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Veröffentlicht am 20.05.2025

Abschied aus Chestnut Springs

Hopeless
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Elsie Silver ist relativ gesehen immer noch eine Neuentdeckung für den deutschen Buchmarkt, weswegen die Erscheinungen der Originalausgaben mit den Übersetzungen auch teilweise etwas weiter auseinanderliegen. ...

Elsie Silver ist relativ gesehen immer noch eine Neuentdeckung für den deutschen Buchmarkt, weswegen die Erscheinungen der Originalausgaben mit den Übersetzungen auch teilweise etwas weiter auseinanderliegen. Dementsprechend habe ich nicht mitbekommen, ob dieser fünfte Teil überhaupt geplant war, aber angesichts von allen Kommentierungen von Silver gehe ich schwer davon aus, dass sie Beaus Geschichte nicht direkt auf dem Schirm hatte. Zum Glück haben wir sie mit „Hopeless“ jetzt aber.

Auch wenn alle Eaton-Brüder ihre eigene Geschichte mit Tiefen haben, aber Beau als mittlerer Bruder ist sicherlich derjenige, der ein richtiges Trauma hinter sich hat. Seine Einsätze für die Armee haben die anderen Bände immer begleitet und wir haben immer schon Anteil an seinem Schicksal genommen. Dementsprechend war es ein spannender Gedanke, in seinen Kopf blicken zu können. Ich denke zwar, dass man Stichwort PTBS noch etwas mehr hätte rausholen können, aber sowohl seine Schlafprobleme als auch seine verbrannten Füße mit transplantierter Haut sind sehr gute Ansätze, um das Bild eines unsteten Mannes, der nach dem Kriegsgeschehen seinen Sinn im Leben noch nicht gefunden hat, zu zeichnen. Umgekehrt haben wir dann ergänzend Bailey, die ebenfalls schon Auftritte hatte, aber sie war tatsächlich eher eine Randerscheinung, sodass wir mit ihr doch eigentlich eine ganz neue Figur kennenlernen. Und das war großartig. Mir gefallen die Frauen bei Silver eigentlich alle immer gut, weil sie alle einen sehr eigenwilligen Kopf haben und für etwas einstehen, woran sie glauben (am liebsten für sich selbst). Bailey kommt aus ganz schwierigen Familienverhältnissen und ihr Nachname ist so mit Vorurteilen behaftet, dass niemand die echte Bailey kennt. Es war schon extrem lustig, aber auch bewundernswert, welche Schlagfertigkeit, welche Unverblümtheit und letztlich auch Mut sie hat. Ich mochte sie echt sehr.

Ich habe ja auch schon mehrfach zugegeben, dass ich mit Silvers Beschreibungen von intimen Szenen schon mal etwas hadere, aber hier in „Hopeless“ hat es mir einfach auch gefallen, dass die Annäherung aneinander so wunderbar gelungen ist. Der physische Teil wurde erst spät bedeutend und das verrät mir immer wieder, dass Silver auch an einer emotionalen Bindung interessiert ist, die alles weitere erst richtig intensiv macht. Bei Beau und Bailey haben wir einen größeren Altersunterschied und dementsprechend auch sehr unterschiedliche Erfahrungen. Das wird behutsam beleuchtet, auch weil ich bei Beau immer gemerkt habe, welchen Respekt er vor ihr hat. Obwohl das Fake Verlobtsein sich schnell dadurch auszeichnet, dass sie sich körperlich und emotional näherkommen, aber es gibt immer eine Grenze, die Beau bewahren will. Auch wenn es Bailey zwischendurch verrückt macht und frustriert, aber es ist dennoch eigentlich die Eigenschaft, die ihn am Ende so wertvoll für sie als Partner macht. Denn er wird sie immer priorisieren und aufgrund seiner Erfahrungen auch Möglichkeiten für sie sehen, die sie noch gar nicht erahnen kann. So hilfreich Beau für Baileys Entwicklung ist, so gilt das aber auch anders herum. Sie lernt seine wahren Gefühle zu allem kennen und sie ermuntert ihn zu ergründen, wer er sein will.

„Hopeless“ hat mich echt durchgängig wieder unterhalten. Denn Beau und Bailey funktionieren perfekt, aber auch die anderen Paare sowie die Familie der Eatons sind wieder überzeugend eingebunden worden. Die Ansätze zu Beau und Winter wurden toll aufgegriffen, Bailey wird eingebunden in die Frauenwelt, die Freundschaft zwischen Beau und Jasper. So viel Cooles war wieder da und es hat sich alles organisch eingefühlt. Silver hat echt ein Händchen dafür, ihre Paare und sonstige Figuren in einen Kontext zu bringen. „Hopeless“ war jetzt wohl wirklich der Abschluss und das ist okay, denn alle haben ihr Happy End. Wir haben sehr unterschiedliche Geschichten bekommen und die allermeisten haben mich richtig mitgerissen. Auch wenn ich die intimen Szenen wohl niemals vollends feiern werde, aber Silver bittet drum herum so viel an, dass es dann fast schon wieder egal ist.

Fazit: „Hopeless“ ist wohl nun das Ende der Chestnut Springs-Reihe und es gab nochmal ein echtes Ausrufezeichen. Beaus Geschichte hat alles rund gemacht und Bailey war eine geniale Ergänzung, weil sie fast meine liebste Frauenfigur ist. Es geht viel um Selbstfindung, zu überwindendes Trauma, um Respekt und so viel mehr. Silver hat mit der Reihe nicht zuletzt so viele Leser international für sich gewonnen.

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Veröffentlicht am 19.05.2025

Poetik mit außergewöhnlichen Themen

A Poet's Heart (Broken Artists, Band 1)
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Vor dieser Rezension zu „A Poet’s Heart“ dachte ich, dass es mein erstes Buch von Rebekka Weiler ist, nur um dann festzustellen, oh nein, inkorrekt. Das war „The Moment I Lost You“, was etwa drei Jahre ...

Vor dieser Rezension zu „A Poet’s Heart“ dachte ich, dass es mein erstes Buch von Rebekka Weiler ist, nur um dann festzustellen, oh nein, inkorrekt. Das war „The Moment I Lost You“, was etwa drei Jahre her ist. Beim Klappentext kam es mir auch sofort wieder in den Sinn, aber dass es noch einen zweiten Band gab, völlig verpasst. Die Northern Hearts-Reihe wiederum habe ich öfters bei Social Media erblickt, weswegen ich eben dachte, die habe ich nicht gelesen, also kenne ich Weiler nicht. Verrückt, wie es manchmal geht, aber ich bin froh, dass die vermeintliche Neuentdeckung eine Rückkehr zu Wurzeln sind, die mir immer gut gefallen.

Denn wenn ich mich noch vage erinnere, dann hat Weiler schon mit „The Moment I Lost You“ bewiesen, dass sie sehr sensibel und intensiv erzählen kann. Das wird mit dem Auftakt zur Broken Artists-Reihe wieder bestätigt. Denn das erleben wir in „A Poet’s Heart“ gleich von beiden Seiten. Das finde ich auch direkt sehr, sehr positiv. Denn es gibt Bücher, sogar manchmal ganze Reihen, in denen ich merke, dass nur eine Figur eine schwere Last trägt und es die Aufgabe des anderen ist, sie aufzubauen oder bei der Heilung zu unterstützen. Auch wenn das natürlich realistisch ist, weil in Beziehungen immer mal einer das größere Päckchen zu tragen hat, so finde ich bei so einem Ausschnitt aus dem Leben doch wichtiger zu zeigen, dass beide keine perfekte Leben haben, denn am Tiefpunkt kann man die Charakterzüge am besten erkennen. Bei Yva und Fenn wird das genau erfüllt. Sein Päckchen bleibt länger verborgen, auch wenn man sich gewissen Gedanken natürlich vorher schon machen kann, ihres steht gleich am Anfang, aber prägt die Geschichte auch durchgehend.

Die Themenauswahl finde ich dabei sehr spannend. Bei ihr ist es häusliche Gewalt, bei ihm eine Sprechstörung. Gerade Fenns Päckchen fand ich auch total neu und hat die Geschichte extrem ungewöhnlich gemacht. Ich fand das als Botschaft echt super, weil es unterstreicht, wie viele Formen verzaubernde Liebesgeschichten haben können. Zudem hat Fenn ein starkes Mittel zum Ausdrücken und zwar seine Musik. Wie der Reihenname es schon angedeutet hat, haben wir es bei den Paarungen mit mindestens einem Künstler zu tun. Zentral gilt das hier für Fenn, wenn ich Yva auch nicht ausnehmen würde. Mit ihrer Malerei, die sie auch mit seinen Songs verbindet, steht sie ihm in nichts nach, dennoch nehmen seine Songs mehr Raum ein, auch weil es zu jedem Kapitelanfang einen Auszug gab. In Weiler schlummert definitiv auch eine Poetin, denn schon die wenigen Zeilen haben mich immer schon sehr berührt. Auch wenn ich mir keine Musik dazu denken konnte, aber Worte haben eben genauso eine Wirkung. Zudem waren die Texte perfekt, um Fenn neben seinen Kapiteln besser zu verstehen. Ich fand im gesamten Buch, dass es auch sehr einfühlsam dargestellt wurde, wie Yva mit Fenn umgeht. Auch wenn wir viele Beispiele von Mobbing erleben, aber wir haben das Gegengewicht von Toleranz deutlich und wir haben eine Liebesgeschichte, die durch den Faktor von Fenn besonders geworden ist. So kann man positiv herausstechen.

Yvas Päckchen habe ich schon etwas öfters zu lesen bekommen, aber es ist dennoch auch eher die Seltenheit. Auch das hat Weiler gut umgesetzt. Mit der Schwester und Yva selbst haben wir verschiedene Formen von häuslicher Gewalt gut beleuchtet und es sind alle Gedanken drin gewesen, die ich mir von so einem sensiblen Thema dann auch erhoffe. Auch wenn wir Szenen aktiv mitbekommen und eine Triggerwarnung dementsprechend richtig war, aber ich finde, dass es genau das Maß hat, um aufzurütteln, aber keinesfalls eine Sensationsgier oder ähnliches zu befriedigen. Neben dieser Dramatik haben wir auch kleine Momente der Leichtigkeit, wir bekommen etwas von Stockholm mit (wenn ich mir das auch etwas mehr erhofft hatte) und wir bereiten die nächsten beiden Geschichten vor. Mir hat auch die Selbstverständlichkeit von Frauen-Männer-Freundschaften sehr gefallen, ohne dass es Pärchenbeziehungen entstanden ist. Insgesamt hat mir die Mischung aus den vielen Entscheidungen echt sehr gut gefallen.

Fazit: „A Poet’s Heart“ holt auf jeden Fall alle die ab, die zarte, intensive und gefühlvolle Liebesgeschichten mögen. Das Miteinander von Yva und Fenn, die Geschichten der beiden individuell, die Songtexte, da war schon echt viel, was mich sehr berührt und mitgerissen hat. Eine klare Leseempfehlung spreche ich da mit Leichtigkeit aus.

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Veröffentlicht am 13.05.2025

Raffinierte und gleichberechtigte Liebesgeschichte

Heartless Hunter. Der rote Nachtfalter, Band 1
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Bei Fantasy-Geschichten war zuletzt öfters mein Kritikpunkt, dass die Liebesgeschichte einen zu großen Raum einnimmt. Auch wenn ich die Symbiose aus fantastischem World-Building und mitreißender Liebesgeschichte ...

Bei Fantasy-Geschichten war zuletzt öfters mein Kritikpunkt, dass die Liebesgeschichte einen zu großen Raum einnimmt. Auch wenn ich die Symbiose aus fantastischem World-Building und mitreißender Liebesgeschichte durchaus zu schätzen weiß, aber es muss auch eine Balance geben. „Heartless Hunter“ von Kristen Ciccarelli widerlegt die Beobachtung und doch irgendwie auch nicht.

„Heartless Hunter“ steigt gleich an einem spannenden Punkt ein. Wir lernen die Protagonistin Rune und die verschiedenen Welten, durch die sie wandelt, schnell und einnehmend kennen. Es ist spannend, welche Geschichte sie hinter sich hat, was für sie daraus für eine Aufgabe gewachsen ist und wie sie wie eine Schauspielerin die sehr kontrastreichen Versionen leben muss. Rune ist definitiv eine Figur, die einem sofort ans Herz wächst, weil sie ein tragisches Schicksal hat, weil sie dennoch eine Kämpferin ist und weil sie für etwas eintritt, was ihr sichtbar wichtig ist. Umgekehrt haben wir Gideon, der erst etwas später so richtig in die Geschichte eintritt. Es war schon spannend, wie die beiden sich erleben und wie gegensätzlich das zu dem ist, was ich von ihnen wahrnehme. Im Grunde finde ich auch, dass die beiden sich extrem ähnlich sind. Für Rune und Gideon gilt definitiv eher, dass gleich und gleich sich gerne zusammengesellt. Beide haben eine ungeheure Loyalität ihrer Familie gegenüber, beide haben ein Trauma, das sie antreibt und beide sind echt clevere Figuren.

Da wären wir dann auch bei dem Punkt, wie viel Raum die Liebesgeschichte einnimmt. Ich hatte schon den Eindruck, dass es immer mehr wurde, auch um die späteren Konflikte und Ausrufezeichen zu erzeugen, aber ich hatte dennoch nicht den Eindruck, dass es eine überwiegend körperliche Anziehung ist, die alles beeinflusst. Stattdessen war es beeindruckend, wie gleichberechtigt alles gestaltet worden ist. Gideon und Rune wollen beide etwas voneinander, was wenig mit Liebe zu tun hat, aber weil sie sich von einer Verbindung beide etwas erhoffen, zeigen sie auch Versionen von sich, die immer echter werden, sodass Gideon und Rune eigentlich sich wirklich selbst kennenlernen und das war schön mitzuerleben. Auch weil es sich alles so gleich anfühlt. Rune ist nicht wichtiger als Gideon oder umgekehrt. Beide sind wichtig für die Handlung, beide müssen Siege und Niederlagen erfahren. Es war ein Katz-Maus-Spiel, was echt spannend war und einfach clever erzählt. Dementsprechend habe ich diesen Fokus als sehr, sehr gut empfunden. Und es zeigt wieder, dass es einfach auf die Art und Weise ankommt, wie man eine Liebesgeschichte in ein übernatürliches Setting packt.

Wie ist es aber mit dem Fantasy-Anteil? Ich würde sagen, dass ich es keinesfalls kritisch gesehen habe, aber ich hatte doch schon ein paar Gedanken, ob ein gewisser Schwerpunkt auch eingespart wurde, um ihn für den finalen Band 2 zu haben. Das werde ich erst in der Zukunft bewerten können. Solange ist aber klar, dass es ein relativ simples World Building ist. Rune hat auch nicht wirklich eine Mentorin gehabt, weil ihre gewählte Großmutter zu früh gestorben ist, weswegen sie sich als Hexe einiges selbst beibringen musste. Damit ist ihre Magie nicht sonderlich ausgereift. Dementsprechend ist die Magie nicht übermäßig gegenwärtig im ersten Band. Wir werden aber in die verschiedenen Stufen von Zaubersprüchen eingeweiht und wir bekommen vor allem in Rückblenden erzählt, welches Potenzial Hexen schon entfaltet haben und warum es zur Revolution kam. Das finde ich in jedem Fall auch interessant, weil wir ein sehr ambivalentes Bild auf Hexen bekommen. Rune kämpft verbissen für ihre Spezies und mit ihr haben wir eine Hexe, die einfach ein gutes Herz hat. Genauso haben wir aber auch Geschichten von Hexen, die ihre Magie für Schreckliches genutzt haben. Das finde ich sehr realistisch, weil es egal bei welcher Fertigkeit immer die gibt, die es für Gutes anwenden und die, die nur an sich denken. Das macht es so spannend, weil ich so auch keinerlei Ahnung habe, was die Lösung für einen zweiten Band sein könnte.

Der erste Band endet derweil auf vielen Ausrufezeichen. Das ist sehr gut gemacht worden, weil es genau so ein Cliffhanger ist, bei dem man dran bleiben will. Ich habe definitiv den Wunsch, dass es mehr Magie geben wird. Dass Rune ihre Wurzeln mehr kennenlernt und dadurch sich auch die Frage stellen muss, welche Art von Hexe sie sein möchte. Genauso bin ich gespannt, wie die Liebesgeschichte von diesem Punkt aus weitergeführt werden kann. Es wird nicht einfach werden, genauso deswegen habe ich aber auch die Hoffnung, dass es weiterhin gut gemacht wird.

Fazit: „Heartless Hunter“ mit Band 1 hat mir echt sehr gut gefallen. Henriette Schreurs und Moritz Frinberg haben Rune und Gideon beeindruckend zum Leben erweckt. Ihre gemeinsame Geschichte, die Gleichberechtigung beider Figuren und wie sie sich trotz der Vorurteile einander gegenüber kennenlernen, das hat mich besonders eingenommen. Es wäre mehr Fantasy drin gewesen, aber wer weiß schon, was in Band 2 alles rausgehauen wird. Das Potenzial ist jedenfalls immens.

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Veröffentlicht am 16.04.2025

Abgründe im NYFD

Devil's Kitchen
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Wenn ich außergewöhnliche Thriller-Literatur brauche, dann ist Candice Fox für mich immer schon eine Bank gewesen. Ich erkenne ihren Stil immer wieder, aber gleichzeitig erfindet sie sich doch immer wieder ...

Wenn ich außergewöhnliche Thriller-Literatur brauche, dann ist Candice Fox für mich immer schon eine Bank gewesen. Ich erkenne ihren Stil immer wieder, aber gleichzeitig erfindet sie sich doch immer wieder neu, sodass jede Geschichte wieder völlig unvorhersehbar für mich ist und das ist der Gewinn.

Hätte mich nicht der Autorinnenname schon angelächelt, dann wäre es sicherlich „Devil’s Kitchen“ als Titel gewesen. Da vor Kurzem erst das Revival „Daredevil: Born Again“ bei Streamingdienst Disney+ gestartet ist, das bekanntlich Hell’s Kitchen als Handlungsort nutzt, war der Reiz sofort da. „Devil’s Kitchen“ ist zunächst als Standalone angekündigt, aber ich könnte mir durchaus vorstellen, dass sich Fox hier noch weiter austoben könnte. Sollte es nicht so sein, dann steht dieser Band auch wunderbar für sich selbst. Ich musste bei Andy und Ben, aus deren Perspektive das Geschehen erzählt wird, daran denken, was bei Fox oft immer gleich ist. Wir haben eigentlich immer eine sehr abgedrehte Frauenrolle (im besten Sinne gemeint) und dazu eine Männerrolle, bei der man immer das Herz am rechten Fleck meint, auch wenn er wahrlich kein Saubermann ist. Genau das trifft auch diesmal auf die Protagonisten zu.

Wir starten mit einer Vorausschau, an der es für Andy und Ben lebensgefährlich wird, dann springen wir in der Zeit zurück. Fox ist keine Erzählerin, die sich darum kümmert, einen gleich am Anfang mit allen Infos abzuholen, nein, sie verpackt alles nach und nach, sodass man nie müde wird, die einzelnen Geschenke (Informationen) auszupacken. Zunächst war für mich Ben der emotionale Fokus. Inmitten seiner Kollegen fällt es aber auch nicht schwer, ihn als Engel zu sehen, während die anderen drei, besonders Matt und Engo, richtig schlimme Kerle sind. Nach und nach werden uns Infos angereicht. Zum einen erfahren wir viel über Bens Geschichte in der Kindheit/Jugend, dann seine Anfänge beim NYFD und letztlich dann die Involvierung in gefährliche Coups mit den Kollegen. Dazu erfahren wir mehr über Luna und Gabe, die seine Wahlfamilie sind. Speziell die letzten beiden Charaktere sind es dann auch, die sein Herz weiter nach außen tragen. Auch wenn überdeutlich klar ist, dass Ben zwei Seiten in sich trägt, aber er hat es inmitten der anderen Charaktere dieses Buchs leicht, mein Anker zu bleiben.

Die Art, wie Fox Charaktere schreibt, das ist nie die große Liebe, dafür schaut sie viel zu viel in Abgründe, in die man eigentlich nicht viel gucken will, weil man automatisch auch auf sich selbst blickt. Aber sie kann immer Respekt entstehen lassen und das wiederum sorgt für Mitfiebern. Das habe ich bei Ben erlebt, aber auch bei Andy. Sie ist eine Schlange, die sich für ihre Arbeiten immer eine neue Haut zulegt. Sie ist also wirklich zu glitschig, um sie ideal zu packen zu bekommen und trotzdem ist es Fox toll gelungen, dass in der fortschreitenden Ermittlung viel über ihr wahres Ich verraten wird. Dazu ist es einfach genial, wie gewieft Andy ist, was sie alles kann. In Rückblenden erfahren wir nach und nach mehr über ihren Lebensweg, aber es ist schon zu erkennen, dass zunächst Ben der Fokus ist, während danach erst richtig Andys Auftritt kommt. Auch die Beziehung der beiden zueinander ist spannend. Denn sie müssen sich bis zu einem bestimmten Punkt vertrauen, haben aber dennoch große Vertrauensprobleme einander gegenüber. Das ist ein gelungenes Spannungsfeld, weil sie sich so auch gegeneinander richten, um sich im nächsten Moment aus etwas rauszuschlagen. Es ist keine romantische Geschichte, aber in dem Chaos der Ereignisse doch auch sehr echt.

Aber auch wenn wir abseits der beiden echt ekelhafte Exemplare an Charakteren haben, aber so ist hier die richtige Wahl, so wenige zu haben, weil man sich so auch an sie gewöhnt und dennoch immer wieder überrascht wird. Die zahlreichen Wendungen, die waren auf jeden Fall sehr mitreißend. Denn nicht nur Andy beherrscht das Spiel, sondern auch Matt. Es ist viel Pingpong, aber es ist auch spannende Feuerwehrarbeit und interessante Pläne. Man hätte sicherlich aus der Gesamtidee noch richtig viel mehr machen können, aber gerade weil nicht klar ist, ob es noch mehr Abenteuer von Andy geben wird, finde ich es auch angemessen. Wir bekommen am Ende alle Antworten und vieles davon fand ich sehr tragisch, was mir auch gezeigt hat, wie sehr mir diese Welt trotz ihrer Düsterheit ans Herz gewachsen ist. Ein wilder Ritt bis zum Schluss.

Fazit: Candice Fox hat mich mit „Devil’s Kitchen“ voll abgeholt. Das NYFD als Setting, wo die Helden zu Antihelden werden, höchst clever. Dazu zwei Charaktere, die auch nicht ganz koscher sind, die einem aber ans Herz wachsen. Es entwickelt sich ein rasantes Spiel, viele Fragen und auch alle Antworten. Wer die Thriller von ihr liebt, der wird wieder voll auf seine Kosten kommen.

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Veröffentlicht am 04.03.2025

Ein Leuchten durch Charakterentwicklungen

Was wir verloren glaubten
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„Was wir im Stillen fühlten“ war schon der ideale Einstieg in die „Problems“-Reihe von Brittainy Cherry, denn sie schreibt selten so Reihen, wo alles richtig zusammengehört und auch das Kleinstadt-Feeling ...

„Was wir im Stillen fühlten“ war schon der ideale Einstieg in die „Problems“-Reihe von Brittainy Cherry, denn sie schreibt selten so Reihen, wo alles richtig zusammengehört und auch das Kleinstadt-Feeling hat hervorragend zu ihrem Stil gepasst. Nun geht es also mit der ältesten Kingsley-Schwester Avery weiter, die ihr Glück findet.

Wenn ich noch an Yara aus Band 1 denke, dann muss man schon eingestehen, dass sie und Avery wie Tag und Nacht sind. Während Yara sich in zig peinliche Situationen gebracht hat, auch weil sie das Herz auf der Zunge trägt, so ist Avery viel ernster. Ich hatte direkt optisch und charakterlich mehrere Personen für sie im Kopf, vor allem aus TV-Serien. Diese Rollen wirken oft unnahbarer, haben in sich aber ein Leuchten, was erst nach außen gekehrt werden muss. Bei Avery ist das total offensichtlich. Wenn man sie in ihrem Kopf über vieles reden hört, dann merkt man die pure Leidenschaft, ihren Witz und ihre Warmherzigkeit. Aber sie trägt das nicht so offensiv nach außen wie andere Figuren in dieser Welt. Die Parallelen zu Alex aus Band 1, die mehrfach getätigt wurden, sind da schon richtig. Dementsprechend ist es auch gut gewesen, dass Nathan als männlicher Gegenpart ihr ähnlich, aber doch anders als Alex ist. Er hat auch Dämonen in sich tragend, er kennt lähmende Verantwortung, dementsprechend teilt er viele Gefühle mit Avery, aber er ist in seinem Prozess viel weiter als sie, weswegen es ihn für sie ideal macht. Denn sie können sich verstehen, aber sie sind so unterschiedlich genug, dass sie sich aus Spiralen raushelfen und nicht weiter hineindrängen.

Bevor ich jetzt weiter schwärme von „Was wir verloren glaubten“ muss ich aber einen Kritikpunkt anwenden. Wesley als Averys Verlobten haben wir schon in Band 1 kennengelernt. Und auch wenn ich ihn keinesfalls mit Nathan ansatzweise vergleichen könnte, so fand ich ihn durchaus sympathisch und hatte mich da schon bei Gedanken erwischt, wie Cherry es wohl auflöst, wenn es um Averys Geschichte geht. Denn normalerweise haben wir es dann eher mit Dreckssäcken zu tun, die man gut rechts liegen lassen kann. Und ja, wie hat sie es gelöst? Sie hat Wesley zu der Figur gemacht, die man schnell loswerden will. Das ist alles okay, aber ich denke, dass es dann besser gewesen wäre, Wesley schon im ersten Band so zu zeichnen, weil so wirkt es doch etwas so, als wäre Cherry nichts anderes mehr eingefallen. Auf einer anderen Ebene hat die Beziehung zu Wesley aber auch sehr geholfen, die Charakterisierung von Avery zu verfeinern, weil ich finde, dass diese durchgängig sehr gut gelungen ist.

Mir hat extrem gefallen, wie gut ausgestaltet Avery gewirkt hat. Sie ist mir sicherlich in vielen Punkten sehr ähnlich, weswegen ich es immer berührend finde, wenn ich das Gefühl habe, dass diese Figuren respektvoll gestaltet sind, dass man sich wirklich wiedererkennt. Gerade die Thematik des ältesten Geschwisterkindes war mir sehr nah, aber mir hat auch gefallen, wie Averys Verlustängste mit ihrer Mutter gestartet sind, um sie bis ins Jetzt zu gestalten. Richtig klasse fand ich auch, dass die Reise von Avery zur Selbstliebe mit einem kleinen Kniff in der Erzählweise authentisch erzählt wurde. Es gibt oft Bücher, wo ich schnelle Entwicklungen einfach kritisieren muss, aber hier hat Cherry mit kleineren Zeitsprüngen das rechte Maß gefunden. So begeistert ich mich bislang zu Avery geäußert habe, so darf mir Nathan keinesfalls verloren gehen, denn er ist umgekehrt auch wunderbar gelungen. Im Gegensatz zu Alex hat er direkt etwas sehr Warmes. Ich fand es großartig, mit ihm in die Familiendynamik der Pierces einzutauchen. Da gab es viel zu entdecken, zu neuen Figuren, aber auch zu Nathan selbst. Denn wie gesagt, auch er hat seine Dämonen und man erlebt es immer wieder, wie auch er zu kämpfen hat. Aber weil er den Schritt weiter ist, merkt man, dass er nicht mehr seine Beziehungen manipuliert und so war es einfach schön, wie er Avery in allen Punkten auf Händen getragen hat. Ihre Chemie war echt gigantisch und ich habe alles genossen.

Fazit: „Was wir verloren glaubten“ hat mich doch in nahezu allen Belangen sehr verzaubert. Auch wenn die Rolle von Wesley etwas schade war, so war die Ausgestaltung von Avery und Nathan in allen Belangen ein Geschenk und es hat ihre Beziehung zusätzlich leuchten lassen.

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