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Veröffentlicht am 08.05.2025

Sehr authentisch

Anschlussfehler
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„Anschlussfehler“ ist ein tolles und sehr authentisches Buch, dass uns tief mit hinein nimmt in den Trauerprozess des Protagonisten.

Als junger Mensch, zu Beginn der Pubertät, verliert der Prota seinen ...

„Anschlussfehler“ ist ein tolles und sehr authentisches Buch, dass uns tief mit hinein nimmt in den Trauerprozess des Protagonisten.

Als junger Mensch, zu Beginn der Pubertät, verliert der Prota seinen Vater - zu einem Zeitpunkt, an dem er gerade anfängt sich für diesen zu interessieren. Doch jetzt ist er nicht mehr da und diese Leerstelle hinterlässt einen Cocktail an Emotionen, welche den Protagonisten in eine lang anhaltende Trauerphase stürzen. Wut, Schuld, Verdrängung, toxische Beziehungen - er driftet durch sein Leben und muss sich Stück für Stück seinen Weg erkämpfen… zur Akzeptanz und zu sich selbst.

Mir hat die sehr direkte Art gefallen, in der die Themen Verlust und Trauer hier adressiert werden. So geht es auch um die Frage, wie sieht „richtige“ Trauer aus und gibt es die überhaupt. Ich fand, dass dieses junge Leben mit all den Vorwürfen, Ängsten und Zweifeln sowohl in Bezug auf die Handlung als auch sprachlich sehr authentisch umgesetzt wurden.

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Veröffentlicht am 03.05.2025

Sommer, Sonne & ordentlich Geknister

Der Sonne entgegen
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„Der Sonne entgegen“ ist ein sehr schöner und super kurzweiliger Liebesroman, der uns nach Bella Italia entführt und mit sehr originell-individuellen Charakteren überzeugt.

Romy muss einfach nur weg und ...

„Der Sonne entgegen“ ist ein sehr schöner und super kurzweiliger Liebesroman, der uns nach Bella Italia entführt und mit sehr originell-individuellen Charakteren überzeugt.

Romy muss einfach nur weg und Valentin schnellstmöglich mit einer wertvollen Fracht nach Italien. Durch puren Zufall finden die beiden sich plötzlich als gegenseitige Begleiter auf einem verrückten Roadtrip wieder.

Als Leser folgt man den beiden auf ihrer Reise bis nach Neapel und bekommt sowohl das Gefühl von Sommer und Freiheit als auch die Schönheit Italiens verdeutlicht - eine perfekte Sommerlektüre.

Jeder ist auf seine Weise einzigartig und hat bereits ein paar Erfahrungen im Gepäck. Durch ihre teils unkonventionelle Art und ihre mehr oder weniger kleinen Geheimnisse reichern sie die Geschichte durchaus mit ein paar spannenden Szenen an. Ich hatte auf jeden Fall das Gefühl, Romy und Valentin gut kennen zu lernenden sie waren mir durchaus sympathisch. Freche Dialoge und eine etwas verrückt-spannende Nebenhandlung machen das Buch zu einer spaßigen Lektüre, die doch auch mit tiefgreifenden Gedanken zu Liebe, Glück und Partnerschaft aufwarten kann.

Mir hat das Buch Spaß gemacht und es hat seinen ganz eigenen Sog entwickelt.

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Veröffentlicht am 13.04.2025

Eindrucksvoller, komplexer Roman

Frau im Mond
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An „Frau im Mond“ haben mich insbesondere die komplexe, gut recherchierte Handlung und die gut ausgearbeiteten Figuren überzeugt.

Filmemacherin Lilit begibt sich in diesem Roman auf die Suche nach ihren ...

An „Frau im Mond“ haben mich insbesondere die komplexe, gut recherchierte Handlung und die gut ausgearbeiteten Figuren überzeugt.

Filmemacherin Lilit begibt sich in diesem Roman auf die Suche nach ihren Wurzeln - ganz konkret versucht sie, mehr über ihre verstorbene Großmutter herauszufinden. Es ist eine Reise, in der wir uns von Montréal über Jordanien bis nach Armenien begeben. Mit im Gepäck allerhand große Themen, welche der Autor wunderbar stimmig zu einer vielschichtigen Geschichte verknüpft. So geht es um Herkunft und Familie aber auch um gesellschaftliche und wissenschaftliche Themen wie den Völkermord an den Armeniern und das Schicksal armenischer Waisenkinder, die Raumfahrt und in diesem Zusammenhang die Forschung der Lebanese Rocket Society, aber auch die wirtschaftliche Krise in Jordanien und die große Explosion im Beiruter Hafen 2020.

Der Stil des Autors hat mir super gefallen. Es ist aufgrund seiner Komplexität sicherlich kein einfaches Zwischendurch-Buch, lässt sich aber sehr flüssig lesen. Die Charaktere sind sympathisch, gut ausgearbeitet und es schwingt auch immer ein leiser Humor mit. Ich war immer wieder beeindruckt von der umfangreichen Recherchearbeit und den komplexen, geschilderten Lebensläufen, die bei einer Familiengeschichte ja auch immer miteinander verwoben sind, was hier einfach eindrucksvoll stimmig umgesetzt wurde.

So vereint der Roman spannende Themen, wissenswerte Informationen und eine unterhaltsame Familiengeschichte, die mir persönlich Lust auf weitere Bücher des Autors gemacht hat.

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Veröffentlicht am 26.03.2025

Absolut überzeugend

Endlosschleifentage
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„Endlosschleifentage“ ist ein Buch über den Verlust und die Individualität der Trauer. Es ist ein wunderschönes und emotionales Buch, das eine sehr authentische Geschichte erzählt und noch lange nachwirkt.

David ...

„Endlosschleifentage“ ist ein Buch über den Verlust und die Individualität der Trauer. Es ist ein wunderschönes und emotionales Buch, das eine sehr authentische Geschichte erzählt und noch lange nachwirkt.

David verliert seine Frau tragisch bei einem Autounfall. Mit im Auto war ihre gemeinsame beste Freundin Kinga, die - mit einem schwer verletzten Bein - nun bei ihm wohnt. Zunächst stützen sie sich in ihrer Trauer, doch schon bald zeigt sich, dass beide ganz unterschiedlich mit dem Verlust umgehen.

David findet in Marie, die er auf dem Friedhof kennenlernt, und in der Musik Trost und kann sich im Alltag kleine Lichtpunkte erkämpfen. Die Charaktere und deren Beziehung finde ich absolut authentisch umgesetzt. Dabei spielen Liebe und Verbundenheit ebenso eine Rolle wie Verletzung und Distanz. Die handelnden Personen haben Ecken und Kanten und genau das liefert so viel Identifikationsfläche.

Mit Marie hat der Autor zudem einen etwas unkonventionellen Charakter ins Spiel gebracht, der einen Finger auf gesellschaftliche Konventionen legt und provoziert. Ich empfand das als sehr erfrischend, da es einen zarten Humor mit in die Geschichte bringt, der der Geschichte die Schwere nimmt. Außerdem bekommt man so den Spiegel vorgehalten und setzt sich gedanklich doch sehr intensiv damit auseinander, was Trauer für den einzelnen bedeutet und wie unterschiedlich der Umgang damit sein kann.

Das Buch liest sich einfach gut und ist von Anfang bis zum Ende stimmig. Mir hat es viel Freude bereitet und ich kann es wirklich empfehlen.

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Veröffentlicht am 13.03.2025

Erschreckend realistisches Szenario

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Dieses Hörbuch ist heftig - und das liegt in erster Linie an den beängstigenden Szenarien, die hier den Handlungsrahmen liefern. Es sind solche, die erschreckend oft an aktuelle Dynamiken erinnern, die ...

Dieses Hörbuch ist heftig - und das liegt in erster Linie an den beängstigenden Szenarien, die hier den Handlungsrahmen liefern. Es sind solche, die erschreckend oft an aktuelle Dynamiken erinnern, die den Finger tief in gesellschaftlich-politische Wunden legen und sich darin dann genüsslich drehen. Die Themen sind vielschichtig, es geht um Rassismus, Politik, die Diskrepanz zwischen Fakten und Meinung und nicht zuletzt die Macht künstlicher Intelligenz.

Marc-Uwe Kling versteht es meisterlich, gesellschaftliche Themen, oft gehörte Argumente und Diskussionen aufzugreifen und dem Leser um die Ohren zu hauen. Und wäre es nicht alles so traurig und erschreckend wahr, könnte man vielleicht auch darüber lachen. So bleibt einem das Lachen im Hals stecken, denn wir bewegen uns hier schon deutlich mehr in der Realität als auf satirisch sicherem Boden.

An den Autor als Sprecher seines eigenen Buches musste ich mich erst gewöhnen, mir kam es stilistisch oft zu monoton vor. Allerdings ist die Stärke dieser Umsetzung, dass Kling die Hoheit darüber hat, wie er den Text gelesen haben möchte. Und ich finde, es kam gut rüber, was er selbst empfindet und ich habe mich mit der Zeit gut eingefunden.

Aus meiner Sicht ein wichtiges, ein erschreckend wahres, ein mutiges Buch, das zumindest mich nach dem Verklingen des letzten Wortes sprachlos hat innehalten lassen. Das Buch wirkt definitiv nach.

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