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Veröffentlicht am 12.07.2018

Eine Leiche fehlt…

Der Totschreiber
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Durch ein Quäntchen Glück im Unglück wird die Frau gefunden, die in den Köpfen der Ermittler schon als das 15. Opfer eines nicht identifizierten Killers galt. Ein Mörder der seit Jahren völlig unbehelligt ...

Durch ein Quäntchen Glück im Unglück wird die Frau gefunden, die in den Köpfen der Ermittler schon als das 15. Opfer eines nicht identifizierten Killers galt. Ein Mörder der seit Jahren völlig unbehelligt Frauen tötet und den Beamten jedes Jahr einen höhnischen Brief über sein Opfer schickt. 14 Briefe gibt es, doch es werden bald nur 13 Leichen gefunden. Detektiv Inspektor Will Turner ist überzeugt das mehr dahinter steckt als alle zunächst glauben wollen. Es scheint mit dem Fund der Leichen noch lange nicht vorbei zu sein. Zudem hat er sein ganz eigenes Geheimnis, ihn treibt nicht nur berufliches Interesse zur Jagd auf den Mörder. Als im Laufe der Ermittlungen dann der Hinterbliebene, eines der Opfer, plötzlich merkwürdige Frage stellt, spitzen sich die Ereignisse zu. DI Turner kommt einer schrecklichen Geschichte auf die Spur, die sich anhand der 14 Briefe nicht einmal erahnen lässt.
Der Totschreiber ist der nun mehr 10. Thriller aus der Feder des britischen Kriminalautoren Steve Mosby. Er schreibt aber nicht einfach Geschichten, er baut sie aus einem Setzkasten von Informationen zusammen und lässt dem Leser zu Beginn nur einzelne Bausteine. Niemand weiß wo die Reise hingeht, da sich das gesamte „Bauwerk“ nicht einmal erahnen lässt. Das Buch ist am Anfang eine interessante aber wenig spannungsgeladene Geschichte. Es gibt eine Handvoll Personen, denen Mosby in ihren perspektiven Platz einräumt, Fragmente der Story zu erzählen. Was zu Beginn noch recht unzusammenhängend wirkt verdichtet sich immer mehr zu einem großen Ganzen. Er streut in den ersten 200 Seiten Details und Hintergrundinformationen die zwar nebensächlich erscheinen, doch werden sie im Laufe der Geschichte so geschickt zusammengebaut, dass alles plötzlich und wie von Geisterhand Sinn ergibt. Ich war begeistert wie er ganz subtil Informationen in den Text einbaut, ab einer bestimmten Stelle der Geschichte meinen Blickwinkel ändert und sich plötzlich alles zusammen fügte. Das ist Mobys Stil und er beherrscht ihn Gänsehautverdächtig gut. Seine Figuren sind gut erdacht und bekommen genug Platz in der Story um sich als Charakter darzustellen und nicht flach zu wirken. Manchmal sind sie etwas Klischee behaftet aber das macht sie für mich nur um so menschlicher. Wer es schafft die erste Hälfte des Buches aufmerksam seiner, mit doch recht vielen Personen und Perspektiven gespickten, detailreichen Geschichte zu folgen wird am Ende durchaus mehr als belohnt. Steve Mosby beweist auch in seinem neusten Buch das er ein Meister der Details ist, welche er gekonnt einbringt und erst zur passenden Zeit ihre wahre Bedeutung offenbart. Der Totschreiber schäumt die erste Hälfte des Buches nicht vor Spannung über, setzt aber in der zweiten Hälfte mit einer gewaltigen Wendung zu einem großartigen Showdown an und hat am Ende, mich als Leser sehr tief berührt.
Ein Buch das es zu lesen lohnt, weil es keinen 0815 Story Verlauf hat, mit klugen und Charmanten Ermittlern, einem verschlagenen Bösewicht, spannender Wendung aufwarten kann und trotz einiger anfänglicher Längen, ein spitzen Ende zu bieten hat. Das war sicher nicht der Letzte Mosby den ich lese.

Veröffentlicht am 05.07.2018

Eine Hamburg Trip mit Folgen…

Das Haus der Mädchen
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Leni Fontane will nach ihrem Studium, als Lektorin arbeiten und verlässt ihr ländliches Leben um bei einem Hamburger Verlag ein Praktikum zu absolvieren. Schon bei ihrer Ankunft, in ihrem vorrübergehenden ...

Leni Fontane will nach ihrem Studium, als Lektorin arbeiten und verlässt ihr ländliches Leben um bei einem Hamburger Verlag ein Praktikum zu absolvieren. Schon bei ihrer Ankunft, in ihrem vorrübergehenden Zuhause wird die eher schüchterne Leni mit dem Großstadtleben konfrontiert und lernt, in einem sehr couragierten „Rettungsversuch“ Vivien kennen. Zwei Personen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Leni ist eher der introvertierte, ruhig, besonnene Bücherwurm und Vivien die extrovertierte Schönheit auf der Suche nach einem Millionär, im Hamburger Nachtleben. Das hält die beiden aber nicht davon ab sich anzufreunden, obwohl keine von beiden so recht in das Leben der anderen zu passen scheint. Als Vivien nach kurzer Zeit verschwindet und ihre plötzliche „Abreise“ einige Ungereimtheiten zurücklässt wird Leni stutzig. Sie steckt jedoch nicht den Kopf in den Sand, sondern ist fest entschlossen ihre neue Freundin zu finden. Die Abgründe denen sie dabei auf die Spur kommt, sind fürchterlicher als sie es sich hätte jemals vorstellen können.
Das Haus der Mädchen beginnt schon auf den ersten 7 Seiten recht düster, bedrohlich und auch tödlich. Am Anfang des Buches (ca. die ersten 100 Seiten) gibt es etwas Lesestoff um die Basis der Geschichte zu bilden und den Leser für den Showdown vorzubereiten was es zwar an sich interessant macht aber nicht gerade vor Spannung überkochen lässt. Immer wieder zwischendurch entführt er den Leser kurz an einen Schauplatz an dem keiner von uns aufwachen möchte. Diese wiederkehrenden Sequenzen erhalten die Spannung dann doch etwas bis im späteren Verlauf des Buches die ganze Story an Fahrt auf nimmt. Er schafft mit seiner sehr bildlichen Sprache eine Schaurige Atmosphäre und lässt den Leser die Verzweiflung und Angst des Opfers deutlich spüren. Die kalte, feuchte und beängstigende Umgebung ist förmlich zum Greifen nah. Er schafft es auch seinen Charakteren dank ihrer ganz eigenen Vorgeschichte, tiefe zu verleihen und sie mit unverwechselbaren Wesenszügen und Charaktereigenschaften auszustatten. Ich persönlich mochte die eher schwach anmutende Protagonistin die sich aufmacht ihre Freundin zu finden und dabei so manche Ängste überwinden muss um am Ende dem Bösen näher zu kommen als sie es überhaupt vorhatte. Auch der alles andere als perfekte Weggefährte den ihr Andreas Winkelmann an die Seite stellt, hat mir sehr gut gefallen. Wie die beiden aufeinandertreffen, keiner weiß ob er dem anderen trauen kann aber sie beschließen dem ganzen gemeinsam auf dem Grund zu gehen, war, in meinen Augen sehr gelungen. Da sich die Szenen, Charaktere und Schauplätze ständig abwechseln ist immer Bewegung in der Story und es kommt keine Langeweile auf beim Lesen. Ich durfte bis zum Schluss im Verwirrspiel um den Täter mit rätseln und war kurz vor der Auflösung tatsächlich noch dem falschen auf den Fersen gewesen. Leider wurde ein Detail zu früh gelüftet, das hätte ich an späterer Stelle besser platziert gefunden. Das Motiv des Täters lies mich etwas unglücklich zurück da auch der Showdown für mein Empfinden etwas zu kurz kam. Insgesamt konnte dies aber das Lesevergnügen nicht trüben. Sein Schreibstil war wieder sehr flüssig, bildlich, abwechslungsreich und gut zu lesen. Ich hoffe aber dass vor der 2. Auflage nochmal wer über den Text schaut, da sich einige Rechtschreibfehler, falsche Wörter und sogar ein Fehler eingeschlichen haben.
Für alle Fans von Andreas Winkelmann ist auch das Haus der Mädchen ein muss aber für alle, die ihre Thriller gern mörderisch, ihre Schauplätze gern gruselig, ihre Protagonisten nicht 0815 oder die Antagonisten hinterhältig böse mögen ist dieses Buch eine gute Wahl.

Veröffentlicht am 24.04.2018

Vom bösen, kleinen Mädchen

Das Böse in deinen Augen
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Über Ellie Atkinson gibt es in Gaunt jede Menge seltsame Gerüchte. Das unscheinbare und stille Mädchen würde gefährlich werden, wenn es jemand wütend macht, so heißt es. Als Imogen Reid den Fall der 11-jährigen ...

Über Ellie Atkinson gibt es in Gaunt jede Menge seltsame Gerüchte. Das unscheinbare und stille Mädchen würde gefährlich werden, wenn es jemand wütend macht, so heißt es. Als Imogen Reid den Fall der 11-jährigen übernimmt, weigert sie sich jenen Gerüchten Glauben zu schenken. Sie möchte dem, nach einer Familientragödie, zu tiefst verstörten Mädchen helfen. Doch je mehr sie Ellie kennen lernt desto seltsamer wirkt das Mädchen auf Imogen. Als ihr plötzlich mysteriöse Dinge zustoßen und sich die Vorfälle um Ellie häufen, muss Imogen sich fragen ob es eine gute Idee war dem Mädchen zu vertrauen.
Das Böse in deinen Augen ist nun mehr der dritte Psychothriller, der in Shropshire, England lebenden Autorin Jenny Blackhurst. Ihr aktuelles Buch spielt, wie auch deren Vorgänger wieder aktiv mit der Psyche des Lesers. Es ist ein schwanken und taumeln, zwischen Gefühlen für die Protagonisten, Beschützer Instinkten und auch der Angst wem man wirklich glauben kann. Denn von Anfang an ist nicht ganz klar ob Ellie wirklich Böse ist, ihr nur übel mitgespielt wird oder man gar die Zeichen falsch deutet. Zusammen mit Imogen versucht der Leser Licht ins Dunkel der merkwürdigen Vorkommnisse zu bringen und ist oft selbst nicht sicher welchen Aussagen man glauben schenken kann. Doch nicht nur Ellie macht eine schwere Zeit durch, Imogen selbst kämpft immer wieder mit den Geistern ihrer Vergangenheit, die sie noch lange nicht überwunden hat und sie wieder einzuholen drohen. Jenny Blackhurst hat einen sehr flüssig zu lesenden Schreibstil, bei dem es einem leicht fällt sich von der Story mit reißen zu lassen.
Mir hat leider etwas die Spannung oder besser gesagt die erhoffte Düsternis gefehlt. Somit konnte Das Böse in deinen Augen nicht ganz mit seinen Vorgängern (Die Stille Kammer/ Das Mädchen im Dunkeln) mithalten. Der Autorin ist es diesmal nicht so gut gelungen mich in ihre Welt zu entführen, zu schocken oder gar ratlos zurück zu lassen. Das könnte aber durch aus an meiner Antipathie gegenüber Imogen liegen, da ich es das ganze Buch über nicht geschafft habe mit ihr als Charakter warm zu werden. Mir waren ihre persönlichen Belange zu viel und ihre Entscheidungen unsympathisch und für meinen Geschmack wurde dafür zu viel Platz eingeräumt.
Für Blackhurst Fans und alle die gern über psychische Abgründe und den Ausgang der Story rätseln, sich auch nicht an persönlichen Dramen der Protagonistin stören ist das Buch in meinen Augen eine gute Investition.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Spannung
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Geschichte
Veröffentlicht am 22.01.2018

Jan Römers dritter Fall

Das Lied der toten Mädchen (Jan-Römer-Krimi 3)
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Ein 20 Jahre alter Mordfall, bei dem eine wunderschöne junge Frau im Wald getötet und in ihrer unmittelbaren Umgebung eine Spieluhr mit einem Schlaflied zurück gelassen wurde. Das Journalisten Duo Jan ...

Ein 20 Jahre alter Mordfall, bei dem eine wunderschöne junge Frau im Wald getötet und in ihrer unmittelbaren Umgebung eine Spieluhr mit einem Schlaflied zurück gelassen wurde. Das Journalisten Duo Jan Römer und Stefanie Schneider berichten über ungeklärte Mordfälle und recherchieren zu eben diesem tragischen Mord. Sie stoßen auch nach dieser langen Zeit auf Schweigen und Angst bei den Hinterbliebenen. Noch während sie im dunklen tappen über die wahren Ereignisse, wird plötzlich wieder eine Frau getötet. Auch hier befindet sich eine Spieluhr mit der selben Melodie wie damals, in der Nähe der Leiche.
Lange ist unklar was wirklich passiert ist, da die Recherchen am Anfang kaum Licht in die Vorkommnisse von damals bringen und oft mehr Fragen aufwerfen als Antworten bringen. Doch hinter der Fassade der beteiligten steckt mehr als zunächst zu erahnen ist und Stück für Stück kann das Puzzle zusammen gesetzt werden, bis sich daraus ein Bild ergibt. Das Lied der toten Mädchen ist nun mehr der dritte Kriminalroman um den Journalisten Jan Römer, lässt sich aber unabhängig von den beiden Vorgängern lesen. Das Buch hat zwar kriminalistische Grundpfeiler lässt jedoch, dank eines Journalisten als Protagonist eine andere Herangehensweise an den Fall zu und eröffnet einen ganz anderen Blickwinkel, wodurch es sich von einem normalen 0815 Krimi abhebt.
Der Schreibstil ist abwechslungsreich, leicht und flüssig zu lesen. Der Autor schafft es sehr spannende, bedrohliche Szenen einzubauen, die mich fesseln und in Atem halten konnten. Die Szenerie der Umgebung wird detailliert und bildlich beschrieben ohne langatmig zu wirken. Jan Römer ist eine sympathisch gezeichnete Figur der Linus Geschke durch den Einblick in sein Privatleben Tiefe einhauchen konnte. Hier gab es auch den ein oder anderen wohl dossierten "Schmunzel" Moment der die Stimmung zwischen den Ereignissen aufgelockert hat. Man bildet sich im laufe des Buches seine eigene Theorie über die damaligen Ereignisse und versucht mit Jan und seiner charmanten Kollegin "Mütze" heraus zu finden was wirklich geschah. Wer gern mal etwas anderes als den typisch kaputten, chronisch schlecht gelaunten Kommissar in seinem Kriminalroman möchte, der sollte hier zuschlagen.

Veröffentlicht am 30.12.2017

Baxters großer Auftritt!

Hangman. Das Spiel des Mörders (Ein New-Scotland-Yard-Thriller 2)
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Die Brooklyn Bridge, eines der Wahrzeichen von New York wird zum spektakulären Schauplatz eines Mordes. Mitten auf der Brust der Leiche prangt das blutige Wort "Köder". Kopiert der Killer den berühmten ...

Die Brooklyn Bridge, eines der Wahrzeichen von New York wird zum spektakulären Schauplatz eines Mordes. Mitten auf der Brust der Leiche prangt das blutige Wort "Köder". Kopiert der Killer den berühmten Ragdoll Fall? Chief Inspector Emily Baxter wird zu den Ermittlungen von FBI und CIA hinzugezogen und gerät mitten in die Pläne des Mörders. Lange bleiben sowohl Täter als auch sein Motiv im dunkeln verborgen. So bleibt Baxter nur der Spur aus Leichen zu folgen um die Hintergründe zu entschlüsseln.
Daniel Cole hat mit Hangman den zweiten Thriller seiner Kariere geschaffen. Sein Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen, er verliert sich nicht in ewigen Beschreibungen. Kurz und sehr bildhaft sind seine Vergleiche, die Sprache ist durchaus abwechslungsreich. Die zumeist kurzen Kapitel (ca. 10-15 Seiten) lassen sich sehr flüssig lesen. Cole greift in Hangman ein doch sehr aktuelles Thema auf und verpackt es in einen actionreichen Thriller. Die Ermittelnden Beamten tappen zwar lange im dunkeln trotzdem langweilt er nicht mit stupider Ermittlungsarbeit. Sobald die Story Fahrt aufgenommen hat gibt es im Gegenteil, kaum Ruhephasen. Während der Leser versucht zu realisieren was gerade geschehen ist, steht schon die nächste schreckliche Überraschung bereit. Der Autor schafft es in dieser düsteren, unheilvollen Atmosphäre trotzdem immer wieder einzelne "Schmunzel" Momente einzubauen, mir persönlich hat das sehr gut gefallen. Er scheint neben Sarkasmus auch eine Vorliebe für unsympathische Charaktere zu besitzen. Die Protagonistin nett zu finden fällt durchaus schwer. Baxter ist doch ein recht eigenwilliger Charakter. Mit Ecken und Kanten spart er an keinem seiner handelnden Personen, was sie für mich aber sehr reell und gut vorstellbar gemacht hat. Alles in allem hat Daniel Cole es geschafft an seinen Debüt Thriller gut an zuknüpfen. Hangman lässt sich aber auch separat lesen, ohne jegliche Vorkenntnisse. Das Buch war für mich spannend zu lesen und trotz der ein oder anderen überspitzten Darstellung eine Weiterentwicklung zu Ragdoll.
Wer einen blutigen, actionreichen Thriller sucht ist mit Hangman gut beraten. Denn mit Sprengstoff und Leichen wird hier keinesfalls gespart.