Märchenhafte Social Media
Im Schatten des ElfenspiegelsWolltest du immer schon wissen, wie sich soziale Medien in der Märchenwelt machen würden? Ich wusste nicht, dass ich das unbedingt wissen möchte, bis ich den Klappentext von „Im Schatten des Elfenspiegels“ ...
Wolltest du immer schon wissen, wie sich soziale Medien in der Märchenwelt machen würden? Ich wusste nicht, dass ich das unbedingt wissen möchte, bis ich den Klappentext von „Im Schatten des Elfenspiegels“ das erste Mal gelesen habe.
Der Leser begleitet Hauptfigur Aileen in die Elfenwelt, die ihr gar nicht so wohlgesonnen ist. Als Halbelfe wird sie nicht gern gesehen und wird von der beliebtesten Elfe über die magischen Spiegel schlecht geredet. In der Hitze eines Gefechts zwischen den Beiden, beschließt Aileen sich bei dem Wettbewerb für die nächste beliebteste Elfe des Jahres zu bewerben. Das bedeutet: Eigenpräsentation in den sozialen Medien bzw. den Elfenspiegeln.
Mit viel Humor, Magie und Kritik, geht die Autorin an das Thema „soziale Medien“ heran. Probleme, wie Hasskommentare, Fake News oder „Das Netz vergisst nie“ werden aufgegriffen. Aber es wird auch aufgezeigt, was man damit bewirken kann.
Aileen wirbelt das Netz gehörig durcheinander. Sie zeigt nicht das Paradebild, was man von sich selbst gerne im Internet zur Schau stellt. Sie ist tollpatschig, entspricht nicht den Schönheitsidealen der Elfen, mal aufbrausend, mal stotternd vor der „Kamera“ und mal einfach zu ehrlich.
Gerade das machte sie für mich absolut erfrischend. Ihre Ecken und Kanten, macht sie authentisch und sympathisch. Sie bringt damit Originalität in die Spiegelwelt der Elfen. Mit ihrer Tollpatschigkeit geht sie super um und reagiert flexibel, so dass sie damit teilweise Neues für sich und die Märchenwelt entdeckt. Zum Beispiel stolpert und verrenkt sie sich einmal so sehr und bringt unter Schmerzen ein „Oh Ah“ raus, dass die Elfen an Yoga herangeführt werden.
Begleitet werden die Teilnehmer teilweise vom Elfenprinzen, der sich als Soldat ausgibt. Auch er hat seine Vorurteile, doch lernt er die Gesichter hinter den Masken aller Teilnehmer kennen. Ich fand es super, dass er dabei auch sich selbst besser kennenlernt und reflektiert. Doch beim Lesen möchte man immer wieder ein Hühnchen mit ihm Rupfen, wenn er vorschnell urteilt.
Die Thematik Diskriminierung, Vorurteile und Mobbing fand ich außerdem sehr gut aufgegriffen. Die Ausgrenzung von Aileen ist durch die Seiten total spürbar, machen traurig und frustrieren. Man hofft auf Personen, die für sie eintreten und sie so verstehen, wie sie wirklich ist. Trotz heftiger Thematik, zieht die Lektüre nicht runter, was an dem humorvollen Schreibstil der Autorin liegt und verleitet insgesamt zur Selbstreflexion. Der Part hat mir sehr gut gefallen.
Der einzige Punkt, an dem ich mit den Charakteren gehadert habe, war im Konfliktmanagement. Gerade Aileen flüchtet gerne in der Hitze des Gefechts und vermeidet es sich zu erklären. Es ist nicht unrealistisch mit ihren Erfahrungen, trotzdem hätte ich mir manchmal gewünscht, dass die Charaktere mehr miteinander reden. Ich bin ein Fan von Aussprachen statt mehr Drama, weil man sich nicht hingesetzt und geredet hat. Ich hätte mir gewünscht, dass sich die Charaktere im Laufe der Geschichte mehr in die Richtung hin entwickeln.
Fazit:
Eine absolut geniale und neuartige Idee für die Märchenwelt. Immer wieder her mit solch tollen Ideen, Jacqueline! Die Auswirkungen von sozialen Medien, was sie anrichten, aber auch was sie erreichen können, werden wunderbar aufgegriffen. "Im Schatten des Elfenspiegels" zeigt sich kritisch und greift wichtige Themen auf. Dabei verliert die Autorin nicht ihren Humor und stellt wieder total authentische Charaktere vor. Insbesondere Aileen konnte mich mit ihren Ecken und Kanten von sich überzeugen, wenn gleich ich mir bei ihr ein paar mehr Aussprachen im Streit gewünscht hätte.