Man muss sich auf dieses Buch einlassen, aber dann beschert es den Lesern das pure Glück!

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Veröffentlicht am 24.04.2025

Macht und Missbrauch

Der Einfluss der Fasane
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Hella Renata Karl ist Feuilletonchefin des Berliner Abendblatts und hat Einfluss im Kulturbetrieb. Doch dann wird sie aus der Bahn geworfen, als der Star der Berliner Theaterszene sich spektakulär in Sydney ...

Hella Renata Karl ist Feuilletonchefin des Berliner Abendblatts und hat Einfluss im Kulturbetrieb. Doch dann wird sie aus der Bahn geworfen, als der Star der Berliner Theaterszene sich spektakulär in Sydney das Leben nimmt. Hella hatte aufgedeckt, dass Kai Hochwerth übergriffiges Verhalten gegenüber Frauen vorgeworfen wurde und er eine Schauspielerin zur Abtreibung zwingen wollte. Von nun an ist alles anders, Hella wird beurlaubt, in den angeblich "sozialen" Netzwerken beginnt eine Hexenjagd, es gibt Drohungen, weil sie angeblich dem Mann in den Tod getrieben hat.
Das Buch ist einfach großartig, es deckt feinfühlig die Manierismen und Verflechtungen im Kulturbetrieb auf und obwohl es fiktional ist, könnte es doch genau so passiert sein. Hella ist keine sympathische Person, ebenso wir Kai, aber sie sind sind von ihrer einfachen Herkunft her ähnlich und es gab eine besondere Beziehung zwischen ihnen. Aber die Meute ist gnadenlos, so lange sie sich in der Masse verstecken kann. Damit ist das Buch hochaktuell, aber es ist viel mehr als ein Kommentar zu den unheilvollen medialen Auswirkungen von Insta und Co.
Alles beschreibt Strubel in einer wunderbaren Sprache, die tief in die Materie eindringt und mit einer angenehmen Distanz, die eine Portion Ironie zulässt. Aber auch ihre einfühlsamen Naturschilderungen sind lesenswert.
Die Bedeutung des Titel erschließt sich erst ganz am Ende des Buches. Ein herrlicher Schluss mit einem guten Schuss Sarkasmus!

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