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Veröffentlicht am 13.05.2025

Tanz!

Signalrot
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Kriminalhauptkommissarin Tara Kronberg verbringt eine Auszeit im japanischen Kloster, als sie den Auftrag erhält, das Dezernat 47 im LKA Sachsen zu übernehmen. Da besitzt sie zwar keine Ermittlungsbefugnis, ...

Kriminalhauptkommissarin Tara Kronberg verbringt eine Auszeit im japanischen Kloster, als sie den Auftrag erhält, das Dezernat 47 im LKA Sachsen zu übernehmen. Da besitzt sie zwar keine Ermittlungsbefugnis, soll jedoch die Arbeit des K11 in einer brutalen Mordserie kontrollieren. Der dortige Chef ist nicht begeistert, Brenner gegen Kronberg beginnt …

Ein richtungsweisender Prolog, eine Szene 26 Jahre zuvor, dann kann der Leser auch schon die scharfsichtige und durchsetzungsstarke neue Dezernatsleiterin begleiten. Während sie in einem fensterlosen Loch einquartiert wird und warten muss auf ihre Zugangsberechtigung zu den Akten, zeigen sich schon ihr kämpferisches Wesen und der Wille zum Erfolg. Keinesfalls wird Tara sich unterkriegen lassen von ihrer direkten Vorgesetzen Kim Rosenstein oder dem Ersten Kriminalhauptkommissar Sebastian Brenner, nein, sie war früher erfolgreich und wird dies wieder sein. Aber dieser Fall hat es ganz besonders in sich, es geht um vermisste Frauen, die für ihren Entführen tanzen sollen bis zum Tod. Die schockierenden Details ihrer Qual präsentiert Elias Haller jedoch in einer für einen Thriller gut verdaulichen Art und Weise, so dass man sich viel vorstellen kann, aber nicht jegliches Leid direkt mitansehen muss. Flott und abwechslungsreich schreitet das Geschehen voran, blickt der Leser aus den Augen verschiedener Figuren auf die Ermittlungen, welche chronologisch angeordnet über etwa eine Woche fortdauern. Raffinierte Einzelheiten werden geschickt verwoben zu einem großen Ganzen, das man tatsächlich erst am Ende erkennt, auch wenn man irgendwann im letzten Drittel schon denkt: „Ach nein, was soll denn jetzt noch kommen? Ich weiß doch schon, wer´s war.“ Falsch gedacht, ein Kommissar muss mehr als nur Puzzlesteine zusammensuchen, und Tara Kronberg ist schließlich klug genug, das Muster zu erkennen.

Der erste Teil der neuen Tara-Kronberg-Reihe überzeugt auf allen Ebenen, ein flüssiger Schreibstil, gut vorstellbare Charaktere, gewitzte Zusammenhänge unter den einzelnen Erzählsträngen – ein kurzweiliges Lesevergnügen ist Thrillerfreunden hier sicher. Wann kommt Band 2 heraus? Am 7. Oktober 2025 – vormerken!

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Veröffentlicht am 08.05.2025

Das Schweigen brechen

Die Bücherfrauen von Listland. Der Gesang der Seeschwalben
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Um eine neue Bücherserie zu entwickeln, reist Journalistin Anna März ins mystische Listland, den nördlichsten Zipfel der nordfriesischen Insel Sylt. Dort möchte sie Fenja Lorenzen besuchen mitsamt deren ...

Um eine neue Bücherserie zu entwickeln, reist Journalistin Anna März ins mystische Listland, den nördlichsten Zipfel der nordfriesischen Insel Sylt. Dort möchte sie Fenja Lorenzen besuchen mitsamt deren erstaunlichem Bücherschatz, allerdings ist die 85jährige ausgeflogen und lediglich Tochter Elisa anzutreffen. Alsbald kommen die beiden Damen über einer Tasse Tee ins Plaudern und erkennen so manche Parallelen in ihren Familiengeschichten.

Einfühlsam und leise, aber deshalb nicht minder eindrucksvoll, erzählt Gabriella Engelmann diesen schönen Roman über Liebe und Zuneigung, über Notwendiges und Erzwungenes, über Verschwiegenes und Geheimnisvolles. In zwei Zeitebenen dürfen wir einerseits Lene ab dem Jahr 1937 folgen, andererseits Anna in der Gegenwart, wobei die Kapitel einander in loser Abfolge abwechseln. Beide Handlungsstränge enthalten bewegende Szenen und erzählen ein wenig vom Krieg, der im entlegenen Listland weniger spürbar ist und davon, wie Menschen ihre Nachfahren beeinflussen können, selbst ohne einander zu kennen. So wird es nun Zeit, „das Schweigen zu brechen“ [kindle, Pos. 4197] und Licht ins Dunkel der Vergangenheit zu bringen. Detaillierte Natur- und Landschaftsbeschreibungen fließen ebenso virtuos in den Text mit ein wie unzählige Buchempfehlungen, von denen ich einige bereits kenne, andere bestimmt noch näher ansehen werde. Besonders gut gefallen haben mir die vereinzelt eingestreuten kursiv gedruckten Kapitel über „Das Haus am Ende der Welt“, welche darlegen, was die alten Mauern alles beobachten und still in sich aufbewahren, wobei ich stets die unvergessliche Stimme Erich Kästners als Erzähler im Kopf gehabt habe. (Auch Kästner wird im Roman mehrfach erwähnt.)

Ein sehr angenehm zu lesendes Buch mit viel Liebe zu besonderen Einzelheiten. Ich empfehle es sehr gerne weiter und freue mich schon auf den zweiten Teil der Dilogie.

Veröffentlicht am 29.04.2025

Giftmord und mehr

Teufel von Potsdam
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Unabhängig voneinander werden zwei etwa dreißigjährige Frauen tot aufgefunden, die Rechtsmedizin entdeckt Gift in den Leichen. Als ein weiterer Mordanschlag auf eine Frau in ähnlichem Alter verübt wird, ...

Unabhängig voneinander werden zwei etwa dreißigjährige Frauen tot aufgefunden, die Rechtsmedizin entdeckt Gift in den Leichen. Als ein weiterer Mordanschlag auf eine Frau in ähnlichem Alter verübt wird, schrillen bei der Mordkommission Potsdam alle Alarmglocken. Paula Osterholz und Henry Wullitzer geraten an die Grenzen ihrer Belastbarkeit, denn beide Ermittler tragen Probleme aus der Vergangenheit mit sich.

Spannend und lebendig erstreckt sich die Handlung mit interessanten Themen vom ersten bis zum letzten Kapitel. Schön, wenn man Paula bereits von früher kennt, aber auch kein Problem, wenn dies nicht der Fall ist, denn Frank Hagedorn flicht wissenswerte Querverbindungen geschickt in diesen zweiten Band der Krimireihe ein, sodass man den Geschehnissen problemlos folgen kann. Seine Figuren wirken überaus authentisch mit allen Sorgen und Schwierigkeiten, die einen Polizisten sowohl im Dienst als auch im Privaten betreffen können. So passen die eingestreuten Familienepisoden gut ins Bild und runden die Thematik des Krimis entsprechend ab. Gut gelungen sind auch die Abschnitte aus Tätersicht, wobei man als Leser den Ermittlern zwar eine Naselang voraus ist, aber noch nicht einordnen kann, welche Beweggründe hier zugrunde liegen. Die Fahndungen führen in eine bereits vor mehreren Jahren geschlossene Klinik, treiben Paula zu Höchstleistungen am Steuer des Dienstwagens an und zeigen den immensen Zusammenhalt im Team, sodass das Lesen Spannung und Freude beim Miträtseln bietet.

Ein durchwegs fesselnder Krimi, der mit Abwechslungsreichtum und Kurzweil überzeugt. Natürlich bleiben auch diesmal noch offene Fragen, weshalb man neugierig auf die Fortsetzung wartet.

Veröffentlicht am 23.04.2025

Kunst leidet

Wut und Liebe
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Camilla liebt Noah, aber sie liebt nicht das Leben mit ihm, denn Noah ist ein Künstler ohne Einkommen, sodass Camillas Geld für beide reichen muss. Anfang dreißig trifft sie eine weitreichende Entscheidung: ...

Camilla liebt Noah, aber sie liebt nicht das Leben mit ihm, denn Noah ist ein Künstler ohne Einkommen, sodass Camillas Geld für beide reichen muss. Anfang dreißig trifft sie eine weitreichende Entscheidung: sie trennt sich von Noah, um ihre eigenen Träume zu verfolgen. In seiner Trauer lernt Noah alsbald eine ältere Witwe kennen, mit der er einen zweifelhaften Pakt schließt, um Camilla zurückzugewinnen.

Mit seinem großartigen Schreibstil zieht Martin Suter seine Leser sofort in einen Bann, der durchgängig anhält von der ersten bis zur letzten Seite. Perfekte Portraits lassen die Figuren bis hin zur kleinsten Nebenrolle lebendig werden, jede einzelne Person zu einer bestens vorstellbaren Persönlichkeit heranreifen. Durch die Liebe zum Detail gelingt es sogar, Menschen zu verstehen, die einem im wahren Leben vielleicht nicht besonders sympathisch wären. Die drei größeren Abschnitte im Roman widmen sich unterschiedlichen Gesichtspunkten und lösen nicht nur aufgeworfene Fragen, sondern geben stets neuerliche Rätsel auf. So bleibt die gesamte Handlung extrem kurzweilig und Suter gelingt es immer wieder, Verblüffung in die Gesichter der Leser zu zaubern.

Was erwarten wir vom Leben, von der Liebe, von uns selbst? Was sind wir bereit zu geben, wo ziehen wir Grenzen? Raffiniert verpackt Martin Suter eine Menge Philosophisches in eine banal anmutende Szenerie, überlegt Alltägliches unter verschiedenen Blickwinkeln und sorgt gleichzeitig für Witz und Humor.

Ein weiteres erstklassiges Buch aus der Feder eines gewandten Schriftstellers, ein unterhaltsamer Roman trotz ernster Umstände. Wie auch andere Suter-Geschichten habe ich alles in einem Schwung gelesen und mich erfreut an vielfältigen Überlegungen, die nicht nur einmal für eine Überraschung gut waren. Aus voller Überzeugung empfehle ich auch „Wut und Liebe“ sehr gerne weiter.

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Veröffentlicht am 20.04.2025

Straßenstrich

Teufels Tanz
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Ein Achtzigjähriger am Straßenstrich – und kurz darauf tot. Ungewöhnlich, aber rasch aufgeklärt, als man den Zuhälter erwischt. Doch die Serie von Toten in ähnlichem Alter scheint erst zu beginnen und ...

Ein Achtzigjähriger am Straßenstrich – und kurz darauf tot. Ungewöhnlich, aber rasch aufgeklärt, als man den Zuhälter erwischt. Doch die Serie von Toten in ähnlichem Alter scheint erst zu beginnen und die Mordgruppe zwei des LKA Wien in Atem zu halten.

Aufregend und abwechslungsreich geht es dahin bei Poznanskis Wien-Krimi-Serie, die mit Fina Plank eine überaus sympathische - weil lebensnahe - Ermittlerin präsentiert. Sie hat es nicht leicht, sich beruflich in der männerdominierten Abteilung durchzusetzen und privat mit ihrer Schwester verglichen zu werden. So kann man sich in so mancher Situation sehr gut in die junge Polizistin hineinversetzen und ihre Gedanken und Gefühle verstehen. Der Fall selbst ist diesmal besonders raffiniert, er entführt an die letzten Straßenstriche Wiens und in die endlosen Gänge des Allgemeinen Krankenhauses und stellt Ermittler sowie Leser vor das Rätsel, wer es denn auf alte Männer abgesehen haben könnte, die ohnehin bald eines natürlichen Todes sterben würden. Ein untrügliches Bauchgefühl und logische Kombinationsgabe führen Fina auf die richtige Spur und damit letzten Endes in ein schwerwiegendes Dilemma. Wie sie damit umgehen wird, bleibt auch nach Auflösung dieses bemerkenswerten Falles spannend.

Ursula Poznanski schreibt gewohnt bildhaft und lebendig, sodass man sich wie selbstverständlich mit den verschiedensten Figuren durch Wien bewegt und den aufgeworfenen Geheimnissen auf den Grund geht. Die zwischendurch eingestreuten Kapitel aus Tätersicht setzen den Aufbau der vorangegangenen Bände gelungen fort, sodass eine erkennbare Einheit in der Serie gegeben ist. Aufgrund der Thematik und der schlüssigen Klärung der Dinge hat mir dieser Teil bislang am besten gefallen. Leseempfehlung (unter Berücksichtigung der Reihenfolge)!