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Veröffentlicht am 30.03.2025

Spannender Ausflug in den historischen Temple-Bezirk

Der Tote in der Crown Row
1

Sir Gabriel Ward mag seinen geordneten Alltag, in dem alles nach seinen eigenen Vorgaben verläuft. Ein toter Richter vor seiner Tür ist da natürlich äußerst störend, vor allem, als er dann auch noch in ...

Sir Gabriel Ward mag seinen geordneten Alltag, in dem alles nach seinen eigenen Vorgaben verläuft. Ein toter Richter vor seiner Tür ist da natürlich äußerst störend, vor allem, als er dann auch noch in dieser Angelegenheit ermitteln soll, während er gleichzeitig an einem großen Rechtstreit arbeitet.
Die Autorin ist selbst Anwältin und arbeitet schon viele Jahre im ungewöhnlichen Londoner Temple-Bezirk, der auch hier Schauplatz der Handlung ist.
Dies merkt man auf jeder Seite, angefangen mit einer Karte bis hin zu zahlreichen interessanten Hintergrundinfos über das Leben, die Traditionen und die dortigen Bewohner. Als Leser bekommt man so nicht nur einen spannenden historischen Krimi im Jahre 1901 geboten, sondern auch eine Zeitreise und einen Einblick in diesen Mini-Staat des Rechts.

Die Sprache passt hierbei perfekt zu den Charakteren und der damaligen Zeit, immer begleitet von einer schönen Prise britischem Humors.
Passend zum Hauptcharakter verfolgt man sowohl einen Mord als auch einen Fall vor Gericht, ein Grundinteresse am Rechtswesen sollte beim Leser also vorhanden sein.
Die Geschichte selbst wird aus vielen Perspektiven erzählt, was ich aber durchaus angenehm empfand, da man so auch die vielen Nebencharaktere und Verdächtigen besser kennenlernt und Interesse an ihren Schicksalen entwickelt.
Gefühlt hat eigentlich jeder irgendein kleineres oder größeres Geheimnis, diese werden jedoch nach und nach alle zufriedenstellend aufgeklärt und dienen zuvor herrlich der Verwirrung.
Gabriel selbst war ein sympathischer Hauptcharakter, der mir mit jeder Seite mehr ans Herz gewachsen ist. Ihm zur Seite steht der junge Constable Wright, der einen schönen Gegenpol bildet. Ich mochte dieses ungewöhnliche Team sehr, auch wenn ich mir noch mehr gemeinsame Szenen gewünscht hätte.
Vielleicht im zweiten Band? Ich freue mich auf jeden Fall auf ein baldiges Wiedersehen!

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Veröffentlicht am 13.03.2025

Kunstvoll erzählte Familiengeschichte

Portrait meiner Mutter mit Geistern
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Für mich ist dieser Roman zweifelsfrei schon ein literarisches Highlight in diesem Jahr.
Erzählt wird die Geschichte einer Familie, über mehrere Generationen hinweg und aus verschiedenen Perspektiven.
Zu ...

Für mich ist dieser Roman zweifelsfrei schon ein literarisches Highlight in diesem Jahr.
Erzählt wird die Geschichte einer Familie, über mehrere Generationen hinweg und aus verschiedenen Perspektiven.
Zu Beginn wird man auch direkt von einem Stammbaum begrüßt, der wirklich hilfreich beim Lesen war. Dieser füllt sich mit jedem Kapitel mehr mit Leben, nach und nach lernt man als Leser die Personen hinter den Namen kennen und ihre Bedeutung für die Handlung.
Generell fühlt es sich ein wenig wie ein Puzzle an, bei dem man mit jedem Kapitel neue Teile erhält: Vorherige Textstellen bekommen eine neue Bedeutung, Fragen werden beantwortet, Handlungen der Charaktere bekommen einen (neuen) Sinn.
Es lohnt sich daher sehr, den Roman aufmerksam und in Ruhe zu lesen, da es auf jeder Seite etwas zu entdecken gibt.

Die Kapitel haben sich dabei für mich schon fast wie Kurzgeschichten angefühlt, jedes war irgendwie besonders, und doch waren sie alle miteinander verbunden. Ebenso außergewöhnlich ist der Schreibstil, die Geschichte liest sich sehr flüssig, jedoch wird man immer wieder von sprachlich wunderschönen Formulierungen oder Wortneuschöpfungen überrascht. Auch passt sich die Erzählung an die Perspektive an, ist mal kindlich unschuldig und unwissend oder auch leicht senil und geistig verwirrt.
Historisch relevante Geschehnisse werden so gekonnt in der Handlung versteckt, sie liefern dezent Kontext, ohne sich dabei in den Vordergrund zu drängen.

Auch die Charaktere und Emotionen kommen natürlich nicht zu kurz, sondern stehen vielmehr im Fokus. Durch die generationenübergreifende Erzählung schafft es die Autorin, die (Neben-)Charaktere schließlich zu richtigen Menschen zu erheben. War mir eine Person zu Beginn noch unsympathisch, habe ich später doch Mitleid mit ihr und versuche sie zu verstehen.
Vieles war sehr berührend, manches hat mich sogar wirklich emotional mitgenommen, hier wird eine große Bandbreite an Gefühlen geboten, ohne dabei darauf ausgelegt zu sein. Als Leser fühlt und fiebert man automatisch mit, während man versucht, all die Fragen zu beantworten. Manches bleibt jedoch auch offen, aber nicht auf eine unangenehme oder störende Art.
Ein poetisches Buch, das auf besondere Weise sehr persönlich ist.

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Veröffentlicht am 12.03.2025

Wunderbar witzige Mordermittlungen mit toller Heldin

Fräulein Florentines Gespür für Mord - Cosy Crime trifft Female Empowerment. Charmanter Krimi im Berlin der 1890er-Jahre mit Farbschnitt in der 1. Auflage
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Was wäre eine Hochzeit nur ohne einen Mord zur allgemeinen Unterhaltung - blöd nur, dass es hier den Bräutigam trifft. Florentines Neugier ist geweckt und bald wird es auch persönlich, da ihr Bruder plötzlich ...

Was wäre eine Hochzeit nur ohne einen Mord zur allgemeinen Unterhaltung - blöd nur, dass es hier den Bräutigam trifft. Florentines Neugier ist geweckt und bald wird es auch persönlich, da ihr Bruder plötzlich als Hauptverdächtiger verhaftet wird. Um ihn zu retten begibt sie sich zusammen mit ihrem Dienstmädchen Elise auf Spurensuche, auch wenn sich das natürlich so gar nicht für ein feines Fräulein im damaligen Berlin ziemt.

Direkt zu Beginn des Buches wird man von einem Personenregister begrüßt, was den Einstieg zusätzlich erleichert, aber auch ohne dieses fiel es mir durchgängig leicht, die Übersicht zu bewahren.
Florentine hinterlässt direkt auf der ersten Seite einen bleibenden Eindruck, ihr Charakter ist witzig und aufgeweckt zugleich, eine tolle Heldin, die auch kritikfähig ist und sehr positiv die Emanzipation verkörpert.
Ihr zur Seite steht Elise, die sie perfekt ergänzt und ihre eigenen Tricks auf Lager hat. Die ungewöhnliche Freundschaft der beiden Frauen zu beobachten war herzerwärmend und teilweise echt lustig.
Ebenso schön war auch die Schwesternbeziehung, die Autorin hat hier wirklich tolle weibliche Charaktere erschaffen, die man sehr schnell liebgewinnt.
Dabei bleiben sie alle authentisch und handeln ihrem Alter entsprechend, was auch gerne mal zu Chaos führt - aber jede Detektivin fängt ja mal klein an.

Romance steht hier zwar keineswegs im Vordergrund, jedoch gibt es natürlich auch zwei Gentlemen, die sich auf charmante oder freche Art langsam in Florentines Herz schleichen. Wer wohl besser zu ihr passen würde?
In bester Bridgerton-Manier müssen nebenbei auch noch so Kleinigkeiten wie Duelle im Morgengrauen, Abendgesellschaften und heimliche Ausflüge bewältigt werden - Fans der Serie werden dieses Buch lieben!
Dabei geraten auch die Ermittlungen nie zu kurz und man kann super miträtseln, ohne dass es zu kompliziert oder erschreckend wird, eine tolle Mischung aus Spannung und Gemütlichkeit.
Ich hoffe sehr, dass Florentine bald in ihrem nächsten Fall ermitteln darf!

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Veröffentlicht am 10.03.2025

Auf der Suche nach Heimat

The Serpent and the Wolf
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"Heimat ist nur selten ein Ort. Es sind die Menschen, und dabei oft die, von denen wir es am wenigsten erwarten, die uns Wurzeln geben."
Nach ihrer ungewollten arrangierten Hochzeit mit Reid lässt sich ...

"Heimat ist nur selten ein Ort. Es sind die Menschen, und dabei oft die, von denen wir es am wenigsten erwarten, die uns Wurzeln geben."
Nach ihrer ungewollten arrangierten Hochzeit mit Reid lässt sich Vaasa schließlich doch auf einen Deal mit ihm ein: Sie spielt seine liebende Frau, um seine Chancen im anstehenden Wahlkampf zu verbessern, er hilft ihr, ihre tödliche Magie zu verstehen und kontrollieren zu lernen.

Das Buch entführt den Leser in eine spannende Fantasy-Welt, die dank einer Karte und kurzen Erklärungen schnell vertraut wird. Nach und nach wird diese Karte dann auch mit Leben gefüllt, zusammen mit Vaasa lernt man neue Orte kennen und lieben. Die Beschreibungen der Schauplätze und der Einheimischen haben mir hierbei besonders gut gefallen, sie sind detailreich, aber nicht zu erdrückend.
Auch die politischen Hintergründe waren spannend, das System wirkte authentisch, ohne dabei den Leser zu überfordern.

Der Anfang ist zwar recht stürmisch, jedoch flacht das Tempo danach wieder ab. Die Stärke der Geschichte besteht nicht aus vielen spannenden Szenen, sondern aus dem Eintauchen in die Welt und das Gefühlsleben der Protagonisten. Auch trotz der fehlenden sonst oft verwendeten Ich-Perspektive kann man die Emotionen von Vaasa sehr gut nachvollziehen.
Es ist wirklich schön zu verfolgen, wie die im Eis geborene Königstochter im warmen Nachbarland wortwörtlich auftaut und sich ihren Dämonen stellt.
Hierzu tragen einige tolle, starke Frauencharaktere bei, aber natürlich auch ihr ungewollter Ehemann Reid. Dieser war mir echt sympathisch und vor allem die Wortgefechte und Neckereien mit Vaasa waren erfrischend und witzig.
Nach und nach sieht man die Beiden zu einem Team zusammenwachsen, während die Handlung fortschreitet und es einige überraschende Entdeckungen gibt.
Action-Fans könnten sich hier vielleicht ein wenig langweilen, aber ansonsten kann ich das Buch nur weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 08.03.2025

Authentische Gefühle in bezaubernder Kulisse

Sommervogelflug
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Die Suche nach ihrer biologischen Mutter führt Lilly nach Elba, in den Schmetterlingspark von Valentina.
Auch die Geschichte wird aus den Perspektiven der beiden Frauen erzählt, die trotz ihrer möglichen ...

Die Suche nach ihrer biologischen Mutter führt Lilly nach Elba, in den Schmetterlingspark von Valentina.
Auch die Geschichte wird aus den Perspektiven der beiden Frauen erzählt, die trotz ihrer möglichen Verbindung doch sehr unterschiedlich sind.
Dies eröffnet viele Gelegenheiten, in denen man sich als Leser mit ihnen identifizieren kann, vor allem, da beide auch sehr sympathisch wirken.
Lilly wirkt nach einer überstandenen schweren Erkrankung und der Erkenntnis, dass sie adoptiert ist, verloren im Leben und auf der Suche nach alten/neuen Wurzeln. Valentina hingegen wirkt zunächst von außen eher kühl, überrascht jedoch schnell mit ganz anderen Seiten.
Die Gefühle werden berührend und authentisch beschrieben, und auch wenn man manche Handlungen der Charaktere nicht toll findet, bleiben sie doch nachvollziehbar und passend.
Nichts wird übertrieben oder kitschig dargestellt, Probleme werden nicht einfach ignoriert oder aufgelöst, alles bleibt durchgängig stimmig.

Ein weiterer großer Pluspunkt war die Atmosphäre auf Elba: Wie in einem tollen Urlaubsbuch wird die Kulisse schön beschrieben und die Gastfreundlichkeit spürt man immer wieder, sodass man am liebsten selbst direkt die Koffer packen will.
Passend zum Titel spielen auch Schmetterlinge eine große Rolle und sind nicht nur zierendes Beiwerk. Immer wieder werden interessante Fun Facts in die Handlung eingewoben, sodass man auch noch einiges über diese faszinierenden Tiere dazulernt.

Lockere, lustige Szenen wechseln sich mit ernsten und emotionalen Themen ab, wobei auch die Nebencharaktere nicht zu kurz kommen.
Zwischenmenschliche Beziehungen jeder Art werden gekonnt dargestellt: Tiefe, neue und geschwächte Freundschaften, gescheiterte und gestärkte Liebesbeziehungen und die Verbindungen zwischen Eltern und Kindern.
Irgendwann hat all dies dazu geführt, dass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen konnte, daher kann ich es nur absolut weiterempfehlen!

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