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Veröffentlicht am 23.06.2025

Ein durchdacht konstruierter Sci-Fi-Krimi

Der letzte Mord am Ende der Welt
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Inhalt: Die Welt hat sich verändert. Ein Nebel hat die Menschheit nahezu ausgelöscht, die wenigen Überlebenden haben sich auf eine griechische Insel zurückgezogen, die mithilfe der Wissenschaft vor dem ...

Inhalt: Die Welt hat sich verändert. Ein Nebel hat die Menschheit nahezu ausgelöscht, die wenigen Überlebenden haben sich auf eine griechische Insel zurückgezogen, die mithilfe der Wissenschaft vor dem Nebel geschützt ist. Hier leben die Bewohner seit Jahrzehnten harmonisch miteinander und arbeiten für die Gemeinschaft; Gewalt kommt nicht vor. Doch dann geschieht das Undenkbare: Die Person, die für den Nebelschutz verantwortlich ist, wird tot aufgefunden; der Nebel nähert sich. Nur, wenn der Mörder gefunden wird, besteht die Hoffnung auf Rettung.

Persönliche Meinung: „Der letzte Mord am Rande der Welt“ ist ein Kriminalroman von Stuart Turton, der in einem Sci-Fi-Setting spielt: Die Menschheit ist dezimiert und lebt in einer landwirtschaftlich geprägten Welt; der wissenschaftliche und technologische Fortschritt ist nahezu verloren gegangen, allerdings finden sich auf der Insel noch einzelne maschinelle Überbleibsel, die allerdings nur von den Ältesten bedient werden können. Erzählt wird die Handlung von einer allwissenden Ich-Erzählerin, die in die Perspektive einzelner Dorfbewohner/Ältester schlüpft – oder besser gesagt: Bereits in ihren Köpfen ist. Was genau es mit dem Ich auf sich hat, will ich hier nicht spoilern. Ich fand diese Erzählweise allerdings sehr interessant – auch wenn sie manchmal schwierig zu lesen ist –, einerseits weil sie recht ungewöhnlich ist, andererseits weil der unklare Status des Ichs für zusätzlich Spannung sorgt. Weitere Spannung kommt auf, da man schnell merkt, dass das Leben auf der Insel nicht so harmonisch ist, wie es zunächst scheint. Um nur ein Beispiel zu nennen: Die Dorfbewohner erwachen morgens mit Schrammen und Wunden, können sich aber nicht daran erinnern, was sie nachts gemacht haben. So auch am Morgen nach dem Mord: Die Erinnerung an die Tat ist gelöscht, keiner weiß, ob er oder sie der Mörder ist, sodass alle verdächtig sind. Der Fall ist dabei durchdacht konstruiert: Immer wieder werden Hinweise aufgefunden, die in die ein oder andere Richtung deuten können. Diese werden am Ende der Handlung aufgegriffen und zu einem stimmigen und auch überraschenden Ende geführt. Insgesamt also ein spannender, interessant konstruierter Sci-Fi-Krimi – allerdings bleibt ein Wermutstropfen. Die Auflösung kam für mich zu rasch, der Fall ist „plötzlich“, eher aus dem Nichts, gelöst. Hier hätte ich intensiveres Ermitteln stimmiger gefunden, um den Roman abzurunden.

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Veröffentlicht am 02.06.2025

Ein humorvolles Drama

Die Physiker
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Inhalt: Ein Mord ist geschehen im Sanatorium „Les Cerisiers“. Das Opfer: Eine Krankenschwester. Der Täter: Ernst Heinrich Ernesti, der sich selbst für Einstein hält. Auf Drängen des Inspektors sichert ...

Inhalt: Ein Mord ist geschehen im Sanatorium „Les Cerisiers“. Das Opfer: Eine Krankenschwester. Der Täter: Ernst Heinrich Ernesti, der sich selbst für Einstein hält. Auf Drängen des Inspektors sichert die Leiterin Mathilde von Zahnd zu, das Konzept der Unterbringung der Patienten zu überdenken. Doch gerade als „Les Cerisiers“ wieder zur Ruhe kommt, geschieht der nächste Mord.

Persönliche Meinung: „Die Physiker“ ist eine Komödie in zwei Akten von Friedrich Dürrenmatt. Ich will ehrlich sein: Als ich „Die Physiker“ damals in der 11. Klasse lesen musste, konnte ich mit dem Drama nichts anfangen. Das Thema interessierte mich nicht, die Handlung schien mir zu schlicht – woran auch der Plottwist nichts ändern konnte –, und die Sprache empfand ich als wenig reizvoll, zu alltäglich und trocken. Jetzt, einige Jahre nach der schulischen Pflichtlektüre – und mit ein paar Jahren mehr Leseerfahrung –, habe ich „Die Physiker“ nochmal gelesen – und muss das Urteil meines 16-jährigen Ichs revidieren: Die Handlung ist – mit ihrem historischen Hintergrund und ihrer moralischen Tiefe – vielschichtig; strukturelle Wiederholungen, die mir damals als redundant/langweilig erschienen, sorgten bei meinem erwachsenen Ich für Schmunzler (generell habe ich erst jetzt, beim zweiten Lesen, erkannt, wie humoresk und slapstickartig „Die Physiker“ ist). Auch den Plottwist, der sorgsam aufgebaut wird, konnte ich nun mehr würdigen (Mein 16-jähriges Ich hat da wohl nicht so gründlich gelesen). Kurz: „Die Physiker“ hat mich beim zweiten Lesen ungemein gut unterhalten – sowohl hinsichtlich der Ernsthaftigkeit des Themas als auch in Bezug auf die humorvollen Akzente.

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Veröffentlicht am 02.06.2025

Eine eher ernste Mumingeschichte

Die Mumins (6). Winter im Mumintal
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Inhalt: Der Winter hat im Mumintal Einzug gehalten. Eigentlich die Zeit, in der die Muminfamilie ihren Winterschlaf hält. Doch plötzlich wacht Mumin als erster Mumintroll in der Geschichte der Mumintrolle ...

Inhalt: Der Winter hat im Mumintal Einzug gehalten. Eigentlich die Zeit, in der die Muminfamilie ihren Winterschlaf hält. Doch plötzlich wacht Mumin als erster Mumintroll in der Geschichte der Mumintrolle aus seinem Winterschlaf auf. Seine Familie schläft weiter, lässt sich nicht wecken, sodass Mumin eigenständig die winterliche Welt vor der Haustür erkundet…

Persönliche Meinung: „Winter im Mumintal“ ist ein Kinder- und Jugendbuch von Tove Jansson. Es handelt sich um den 6. Mumin-Band. Man muss nicht zwangsläufig alle vorherigen Mumin-Bände gelesen haben, um der Handlung folgen zu können, allerdings ist ein Grundverständnis der Mumin-Welt Voraussetzung, um „Winter im Mumintal“ einordnen zu können. Denn: Die Stimmung des 6. Bandes ist eine andere als in vorherigen. Mumin wandelt hier nicht durch ein Winterwunderland, in dem er spaßige Abenteuer erlebt. Im Gegenteil: „Winter im Mumintal“ fällt insofern ein Stück weit aus der Reihe, als dass die Handlung eher düster ist. Die Welt ist kalt und still, die Morra durchstreift das Mumintal, Mumin ist melancholisch und in sich gekehrt, die wenigen auftretenden Figuren sind eher verhuschte Eigenbrötler (Kontrapunkt ist hier lediglich die kleine Mü, die gewohnt ausgelassen durch den Schnee tollt). Einsamkeit ist ein Leitmotiv der Geschichte: Mumin ist auf sich alleingestellt, weiß nicht wirklich, was er mit sich anzufangen hat. Allein die Gespräche mit Too-ticki, die sich häufig um Mumins Melancholie drehen, bieten eine Perspektive. „Winter im Mumintal“ ist außerdem der erste Mumin-Band, in dem Mumin mit dem Tod konfrontiert wird: Ein Eichhörnchen erfriert, was Mumin zu denken gibt. Zum Ende der Handlung – analog zum aufkeimenden Frühling – kehrt aber immer mehr die Hoffnung zurück: Mumin hilft den verhuschten Winterwesen, nimmt sie in Muminhaus auf, sodass sich einzelne dieser Wesen anfreunden können. Letztlich erwacht auch die Mumin-Familie und der Schnupferich kehrt zurück, sodass das Leben wieder seinen gewohnten Gang gehen kann. Der Erzählstil von Tove Jansson ist in diesem Band – passend zum Inhalt – nachdenklicher, aber dennoch flüssig zu lesen. Insgesamt ist „Winter im Mumintal“ ein eher düsterer Teil der Reihe – und gerade deshalb lesenswert.

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Veröffentlicht am 02.06.2025

Ein außergewöhnliches Drama

20. Juli
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Inhalt: Es ist der letzte Schultag. Der Leistungskurs Geschichte diskutiert über das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944. Die Schüler sind sich einig, das Attentat sei zu spät erfolgt; der Lehrer will ...

Inhalt: Es ist der letzte Schultag. Der Leistungskurs Geschichte diskutiert über das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944. Die Schüler sind sich einig, das Attentat sei zu spät erfolgt; der Lehrer will sich nicht festlegen. Schnell werfen die Diskutanten einen Blick in die Gegenwart: Die rechtsgerichtete Deutsche Aktion hat 37 Prozent in der jüngsten Landtagswahl geholt. Wie soll damit umgegangen werden? Soll abgewartet werden, ist ein Eingreifen von Nöten?

Persönliche Meinung: „20. Juli“ ist ein Drama in fünf Akten von Bernhard Schlink. Ausgangspunkt des Dramas ist ein Gedankenspiel: Wäre ein präventives Attentat auf Hitler im Jahr 1931 legitim gewesen? Diese Frage projizieren die auftretenden Figuren auf ihre Gegenwart, in der rechte Kräfte erstarken. Es entspinnt sich zwischen den Abiturienten eine Diskussion, die mehrere Aspekte berührt: Ab welchem Punkt ist ein Eingreifen in die Politik legitim/notwendig? Ist Gewalt moralisch vertretbar? Und wenn ja: Wie sollte diese aussehen? Wann verschwimmt die Grenze zwischen Nicht-Handeln und Mitschuld? Wie soll man mit dem Versagen der staatlichen Instanzen umgehen (dies wird am Beispiel des Lehrers exemplifiziert, der eine Liebesbeziehung mit einer Schülerin des Kurses führt)? Freilich gibt das Drama auf diese Fragen keine eindeutigen Antworten: Es lädt aber zu einem Gedankenspiel, zu einer Reflexion auf einer Meta-Ebene ein. Dies gelingt, indem die fünf auftretenden Abiturienten (qua ihrer Berufswünsche) unterschiedliche Sichtweisen repräsentieren: So werden die oben genannten Fragen aus juristischer, historischer, journalistischer, medizinischer und ingenieurwissenschaftlicher Perspektive beleuchtet. Zusätzlich tritt noch die Figur des „Alten“ auf, der die Perspektive der Großelterngeneration einbringt. Der Schreibstil von Schlink ist gehoben, was nur bedingt den Sprechgewohnheiten heutiger Jugendlicher/jungen Erwachsenen entspricht. Teilweise wirken die Sätze daher gestelzt. Dennoch ist „20. Juli“ insgesamt ein außergewöhnliches Drama, das zu Gedankenspielen einlädt.

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Veröffentlicht am 02.06.2025

Brillant erzählte Sci-Fi

Die Krone der Sterne
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Inhalt: Nachdem Iniza und Glanis vor dem Hexenorden fliehen konnten, leben sie mit ihrer kleinen Tochter auf dem Piratenplaneten Noa. Doch auch hier sind sie alles andere als sicher: Nicht nur ist der ...

Inhalt: Nachdem Iniza und Glanis vor dem Hexenorden fliehen konnten, leben sie mit ihrer kleinen Tochter auf dem Piratenplaneten Noa. Doch auch hier sind sie alles andere als sicher: Nicht nur ist der Planet mit unterschiedlichen Krankheiten verseucht, auch schmieden sich Allianzen gegen Iniza und Glanis. Währenddessen sind die Alleshändlerin Shara Bitterstern und Kranit, der letzte Waffenmeister von Amun, auf geheimer Mission im All unterwegs – doch auch hier warten an jeder Ecke Feinde…

Persönliche Meinung: „Hexenmacht“ ist ein Science-Fiction-Fantasyroman von Kai Meyer. Es handelt sich um den zweiten Band der „Die Krone der Sterne“-Reihe. Da „Hexenmacht“ die Geschichte des ersten Bandes weitererzählt, ist eine chronologische Lektüre sinnvoll. Erzählt wird die Handlung aus einer Vielzahl von verschiedenen, sich abwechselnden Perspektiven: So werden u.a. die Perspektiven von Iniza, Glanis, Shara Bitterstern und Hadrath Talantis, einem Prediger des Kultes der Stille, eingenommen. Wie schon im vorherigen Band sind die Figuren mit ihren Motiven, Zielen, Wünschen und Ängsten differenziert dargestellt. Insbesondere zu Sharas und Kranits Vergangenheit erhält man im vorliegenden Band zusätzliche Informationen, sodass diese noch greifbarer werden. Zur Handlung möchte ich zwecks Spoilergefahr gar nicht zu viel sagen. Nur: Sie schließt stimmig an den Vorgänger an, setzt sich aus mehreren Handlungssträngen zusammen, wodurch ein schönes Tempo entsteht, und besitzt mehrere überraschende Wendungen. Für Spannung sorgt außerdem, dass wir etwas über die Hintergründe der rätselhaften Stille sowie die Ursprünge des numinosen Hexenordens erfahren. Kai Meyers Erzählstil ist gewohnt bild- und wortgewaltig, sodass ein detailreiches Kopfkino entsteht. Insgesamt ist „Hexenmacht“ brillant erzählte Sci-Fi-Fantasy mit schön ausgearbeiteten Figuren.

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