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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.06.2025

Das surreale Reisen auf gelesenen Worten

Der Teezauberer
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In diesem Roman geht es nicht nur um die lange, weltumspannende Geschichte des Tees, aufbereitet in einzelnen, unregelmäßig eingeflochtenen Episoden. Die Hauptfigur Jacob, von Beruf erfolgreicher Tee-, ...

In diesem Roman geht es nicht nur um die lange, weltumspannende Geschichte des Tees, aufbereitet in einzelnen, unregelmäßig eingeflochtenen Episoden. Die Hauptfigur Jacob, von Beruf erfolgreicher Tee-, Kaffee- und Gewürzhändler, der beim Lesen in seinen Lieblingsbüchern seine Sehnsüchte fernhält. Er jagt Träumen nach, z.B. einem idealen Wunschbild der klaren, reinen Liebe. Bei seinen Reisen auf Worten verliert er sich in einer Sinnsuche und entfernt sich stark von der geliebten Familie und Freunden. Seine Traumwelt trifft auf die Realität, besonders in Hamburg. Zum Glück findet er den Weg heraus aus dieser surrealen Szenerie, hat wieder Hunger, schmeckt und riecht seine vielen verschiedenen Teesorten. Die Thematisierung von Liebe, Sehnsucht, Sinn des Lebens, Träumerei wird hier durch einen feinfühligen, bildhaften Schreibstil umgesetzt.
Große Leidenschaften wie Reisen, Teekultur und Lesen treffen hier aufeinander.

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Veröffentlicht am 09.06.2025

Ein unglückliches, realitätsfernes Liebesdrama ohne Selbsterkenntnis

Getäuscht
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Die Szenerie spielt hauptsächlich im Paris der 20er bis 30er Jahre, Ersatzheimat russischer Exilanten. In Tagebucheinträgen mit drei zeitlich unterbrochenen Episoden geht es zunächst um die Einsamkeit ...

Die Szenerie spielt hauptsächlich im Paris der 20er bis 30er Jahre, Ersatzheimat russischer Exilanten. In Tagebucheinträgen mit drei zeitlich unterbrochenen Episoden geht es zunächst um die Einsamkeit und grüblerische Depression des namenlosen Ich-Erzählers, einem Exilrussen. Durch die Ankunft der Nichte einer Berliner Bekannten namens Llolja als zweiter Hauptfigur entwickelt sich mehr als eine Freundschaft. Bereits zu Beginn überwältigt den Erzähler eine unerwiderte Liebe, fühlt sich schließlich von Llolja getäuscht. In teils langatmigen, feinen psychologischen Beobachtungen voller Selbstmitleid und Liebeskummer, über sich und seine Umgebung, wirkt der Verliebte mit seinem verletzten männlichen Ego extrem peinlich in seiner penetranten Art seiner Angebeteten gegenüber. Die damaligen Geschlechterrollen mit den neuen Freiheiten der Années folles, mit fragwürdigen Frauenbildern des Erzählers, sind lebendig beschrieben. Der starke Charakter von Ljolja als kluge, selbstbestimmte, selbständige Frau ist überzeugend gezeichnet. Nach 95 Jahren der Erstveröffentlichung wirkt der Schreibstil komplex, teils kompliziert, aufgelockert durch französische Gesprächseinlagen von Franzosen.
Inhaltlich und sprachlich ein anstrengendes Werk!a

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Veröffentlicht am 27.05.2025

Beklemmende, trostlose, deprimierende Atmosphäre im ehemaligen Osten Deutschlands

Verlassene Nester
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Das Cover zeigt einen Ausschnitt von sechs Balkonen eines trostlosen Plattenbaus im DDR-Stil, passend zu diesem Roman in 1992, drei Jahre nach der Wiedervereinigung. Der mehrdeutige Buchtitel um verlassene ...

Das Cover zeigt einen Ausschnitt von sechs Balkonen eines trostlosen Plattenbaus im DDR-Stil, passend zu diesem Roman in 1992, drei Jahre nach der Wiedervereinigung. Der mehrdeutige Buchtitel um verlassene Nester, ob nun durch Menschen oder auch durch Vögel, ist ebenso einstimmend gewählt. In drei Teilen geht es um die kindliche Perspektive der 13 – jährigen Pilly, die ihre Schulsommerferien in dem fiktiven, überschaubaren Ort an der Elbe mit stillgelegtem Betonwerk, alten Gleisen, einer Brücke, einer Kleingartensiedlung, Kasernen etc. verbringt. Ihre Situation in einer zerrissenen Familie mit betrunkenem Vater und verschwundener Mutter wird durch problematische Freundschaften nicht glücklicher. Die um sie agierenden Charaktere wie Frau Klinge, ihr Vater Martin, die zwei Tanten oder die zwei älteren Freundinnen vermitteln kranke Auswirkungen durch die Wende, ob nun Arbeitslosigkeit, Rassismus gegenüber den verbliebenen Vertragsarbeitern aus Vietnam oder Erinnerungen an die Stasi-Vergangenheit. Fluchthilfe. Leider helfen auch die Rückbesinnungen nicht, das Verschwinden und das plötzliche Auftauchen von Pilly’s Mutter besser zu verstehen. Einige DDR-typische Begriffe wie z. B. Trapo oder Sero-Annahmestelle mögen Erklärungsbedarf wecken. Das Klima der Ernüchterung nach der anfänglichen Hoffnung auf ein besseres Leben und die Abwehr von Veränderungen ist gut eingefangen. Leider sind zu viele Fragen rund um Pilly’s Mutter offen geblieben.

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Veröffentlicht am 15.05.2025

Beschreibung einer teils surrealen Welt

Verzauberte Vorbestimmung
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Das Cover zeigt Ned Ludd, mystischer Anführer der Ludditen, herausgefiltert aus einem hand-kolorierten Stich aus 1812 auf gelbem Grund. In einem von fünf großen Teilen geht es um einen böhmischen Weber, ...


Das Cover zeigt Ned Ludd, mystischer Anführer der Ludditen, herausgefiltert aus einem hand-kolorierten Stich aus 1812 auf gelbem Grund. In einem von fünf großen Teilen geht es um einen böhmischen Weber, der wie diese Ludditen des 19. Jahrhunderts durch einen automatisierten Webstuhl ersetzt wird.. Diese Bewegung englischer Textil-Arbeiter und Weber kämpfte vorab wie er verzweifelt gegen den Einsatz von Maschinen, gegen Lohndumping und schlechte Arbeitsbedingungen an. Während es im ersten Abschnitt zunächst um einen algerischen Soldaten im Giftgasangriff der Deutschen im 1. Weltkrieg geht, bis ins hohe Alter als Briefträger in Lyon unterwegs ist. Der Autor ist auf seiner Reise auf den Spuren des Schriftstellers Peter Weiss, der auf den Spuren des Briefträgers und Erbauers des sogenannten „Palais idéal“ Ferdinand Cheval von Hauterives wandelt. Die weitere Reise nach Varnsdorf verfolgt die Spur um den jüdischen Schriftsteller und Maler Peter Weiss, dessen Vater dort in der Velveta a. s., einer Baumwollsamtweberei und Textilveredelung, als kaufmännischer Leiter tätig war. In den letzten zwei Kapiteln bewegt sich der Autor zunächst in Pharao City, dem New Kairo. Dort entsteht seit 2015 knapp 50 Kilometer östlich von Kairo auf einer Gesamtfläche von 725 Quadratkilometern eine derzeitige gigantische Geisterstadt. Die Geschichte erzählt von Mascha auf der Bühne der Grinsekatze, von der verliebten Stand-up-Comedian Tari und ihrer verdrahteten Freundin, einer Androidin, namens Kate. Weitere Orte wie Luxor, Karnak und Assuan beschreibt der Autor, durchzogen von durchlebten, lebensbedrohlichen Corona-Traumata mit seinen fiebrigen Nachwirkungen im ganzen Roman verteilt.
Der verschachtelte Satzbau erfordert aufgrund seiner Länge viel Konzentration. Die Reisebeschreibungen, teils verflochten mit historischen Ereignissen, bilden keine in sich geschlossene, harmonische Einheit.

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Veröffentlicht am 02.05.2025

Zu viele Stressfaktoren und innere Dämonen.

Wo wir uns treffen
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Diese britische Familiengeschichte ist verwoben mit einem großflächigen, herrschaftlichen Vermächtnis in Sussex aus dem 18. Jahrhundert, erworben in glorreichen Kolonialzeiten rund um Menschenhandel, ...

Diese britische Familiengeschichte ist verwoben mit einem großflächigen, herrschaftlichen Vermächtnis in Sussex aus dem 18. Jahrhundert, erworben in glorreichen Kolonialzeiten rund um Menschenhandel, Kaurimuscheln als Währung. Über fünf Tage zieht sich das Familientreffen wie ein roter Faden hin anlässlich der Beerdigung des Familienoberhauptes. Drei sehr verschiedene Geschwister, teils mit Familie und die Witwe werden mit ihren Schwächen, Problemen, Visionen und ihren Beziehungen untereinander vorgestellt auf renaturierten Ländereien auf 40 Hektar. Das Projekt „Albion“ krankt jedoch massiv unter dem Mangel an finanziellen Mitteln, unter dem besonders die Hauptprotagonistin Frannie Brooke als Erbin mit historischer Verantwortung zu leiden hat, was einfühlsam beschrieben wird. Das Problem behaftete Klima untereinander, verbunden mit Stress und Alkoholisierung, sorgt nicht für Entspannung beim Lesen. Der Erzählstrang rund um die Figur von Clara mit ihren Forschungsergebnissen wirkt zu konstruiert, wenn auch informativ. Nur der Hippie-Jünger Ned zeigt eine menschlich überzeugende positive Wirkungsweise zum Wohl dieser vor allem emotional gebeutelten Familie.
Interessante historische Fakten verknüpft mit zu vielen Problemen.

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