Intensiv und emotional
Das Schwarz an den Händen meines VatersMotte könnte meinen, sie hätte zwei Väter: Der eine umsorgt und bespaßt sie. Motte mag ihn, allerdings sieht sie ihn nur noch selten. Häufiger trifft sie auf den anderen Vater, der immer dann zum Vorschein ...
Motte könnte meinen, sie hätte zwei Väter: Der eine umsorgt und bespaßt sie. Motte mag ihn, allerdings sieht sie ihn nur noch selten. Häufiger trifft sie auf den anderen Vater, der immer dann zum Vorschein kommt, wenn zu viel Alkohol im Spiel ist. Dieser Vater bleibt oft nächtelang weg, betrinkt sich und verspielt all sein Geld.
Die Sucht des Vaters liegt wie ein dunkler Schatten auf der Familie: Sie beeinflusst das Leben aller Angehörigen, bestimmt Mottes Kindheit und prägt sie bis ins Erwachsenenalter.
„Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ nimmt uns mit in das Leben einer Frau, die mit einem alkoholkranken Vater aufwuchs. Motte, wie sie von ihm genannt wird, ist die Erzählerin, die uns an ihren Erinnerungen teilhaben lässt. In kurzen Kapiteln berichtet sie Episoden aus ihrer Kindheit, ihrer Jugend und aus ihrem Leben als Erwachsene. Die Abschnitte sind dabei nicht chronologisch geordnet, sondern springen in der Zeit vor und zurück. Beim Lesen brauchte ich einige Seiten, ehe ich mich daran gewöhnt hatte und sich für mich allmählich ein Gesamtbild zusammensetzte.
Motte wächst mit zwei älteren Geschwistern auf. Von den drei Kindern scheint sie die innigste Beziehung zum Vater zu pflegen. Dieser, das wird schon bald klar, hat jedoch ein ernsthaftes Alkoholproblem. Was das mit ihm macht, fängt Lena Schätte gekonnt ein: Sie zeichnet den Charakter in all seinen Facetten, sowohl den guten, als auch den schlechten. Da ist der liebevolle (weil nüchterne) Vater, der mit seiner Tochter herumalbert. Und da ist der betrunkene Mann, der nicht mal mehr für sich selbst Verantwortung übernehmen kann. Dass das nicht von ungefähr kommt, zeigt die Familiengeschichte: Auch der Großvater der Erzählerin war Trinker, sodass sich das Muster von Generation zu Generation wiederholt.
Dass eine Suchterkrankung nicht ohne Folgen bleibt, liegt auf der Hand: Jobverlust, Geldmangel und der Ausschluss aus der Gesellschaft sind nur einige der Auswirkungen. Betroffen davon sind jedoch nicht nur die Erkrankten selbst, sondern auch deren engste Angehörige. In diesem Zusammenhang bringt die Autorin Mottes innere Zerrissenheit auf den Punkt. Als Tochter liebt sie ihren Vater, wünscht sich aber auch, er wäre ein anderer gewesen.
„Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ ist ein intensiver Roman, der betroffen macht. Unbedingte Leseempfehlung!