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Veröffentlicht am 02.06.2025

Ein außergewöhnliches Drama

20. Juli
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Inhalt: Es ist der letzte Schultag. Der Leistungskurs Geschichte diskutiert über das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944. Die Schüler sind sich einig, das Attentat sei zu spät erfolgt; der Lehrer will ...

Inhalt: Es ist der letzte Schultag. Der Leistungskurs Geschichte diskutiert über das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944. Die Schüler sind sich einig, das Attentat sei zu spät erfolgt; der Lehrer will sich nicht festlegen. Schnell werfen die Diskutanten einen Blick in die Gegenwart: Die rechtsgerichtete Deutsche Aktion hat 37 Prozent in der jüngsten Landtagswahl geholt. Wie soll damit umgegangen werden? Soll abgewartet werden, ist ein Eingreifen von Nöten?

Persönliche Meinung: „20. Juli“ ist ein Drama in fünf Akten von Bernhard Schlink. Ausgangspunkt des Dramas ist ein Gedankenspiel: Wäre ein präventives Attentat auf Hitler im Jahr 1931 legitim gewesen? Diese Frage projizieren die auftretenden Figuren auf ihre Gegenwart, in der rechte Kräfte erstarken. Es entspinnt sich zwischen den Abiturienten eine Diskussion, die mehrere Aspekte berührt: Ab welchem Punkt ist ein Eingreifen in die Politik legitim/notwendig? Ist Gewalt moralisch vertretbar? Und wenn ja: Wie sollte diese aussehen? Wann verschwimmt die Grenze zwischen Nicht-Handeln und Mitschuld? Wie soll man mit dem Versagen der staatlichen Instanzen umgehen (dies wird am Beispiel des Lehrers exemplifiziert, der eine Liebesbeziehung mit einer Schülerin des Kurses führt)? Freilich gibt das Drama auf diese Fragen keine eindeutigen Antworten: Es lädt aber zu einem Gedankenspiel, zu einer Reflexion auf einer Meta-Ebene ein. Dies gelingt, indem die fünf auftretenden Abiturienten (qua ihrer Berufswünsche) unterschiedliche Sichtweisen repräsentieren: So werden die oben genannten Fragen aus juristischer, historischer, journalistischer, medizinischer und ingenieurwissenschaftlicher Perspektive beleuchtet. Zusätzlich tritt noch die Figur des „Alten“ auf, der die Perspektive der Großelterngeneration einbringt. Der Schreibstil von Schlink ist gehoben, was nur bedingt den Sprechgewohnheiten heutiger Jugendlicher/jungen Erwachsenen entspricht. Teilweise wirken die Sätze daher gestelzt. Dennoch ist „20. Juli“ insgesamt ein außergewöhnliches Drama, das zu Gedankenspielen einlädt.

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Veröffentlicht am 02.06.2025

Brillant erzählte Sci-Fi

Die Krone der Sterne
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Inhalt: Nachdem Iniza und Glanis vor dem Hexenorden fliehen konnten, leben sie mit ihrer kleinen Tochter auf dem Piratenplaneten Noa. Doch auch hier sind sie alles andere als sicher: Nicht nur ist der ...

Inhalt: Nachdem Iniza und Glanis vor dem Hexenorden fliehen konnten, leben sie mit ihrer kleinen Tochter auf dem Piratenplaneten Noa. Doch auch hier sind sie alles andere als sicher: Nicht nur ist der Planet mit unterschiedlichen Krankheiten verseucht, auch schmieden sich Allianzen gegen Iniza und Glanis. Währenddessen sind die Alleshändlerin Shara Bitterstern und Kranit, der letzte Waffenmeister von Amun, auf geheimer Mission im All unterwegs – doch auch hier warten an jeder Ecke Feinde…

Persönliche Meinung: „Hexenmacht“ ist ein Science-Fiction-Fantasyroman von Kai Meyer. Es handelt sich um den zweiten Band der „Die Krone der Sterne“-Reihe. Da „Hexenmacht“ die Geschichte des ersten Bandes weitererzählt, ist eine chronologische Lektüre sinnvoll. Erzählt wird die Handlung aus einer Vielzahl von verschiedenen, sich abwechselnden Perspektiven: So werden u.a. die Perspektiven von Iniza, Glanis, Shara Bitterstern und Hadrath Talantis, einem Prediger des Kultes der Stille, eingenommen. Wie schon im vorherigen Band sind die Figuren mit ihren Motiven, Zielen, Wünschen und Ängsten differenziert dargestellt. Insbesondere zu Sharas und Kranits Vergangenheit erhält man im vorliegenden Band zusätzliche Informationen, sodass diese noch greifbarer werden. Zur Handlung möchte ich zwecks Spoilergefahr gar nicht zu viel sagen. Nur: Sie schließt stimmig an den Vorgänger an, setzt sich aus mehreren Handlungssträngen zusammen, wodurch ein schönes Tempo entsteht, und besitzt mehrere überraschende Wendungen. Für Spannung sorgt außerdem, dass wir etwas über die Hintergründe der rätselhaften Stille sowie die Ursprünge des numinosen Hexenordens erfahren. Kai Meyers Erzählstil ist gewohnt bild- und wortgewaltig, sodass ein detailreiches Kopfkino entsteht. Insgesamt ist „Hexenmacht“ brillant erzählte Sci-Fi-Fantasy mit schön ausgearbeiteten Figuren.

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Veröffentlicht am 02.06.2025

Ein spannender psychologischer Krimi

Und mittendrin die Limmat
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Inhalt: Vor vierzehn Jahren verunglückte Rebekka, eine Schülerin, tödlich bei einem Wanderausflug. Dieser Vorfall ruft bei der Lehrerin Elaine bis heute starke Schuldgefühle hervor, hatte sie doch damals ...

Inhalt: Vor vierzehn Jahren verunglückte Rebekka, eine Schülerin, tödlich bei einem Wanderausflug. Dieser Vorfall ruft bei der Lehrerin Elaine bis heute starke Schuldgefühle hervor, hatte sie doch damals die Wanderroute vorgeschlagen. Um die Situation besser verarbeiten zu können, hatte sie kurz nach dem Unglück die Ereignisse – verfremdet unter Pseudonym – in einem Roman behandelt, der unverhofft zum Bestseller avancierte. Nun, vierzehn Jahre später, wird sie von der Vergangenheit eingeholt: Eine Freundin Rebekkas verunglückt ebenfalls – wobei die Umstände an Elaines Roman erinnern…

Persönliche Meinung: „Und mittendrin die Limmat“ ist ein psychologischer Kriminalroman von Kiara Kern. Erzählt wird die Handlung aus zwei Ich-Perspektiven: Elaine, die den Schuldienst pausiert und sich erneut dem Schreiben widmen will, zugleich aber permanent von Schuldgefühlen belastet wird, und Anna, einer Freundin Rebekkas, die nach längerer Abwesenheit nach Zürich zurückkehrt und dort mit der Vergangenheit konfrontiert wird. Daneben finden sich immer wieder Einsprengsel in Form von Tagebuchaufzeichnungen von Laura, die ebenfalls mit Rebekka befreundet war. Eine große Stärke des Krimis ist die Zeichnung des Innenlebens der beiden Protagonistinnen: Ihre Gefühle und Gedanken zum Tod Rebekkas werden greifbar beschrieben; angetrieben werden beide von dem mal leiseren, mal lauteren Zweifel, ob der Tod wirklich ein Unfall war oder ob noch mehr dahintersteckt. Dieser Zweifel ist Dreh- und Angelpunkt der Handlung. Schritt für Schritt kommen die beiden Protagonisten der Wahrheit näher; legen Schicht für Schicht frei, was auch mit Selbstzweifeln, inwiefern sie ihrer Wahrnehmung trauen können, einhergeht. Durch dieses Häuten der Wahrheits-Zwiebel entsteht eine latente Spannung, die sich permanent durch den Roman zieht. Daneben berührt der Roman auch andere Themen, wie das Schriftstellerinnen-, Künstlerinnen-, oder Lehrerinnendasein, was meinem Empfinden nach authentisch beschrieben wird. Der Erzählstil in anschaulich und lässt sich flüssig lesen. In sprachlicher Hinsicht stechen besonders die Tagebucheinträge Annas hervor, die in lyrischer Form Annas Innenleben offenbaren. Insgesamt ist „Und mittendrin die Limmat“ ein spannender psychologischer Krimi mit tiefenscharfen Figuren.

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Veröffentlicht am 02.06.2025

Ein spannender historischer Krimi

Das Nordseekind
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Inhalt: Husum 1845. Eine fremde Frau klopft bei Theodor Storm an. Sie behauptet, die vor zwanzig Jahren als Kleinkind entführte Tochter der wohlhabenden, in Eiderstedt ansässigen Familie van Ovens zu sein. ...

Inhalt: Husum 1845. Eine fremde Frau klopft bei Theodor Storm an. Sie behauptet, die vor zwanzig Jahren als Kleinkind entführte Tochter der wohlhabenden, in Eiderstedt ansässigen Familie van Ovens zu sein. Nun soll Storm ihre Erbansprüche durchsetzen – ein Unterfangen, dem Storm sich aufgrund der windigen Geschichte der Frau nicht widmen möchte. Doch plötzlich geschehen Morde im Dunstkreis der van Ovens…

Persönliche Meinung: „Das Nordseekind“ ist ein historischer Kriminalroman von Tilman Spreckelsen. Es handelt sich um den fünften Krimi mit der Ermittlerfigur Theodor Storm. Die ersten vier Bände erschienen im Fischer Verlag; „Das Nordseekind“ ist der erste Band im Aufbau Verlag. Zwar ist es sinnvoll, die Reihe chronologisch zu lesen, allerdings finden sich in „Das Nordseekind“ – spoilerfrei – alle für das Verständnis nötigen Informationen zu den Figuren, sodass man den Roman auch ohne Kenntnis der Vorgänger lesen kann. Wie die anderen Krimis, so wird auch „Das Nordseekind“ aus der Ich-Perspektive von Storms Schreiber Peter Söt erzählt, wodurch ein schöner Holmes-Watson-Stil entsteht. Zum Fall selbst möchte ich gar nicht so viel vorwegnehmen. Nur: Er ist fesselnd, sehr durchdacht und rätselhaft. Zudem finden sich mehrere Wendungen, mit denen man kaum rechnen konnte. Sehr schön fand ich auch das Einflechten von literarischen Werken Storms (hier besonders „Auf dem Staatshof“). Handlungsorte sind dieses Mal primär Husum, Friedrichstadt und die Marschlandschaften, Höfe und Dörfer der Eidersteder Halbinsel. Alle Handlungsorte beschreibt Spreckelsen atmosphärisch dicht. Insgesamt ist „Das Nordseekind“ ein fesselnder historischer Kriminalroman mit hoher Spannungskurve und einer interessanten Ermittlerfigur.

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Veröffentlicht am 08.05.2025

Vielschichtige Sci-Fi-Fantasy

Die Krone der Sterne
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Inhalt: Im Reich Tiamande herrscht die Gottkaiserin mit ihrem Hexenorden. Zur Besänftigung dieser werden ihr regelmäßig Bräute von unterschiedlichen Planeten zugeführt – so auch die junge Adlige Iniza. ...

Inhalt: Im Reich Tiamande herrscht die Gottkaiserin mit ihrem Hexenorden. Zur Besänftigung dieser werden ihr regelmäßig Bräute von unterschiedlichen Planeten zugeführt – so auch die junge Adlige Iniza. Doch: Glanis, Inizas heimlicher Geliebter und Leibwächter, will dies nicht zulassen, sodass beide einen Fluchtplan schmieden. Allerdings gestaltet sich die Flucht schwieriger als gedacht, sodass Glanis und Iniza Hilfe benötigen. Wie gut, dass sie zufällig auf den Kopfgeldjäger Kranit und die Alleshändlerin Shara Bitterstern treffen…

Persönliche Meinung: „Die Krone der Sterne“ ist ein Roman von Kai Meyer. Es handelt sich um den Auftakt der gleichnamigen Trilogie. Vereint werden hier Science Fiction und Fantasy: Wenngleich die Handlung in einer fernen Galaxie spielt, die Protagonisten mit Raumschiffen reisen und fremde Planeten erkunden, finden sich auch eher typische Fantasyelemente wie rätselhafte Magie, ein mysteriöser Kult und dunkle Legenden. Subkutan, unter dieser Sci-Fi-Fantasy, ist „Die Krone der Sterne“ auch eine Familiengeschichte: Irrungen und Wirrungen um Inizas Familie, die ich hier nicht spoilern möchte, sind ein wichtiger Bestandteil der Handlung. Der Plot generell ist durch mehrere nicht zu erwartende Wendungen überraschend, sodass „Die Krone der Sterne“ zu einer fesselnden Lektüre wird. Klasse fand ich auch das Worldbuilding und die Figurenausarbeitung. Die Welt mit ihren Baronien, die der Gottkaiserin unterstehen, ihren Kulten („die Stille“) sowie Mysterien (Der Pilgerkorridor) ist schön komplex; die Figuren mit ihren sich schrittweise offenbarenden Motiven vielschichtig. Insbesondere möchte ich hier Iniza hervorheben, die – anders als mein Inhaltsteaser suggerieren könnte – weit von der „damsel in distress“ entfernt ist: Sie ist klug, schlagfertig und lehnt sich gegen den für sie vorbestimmten Weg auf. Kai Meyer erzählt in „Die Krone der Sterne“ gewohnt bildgewaltig und atmosphärisch: Die Reisen durch die Galaxie, die tiefgründigen wie humorvollen Dialoge sowie die epischen Schlachten muten schon fast cineastisch an, wodurch unweigerlich ein Kopfkino entsteht. Insgesamt ist „Die Krone der Sterne“ ein starker Auftakt einer vielschichtigen Sci-Fi-Fantasy-Trilogie.

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