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Veröffentlicht am 28.04.2025

Paris und die Kunst

Montmartre - Licht und Schatten
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Marie Lacrosse entführt uns in ihrem neuen Roman "Montmartre - Licht und Schatten" in das Paris von 1866 bis 1889.
Was heute ein äußerst charmanter Teil von Paris ist, den man bei jeder Parisreise unbedingt ...

Marie Lacrosse entführt uns in ihrem neuen Roman "Montmartre - Licht und Schatten" in das Paris von 1866 bis 1889.
Was heute ein äußerst charmanter Teil von Paris ist, den man bei jeder Parisreise unbedingt besuchen muss, steckte im 19. Jahrhundert noch in den Kinderschuhen. Die berühmte Basilika Sacre Coeur wurde erst erbaut und das Viertel hat noch den Charme eines Dorfes auf einem Hügel. Einzig Künstler, sowie Tänzerinnen und auch einschlägige Etablissements begannen sich im heutigen 18. Arrondissement anzusiedeln.

Am 20. Juni 1866 erblicken zwei Mädchen, Elise und Valérie, das Licht der Welt, deren sozialen Hintergründe nicht verschiedener sein könnten, aber von der gleichen Hebamme entbunden werden.

Elise Lambert wächst als Tochter einer Wäscherin auf, deren Vater die Familie verlassen hat. Schon früh muss sie hart in derselben Wäscherei wie ihre Mutter arbeiten, um genug Geld zum täglichen Überleben für die Familie aufzubringen. Das Leben als Wäscherin oder Plätterin und vor allem als Frau war hart und entbehrungsreich.
Elise liebt den Tanz und lernt durch ihre Freundin Louise Weber diverse Varietés kennen, wo diese bereits erfolgreich auftritt. Gemeinsam feiern sie auf der Bühne Erfolge. wobei sich Louise eher freizügig gibt, während Elise durch ihre Grazie auffällt.

Valérie Dumas ist die Tochter eines bekannten Kunsthändlers und selbst eine begabte Malerin. Als Frau hat sie jedoch keine Möglichkeiten ihre Bilder unter ihren Namen auszustellen oder als Künstlerin anerkannt zu werden. Ihr Vater verschafft ihr durch finanzielle Unterstützung trotz allem einen Platz in der Akademie. Valérie, darf jedoch an vielen Unterrichtsfächern nicht teilnehmen oder nur zusehen. Sie lernt Henri Toulouse-Lautrec und Vincent Van Gogh kennen, die beide durch ihre individuellen Stile auffallen. An der Kunstakademie herrscht jedoch die strenge Vorschrift nach alter Schule zu malen und auch Valeries Vater lehnt jedes moderne Bild für seine Galerie ab.
Während Valérie keine Geldsorgen, sondern kaum Freiheiten hat und von ihrer bigotten Mutter sehr gegängelt wird, hat Elise zwar Freiheiten, aber einige andere Probleme betreffend des Familieneinkommens, ihrer Arbeit und ihrer Schwester Simone.
Viele der jungen Mädchen stellen sich als Aktmodel für die angehenden Maler zur Verfügung. Auch Elise legt ihre anfängliche Scheu ab, als das Geld immer knapper wird.

Marie Lacrosse bringt jede Menge Historie in die Geschichte. In dieser Zeit wurden Bauten errichtet, die heutige Wahrzeichen von Paris sind. Man erfährt mehr über den Bau des Eiffelturms zur Pariser Weltausstellung 1889, dem anfänglich nicht sehr erfolgreichen Bau des Panamakanals, bei dem Gustav Eiffel aushelfen sollte; der wunderschönen Kirche Sacre Coeur und auch über den Bau des Moulin Rouge....der roten Mühle.

Wir erfahren auch sehr viel über die Malerei und den Stilrichtungen zu dieser Zeit. Lernen Henri Toulouse-Lautrec, Paul Gauguin, Edgar Degas oder auch Vincent Van Gogh kennen, der zu Lebzeiten nicht erfolgreich war und über dessen Sonnenblumenbild gespottet wurde.
Auch über Louise Weber, genannt "La Goulue" und im Roman Elises fiktive Freundin, erfahren wir sehr viel. Von ihr hatte ich zuvor noch nie gehört, dabei war sie eine sehr berühmte Cancan Tänzerin und auch auf einigen Bildern von Toulouse-Lautrec zu sehen.

Ich habe sehr oft beim Lesen gegoogelt und mich über Personen oder historische Begebenheiten näher erkundigt und ich war neugierig, wie die dargestellten Orte heute aussehen.
Diese wurden sehr bildhaft und detailgetreu dargestellt. Marie Lacrosse schildert das Leben im 19. Jahrhundert sehr facettenreich und lebendig - egal, ob aus der Schicht der Ärmsten oder der Reichen.
Allerdings gibt es im Mittelteil auch einige Längen, die die Geschichte etwas dahinplätschern lässt. Ich muss aber auch zugeben, dass ich mich schon eine Weile mit historischen Romanen abseits der beiden Weltkriege, etwas schwer tue, was sicher auch dazu beiträgt.
Der Roman ist in fünf Teile aufgeteilt und spielt von Juni 1866 bis Oktober 1889. Generell bilden die Malerei und der Tanz den roten Faden des Romans - verwebt mit den Schicksalen der beiden Frauen, die am selben Tag geboren wurden und die beide ihr Ziel nie aus den Augen verlieren.

Am Beginn des Romanes befindet sich eine Karte von Montmartre und ein Personenregister historischer und fiktiven Figuren, die im Roman genannt werden.
Im Nachwort geht die Autorin näher auf Realität und Fiktion ein. Außerdem gibt es einen Eintrag über die verschiedenen Stilrichtungen der Malerei zu dieser Zeit, sowie eine Aufzählung der erwähnten Werke.

Fazit:
Wer mehr über die Malerei und die Kunst des Cancan am Ende des 19. Jahrhunderts in Paris erfahren möchte, ist hier richtig. Ich habe hier sehr viel Neues erfahren und gelernt. Auch Liebhaber:innen von historischen Romanen lege ich diesen ersten Band der Dilogie ans Herz.

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Veröffentlicht am 19.04.2025

Glück auf zwei Rädern

Im Takt der Freiheit
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Hanna Caspians wunderbare Reihe "Gut Greifenau" ist mir noch immer in sehr guter Erinnerung. Nachdem ich die "Schloss Liebenberg" Reihe nicht gelesen habe, war ich wieder neugierig auf ihren neuesten Roman, ...

Hanna Caspians wunderbare Reihe "Gut Greifenau" ist mir noch immer in sehr guter Erinnerung. Nachdem ich die "Schloss Liebenberg" Reihe nicht gelesen habe, war ich wieder neugierig auf ihren neuesten Roman, der mittlerweile auch schon wieder ein halbes Jahr alt ist.

Berlin 1888. Die neunzehnjährige Felicitas Louisburg stammt aus reichem Haus und wächst wohlbehütet auf. Nach dem Tod ihrer Mutter werden Felicitas und ihre Schwester Tessa von der Gouvernante erzogen. Ihr Vater Egidius ist ein Eisenbahn Großunternehmer und führt die Töchter mit strenger Hand. Doch Felicitas hasst sie Konventionen, die ihr als höhergestellte Tochter vorgeschrieben werden und sehnt sich nach Freiheit. Sie kann sich nicht vorstellen, direkt aus dem einengenden Elternhaus in die Hände eines ihr unbekannten Ehemannes zu wechseln, der ihr weiterhin keine Freiheiten lässt. Diesen Zukünftigen scheint ihr Vater bereits ausgewählt zu haben, denn er plant einen feudalen Sommerball, den auch der Kaiser besuchen soll. Während des Balles soll Felicitas aus wirtschaftlichen Gründen mit dem Grafensohn eines hochrangigen Beamten im Reichseisenbahnamt verlobt werden. Doch Felicitas Herz gehört bereits dem Maschinenbau-Studenten Lorenz, den sie bei einem Spaziergang mit ihrer Gouvernante kennengelernt hat. Dieser interessiert sich für die neuen Zweiräder, die die Hochräder ablösen sollen. Bald interessiert sich auch Felicitas mehr für diese Fahrräder, die auch ihr etwas mehr Freiheit verschaffen....
Felicitas sucht sich Hilfe bei ihrer eigenwilligen Tante Apollonia, der Schwester ihrer Mutter, die nach einem Streit eigentlich Hausverbot von Egidius Louisburg bekommen hat. Gemeinsam schmieden Felicitas, ihre Schwester Tessa und Tante Apollonia einen Plan, wie sie die Verlobung mit dem hochnäsigen und unsympathischen Grafensohn verhindern können. Es wird spannend, als der Sommerball langsam aus dem Ruder gerät und die drei Frauen ihre kreativen Ideen umsetzen.

Felicitas ist eine sympathische und intelligente junge Frau, die sich ebenfalls für Technik und Maschinenbau interessiert, aber von ihrem Vater nicht ernst genommen wird. Außerdem ziemt es sich nicht für eine Frau sich mit diesen Themen zu beschäftigen....
Zu dieser Zeit ist der Lebensweg von Mädchen/Frauen vorbestimmt. Bildung ist nur eingeschränkt möglich und selbstständig zu agieren ist generell verboten. Auch die Nebencharaktere, vor allem die afrikanische Zofe Minna und Tante Apollonia, sind wunderbar gezeichnet. Durch Minna erfährt Felicitas, dass nicht nur sie eine "Gefangene der Gesellschaft" ist, sondern auch Frauen in anderen Gesellschaftsschichten.
Hanna Caspian zeigt dieses Sittenbild des späten 19. Jahrhunderts sehr eindringlich. Auch die politische und historische Entwicklung ist ein Thema. Die Mobilisierung der Menschen und der wirtschaftliche Fortschritt sind der rote Faden durch den Roman.

Der lebendige Schreibstil von Hanna Caspian hat mich auch in ihrem neuen Roman wieder in den Bann gezogen. Sie überzeugt mit ihrem historischen Wissen und dem tollen Aufbau ihrer Geschichten.

Fazit:
"Im Takt der Freiheit" kommt zwar nicht an die "Gut Greifenau-Saga" heran, unterhält aber gut und bringt den Leser dieses Zeitalter näher.

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Veröffentlicht am 13.04.2025

Spannend, aber verwirrend

Die Mündung
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Die Havel-Krimis von Tim Pieper habe ich alle verschlungen und deshalb war ich schon sehr gespannt auf seinen ersten Thriller. Vorab muss ich aber sagen, dass ich "Die Mündung" eher wieder als Krimi empfunden ...

Die Havel-Krimis von Tim Pieper habe ich alle verschlungen und deshalb war ich schon sehr gespannt auf seinen ersten Thriller. Vorab muss ich aber sagen, dass ich "Die Mündung" eher wieder als Krimi empfunden haben. Oftmals ist der Grat sehr schmal... Spannung kann der Autor aber - egal, in welchem Genre!

Zu Beginn tat ich mich ein bisschen schwer in die Geschichte zu finden, was sich jedoch bald änderte. Hauptkommissarin Lena Funke hat sich eine Auszeit auf der Vogelinsel Schärhorn genommen, wo sie als Umweltpraktikantin arbeitet. Dies war immer der Traum ihrer hochbegabten Schwester Jette, die jedoch eines der Opfer des Gezeitenmörders wurde. Seitdem leidet Lena unter Alpträumen. Jettes Leiche wurde nie gefunden und Lena bekommt mehr und mehr das Gefühl, dass die Soko bei den Ermittlungen geschlampt hat. Nach einem verheerenden Sturm auf der Insel findet sie eine männliche Leiche am Strand. In den Taschen des Mannes sind Gegenstände, die der Gezeitenmörder seinen Opfern als Trophäe abgenommen hat. Daraufhin kontaktiert sie ihren Vorgesetzten und kehrt zurück, um wieder zu arbeiten und die Ermittlungen aufzunehmen. Doch eigenartige Flashbacks und das Verhalten der Kollegen, sowie einigen Menschen in ihrer Umgebung, verwirren Lena zusätzlich. Sie erfährt, dass sie nie auf der Vogelinsel gewesen ist und dort ein anderer Umweltpraktikant arbeitet. Lena war drei Monate lang verschwunden und niemand wusste, wo sie sich aufgehalten hat. Ihr Chef Eberhard Bruns und ihr bester Freund Mickel wollen ihr helfen und schalten eine Hypnoseärztin ein. Diese wirkt jedoch nicht wie die Koryphäe, als die sie angekündigt wurde, sondern eher verwirrt und alles andere als kompetent. Was wird hier gespielt? Und warum hat sie genaue Erinnerungen an die Vogelinsel und woher kommt der Beutel mit den Trophäen?

Ich muss gestehen, dass nicht nur ich bei der Leserunde nach dem ersten Leseabschnitt komplett verwirrt war. Was ist die Wahrheit und was Einbildung? Ist Lena eine unzuverlässige Erzählerin?
Nicht nur Lena weiß nicht mehr, wem sie vertrauen kann, sondern auch mir schwirrte der Kopf. Erst nach und nach erschließen sich die Zusammenhänge. Auch als geübter Thriller- und Krimileser weiß man nicht, wohin uns der Autor führen möchte.

„...Unser Gedächtnis arbeitet rekonstruktiv und konstruktiv. Also wiederherstellend und aufbauend. Es kann abgespeicherte Informationen abrufen, aber sie werden durch unsere Wünsche, Bedürfnisse oder Ziele verändert...“

Die Figuren sind facettenreich und ich hatte das Gefühl niemanden vertrauen zu können. Auch Lena ist eine komplizierte Hauptprotagonistin. Sie ist rastlos, erscheint oft verwirrt und unglaubwürdig. Sie ignoriert Anweisungen und agiert oftmals rücksichtlos. Ihre Alleingänge konnte ich nicht wirklich verstehen. Entsetzt war ich über die schlimme psychische Behandlung ihres Vaters, der immer die hochintelligente Schwester bevorzugte und Lena gegenüber keinerlei Zuneigung zeigte. Er hat sie immer abgelehnt und Jette bevorzugt, die seinen Traum eine angesehene Wissenschaftlerin zu werden, erfüllen sollte.

Der Schreibstil ist temporeich und der Plot komplex. Großes Thema ist die Neurowissenschaft und die Beeinflussung unseres Gehirns. Es zeigt auf, wie unzuverlässig unsere Erinnerungen oftmals sind.

Das maritime Glossar am Ende des Buches hat mir Binnenlandmädchen bei einigen Beschreibungen sehr geholfen.

Fazit:
Tim Pieper kann auch Thriller, wobei ich trotzdem seine Havelkrimis bevorzuge. Obwohl ich viele Thriller lese und liebe, bin ich in diesem Genre sehr pingelig. Das Thema, welches Tim Pieper hier gewählt hat, ist sehr interessant und regt zum Nachdenken an. Außerdem führt er sogar geübte Leser wirklich an der Nase herum und schafft mit überraschenden Wendungen richtigen Nervenkitzel.

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Veröffentlicht am 08.04.2025

Zwei Amerikaner in Paris

Die tausend Farben von Paris
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Catherine Durand hat mit "Die tausend Farben von Paris" eine Mischung aus Liebesroman und Spionagekrimi geschrieben, der in den Fünfziger Jahren in Paris spielt. Hinter dem Pseudonym "versteckt" sich eine ...

Catherine Durand hat mit "Die tausend Farben von Paris" eine Mischung aus Liebesroman und Spionagekrimi geschrieben, der in den Fünfziger Jahren in Paris spielt. Hinter dem Pseudonym "versteckt" sich eine von mir sehr gerne gelesene Autorin, die äußerst spannende historische Romane und auch Krimis schreibt. Es ist Petra Mattfeld oder auch Ellin Carsta oder Caren Benedikt.

Zwei befreundete Amerikaner leben seit dem Ende des zweiten Weltkrieges in der Stadt der Liebe. Frank Levant ist gefeierter Sänger und Entertainer, der im Lido vor einem begeisterten Publikum auftritt, während Jack King als Maler noch auf seinen Durchbruch wartet. Täglich sitzt er im berühmten Künstlerviertel Montmarte vor seiner Staffelei und malt. Als er eines Tages seinen Platz wechselt, lernt er die Studentin und Fotografin Rose Chevalier kennen. Jack ist fasziniert von der schönen Pariserin und auch Rose scheint Gefallen an Jack zu finden. Ihren Eltern gehört das noble Hotel in dem Frank logiert. Jack hat wegen des Standesunterschiedes aber auch einige Bedenken, ob Roses Eltern mit einem armen Maler einverstanden wären...

Die beiden Amerikaner in Paris verlieben sich fast zeitgleich. Frank lernt die bezaubernde Blumenverkäuferin Amelie Girard kennen. Während Jack und Rose nur Augen füreinander haben, hat es Frank bei Amelie schwerer, die sich von seiner vorgespielten Charmeoffensive nicht so schnell beeindrucken lässt, denn sie erkennt sehr schnell, dass er sich hinter einer Maske versteckt. Außerdem verschließt sich Frank außerhalb seiner Shows, denn er hat ein Geheimnis.
Jack, der seinen Aufenthalt in Paris durch seinen ehemaligen Vorgesetzten Russel und über das G.I. Bill Programm der US Army erhalten hat, trifft zufällig wieder auf seinen Boss. Dieser bietet ihm Hilfe an und besorgt ihm eine ordentliche Unterkunft. Doch Russel möchte dafür eine Gegenleistung.
Was alle vier jedoch nicht ahnen ist, dass sie bald mittendrin in einem Spionagefall stecken....

Der Roman wird abwechselnd aus der Sicht der vier Protagonisten erzählt, wobei auch Russel zu Wort kommt. Über jedem Kapitel steht der Name, Ort und ein Satz des jeweiligen Erzählers. So erhält man Einblicke in die Gefühlswelt der einzelnen Figuren. Besonders Amelie habe ich sehr ins Herz geschlossen. Ihre Lebenseinstellung hat mich berührt und beeindruckt.

Die sehr bildhaften und lebendigen Beschreibungen von Paris lassen jeden Frankreichliebhaber das Herz höher schlagen. Man spürt das französische Lebensgefühl, wandert mit den Figuren durch die Gassen, sitzt mit ihnen bei einem Café au lait in den schicken Cafés, genießt Franks Konzert im Lido oder wandelt durch das Künstlerviertel und bewundert die unterschiedlichsten Malereien. Man fühlt sich jederzeit mitten drin im Geschehen. Doch Paris hat auch eine andere Seite....
Die politischen Verhältnisse und das kulturelle Leben dieser Zeit wurden wunderbar eingefangen. Der Schreibstil der Autorin ist - egal unter welchem Pseudonym sie schreibt - immer fesselnd und sehr bildhaft.
Trotzdem ist es für mich kein 5 Sterne Buch geworden, denn trotz der Spannung und dem Spionagethema empfand ich das eine oder andere Ergebnis zu einfach gelöst. Und die Liebesgeschichten waren mir auch etwas zu platt....das ist aber wirklich Geschmackssache. Es war auf jeden Fall eine spannende Reise nach Paris ins Jahr 1951.

Besonders interessant fand ich das Nachwort der Autorin, die über die Aufarbeitung des Zweiten Weltkrieges, Geheimdienste und Kriegsverbrecher aufklärt. Wir erfahren ebenfalls mehr über das G.I. Bill Programm, welches die Eingliederung in das Berufsleben der amerikanischen Soldaten vereinfachen sollte und ihnen ein Jahr lang Zugang zu den Universitäten ermöglichte.

Fazit:
Eine Mischung aus Liebesgeschichte und Spionagekrimi, verpackt in den historischen Hintergrund der Nachkriegszeit in Paris und mit einem Flair von "Zwei Amerikaner in Paris". Gelungen!

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Veröffentlicht am 18.03.2025

Reflexion über das Leben und die Liebe

In einem Zug
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Der neue Roman von Daniel Glattauer hat bereits im Vorfeld ganz schön polarisiert. Ich mag seine Bücher und auch "In einem Zug" hat mir wieder gut gefallen.
Wie bereits bei "Gut gegen Nordwind" und "Alle ...

Der neue Roman von Daniel Glattauer hat bereits im Vorfeld ganz schön polarisiert. Ich mag seine Bücher und auch "In einem Zug" hat mir wieder gut gefallen.
Wie bereits bei "Gut gegen Nordwind" und "Alle sieben Wellen" ist dieser Roman ein Dialog zwischen zwei Menschen. Diesmal allerdings nicht über Email oder anderen Social Media Plattformen, sondern in einem Zug, wie bereits der Titel suggeriert.

Der Liebesroman-Autor Eduard Brünhofer sitzt im Zug von Wien nach München. Seit einigen Jahren hat er kein Buch mehr veröffentlicht und der Verlag wird langsam ungeduldig. Er hat nämlich den Vorschuss für sein neues Buch bereits kassiert. Nun bittet der Verlag den Autor um ein Gespräch nach München. Brünhofer weigert sich jedoch wieder einen Liebesroman zu schreiben und sitzt mit sehr gemischten Gefühlen im Zugabteil. Ihm gegenüber sitzt eine attraktive Frau in den mittleren Jahren, die ihm interessiert mustert. Der etwas von sich eingenommene Schriftsteller denkt, er würde erkannt werden und ist enttäuscht, als sein Gegenüber ein Gespräch beginnt und ihm bald erklärt, dass sie keines seiner Bücher kennt. Trotzdem bricht das Gespräch nicht ab, denn die Frau, die sich als Catrin Meyr vorstellt, ist Psychologin und fragt Brünhofer nach und nach Löcher in den Bauch.
Was zu Beginn noch eher belanglos klingt wird immer intensiver und sehr persönlich, was Brünhofer nicht wirklich gefällt. Catrin Meyer stellt ihm ungeniert sehr diskrete Fragen. Die vier Stunden Zugfahrt werden zu einem intensiven Gespräch über die Liebe und die Ehe. Die kleinen Rotwein- und Sektflaschen aus dem Bordrestaurant lockern mit der Zeit Brünhofers Zunge. Er teilt seinem Gegenüber einige doch sehr private Dinge mit. Sehr humorvoll wird es, als sich ein Italiener zu den beiden ins Abteil setzt. Im Laufe der Zeit verändert sich die Dynamik etwas und es kommt zu unvorhergesehenen Wendungen.

Glattauer schafft es tatsächlich, dass wir unsere Sympathien den beiden Hauptdarstellern gegenüber im Laufe der Zugfahrt wechseln - und das nicht nur einmal. Als Leser fragt man sich, außerdem wie zuverlässig der Erzähler ist.

Die Kapitelüberschriften sind die Haltestellen des Zuges von Wien auf den Weg nach München, der über Sankt Pölten, Amstetten, Linz, Attnang-Puchheim usw. führt. Für mich spannend, weil ich oftmals Teilstrecken dieser Verbindung fahre.
Die Erzählweise ist sehr dialoglastig. Der Autor spielt mit der Sprache. Sie ist aber auch direkt und oftmals sarkastisch treffend. Es gibt kaum äußere Handlung. Die Erzählung wirkt ähnlich einem Kammerspiel, wie schon in seinem Roman "Die Wunderübung".
Das Ende hält eine kleine Überraschung bereit, die mir gefallen hat.

Fazit:
Ich empfehle diesen Roman eher älteren Semestern und denke, dass die jüngere Leserschaft weniger damit anfangen kann. Es ist eine Reflexion über das Leben und die Liebe, das Altern und wie wir uns identifizieren. Mich hat der Roman gut unterhalten.

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