Profilbild von Ryria

Ryria

Lesejury Star
offline

Ryria ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Ryria über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.05.2025

Spannende Erkundungstour

Die verborgene Tierwelt unserer Städte
0

Biologe Marco Granata zieht vom Land in die große Stadt - was ihn jedoch nicht davon abhält, dort die Tierwelt und verschiedene Ökosysteme zu erkunden. Er benutzt seine eigene Geschichte als kleine Rahmenhandlung, ...

Biologe Marco Granata zieht vom Land in die große Stadt - was ihn jedoch nicht davon abhält, dort die Tierwelt und verschiedene Ökosysteme zu erkunden. Er benutzt seine eigene Geschichte als kleine Rahmenhandlung, um seine eigene Wohnung, Straßen und Parks nach unseren tierischen Mitbewohnern abzusuchen und dies dem Leser auf lockere Art näherzubringen.
Unterteilt in die unterschiedlichen Zonen und beispielsweise Bereiche wie Küche, Wohnzimmer und Bad, kann man den Schilderungen super folgen und wird motiviert, selber mal bei sich die Augen dort offenzuhalten.
Jede Tierart bekommt ihr eigenes kleines Kapitel, begleitet von schönen Illustrationen. Die Schilderungen sind zwar wissenschaftlich, aber trotzdem gut verständlich und auch ohne biologische Vorkenntnisse echt interessant.
Immer wieder baut der Autor spannende Fun Facts ein, über die Tiere selbst, aber auch über passende Begleitthemen wie die Evolution, verschiedene Ökosysteme oder warum sich der Mensch vor manchen Insekten ekelt.
Dazu gibt es häufig auch coole Zitate aus der Literatur oder von anderen Wissenschaftlern - statt einem langweiligen Lehrbuch bekommt man so einen ausführlichen Einblick in die Tierwelt aus vielen verschiedenen Blickwinkeln.
Auch eignet sich das Buch perfekt dazu, jeden Tag ein paar Kapitel nur zu lesen und so jeden Tag eine neue Tierart kennenzulernen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.04.2025

Die Chemie/Biologie stimmt

The Love Hypothesis – Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe
0

Die Geschichte von Olive und Adam ist eine typische RomCom rund um Fake Dating - und sich dessen auch auf tolle, selbstironische Art bewusst.
Olive kennt alle Tropes und so werden direkt mal Regeln aufgestellt, ...

Die Geschichte von Olive und Adam ist eine typische RomCom rund um Fake Dating - und sich dessen auch auf tolle, selbstironische Art bewusst.
Olive kennt alle Tropes und so werden direkt mal Regeln aufgestellt, auch wenn das natürlich die Macht der RomCom nicht aufhalten kann.
Auf diese Art sollte man die Geschichte auch lesen: Es ist manchmal vorhersehbar, es werden auch einige Klischees bedient, aber auf eine solch lustige und lockere Art, dass es mich so gar nicht gestört hat.
Während es mich in anderen Büchern eher stören würde, dass ein Missverständnis aufgrund fehlender Kommunikation nicht schnell geklärt wird, fühlte es sich hier irgendwie richtig an, quasi "das muss so sein".

Generell hat das Buch einfach echt viel Spaß gemacht, Erzählerin Olive war mir sehr sympathisch und eine tolle Mischung aus chaotisch-lustig und intelligent.
Ihre Gespräche mit Adam haben mir regelmäßig ein Lächeln ins Gesicht gezaubert und mich super unterhalten, und wenn mal was schief ging konnte ich auch direkt mitfühlen und mein Buch anmeckern.
Auch der Freundeskreis war cool, von ihm hätte ich sogar gerne noch mehr gelesen.
Das Setting hat zugleich erlaubt, auf wichtige Themen wie Sexismus und Diskriminierung von Frauen in MINT-Fächern aufmerksam zu machen, was nochmal mehr Relevanz hat, wenn man bedenkt, dass die Autorin selbst eine Professorin auf diesem Gebiet ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.04.2025

Lebenslektionen von Hunden

Hope
0

Niall Harbison hat sich der Rettung von Straßenhunden in Thailand verschrieben und teilt regelmäßig deren Schicksale auf Social Media.
Mir war er vor Lektüre dieses Buches jedoch noch unbekannt, was aber ...

Niall Harbison hat sich der Rettung von Straßenhunden in Thailand verschrieben und teilt regelmäßig deren Schicksale auf Social Media.
Mir war er vor Lektüre dieses Buches jedoch noch unbekannt, was aber auch gar nicht schlimm war.
Im ersten Drittel erzählt er zunächst einen Teil seiner persönlichen Geschichte, sodass man ihn und seine Motivationen besser kennen- und verstehen lernt. Hierbei zeigt er sich verletzlich und lässt tiefe Einblicke zu, berichtet reflektiert über seine Suchterkrankungen und Mental Health Probleme. Die Länge fand ich dabei angemessen, es ist ausführlich genug, ohne den Fokus zu verlieren.
Auch hat mir gefallen, dass alles chronologisch erzählt wird. In Verbindung mit dem lockeren Schreibstil lässt sich das Buch so super lesen.

Der Rest des Buches ist den Straßenhunden gewidmet, wobei manche von ihnen auch eigene Kapitel bekommen, um ihre Geschichte ausführlich zu erzählen.
Leider gibt es kein Bildmaterial, was ich bei Büchern des Genres sonst immer schön finde, jedoch findet man von den vorgestellten Hunden viele Videos auf Youtube, die ich nach der Lektüre noch empfehlen kann.
Harbison berichtet von seinen ersten Schritten als Hunderetter, erklärt seinen Tagesablauf und kann schließlich immer größere Erfolge verzeichnen.
Aber auch die Schattenseiten werden hier beleuchtet, all das, was von den positiv gestimmten Kanälen ansonsten ferngehalten wird: Traumatisierte und sterbende Hunde, viel zu viele Welpen, Rückschläge und auch brutale Einheimische, für die ein Hundeleben nichts wert ist.
Von daher muss ich hier auch eine kleine Warnung aussprechen, falls man kein Tierleid ertragen kann, sollte man von diesem Buch eher Abstand halten. An vielen Stellen hat mich die Erzählung im positiven und negativen Sinne zu Tränen gerührt.
Dabei wird aber auch aufgezeigt, was wir alles von den Hunden lernen können, sie geben uns viele wichtige Lektionen für das Leben mit auf den Weg.
Darunter wohl die Wichtigste, die auch im Titel zu finden ist: Hoffnung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.03.2025

Spannender Ausflug in den historischen Temple-Bezirk

Der Tote in der Crown Row
1

Sir Gabriel Ward mag seinen geordneten Alltag, in dem alles nach seinen eigenen Vorgaben verläuft. Ein toter Richter vor seiner Tür ist da natürlich äußerst störend, vor allem, als er dann auch noch in ...

Sir Gabriel Ward mag seinen geordneten Alltag, in dem alles nach seinen eigenen Vorgaben verläuft. Ein toter Richter vor seiner Tür ist da natürlich äußerst störend, vor allem, als er dann auch noch in dieser Angelegenheit ermitteln soll, während er gleichzeitig an einem großen Rechtstreit arbeitet.
Die Autorin ist selbst Anwältin und arbeitet schon viele Jahre im ungewöhnlichen Londoner Temple-Bezirk, der auch hier Schauplatz der Handlung ist.
Dies merkt man auf jeder Seite, angefangen mit einer Karte bis hin zu zahlreichen interessanten Hintergrundinfos über das Leben, die Traditionen und die dortigen Bewohner. Als Leser bekommt man so nicht nur einen spannenden historischen Krimi im Jahre 1901 geboten, sondern auch eine Zeitreise und einen Einblick in diesen Mini-Staat des Rechts.

Die Sprache passt hierbei perfekt zu den Charakteren und der damaligen Zeit, immer begleitet von einer schönen Prise britischem Humors.
Passend zum Hauptcharakter verfolgt man sowohl einen Mord als auch einen Fall vor Gericht, ein Grundinteresse am Rechtswesen sollte beim Leser also vorhanden sein.
Die Geschichte selbst wird aus vielen Perspektiven erzählt, was ich aber durchaus angenehm empfand, da man so auch die vielen Nebencharaktere und Verdächtigen besser kennenlernt und Interesse an ihren Schicksalen entwickelt.
Gefühlt hat eigentlich jeder irgendein kleineres oder größeres Geheimnis, diese werden jedoch nach und nach alle zufriedenstellend aufgeklärt und dienen zuvor herrlich der Verwirrung.
Gabriel selbst war ein sympathischer Hauptcharakter, der mir mit jeder Seite mehr ans Herz gewachsen ist. Ihm zur Seite steht der junge Constable Wright, der einen schönen Gegenpol bildet. Ich mochte dieses ungewöhnliche Team sehr, auch wenn ich mir noch mehr gemeinsame Szenen gewünscht hätte.
Vielleicht im zweiten Band? Ich freue mich auf jeden Fall auf ein baldiges Wiedersehen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.03.2025

Kunstvoll erzählte Familiengeschichte

Portrait meiner Mutter mit Geistern
0

Für mich ist dieser Roman zweifelsfrei schon ein literarisches Highlight in diesem Jahr.
Erzählt wird die Geschichte einer Familie, über mehrere Generationen hinweg und aus verschiedenen Perspektiven.
Zu ...

Für mich ist dieser Roman zweifelsfrei schon ein literarisches Highlight in diesem Jahr.
Erzählt wird die Geschichte einer Familie, über mehrere Generationen hinweg und aus verschiedenen Perspektiven.
Zu Beginn wird man auch direkt von einem Stammbaum begrüßt, der wirklich hilfreich beim Lesen war. Dieser füllt sich mit jedem Kapitel mehr mit Leben, nach und nach lernt man als Leser die Personen hinter den Namen kennen und ihre Bedeutung für die Handlung.
Generell fühlt es sich ein wenig wie ein Puzzle an, bei dem man mit jedem Kapitel neue Teile erhält: Vorherige Textstellen bekommen eine neue Bedeutung, Fragen werden beantwortet, Handlungen der Charaktere bekommen einen (neuen) Sinn.
Es lohnt sich daher sehr, den Roman aufmerksam und in Ruhe zu lesen, da es auf jeder Seite etwas zu entdecken gibt.

Die Kapitel haben sich dabei für mich schon fast wie Kurzgeschichten angefühlt, jedes war irgendwie besonders, und doch waren sie alle miteinander verbunden. Ebenso außergewöhnlich ist der Schreibstil, die Geschichte liest sich sehr flüssig, jedoch wird man immer wieder von sprachlich wunderschönen Formulierungen oder Wortneuschöpfungen überrascht. Auch passt sich die Erzählung an die Perspektive an, ist mal kindlich unschuldig und unwissend oder auch leicht senil und geistig verwirrt.
Historisch relevante Geschehnisse werden so gekonnt in der Handlung versteckt, sie liefern dezent Kontext, ohne sich dabei in den Vordergrund zu drängen.

Auch die Charaktere und Emotionen kommen natürlich nicht zu kurz, sondern stehen vielmehr im Fokus. Durch die generationenübergreifende Erzählung schafft es die Autorin, die (Neben-)Charaktere schließlich zu richtigen Menschen zu erheben. War mir eine Person zu Beginn noch unsympathisch, habe ich später doch Mitleid mit ihr und versuche sie zu verstehen.
Vieles war sehr berührend, manches hat mich sogar wirklich emotional mitgenommen, hier wird eine große Bandbreite an Gefühlen geboten, ohne dabei darauf ausgelegt zu sein. Als Leser fühlt und fiebert man automatisch mit, während man versucht, all die Fragen zu beantworten. Manches bleibt jedoch auch offen, aber nicht auf eine unangenehme oder störende Art.
Ein poetisches Buch, das auf besondere Weise sehr persönlich ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere