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Veröffentlicht am 05.08.2025

Im Schatten der Vergangenheit

Das Geschenk des Meeres
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„Das Geschenk des Meeres“ spielt um 1900 in einem kleinen Dorf an der schottischen Küste. Eines Tages wird ein kleiner Junge an den Strand gespült, wie durch ein Wunder hat er überlebt. Das Merkwürdige: ...


„Das Geschenk des Meeres“ spielt um 1900 in einem kleinen Dorf an der schottischen Küste. Eines Tages wird ein kleiner Junge an den Strand gespült, wie durch ein Wunder hat er überlebt. Das Merkwürdige: Er sieht einem anderen Jungen sehr ähnlich, der vor einiger Zeit im Meer verschwunden ist. Die Mutter dieses verschwundenen Jungen nimmt den neuen Jungen bei sich auf. Dadurch kommen in der Dorfgemeinschaft alte Erinnerungen, Verletzungen und Fragen, die nie beantwortet wurden, wieder an die Oberfläche.

Das Buch wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Man braucht ein bisschen Zeit, um sich zurechtzufinden. Es gibt Rückblicke in die Vergangenheit und Kapitel in der Gegenwart. Aber gerade das macht die Geschichte spannend und vielschichtig. Die Atmosphäre ist sehr stark. Man spürt beim Lesen fast die raue Küste, den Wind, die Kälte, aber auch die Wärme und Enge des kleinen Dorfs. Das Cover passt perfekt zur Stimmung.

Die Hauptprotagonistin, eine Frau mit harter Schale und gezeichnet von ihrer Vergangenheit, hat es mir nicht immer leicht gemacht. Sie ist nicht unbedingt sympathisch und ich hatte öfters das Gefühl sie schütteln zu wollen. Ihre Entwicklung und das Mitfühlen mit ihr sorgen dafür, dass einem diese Geschichte unter die Haut geht.

Fazit: Das Geschenk des Meeres ist eine eindringliche, klug erzählte Geschichte über Verlust, Gemeinschaft und Heilung. Emotional fordernd, sprachlich stark und atmosphärisch dicht – eine klare Empfehlung. Im Übrigen ist auch das Hörbuch gelungen, es ist sehr gut und stimmungsvoll eingesprochen

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Veröffentlicht am 29.04.2025

Bezaubernd

Das Licht ungewöhnlicher Sterne
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Eine Geigenlehrerin schließt einen Pakt mit dem Teufel... Dieses Buch ist eine Mischung aus cosy Scifi und Fantasy. Es geht unter anderem um Musik, Transsexualität und die Liebe zum Essen. Ich habe es ...

Eine Geigenlehrerin schließt einen Pakt mit dem Teufel... Dieses Buch ist eine Mischung aus cosy Scifi und Fantasy. Es geht unter anderem um Musik, Transsexualität und die Liebe zum Essen. Ich habe es sehr genossen und mich in der Erzählung regelrecht verloren, denke aber, dass es manchen vielleicht zu langsam erzählt sein könnte.

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Veröffentlicht am 18.04.2025

Bewegend

Der Bright-Side-Running-Club
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Jeder zweite Mensch in Deutschland erhält im Laufe seines Lebens die Diagnose Krebs. Auch Keira, die Protagonistin in Josie Lloyds "Der Bright-Side-Running-Club", erfährt, dass sie an Brustkrebs erkrankt ...

Jeder zweite Mensch in Deutschland erhält im Laufe seines Lebens die Diagnose Krebs. Auch Keira, die Protagonistin in Josie Lloyds "Der Bright-Side-Running-Club", erfährt, dass sie an Brustkrebs erkrankt ist.

Was auf den ersten Blick durch sein fröhlich wirkendes Cover eher unbeschwert daherkommt, entpuppt sich als tief berührende, stellenweise erschütternde, aber auch sehr hoffnungsvolle Geschichte. Der Leser begleitet Kira vom ersten Schockmoment bis hin zur Akzeptanz der Krankheit – und durch all die Höhen und Tiefen, die dieser Weg mit sich bringt.

Ich habe dieses Buch unglaublich gerne gelesen. Als jemand, der selbst chronisch krank ist, konnte ich mich in vielen Momenten wiederfinden und war oft sehr berührt. Tatsächlich hat mich das Buch so sehr zum Nachdenken gebracht, dass ich nach dem Lesen in eine kleine persönliche Krankheitskrise gerutscht bin, weil es so viel in mir angestoßen hat. Aber genau das zeigt, wie kraftvoll diese Geschichte ist.

Trotz der ernsten Thematik ist es kein reines "Krankheitsbuch". Vielmehr erzählt es von Liebe, vom Mut, vom Starksein und vom Leben selbst. Es macht Hoffnung, gibt Kraft und zeigt, dass man, auch mit einer schweren Diagnose, weiterleben, weitermachen und weiterlieben darf.

Ein kleiner Kritikpunkt ist vielleicht die Länge: Mit über 500 Seiten wirkt es stellenweise ein wenig ausgedehnt. Doch dank des angenehm leichten, lockeren Schreibstils und einer sehr gelungenen Nebenhandlung bleibt es dennoch fesselnd.

Fazit: Leseempfehlung! Berührend, ehrlich, schmerzhaft – aber gleichzeitig inspirierend, lebensbejahend und voller Herz. Wer ein Buch sucht, das unter die Haut geht und trotzdem Hoffnung schenkt, wird hier fündig. 4,5/5 Sterne

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Veröffentlicht am 09.04.2025

Ella und Fisch gegen den Rest der Welt

Fischtage
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„Mit dreizehn hat Mama mich noch jedes Mal festgehalten, mit fünfzehn hat sie versucht, mit mir darüber zu reden, mit fünfzehn hat sie mich aufgegeben.“ (S.11)

In „Fischtage“ erzählt Charlotte Brandis ...


„Mit dreizehn hat Mama mich noch jedes Mal festgehalten, mit fünfzehn hat sie versucht, mit mir darüber zu reden, mit fünfzehn hat sie mich aufgegeben.“ (S.11)

In „Fischtage“ erzählt Charlotte Brandis die Geschichte der 16-jährigen Ella, die in einer ziemlich kaputten Familie lebt. Ihre Eltern interessieren sich mehr für Partys und Drogen als für ihre Kinder. Ihre große Schwester hält lieber Abstand, ihr kleiner Bruder Luis redet kaum noch und Ella hat ein Wutproblem. Als Luis plötzlich verschwindet, wartet Ella nicht auf Hilfe, sie macht sich selbst auf die Suche.

Der Schreibstil ist flapsig und locker, anfangs vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig. Aber wenn man sich einmal darauf eingelassen hat, merkt man schnell: Der Ton passt perfekt. Es steckt viel Witz, aber auch Tiefe in der Sprache. Immer wieder tauchen starke Metaphern auf, die das Lesen zu einem Genuss machen.

Ella ist als Figur sehr echt und nahbar. Obwohl sie manchmal ausfallend ist, kann man gut mit ihr mitfühlen. Man versteht, warum sie sich so verhält – ihre Wut, ihre Verletzlichkeit, ihr Wunsch nach Nähe und gleichzeitig ihre Angst davor. Der sprechende Fisch war kurz gewöhnungsbedürftig, dann aber fast mein Lieblingscharakter.

Fischtage ist eine besondere Geschichte über das Suchen. Nicht nur nach einem verschwundenen Bruder, sondern auch nach sich selbst. Lustig, spannend, berührend und klug erzählt. Ein starkes Debüt. Leseempfehlung 4,5/5 Sterne

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Veröffentlicht am 04.04.2025

Die Astoria – Eine Reise durch Geschichte und Zeit

Fernwehland
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Wusstet ihr, dass die DDR eine Schifffahrernation war? Ich nicht! Genau das war einer der Gründe, warum ich "Fernwehland" unbedingt lesen wollte. Die Alltagsgeschichte der DDR ist für mich noch immer ...


Wusstet ihr, dass die DDR eine Schifffahrernation war? Ich nicht! Genau das war einer der Gründe, warum ich "Fernwehland" unbedingt lesen wollte. Die Alltagsgeschichte der DDR ist für mich noch immer ein blinder Fleck, und dieser Roman hat mir geholfen, ihn ein wenig zu erhellen.

Der historische Generationenroman beginnt in den 1930er-Jahren und wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Im Mittelpunkt steht das Kreuzfahrtschiff Astoria, das über die Jahrzehnte hinweg viele Schicksale begleitet, unter anderem auch während seiner Zeit unter der DDR-Flagge. Alle Figuren in diesem Buch haben eine Verbindung zu diesem Schiff oder zur Schifffahrt, doch der Roman geht weit über das maritime Thema hinaus. Er verwebt Alltags- und Politikgeschichte der DDR abseits der bekannten Erzählungen.

Die Erzählweise ist ruhig und sehr schön geschrieben, gleichzeitig gibt es aber auch bedrückende und emotionale Momente, die nachhallen. Der Roman entfaltet sich langsam, indem er die Lebensgeschichten der einzelnen Figuren detailliert schildert. Das macht ihn besonders als Hörbuch geeignet – man kann entspannt zuhören, ohne Angst zu haben, den Faden zu verlieren. Dennoch bleibt die Handlung spannend, da viele Verstrickungen erst nach und nach aufgedeckt werden. 4,5/5 Sterne

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