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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.05.2025

Geschichten

Der Wörterschmuggler
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Horacio hat ein besonderes Hobby: er verschreibt bzw. empfiehlt Bücher, arbeitet als Portier und ist zufrieden. Bis er ein Päckchen aufhebt, eine schöne Unbekannte es abholt und brutale Typen nach ihr ...

Horacio hat ein besonderes Hobby: er verschreibt bzw. empfiehlt Bücher, arbeitet als Portier und ist zufrieden. Bis er ein Päckchen aufhebt, eine schöne Unbekannte es abholt und brutale Typen nach ihr suchen. Sie wird ermordet, Horacios Seelenfrieden ist dahin. Mehrere Geschichten werden aneinandergereiht, alle gewöhnlich-außergewöhnlich. .
Seitdem Sprache Kommerzialisierung unterliegt, ist alles anders. Jedes Wort muss bezahlt werden, Kommunikation verkümmert. Und die Steuern sprudeln. Natürlich finden schlaue Menschen Lücken, wie sie ungestraft Botschaften vermitteln können. Sehr phantasievoll. Was für eine Idee … . Es geht um Kellner, Pianisten, eine Gräfin, Diebe. Nette kleine Geschichten, teils verschmitzt, überwiegend unaufgeregt, erzählt. Zwar passiert immer irgendetwas, aber der Weg dorthin ist lang.

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Veröffentlicht am 25.04.2025

Toushana

Shadows of Perl
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Hat man Teil Eins nicht oder vor längerer Zeit gelesen, fällt der Einstieg schwer.
Quell ist also noch immer sowohl auf der Flucht als auch auf der Suche nach ihrer Mutter.
Die „Sphäre“ und damit die ...

Hat man Teil Eins nicht oder vor längerer Zeit gelesen, fällt der Einstieg schwer.
Quell ist also noch immer sowohl auf der Flucht als auch auf der Suche nach ihrer Mutter.
Die „Sphäre“ und damit die Magie der Herrschenden im Reich drohen, zerstört zu werden. Von Yagrin und Quell. Sie haben gute Gründe. Dafür werden sie gejagt, besonders von Yagrins Bruder, gleichzeitig Quells Ex. Die einen wollen die Sphäre retten, damit sie weiter Magie und Macht haben, die anderen wollen genau das verhindern. Negativ-Hauptfigur Jordan ( herzlich unsympathisch und stur beschrieben) symbolisiert die Diktatoren, Quell das verfolgte Gute. Das wird ausgewalzt, ist mir zu einseitig. Immer dreht es sich um Toushana. Wozu war das gleich nochmal gut?
Nur dann wird es ein wenig interessant, wenn Quell mit anderen interagiert, das belebt die Geschichte. Ansonsten viele Wiederholungen, wenig Spannendes auf viel zu vielen Seiten.
Konnte mich nicht wirklich catchen.

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Veröffentlicht am 15.04.2025

Ein Aufregerbuch

»Mama, bitte lern Deutsch«
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Die Mutter braucht keine Deutschkenntnisse - sie hat ja ihren Sohn. Der liest ihr vor, füllt Fomulare aus, setzt sich mit Behörden auseinander. So einfach wird ihm eine unbeschwerte Kindheit verwehrt. ...

Die Mutter braucht keine Deutschkenntnisse - sie hat ja ihren Sohn. Der liest ihr vor, füllt Fomulare aus, setzt sich mit Behörden auseinander. So einfach wird ihm eine unbeschwerte Kindheit verwehrt. Sein Fazit: „Danke für nichts, Mama.“ Das klingt verbittert und ist es auch. In seinem Frust überzieht Tahsim Durgun, verallgemeinert an falschen Stellen. Fairerweise muss festgestellt werden, dass Nichts und Niemand seiner harschen spitzzüngigen Kritik entkommt. Wie kann man das Aussehen seiner Schwester mit einem Kondom vergleichen? Den Bruder abschieben wollen wegen eines fehlenden Buchstabens? Ironie vom Feinsten fehlt bei ihm an keiner Stelle. Aber: worüber beschwert er sich noch? Kostenlose Kleidung? Eine günstige Wohnung? Gelungenes Abzocken von Spenden? Keine Geschenke von der Kioskverkäuferin? Über den zusätzlichen Deutsch- Unterricht? Ja, der ist suboptimal gelaufen, das ist aber nicht die Regel. Gelungener und bewusster Maisklau von Feldern? Nächtliche Alkoholpartys für Minderjährige am Strand .. ? Ach nein, laute Musik, der Dreck und das Erbrochene am See gefallen ihm doch nicht. Oder ist es gar das im Vergleich zur Türkei bessere deutsche Gesundheitssystem? Nicht nur seine Familie wird nicht sofort oder liebevoll behandelt.
Tahsim rechnet mit Deutschland ab. Jetzt ist der 1995 in Oldenburg Geborene Lehramtsstudent und angekommen.
Sein Schreibstil ist eloquent, präzise und mit bissigem Humor. Liest sich flüssig, ist sein Ventil.

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Veröffentlicht am 12.03.2025

Zehnhundert Jahre

Our Infinite Fates
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Sie dürfen sich nicht lieben weil sie sich töten müssen. Immer wieder, tausende Jahre lang.
Evelyn hat schon viele Leben gelebt; sie kennt unterschiedliche Orte und Lebensweisen, war oft ein Junge, oft ...

Sie dürfen sich nicht lieben weil sie sich töten müssen. Immer wieder, tausende Jahre lang.
Evelyn hat schon viele Leben gelebt; sie kennt unterschiedliche Orte und Lebensweisen, war oft ein Junge, oft ein Mädchen, hat viele Familienangehörige geliebt und verloren und durfte nie älter als 18 werden.
Faszinierend, interessant und erschreckend. Evelyn kann das akzeptieren, aber nicht, dass ihre derzeitige geliebte Schwester stirbt, bevor sie sie mit einer Knochenmarkspende retten kann.
Laura Steven beschreibt das mitnehmend, zeigt ihre Heldin als clevere und engagierte junge Frau, fürsorglich, hilfs- und opferbereit.
Steven lässt verschiedene Leben aufblitzen, zeigt viele Varianten auf. Die abwechslungsreichen historische Orte hätten mehr Aufmerksamkeit verdient, hier hätten mehr Abenteuer passieren können. Passend zum Rahmen aber müssen diese Leben immer wieder tödlich enden. Die jeweiligen Abschnitte, die kurz vor dem entscheidenden Moment spielen, wiederholen sich. Die beschriebene Liebe der Protagonisten hat mich zunächst nicht überzeugt, Arden blieb lange eindimensional und auf das Töten fixiert.
Die Idee ständig anderer Leben hat Potenzial, langweilte aber durch Wiederholungen. Auf Aufklärung des Hintergrunds muss man lange warten. Und dann ist er auch noch bizarr. Hat mich nicht gecatcht.

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Veröffentlicht am 27.02.2025

Familiengeschichte

Frühjahrskollektion
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Lilo, erfolgreiche Chefin eines Modegeschäftes m Hessischen, gibt ein Interview über ihren Weg zum Erfolg. Natürlich nicht die ganze Wahrheit, es soll schließlich die Fernsehzuschauer beeindrucken und ...

Lilo, erfolgreiche Chefin eines Modegeschäftes m Hessischen, gibt ein Interview über ihren Weg zum Erfolg. Natürlich nicht die ganze Wahrheit, es soll schließlich die Fernsehzuschauer beeindrucken und gleichzeitig Werbung sein. Ihre Gedanken dazu schildert Christine Koschmieder klar und direkt. Genau wie die Gedanken ihres Ehemannes Harry, der Angehörige von im Krieg Gefallenen per Bus zu Kriegsgräbern fährt und betreut. Er versteht die Damen nicht unbedingt und muss sich gegen ihre Vertraulichkeiten zur Wehr setzen.
Dritte im Bunde, im Buch, ist Reni, die gemeinsame Tochter. In den Sechzigern ein erfolgreiches Mannequin ( so wurden Models früher genannt), metoo noch sehr weit entfernt.
Es ist interessant, aller Entwicklung zu beobachten. Allerdings verliert sich besonders Harrys Figur in vielen Details. Lilo verficht neue Ideen, kreiert moderne Bademoden.
Bis alle von der Vergangenheit eingeholt werden. Unbescholtene Leute? Die Autorin lässt ihre Protas sich erinnern …
Viel Zeitgeschichte ist einbezogen, viel erfährt man über die Mode der 60er Jahre. Auch über den Druck, unter dem die „Laufstegmädchen“ stehen. Da hat sich nicht so viel geändert. Allerdings versucht Leni, ihren eigenen Weg zu gehen.
Nicht der erhoffte Wohlfühlroman, eher eine Begegnung mit der Vergangenheit.

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