Platzhalter für Profilbild

leseleucht

Lesejury Star
offline

leseleucht ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit leseleucht über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.06.2025

Gut erzählt

Das Haus der Türen
0

Beim Lesen von „Das Haus der Türen“ hat man immer einen Kinofilm, am ehesten aus der Schwarz-Weiß-Ära, vor Augen. Die Erzählweise ist sehr plastisch und atmosphärisch. Es geht um das Leben der in Malaysia ...

Beim Lesen von „Das Haus der Türen“ hat man immer einen Kinofilm, am ehesten aus der Schwarz-Weiß-Ära, vor Augen. Die Erzählweise ist sehr plastisch und atmosphärisch. Es geht um das Leben der in Malaysia aufgewachsenen Engländerin Lesley. Im Rückblick erzählt sie von ihrer Begegnung mit dem Autor Willie Somerset Maugham, einem Freund ihres Mannes, der sie auf einer Asienreise dort besucht. Diesem erzählt sie – wiederum im Rückblick – von ihrem Leben in Malaysia und vor allem von ihrer Begegnung mit dem chinesischen Revolutionär Sun Wen. Diese bringt ein wenig Abwechslung in die langweilige Beziehung zu ihrem Ehemann Robert. Genauso wie die gefährliche Affäre ihrer besten Freundin, die diese fast an den Galgen gebracht hätte. Aber auch Lesleys Leben ist voller geheimnisvoller Beziehungen, wie das ihres Mannes. Doch beide müssen den Schein ihrer Ehe wahren in den 20er Jahren britischer Kolonialzeit. Ein gefundenes Fressen für den Autor Maugham, der aufgrund finanzieller Nöte, hungrig nach neuem Erzählstoff ist. Und der heimliche Beziehungen nur zu gut kennt, ist er doch mit seinem Sekretär Gerard liiert, eine gefährliche Liason, die im damaligen England mit Zuchthaus bestraft wurde.
Die Geschichte wechselt zwischen ruhigeren, gefühlvollen Abschnitten, untermalt mit beschaulichen Beschreibungen der Landschaft und der malayischen Gesellschaft sowie dem fast krimihaften Geschehen um Lesleys Freundin, die sich, weil sie auf ihren Geliebten geschossen haben soll, vor Gericht verantworten muss.
Über weite Teile habe ich das gut lesbare Buch mit Interesse gelesen, aber auch mit Distanz. Die Figuren, das Geschehen habe ich als Beobachterin wahrgenommen, aber ohne eine persönlichen Bezug. Die Story hat mich, abgesehen von der Krimihandlung, wenig gepackt. Das Verhalten der Figuren ist mir zwar plausibel, hat mich aber, ohne dass ich sagen könnte, warum, nicht wirklich tangiert. Auch die zeitgeschichtlichen und biografischen Hintergründe fand ich interessant, aber gleichzeitig habe ich mich immer nach einem Erzählziel gefragt. Lediglich das Ende hat bei mir einen traurigen und melancholischen Nachhall erzeugt. Die Hauptfigur, Lesley, hat sich eingerichtet in ihrem Leben und bestimmt kein bedauernswertes Leben geführt, aber zugleich doch vieles vermissen bzw. aufgeben müssen, das sich nicht wieder- oder nachholen ließe. Sie jammert nie, was sie bewunderungswürdig macht, aber das Gefühl, dass etwas fehlt, bleibt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.05.2025

Wie ein süßes Stück Erdbeerkuchen im Sommer

Erdbeersommer mit Aussicht
1

Der Roman macht gute Laune und viel Vergnügen. Er liest sich leicht und beschwingt. Er ist eher witzig als romantisch, wenn er zu romantisch wird, ist eher dann doch eher etwas kitschig. Aber der Humor ...

Der Roman macht gute Laune und viel Vergnügen. Er liest sich leicht und beschwingt. Er ist eher witzig als romantisch, wenn er zu romantisch wird, ist eher dann doch eher etwas kitschig. Aber der Humor siegt.
Priscilla ist eine von der Liebe enttäuschte Liebesromanautorin, die versucht, mit dem Aufenthalt in dem idyllischen Dörfchen Tigliobianco ihrer Schreibblockade zu entkommen. Cesare Burello ist erfolgreicher, gutaussehender und charmanter Arzt, der versucht, mit dem Besuch in seinem Heimatort Tigliobianco den liebestollen Venezianerinnen zu entkommen. Beide finden dort nicht gerade die Ruhe und Abgeschiedenheit, die sie suchen, sondern etwas für sie völlig Unerwartetes. Und das alte Rezept einer legendären Erdbeertorte.
Mit viel Witz, Charme und einer Prise liebevoller Ironie kreiert die Autorin ihre Figurenwelt von Tigliobianco, die dem Dörfchen seinen wundervollen Reiz verleihen und für viel Furore in dem Örtchen sorgen. Man schließt die meisten von ihnen sofort in sein Herz und empfindet allein beim Lesen den Zauber des italienischen Lebens auf dem Land. Die Lektüre versetzt einen direkt in Urlaubsstimmung und lässt den Leser für ein paar Stunden in gute Laune. Damit ist es ein wirksames Mittel gegen Alltagsstress und -sorgen, gegen Liebes- und Kummer aller Art, auch wenn man dafür in Kauf nehmen muss, dass der Autorin doch hie und da die Gefühle ein bisschen durchgegangen sind. Ein Roman über die Liebe geht eben doch nicht ganz ohne Herz-Schmerz.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 04.05.2025

Zwischen Interessant und Merkwürdig

Die innere Ordnung
0

Vera ist im Nachkriegsdeutschland der 50er Jahre alleinerziehend und muss sich und ihren Sohn mit zwei Jobs über Wasser halten. Der Mann ist im Krieg geblieben. Da lernt sie den Verwaltungsbeamten Eberhard ...

Vera ist im Nachkriegsdeutschland der 50er Jahre alleinerziehend und muss sich und ihren Sohn mit zwei Jobs über Wasser halten. Der Mann ist im Krieg geblieben. Da lernt sie den Verwaltungsbeamten Eberhard kennen. Ihn umgibt eine gewisse Anziehungskraft, aber auch eine Ahnung von einer dunklen Vergangenheit während des Kriegseinsatzes unter den Nazis. Auch sein Interesse an Vera ist gleich geweckt. Die Heirat erfolgt schnell, genauso der soziale Aufstieg, der den Luxus von Eigenheim, Auto, Gymnasium und Studium für den Sohn, Urlaub in Italien usw. mit sich bringt. Aber über allem schwebt die Angst vor der Enthüllung eines dunklen Geheimnisses aus der Vergangenheit. Nicht nur öffentlich, sondern auch für sich selbst fürchtet Vera die Aufdeckung von etwas, das sie ahnt, aber nicht recht greifen kann. Und zugleich ist da das Gefühl einer Art Mitschuld, weil sie selbst in Akzeptanz dieser dunklen Vergangenheit nun ein besseres Leben führt. So will sie lieber nicht wissen, die Augen geschlossen und an ihrem gut situierten Leben festhalten.
Damit beschreibt der Autor des Romans „Die innere Ordnung“ durchaus treffend die Situation in vielen Familien, die die Schuld der Vergangenheit verdrängen zugunsten des guten Leben im Jetzt und Hier. Er offenbart dem Leser die Gefühlslage der Protagonistin durchaus nachvollziehbar, wenn auch bisweilen etwas befremdlich. Das Interessante an der Machart des Romans ist die Perspektive, die ausschließlich die Sicht- und Fühlweise Veras bietet. So bleibt Eberhard für den Leser genauso undurchsichtig und sein Bild so verschwommen wie auf dem Cover. Sein Geheimnis bleibt bestehen. Aber da auch Vera nicht alle Gefühle zulässt, bleibt auch von ihr nur ein rudimentäres Bild, ein bisschen wie ein Klischée: eine pragmatisch zupackende Frau, die aus den Trümmern eine neue Existenz erstehen lässt und dafür bereit ist, über bestimmte Dinge hinwegzusehen. Dabei geht es nicht um Selbstverwirklichung und Lebensglück, sondern rein um eine gesellschaftlich gesicherte Existenz. Ich glaube, für Leser ist das aus heutiger Sicht schwer nachzuvollziehen. Wenn man die Mentalität der 50er und 60er Jahre nicht kennt, wird man mit dem Lesen so seine Schwierigkeiten haben, dann bleibt alles recht farb- und fühl- und gesichtslos. Und es ist auch schwer auszuhalten, dass das Geheimnis nicht gelüftet wird, damit bleibt am Ende irgendwie ein leerer Nachhall.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.04.2025

Ein Zimmer für sich allein - teuer erkauft

Ein Raum zum Schreiben
0

Die norwegische Autorin Kristin Valla stellt nach 10 Jahren Familienleben fest, dass sie sich eigentlich nicht mehr wie eine Schriftstellerin fühlt, da sie seitdem kein Buch mehr veröffentlicht hat. Grund ...

Die norwegische Autorin Kristin Valla stellt nach 10 Jahren Familienleben fest, dass sie sich eigentlich nicht mehr wie eine Schriftstellerin fühlt, da sie seitdem kein Buch mehr veröffentlicht hat. Grund dafür scheint auch zu sein, dass sie in ihrem Familienheim keinen Rückzugsort für sich zum Schreiben findet. Gelegentliche Ausweichmanöver in Ferienhäuser oder Hotels bringen ihr nicht den benötigten Freiraum für ihr Schaffen. Also beschließt sie, sich ein Haus zu kaufen. Ausgerechnet in einem abgelegenen Dorf in Frankreich. Ziemlich weit weg. Und ausgerechnet ein ziemlich heruntergekommenes Exemplar. Ziemlich problematisch, da viele Reparaturen anstehen und Schwierigkeiten zu überwinden sind. Während ihres langen Leidensweges zu einem Zimmer – oder eher einem Haus – für sich allein sinniert die Autorin über weibliche Abhängigkeiten und Freiheiten, über das Schreiben und das Einrichten von Häusern. Dabei lässt sie auch immer wieder den Blick schweifen auf das Leben berühmter Schriftstellerinnen vor ihr, in deren Tradition sie sich sieht, wie Toni Morrison, Daphne du Maurier oder Agatha Christie, aber auch eher unbekannteren Autorinnen aus dem Skandinavischen Raum. Mit ihnen teilt sie das Verlangen nach einem Rückzugsort und die Begeisterung für das Neubeleben alter Häuser, mit Hilfe dessen sie auch ihr eigenen Leben neu zu sehen beginnt.
Das Buch ist insgesamt sehr interessant. Die Leute, die Valla während ihrer Aufenthalte in Frankreich kennenlernt, aber keine schriftstellerischen Ambitionen haben, weisen dennoch interessante Lebensläufe auf, die zumindest etwas mit Häusern zu tun haben. Besonders fesselnd jedoch sind für mich die Einblicke in das Leben der verschiedenen Schriftstellerinnen, die auf der einen Seite sehr unterschiedliche Existenzen führten, unter anderem auch durch ihre soziale Herkunft. Diese eint aber die Berufung zum Schreiben und der Faible für Häuser, wie ich es einmal bezeichnen möchte, da es bei allen nicht nur um einen Raum geht, in dem man ungestört arbeiten kann, sondern auch um die Ausgestaltung dieser Häuser. So bleibt es meist auch nicht bei einem Haus, wie im Fall Agatha Christies, die gleich acht davon ihr eigen nennt. Da gibt es völlige Ruinen, die in langjähriger Arbeit von Grund auf zu erneuern sind, oder ungewöhnliche Orte, wie eingemauert Zellen oder Türme, in die man sich zurückziehen kann. Da gibt es existentielle Nöte, weil eigentlich das Geld nicht reicht für das eigene Zuhause oder weil sich Bauvorhaben als komplexer erweisen, als gedacht. Aber immer vermitteln diese Lebensentwürfe den Willen, sich die Freiheit zu verschaffen, dem eigenen Lebensentwurf – und wenn nur temporär – folgen zu können. Wir lesen von ungemein willensstarken Frauen mit unkonventionellen Lebensverläufen, die ungemein inspirierend sind.
Dagegen wirkt die Geschichte der Autorin selbst auf mich bisweilen ein wenig ermüdend weinerlich und überreflektiert um sich selber kreisend. Sie kauft ein Haus, um darin zu schreiben, um dann doch nicht darin zu schreiben, sondern es mit allen möglichen Türklinken, Wasserhähnen, blauen Badewannen usw. auszustatten, um dann, davon inspiriert, letztlich wieder zu Hause zu schreiben. Die Familie, der Mann und die beiden Söhne, müssen sich mit dem Selbstverwirklichungstrip der Frau bzw. Mutter irgendwie arrangieren. Das wirkt alles sehr mühsam, angestrengt und teuer erkauft.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.04.2025

Erwartungshaltungen

Was hast du nur getan?
0

Cassidy und ihre Clique versuchen gerade ihre Image zu ändern, von den Badgirls zur Ordnungstruppe ihrer Schule. Da liegt auf einmal eine Leiche auf dem Schulhof. Ein Junge aus bestem Haus. Selbstmord? ...

Cassidy und ihre Clique versuchen gerade ihre Image zu ändern, von den Badgirls zur Ordnungstruppe ihrer Schule. Da liegt auf einmal eine Leiche auf dem Schulhof. Ein Junge aus bestem Haus. Selbstmord? Oder hat es etwas mit Drogen zu tun? Oder hatte jemand eine Rechnung mit ihm offen? Etwa Cassidys beste Freundin, die, wie es scheint, eine engere Beziehung zu dem Opfer pflegte, als sie selbst Cassidy nicht anvertraut hat? Immer mehr Indizien weisen darauf hin. Blöd, dass Cassidy und ihre Clique eh schon im Visier der Polizei sind. Wie kann Cassidy ihre Freundin schützen? Und sich selbst?
Alexandra Kui hat ein spannendes Jugendbuch geschrieben, indem es um mehr geht als um die Aufklärung eines Todesfalles. Mit viel Feingefühl beschreibt sie die verschiedenen Milieus an einer Schule, die alle so ihre Probleme haben, gerade, wenn es darum geht, herauszufinden, wer man ist und wohin man will. Und das alles noch unter den verschiedenen Vorzeichen gesellschaftlicher Herkunft. Dabei ist nur der scheinbar begünstigt, der mit dem goldenen Löffel im Mund aufwächst, denn auch die Kinder aus diesen Familien kämpfen mit Leistungs- und Erwartungsdruck, sehen sich einengenden Rollenbildern ausgesetzt. Ihr Selbstbewusstsein ist häufig auch nur ein Schein, getragen von schicken Klamotten und Statussymbolen. Aber auch Cassidys Welt ist nicht einfach. Sozial schwaches Milieu, alleinerziehende, überforderte, arbeitslose Mutter. Eine kleine Schwester, die eine Aufpasserin braucht. Dafür hat Cassidy sich das Image eines harten Mädchens auferlegt, das cool ist, keine Gefühle zeigt und ihren Weg auch mit der Faust durchzusetzen bereit ist. Obwohl sie – einmal in den Radar der Polizei geraten – ernsthaft bemüht ist, ihren Weg mit anderen Mitteln zu finden. Nur das ist gar nicht so leicht, wenn es darum geht, einen Mord aufzuklären, der eventuell auf das Konto von Drogendealern geht, und wenn man dabei mit seiner eigenen unrühmlichen Vergangenheit konfrontiert wird. Gerade die Figur der Cassidy bietet in ihrer Vielschichtigkeit und Sensibilität eine gute Projektionsfläche für Themen wie Freundschaft und Verantwortung sowie Ablehnung einer Opferrolle. Bei all den ernsten Tönen kommt aber auch der Humor nicht zu kurz. So kann Kui gut mit Klischees spielen und sie ironisieren, auch wenn ihr manche Figuren wie der Polizist und Endgegner von Cassidy ein wenig zu schwarz-weiß geraten. Auch die Ermittlerrolle, die sie ein wenig zum unfreiwilligen Hilfssheriff der Schuldirektorin macht und im Rahmen derer sie harte Prügel à la Schimansky einzustecken hat, will nicht so recht zu Cassidy passen. Aber ansonsten ein spannender, witziger, aber auch ernsthafter Jugendroman, der sich gut lesen lässt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere