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Veröffentlicht am 15.05.2025

Eindrucksvoll

Die Tage des Wals
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In dem Buch begleiten wir die 18 jährige Manod, die auf einer namenlosen, fiktiven ,walisischen Insel lebt. Ihre Mutter lebt nicht mehr. Der Vater ist ein einfacher Fischer, der viel unterwegs ist, was ...

In dem Buch begleiten wir die 18 jährige Manod, die auf einer namenlosen, fiktiven ,walisischen Insel lebt. Ihre Mutter lebt nicht mehr. Der Vater ist ein einfacher Fischer, der viel unterwegs ist, was dazu führt, dass Manod auch ein Mutterersatz für ihre jüngere Schwester ist. Eines Tages wird die Insel von einem Forscherpaar besucht. Sie möchten sich für ihre wissenschaftlichen Studien ein Bild von den Sitten und Gebräuchen der Insulaner machen, ihr Leben und Arbeiten portraitieren. Manod wird als Assistentin für Übersetzungen aus dem Walisischen eingestellt und freut sich, über die Anerkennung, die ihr zuteil wird und das Interesse, dass die Inselbewohner bei den Wissenschaftlern erwecken. Doch am wirklichen Inselleben sind die beiden Ethnologen gar nicht interessiert. Es soll sich nur alles schön anhören für ihre Publikation. Die Bilder und Berichte sind geschönt und entsprechen nicht der Wirklichkeit.

Was so verheißungsvoll begann, Manod sah sich schon in eine neue Welt aufbrechen, endet mit Ernüchterung.

Dieser kurze Roman ist beeindruckend, auch wenn ich mit Sprache und Form zunächst etwas gefremdelt habe. Die Kapitel sind superkurz, die Sprache präzise und schnörkelos. Ich mochte die bildhaften Naturbeschreibungen , die das karge Leben auf der Insel im Wechsel der Jahreszeiten gut vorstellbar machten. Es blitzt immer mal wieder durch in welcher Zeit wir uns befinden. Der 2. Weltkrieg steht vor der Tür. Der titelgebende Wal, der vor der Insel gestrandet ist, ist eine Metapher für die Inselbewohner selbst,( ausgebeutet und liegengelassen), wie man am Ende begreift.

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Veröffentlicht am 10.05.2025

Survival statt Fame

One Perfect Couple
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Lyla‘s Freund Nico sieht die Chance seines Lebens, als er zusammen mit seiner Partnerin für die Reality TV Show „ One perfect couple“ eingeladen wird.

Etwas widerwillig stimmt die Virologin Lyla schließlich ...

Lyla‘s Freund Nico sieht die Chance seines Lebens, als er zusammen mit seiner Partnerin für die Reality TV Show „ One perfect couple“ eingeladen wird.

Etwas widerwillig stimmt die Virologin Lyla schließlich zu, ihren Schauspielerfreund bei dem Abenteuer auf eine indonesische Tropeninsel zu begleiten.

Es läuft dann allerdings nicht ganz so ab, wie es sich beide vorgestellt haben. Dass es sich um eine Low Budget Produktion handeln würde, wussten die Teilnehmer vorher nicht und das ein gefährlicher Tropensturm dazu führen würde, dass sie alle um ihr Überleben kämpfen müssten, ahnten sie nicht im Traum. Abgeschnitten von der Außenwelt werden die Ressourcen knapp. Die Insel verfügt über keine eigene Süßwasserquelle und das Nahrungsangebot beschränkt sich auf ein paar Bananen und Kokosnüsse sowie natürlich Fisch.

Interessant fand ich die Gruppendynamik. In der Ausnahmesituation werden alle Masken fallen gelassen und es geht ans Eingemachte. Klar, dass sich die Produzenten bemüht haben möglichst konträre Charaktere für die Show zusammenzubringen. Bei der anfänglichen Beschreibung der Paare fühlt man sich fast wie beim „ Bachelor“ oder ähnlichen Formaten. Die Alphamännchen werden in der Notsituation natürlich zum Problem. Vom Personal selbst befindet sich lediglich eine Assistentin mit auf der Insel, als der Sturm Fahrt aufnimmt und für katastrophale Verwüstung sorgt.

Die Geschichte ist somit weniger ein Thriller als vielmehr ein Spannungsroman mit Survivalcharakter.

Ich mag die Thriller von Ruth Ware und fühlte mich auch hier gut unterhalten. Die Protagonistin Lyla war mir sympathisch. Bei einigen Nebenfiguren hätte ich mir etwas mehr Tiefe gewünscht.

Es fehlte vielleicht auch noch ein Kick am Schluß. So lief die Handlung gan6 langsam aus, aber Ok, ich bin ganz zufrieden. Es war nicht der ganz große Wurf, aber es hat Spaß gemacht das Buch zu lesen.

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Veröffentlicht am 11.04.2025

Leben im Plattenbau und der Traum alles hinter sich zu lassen

Achtzehnter Stock
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Das war auf jeden Fall ein Buch, was nachhallt, auch wenn ich lange überlegt habe, ob ich es überhaupt lesen möchte.

Wanda lebt im 18.Stock eines Hochhauses in Berlin. Sie ist als alleinerziehende Mutter ...

Das war auf jeden Fall ein Buch, was nachhallt, auch wenn ich lange überlegt habe, ob ich es überhaupt lesen möchte.

Wanda lebt im 18.Stock eines Hochhauses in Berlin. Sie ist als alleinerziehende Mutter hier gelandet, wo Trostlosigkeit und Armut bis in den letzten Winkel zu spüren sind. Eigentlich ist sie Schauspielerin, doch das letzte Engagement ist inzwischen auch schon 2 Jahre her, und es ist keine neue Rolle in Sicht. Sie will auf jeden Fall hier weg, und sie verfolgt vehement ihren Traum einer Schauspielkarriere. Das führt natürlich auch dazu, dass sie sich nicht so um ihre kleine Tochter kümmern kann, wie sie das eigentlich möchte. Als man sie endlich mal wieder engagiert, wird sie gefeuert, als sie den Drehort verlassen muss, weil die Kita anruft und sie auffordert Karlie sofort abzuholen. So ist es halt als Mutter- Karriere hin oder her- das Kind geht vor. Es wird sogar richtig dramatisch, als Karlie ernsthaft erkrankt und in die Notaufnahme muss. Gott sei Dank hatte Eileen‘s Mutter von nebenan kein gutes Gefühl bei Karlie‘s Ohrenschmerzen.

Wanda hat im Laufe der Geschichte bei jeder Chance die Hoffnung endlich den Durchbruch zu schaffen und wird dann doch wieder brutal in die Wirklichkeit zurückkatapultiert.

Wanda ist keine sympathische Protagonistin, und ich fand manche ihrer Handlungen auch fragwürdig, ihren Umgang mit Mitmenschen, Nachbarn, Kollegen nicht besonders freundlich und umgänglich. Ich verstehe aber, dass das Leben sie hart gemacht hat und habe ihren Ehrgeiz anerkannt, alles zu versuchen, um ihre Situation zu verbessern.

Die Autorin ist eine wirklich gute Beobachterin, die das Elend auf der Platte sehr präzise und treffend in Worte kleiden kann. Die Schere zwischen arm und reich in unserer Gesellschaft wird einem beim Lesen dieses Textes nochmal besonders deutlich und auch das es fast unmöglich ist, sich von ganz unten wieder ein Stück weit nach oben zu arbeiten. Besonders schwer haben es da Alleinerziehende.

Sicherlich war dies kein Wohlfühlbuch, aber eine Lektüre, die durch die Sprache beeindruckt hat und zum Nachdenken anregt.

Das Hörbuch wurde sehr einfühlsam vertont von Nina Reithmeyer, hat mir gut gefallen und ist empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 06.04.2025

Thriller mir Surf-Vibes

The Surf House
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Bea fühlt sich mit ihrem Leben als Model nicht mehr wohl und schmeißt bei einem Job in Marokko kurzerhand alles hin. Sie weiß noch nicht so recht, wie es weitergehen soll, als sie in der Medina von Marrakesch ...

Bea fühlt sich mit ihrem Leben als Model nicht mehr wohl und schmeißt bei einem Job in Marokko kurzerhand alles hin. Sie weiß noch nicht so recht, wie es weitergehen soll, als sie in der Medina von Marrakesch brutal überfallen und ausgeraubt wird. Ihr Gepäck inklusive Geld und Reisepass sind weg.

Eine junge Frau (Marnie), unterstützt sie, indem sie ihr Kost und Logis gegen Arbeit in ihrem Ferienressort „Surfhouse“ anbietet.

Dankbar nimmt Bea das Angebot an. Die Freunde von Marnie und auch die Gäste sind nett und sie fühlt sich direkt wohl. Doch dann taucht Seth auf, der seine vermisste Schwester sucht, und die Idylle bekommt Risse.

Wie immer bei Lucy Clarke ist der Schreibstil locker, flockig. Sie schafft erst einmal eine Wohlfühlatmosphäre mit Strand, Meer und coolen Surfern. Nach und nach werden dann dunkle Geheimnisse aufgedeckt und Zweifel gesät, bis man als Leser quasi jede Person für verdächtig hält.

Durch unerwartete Plottwists bleibt die Geschichte spannend und interessant.

Ich habe gerne mitgerätselt und lag am Ende dennoch falsch.

Ich hatte wieder große Freude an diesem Lucy Clarke Thriller. Die Autorin ist immer wieder ein Spannungsgarant und schreibt einfach toll und unterhaltsam.

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Veröffentlicht am 20.03.2025

Plötzlich allein

Von hier aus weiter
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Nach 30 Ehejahren mit Rolf steht Marlene plötzlich alleine da und ist furchtbar wütend. Ihr Mann war schwer krank,und da es keine Aussicht auf Heilung gab, hat er sich das Leben genommen. Doch Marlene ...

Nach 30 Ehejahren mit Rolf steht Marlene plötzlich alleine da und ist furchtbar wütend. Ihr Mann war schwer krank,und da es keine Aussicht auf Heilung gab, hat er sich das Leben genommen. Doch Marlene wollte mit ihm gehen und das hat Rolf zu verhindern gewusst. Sie fühlt sich betrogen und muss doch weitermachen. Der Wunsch vom eigenen Suizid ist noch da, aber erst mal muss sie funktionieren und die Beerdigung überstehen.

Susanne Pásztor schreibt überraschenderweise leicht und humorvoll über das schwere Thema Trauer und Verlust. Ihre Protagonistin mochte ich gleich, war sie doch eine Person, die über sich selbst auch lachen konnte. Zum Glück gibt Marlene‘s Umfeld keine Ruhe und kümmert sich wunderbar und gar nicht aufdringlich um die selbstmordgefährdete Witwe. Selbst der Klempner, den sie rufen muss, als ihre Dusche nicht funktioniert, ist ihr zugetan. Er entpuppt sich als ein ehemaliger Schüler, und da er selbst in einer Lebenskrise steckt, helfen sich die beiden gegenseitig.

Ich mochte diesen ruhigen, unterhaltsamem Roman, der später noch einen Roadtrip beinhaltet sehr. Das Hörbuch wurde gelesen von Ruth Reinecke, die der Protagonist die perfekte Stimme geliehen hat.

Lediglich das Ende war mir etwas zu abrupt. So schnell wollte ich mich noch gar nicht von der Geschichte verabschieden.

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