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Veröffentlicht am 16.01.2017

Zu viel Nebenschauplätze und Personen verderben den Brei

Das Buch der Nacht
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Rezension für alle 3 Bände

Ich weiß wirklich nicht, wie ich diese Trilogie rezensieren soll. Eigentlich ist die Story gut. Was mich wirklich stört, ist die abgehakte Stakkato-Sprache. Vielleicht liegt ...

Rezension für alle 3 Bände

Ich weiß wirklich nicht, wie ich diese Trilogie rezensieren soll. Eigentlich ist die Story gut. Was mich wirklich stört, ist die abgehakte Stakkato-Sprache. Vielleicht liegt es aber auch an der Übersetzung. Oft musste ich Passagen 3x lesen, weil die Autorin wie eine Nähmaschine über Ereignisse hinwegfegt, so dass ich das Gefühl hatte, ich hätte aus Versehen ganze Zeilen übersprungen.

Was mich in diesen drei Büchern aber wirklich wahnsinnig gemacht hat, sind die unheimlich vielen Personen. Dauernd tauchen neue Namen auf, die sich teilweise gleich anhören. Die Bühne wimmelt vor lauter Figuren und man hat überhaupt keinen Überblick mehr. Ständig muss man sich fragen: "wer war das denn schon wieder?" Und leider stimmt das Motto: Viele Köche verderben den Brei. Und keiner von den Personen hat wirklich Tiefe, ist greifbar.

Für die Figuren kann ich mich irgendwie nicht erwärmen. Die Protagonisten sind mir durch den oberflächlichen Schreibstil nicht wirklich greifbar. Gefühle werden nicht ausformuliert. Die einzigen Personen, die für mich Tiefe erhalten haben, waren Gallowglass und Jack.

Inzwischen kann ich diese Stories irgendwie nicht mehr lesen: das Liebespaar findet sich im ersten Drittel des ersten Buches und schwören sich gegenseitig blind durch alle Folgebände hindurch die ewige Treue und Liebe (schlonz). Nein, das ist einfach irgendwann zu blöde und langweilig. Das Leben ist nicht so, man kann sich seiner Liebe nie sicher sein.

!!! Achtung Spoiler !!!

Das 1. Buch fängt vielversprechend an. Man taucht langsam (aber zäh) in die Welt der Hexen, Vampire und Dämonen ein. Im 2. Buch stolpert Diana durch das elisabethanische Europa, aber wirklich was ereignen tut sich nichts, es war für mich das schwächste. Im 3. Buch beginnt die Geschichte erst durch das Auftauchen von Jack wieder Farbe zu gewinnen. Aber ein großes (Gefühls-)Finale bleibt aus. Es hat nicht "wusch" gemacht, geflasht hat mich gar nichts - wenn ich mal dagegen an Regniers Pan denke.

Auch die erotischen Szenen passen überhaupt nicht, und wirken wie hineingepfriemelt, um der Leserin doch noch irgendeinen Genuss bescheren zu wollen. Aber ganz ehrlich: "er teilte das Fleisch" - hört sich eher an als würde die Weihnachtsgans fachmännisch tranchiert werden.

Es ist viel zu viel: Die Geschichte um das Buch, die Alchemie, den Baum des Lebens, die ganzen Geheimbünde, die geheimen Existenzen von Matthew, die Kongregation, die verschiedenen Familienclans und dazu die ganzen Verwirrungen und Verzwickungen. Mir scheint, die Autorin wollte irgendwie Alles in ein Buch packen und konnte sich nicht entscheiden etwas weg zu lassen. Dabei wird dann einfach alles irgendwie erwähnt, aber so oberflächlich und angerissen, dass der ganzen Trilogie einfach die Tiefe, der rote Faden - der alles zusammen hält - fehlt.

Das alles will nicht wirklich zusammenpassen. Hier wäre tatsächlich weniger mehr gewesen, auch wenn das dann weniger Seiten bedeutet hätte. Aber im Grunde quält man sich durch die elend langen Tatsachenberichte, mehr ist es nicht.

Veröffentlicht am 28.12.2017

Snow und Ihr Schicksal lassen mich kalt (Abbruch)

Snow
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Ich möchte Netgalley.de und dem Thienemann Verlag recht herzlich dafür danken, dass ich dieses Buch als Rezensionsexemplar erhalten habe und lesen durfte. Ich muss aber mit Bedauern feststellen, dass ich ...

Ich möchte Netgalley.de und dem Thienemann Verlag recht herzlich dafür danken, dass ich dieses Buch als Rezensionsexemplar erhalten habe und lesen durfte. Ich muss aber mit Bedauern feststellen, dass ich mit diesem Titel überhaupt nicht zurecht gekommen bin und ich schließlich bei 60 % abgebrochen habe. Deswegen ist dies hier keine Rezension über das vollständige Buch, sondern ich kann nur das bewerten, was ich bis hierhin gelesen habe und meine Beweggründe für den Abbruch festhalten. Vielleicht mag der Schluß noch mal das Buch aufwerten, aber bis über die Hälfte konnte mich das Buch einfach nicht packen.

Coverbild
Großformatige Gesichter auf Covern finde ich immer sehr schwer. Auch hier finde ich das Gesicht zu harmlos, im Gegensatz zu dem, wie die Protagonistin Snow im Buch rüberkommt. Hier wird ein stupsnäsiges, liebevolles Mädchen dargestellt, das ich überhaupt nicht mit Snow und der Geschichte in Verbindung bringen kann. Trotzdem ist die Umsetzung des Covers wirklich gelungen. Die überlagerten Eismuster fügen sich schön ein, der Titel mit der Serife-Schrift mit dem ornamtental geschmückten "O“ platziert sich mit dem Untertitel passend auch im unteren Mittel. Das Cover gefällt mir trotz Gesicht sehr gut.

Handlung
Snow wächst seit ihrer frühen Kindheit in einer Irrenanstalt auf und baut zu ihrem Leidensgenossen Bale eine sehr innige Beziehung auf. Doch plötzlich wird Bale durch ein magisches Ereignis entführt und Snow macht sich mit Hilfe von Jagger, der sie bereits in ihren Träumen und Halluzinationen heimgesucht hat, auf den Weg in die Welt von Algid. Dort erfährt sie, dass sie die lang verschollene Schneeprinzessin ist und ihr leiblicher Vater das Land in Angst und Eisschrecken hält. Doch Snows sehnlichster Wunsch ist nur die Rettung von ihrem Geliebten Bale und macht sich ohne Rücksicht auf Verluste auf die Suche nach ihm.

Buchlayout / eBook
Das eBook ist einfach aber schön umgesetzt. Jedes Kapitel wird mit einer filigranen Illustration geschmückt. Die insgesamt 44 Kapitel teilen die 400 Seiten in angenehm kurze Abschnitte, die den Lesefluss nicht beeinflussen.

Idee / Plot
Im Grunde ist es wie das Märchen „Die Schneekönigin“. Dass es eine Adaption davon sein soll, habe ich erst aus den Rezensionen meiner Bloggerkolleg*Innen erfahren. Ein Mädchen von der Mutter abgestoßen, macht sie sich auf die Suche nach ihrer wahren Liebe im Eisland. Doch sie ist die Prophezeite, die als einzige die Macht besitzt den tyrannischen Vater aufhalten und die Wende in das unterdrückte Land bringen kann. Dafür müsste sich aber die Prinzessin gegen ihre Liebe und für ihr Volk entscheiden.
Märchenadaptionen finde ich immer etwas kritisch, denn die Erwartungen können dabei schnell enttäuscht werden. Da ich aber vorher nichts von der Adaption wusste, bin ich das Buch ohne große Erwartungen angegangen.

Emotionen / Protagonisten
Ich liebe das (echte) Märchen „Die Schneekönigin“, aber was soll das denn? Sowas von emotionslos, arrogant und überheblich habe ich kaum eine Protagonisten erlebt. Ich habe überhaupt keine Beziehung zu Snow aufbauen können, ihre ganzen Entscheidungen habe ich Null nachvollziehen können. Ihr ist alles um sich herum schnurzpirpegal, ihre Umgebung interessiert sie nicht. Wie ferngesteuert taumelt sie nur ihrem Bale hinterher und nimmt dabei in Kauf, dass sie sich, ihre Umgebung und das dort lebende Volk nur noch mehr in Lebensgefahr bringt. Sorry, das kann ich einfach nicht verstehen. Sie ist regelrecht anstrengend. Auch sind da einfach zu starke Parallelen zur Eliza aus Disneys Eiskönigin, deren Bild ich beim Lesen nicht mehr aus dem Kopf bekommen habe.
Auch zu den anderen Figuren konnte ich kaum eine Beziehung aufbauen. Bale wird nur angerissen, Jagger und Kai sind ebenfalls ohne Tiefe und nicht greifbar. Gerde ist die einzige, die ein wenig Format bekommt, was aber leider ganz schnell wieder vorbei ist.
Und dann ist das auch noch eine Vierecksbeziehung! Denn Snow hat nicht nur ihr Herz an Bale verloren, sondern bekommt auch plötzlich Gefühle für Jagger und Kai. Wobei ich diese Entwicklung gar nicht nachvollziehen kann. Da kommt bei mir einfach nichts an.

Handlungsaufbau / Spannungsbogen
Der Anfang war sowas von komisch und ich bin total schlecht reingekommen. Verwirrend und holprig. Das hat sich aber dann die ganzen 60 % irgendwie durchgezogen. Manchmal wurde es etwas besser, aber gerade um die Mitte herum wird es dann extrem sprunghaft. Und trotzdem zieht sich die Handlung enorm und kann kaum Spannung aufbauen, obwohl ja doch irgendwie ständig was passiert. Durch das Sprunghafte hat man kaum die Möglichkeit sich da mitreißen zu lassen, denn plötzlich ist alles wieder vorbei.

Szenerie / Setting
Von der Umgebung bekomme ich kaum mit, außer dass die Bäume blau und rosa sind. Gerade diese Schneelandschaft hätte viel Potenzial gehabt eine zauberhafte Welt entstehen zu lassen. Aber so arrogant, wie Snow durch die Gegen wandelt, so nebensächlich wird auch die Umgebung beschrieben. Leider.

Sprache / Schreibstil
Gerade nach dem Genuß von Fabiola Nonns „Calypso“ - welches ich sprachlich absolut top fand - ist dieser Sprachstil hier eine wahre Katastrophe. Ich habe auch stark im Verdacht, dass die Übersetzung hier eventuell mit Schuld sein könnte. Es gibt viel wörtliche Rede und kaum Metaphern. Auch hier folgt die Sprache der sprunghaften Handlung: hackelig, kurze Sätze und sprunghaft. Sprachlich hat es mir überhaupt nicht gefallen.

FAZIT
Die ganze Geschichte lässt mich kalt und konnte mich nach 60 % immer noch nicht packen. Sprunghaft und arrogant, ohne wirkliche Tiefe. Ich komme mit dem Buch einfach nicht klar und breche es schließlich ab. Deswegen kann ich leider nur 1 Stern vergeben.

Veröffentlicht am 21.01.2017

Flache Handlung, keine Tiefe, viele Wiederholungen und lethargische Protagonisten

Midnight Eyes
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Von dem sehr hübschen Cover und von den vielen hochgewerteten Rezensionen verleitet, habe ich das Buch nun bei kindle geladen und war gespannt auf die Geschichte. Leider konnte mich das gesamte Buch nicht ...

Von dem sehr hübschen Cover und von den vielen hochgewerteten Rezensionen verleitet, habe ich das Buch nun bei kindle geladen und war gespannt auf die Geschichte. Leider konnte mich das gesamte Buch nicht fesseln, so dass ich bei 60 % endgültig abgebrochen habe. Übrigens das erste Mal, dass ich ein Buch tatsächlich nicht zu Ende lesen möchte.

Die Handlung:
Emily lebt bei ihren Großeltern, da sie viele schreckliche Dinge in der Kindheit erlebt und ihre Eltern verloren hat. Während eines Schulausfluges in ein Museum gerät Emily aus Versehen in einen Bannkreis, der einen Dämon in Menschengestalt nicht nur heraufbeschwört, sondern die beiden aneinander bindet. Nur ein magisches Ritual kann diesen Bann zerstören. Emily und ihr Dämon Ray erleben nun wochenlang den Schulalltag und warten darauf, dass sich plötzlich Emilys Magie entwickelt, oder Ray auf seinen Streifzügen in der Dämonenwelt die Bücher entdeckt, mit deren Hilfe sie den Bann lösen können.

Und dabei sind wir auch schon bei meiner Meinung: Denn mehr passiert in diesem Buch nicht.
Emily ist ein armes Kind, dass durch ihre schrecklichen Erlebnisse alles um sie herum abschottet und ihre Erinnerungen verbannt hat, die sie jedoch nachts in Form von Albträumen immer wieder heimsuchen.

Der plötzlich auftauchende Dämon ist natürlich fürchterlich schrecklich, aber davon merkt man gar nichts. Ray ist sogar die einzige Person in diesem Buch zu der ich irgendwie einen Bezug aufbauen konnte. Die kurzen Passagen aus seiner Sicht gefallen mir sogar sehr gut. Er ist irgendwie der einzige „normale“ in der Geschichte. Emily ist hysterisch und krampfhaft darauf erpicht, Ray nicht in ihr Leben zu lassen.

Über das ganze Buch hinweg aber gehen die beiden zur Schule und erleben den Schulalltag mit den mehr oder weniger interessanten Freunden Nell und Sven. Die gesamte „Action" findet im Verborgenen statt - immer dann, wenn Ray die Bücher suchen geht oder irgendwelche Dämonen suchen und bekämpfen muss. Da wäre ich gerne dabei gewesen! Das wäre doch aufregend gewesen! Aber was müssen wir Leser miterleben? Den furchtbar langweiligen und stupiden Schulalltag von Emily mit ihren ständigen Gedanken, dass Ray ja doch so ein schrecklicher Dämon wäre und sie ihn unbedingt los werden muss. Ihre dauernde Angst vor den ganz vielen fürchterlichen niederen Dämonen, die ihr nach dem Leben trachten - die gar nicht da sind.

Was mich aber besonders stört, ist die Lethargie, die sich durch das gesamte Buch zieht. Hätte ich einen Dämon heraufbeschworen, dann hätte ich Gott und die Welt in Bewegung gesetzt um mehr darüber herauszufinden. Ich hätte als erstes mal gegoogelt, mich in einer Bücherei gesetzt und nach Werken über Magie und Dämonen gesucht, jemanden gesucht, der mehr darüber wissen könnte - so wie man es doch von der Hauptperson in Urban-Fantasy Geschichten eigentlich kennt und erwartet. Was für ein Geschenk, dass Nells Eltern so viele Bücher über Magie besitzen, und was macht Emily? Nichts! Sie sitzt 60 % der Geschichte vor der Kerze und starrt diese an, um ihre Magie zu „erwecken". Was für ein Schwachsinn! Ständig wiederholt sie sich wie ein Mantra, dass sie die Magie in sich erwecken muss, dass sie unbedingt den Bann lösen muss, damit Ray endlich in seine Welt kann. Ständig wird um den heißen Brei geredet und immer das Selbe, aber nichts passiert.

Zu den Protagonisten konnte ich kaum eine Beziehung aufbauen. Besonders schlimm fand ich Nell, die sich wie ein vorpubertäres Kleinkind verhält und permanent Ray mit dämlichen Versuchen vom Bann lösen möchte. Die sich gar nicht wie eine beste Freundin verhält, sondern die arme Emily sogar immer wieder in peinliche Situationen reitet. Als Emily hätte ich sie längst in den Wind geschossen. Chris taucht auf, ist wieder weg, tauch auf, ist wieder weg und ist genauso blass und nichts sagend wie Sven.

Der Schreibstil ist auch eher gewöhnlich. Ich habe in letzter Zeit viele sehr nette und gut geschriebene Geschichten gelesen, mit Witz und Charme, da fällt dieses hier leider ziemlich ab. Er ist leicht lesbar, wenn man von den ständigen Wiederholungen absieht.

Bei jedem Kapitel habe ich gehofft, dass die Geschichte nun endlich ins Rollen kommt, aber leider wurde ich immer enttäuscht. Ich habe dann nun das Buch schlußendlich abgebrochen.

Veröffentlicht am 16.01.2017

Kafkaeske Kurzgeschichten mit angeschnitten Andeutungen hinterlassen einen verwirrenden Eindruck

Die Vegetarierin
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Der in der Originalfassung preisgekrönte Roman "Die Vegetarierin" der südkoreanischen Autorin Han Kang ist 2016 im aufbauverlag auf deutsch erschienen.

Das Werk wurde 2007 zusammen mit Han Kangs Englisch-Übersetzern ...

Der in der Originalfassung preisgekrönte Roman "Die Vegetarierin" der südkoreanischen Autorin Han Kang ist 2016 im aufbauverlag auf deutsch erschienen.

Das Werk wurde 2007 zusammen mit Han Kangs Englisch-Übersetzern Deborah Smith mit dem Man Booker International Prize ausgezeichnet und 2010 verfilmt.

Bisher ist dies mein erster Titel aus Südkorea und dem Asiatischen Raum, den ich so bewußt lese. Er hinterlässt bei mir einen etwas verwirrten Eindruck, was wohl auch eher an der Unkenntnis der dortigen Kultur und Gesellschaftsnormen liegen könnte, um den tieferen Sinn zu erkennen.

Buchcover:
Interessant erscheint vor allem das Buchcover! Zunächst denkt man: "Ein nettes Blumenbouquet mit tollen rosafarbenen Lilien". Aber bei näherer Betrachtung erkennt man dazwischen die weiteren fleischig rohen Elemente. Aus einem zarten Blütenblatt wird eine ekelhafte Zunge. Ja, ekelhaft, denn das liebliche Bild wandelt sich durch diese Zusätze und erweckt in dem Betrachter abstößige Gefühle. Ich würde sagen, das Cover erfüllt seinen Zweck, oder?

Inhalt:
Das Buch ist in drei Kurzgeschichten aufgeteilt, die jeweils aus der Sicht verschiedener Personen in abwechselnden Perspektiven und Zeiten erzählt wird. Dabei wird unklar, welche Person eigentlich die Hauptprotagonistin ist, trotzdem ist der Kern der psychische Zerfall einer jungen Frau namens Yong-Hye und die damit verbundenen Auswirkungen auf Gesellschaft und Familie.

Erster Abschnitt "Die Vegetarierin"
Der unsympatisch wirkende Mann namens Chong mit Minderwertigkeitskomplexen ist mit der unscheinbaren, gefügige aber leidenschaftslose Yong-Hye verheiratet. Eine Heirat nicht aus Liebe, sondern aus gesellschaftlichen Gründen, um keine lästigen Beziehungsprobleme zu haben.

Obwohl das Buch mit seinen 190 Seiten recht dünn wirkt, geht die Geschichte auch schon direkt los mit der Verwandlung seiner ansonsten frigiden und gewöhnlichen, der Gesellschaft angepassten Ehefrau zu einer traumatisierten und psychopatischen Vegetarierin. Dem aber nicht genug, sperrt sie sich komplett gegenüber allen tierischen Produkten, ohne Rücksicht auf ihre Umwelt, auf soziale Normen und zwischenmenschliche Werte. Das ganze eskaliert zum Ende des ersten Drittels soweit, dass ihre Verweigerung auch noch zu einem Familiendrama führt. Ihr Vater zwingt sie mit Gewallt Fleisch zu essen.

Der Abschnitt ist aus der Ich-Perspektive des Ehemannes in nüchterner aber flüssiger Sprache erzählt. Dazwischen tauchen Passagen aus den Träumen und Gedanken von Yong-Hye in der Ich-Perspektive auf, die nicht nur verwirrend sind, sondern auch brutal und gewalttätig, für zartbesaitete Leser unter anderem auch sehr verstörend. Wobei man aber auch nicht unterscheiden kann, ob es sich dabei nur um Träume, oder doch auch um echte Erinnerungen handelt.

Tatsächlich hat mich das Buch, wie viele andere Leser auch, überrascht. Bin ich zunächst von einer Rebellion gegen Massentierhaltung, Fleischverzehr und gesellschaftlichen Zwängen ausgegangen. Ganz im Gegenteil geht es um eine Frau, die durch gewaltsame Kindheitserfahrungen psychotische Träume bekommt die sie zu diesen Maßnahmen zwingen. Sie verfällt in eine krankhafte Manie bis hin zu schizophrenen Zügen. Durch ihr Verhalten bricht sie natürlich mit den in Südkorea vorherrschenden Konventionen und gesellschaftlichen Normen.

Zweiter Abschnitt "Der Mongolenfleck"
Im zweiten Abschnitt wechselt die Geschichte zum personalen Erzähler aus der Perspektive des Schwagers von Yong-Hye und wirkt erst mal als krasser Schnitt zum ersten Abschnitt. Der Mann von Yong-Hyes Schwester In-Hye ist ein durchschnittlicher und unerotischer Künstler, der sich in erotische Phantasien mit seiner Schwägerin soweit hineinsteigert, so dass er mitten in einer Sinn- und Schaffenskrise feststeckt.

Die zunächst phlegmatisch wirkende Yong-Hye läßt sich auf seine Phantasien emotionslos ein, bricht aber damit für sich selber den Bann zu ihren verstörenden Träumen. Sie hat ihn eher benutzt um sich selber von ihren Träumen zu befreien. Er war nur mittel zum Zweck.

Im Gegensatz zum recht krassen ersten Abschnitt wirkt dieser Teil eher langweilig. Die Sprache ist eingängig und gut lesbar, trotzdem muss man die sexuellen Phantasien des Mannes miterleben. Sie ziehen aber einen nicht wirklich in den Bann.

Yong-Hye erlebt man hier extrem apatisch und letargisch. Es trägt nicht wirklich zur weiteren Aufklärung noch vieler offenen Fragen bei, oder gibt einem einen tieferen Einblick in Yong-Hyes Psyche, um ihr Verhalten besser nachvollziehen zu können. Man bleibt genauso unschlau zurück wie nach dem ersten Abschnitt.

Dritter Abschnitt "Bäume in Flammen"
Im letzten Teil wird aus der personalen Perspektive von In-Hye beschrieben, wie sie Yong-Hye in der Psychiatrischen Klinik besucht und den Verfalls ihrer Schwester begleitet. Ihre Schwester hat nicht nur an der veganen Lebensweise festgehalten, sondern möchte sich in einen Baum verwandeln, der sich nur noch von Wasser nährt. Also verweigert Sie nun die gesamten Nahrungsaufnahme bis hin zur bulemischen Anfällen, um sich über Sonden eingeflößte Nahrung zu entledigen.

In-Hye, eine einsame Frau aber fürsorgliche Mutter, reflektiert während ihren Besuchen sich und die Geschehnisse in ihrem Leben im Zusammenhang mit ihrem Mann und ihrer Schwester und verfällt dabei in Selbstvorwürfe. Es wird klar, dass die krankhafte Entwicklung der Schwester die ganze Familie ins Unglück gestürzt hat.

Durch ständige Rückblicke und Zeitsprünge wird das Lesen sehr anstrengend und mühselig. Vieles wiederholt sich und wirkt extrem in die Länge gezogen, auch wenn es sich dabei um ein Stilmittel handelt, um das zermürbende Warten auf den Tod zu verdeutlichen. Es wird aber trotzdem nicht klar, worum es der Autorin eigentlich geht. Geht es um die Kritik an der Sterbehilfe? Darum, dass eine sterbewillige Frau gewaltsam durch Ärzte und Medizin am Leben erhalten wird? Um Vorurteile und Voreingenommenheiten gegenüber andersartigen oder kranken Menschen?

Meine Meinung zum gesamten Buch:
Für mich ist das kein Roman, alle drei Abschnitte sind eher Kurzgeschichten, die für sich alleine stehen. Sie haben zwar inhaltlich Bezug zueinander, helfen aber nicht die Thematik zu erfassen und zu vertiefen. Die Frage, warum Yong-Hye überhaupt in diesen psychischen Verfall geraten ist, wird nicht aufgeklärt. Es werden nur Andeutungen angerissen.

Ich habe mich am Schluss nur noch durch die Seiten gequält und bin eher stutzig und verwundert über dieses Buch. Ich kann es nicht empfehlen, auch wenn die Meinungen darüber doch sehr auseinander gehen. Ich habe eher das Gefühl, dass wir Europäer vielleicht dieses Buch nicht verstehen, weil wir die Kultur und Gesellschaft nicht kennen und die Kritik deswegen nicht erkennen?