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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.05.2025

Etwas für jüngere Leser

Das Leben fing im Sommer an
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Dieses Buch wird seine Leser eher in der jüngeren Leserschaft finden, die in den 1990er Jahren geboren wurden. Für mich war der Schreibstil mit sehr vielen Begriffen aus der Jugendsprache (oder der Rap-Szene?) ...

Dieses Buch wird seine Leser eher in der jüngeren Leserschaft finden, die in den 1990er Jahren geboren wurden. Für mich war der Schreibstil mit sehr vielen Begriffen aus der Jugendsprache (oder der Rap-Szene?) teilweise nicht verständlich. Das dem so ist, ist natürlich dem Umstand geschuldet, dass der damals 15jährige Christoph Kramer (später bekannt als Profifußballer und Nationalspieler) aus seiner Perspektive im Wesentlichen von drei Tagen aus seinem Leben im Sommer 2006 erzählt. Sein ganzes Denken und Handeln dreht sich um Liebe, die er sich so sehnlich wünscht. Die Person seines Interesses ist das begehrteste Mädchen an seiner Schule. Von Himmel hoch jauchzend bis zu Tode betrübt macht Christoph in dieser kurzen Phase alle Gefühlswallungen durch, was ich persönlich als etwas übertrieben dargestellt empfinde. Um die Grundsteine seiner Fußballkarriere geht es ganz am Rande. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass er für das Buch nur aufgrund seines Bekanntheitsgrades einen renommierten Verlag gefunden hat, wie das in der jüngeren Vergangenheit immer mal wieder bei bekannten Schauspielern o.ä. Personen der Fall gewesen sein dürfte. Wirklich gestört habe ich mich daran, dass so viel Raum einer längeren Fahrt mit einem PKW ohne Fahrerlaubnis mit Christoph als Fahrer gegeben und dies als so banal dargestellt wird, obwohl es sich um eine Straftat handelt und das zum Nachahmen verleiten könnte.

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Veröffentlicht am 30.04.2025

Sehr langatmig

Flusslinien
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Ich fand die Lektüre dieses Romans sehr anstrengend. Das liegt weniger an der bedächtigen, ruhigen Erzählweise als daran, dass alles über immerhin 390 Seiten so vor sich hinplätschert und es keine richtige ...

Ich fand die Lektüre dieses Romans sehr anstrengend. Das liegt weniger an der bedächtigen, ruhigen Erzählweise als daran, dass alles über immerhin 390 Seiten so vor sich hinplätschert und es keine richtige Handlung gibt. Daher passt der Buchtitel recht gut. Sind die ersten Seiten erst einmal gelesen, weiß man bereits Wesentliches. Die relativ kurzen Kapitel widmen sich abwechselnd jeweils einem der drei Protagonisten. Allen gemeinsam ist, dass jeder sein Päckchen im Leben zu tragen hat. Die 102jährige Margrit verbringt ihre Zeit am liebsten im Römischen Garten in Hamburg, den einst die Freundin ihrer Mutter gestaltet hat. Dorthin lässt sie sich täglich von Arthur, dem Chauffeur in ihrer Seniorenresidenz, fahren, um vor allem die Vergangenheit dieser Gärtnerin zu rekapitulieren. Arthur wiederum hat Schuldgefühle seinem verstorbenen Zwillingsbruder gegenüber. Schließlich ist da noch Margrits 18ährige Enkelin Luzie, die ein Trauma zu bewältigen und sich ganz dem Tätowieren verschrieben hat. Gestört hat mich außerdem, dass einige völlig realitätsfremde Dinge als selbstverständlich dargestellt werden, z.B. dass sich Margrit und einige weitere betagte Mitbewohner von Luzie Tätowierungen machen lassen.
Insgesamt trifft das Buch nicht meinen Geschmack.

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Veröffentlicht am 18.04.2025

Ein viel gelobter Roman, aber ...

Für Polina
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Soweit ich es sehe, gibt es nur wenige kritische Stimmen zu dem neuesten Roman von Takis Würger. Fast durchweg wird er hoch gelobt. So äußern sich bereits auf dem Buchrücken andere namhafte Autoren, dass ...

Soweit ich es sehe, gibt es nur wenige kritische Stimmen zu dem neuesten Roman von Takis Würger. Fast durchweg wird er hoch gelobt. So äußern sich bereits auf dem Buchrücken andere namhafte Autoren, dass der Roman „wie eine berührende Melodie wirkt“ oder sie „beim Lesen Tränen gehabt“ hätten. Leider kann ich mich dem nicht anschließen. Sicher, es ist eine Liebesgeschichte zwischen einem talentierten Klavierspieler und Kilim-Kennerin, die schon in ihrer Kindheit geknüpft wird, immer wieder durch Trennungen unterbrochen ist und von der wir am Ende gar nicht wissen, ob es tatsächlich ein Happy-end gibt. Was mich dabei allerdings stört, ist, dass sie sehr gekünstelt wirkt und den Eindruck eines zwanghaft gestalteten Märchens hinterlässt. Schon der Beginn ist nicht sehr lebensnah – die allein erziehende Mutter des Protagonisten Hannes findet in einer verwunschenen Villa im Moor mit dem dortigen einzigen älteren Bewohner und einer türkischen Arbeitskollegin nebst deren Tochter Polina eine Wahlfamilie. Hannes ist begnadet am Klavier, alles self-made. In dieser Abgeschiedenheit wundert es nicht, dass er und Polina schon als Kinder zueinander finden. Bis zum Abschnitt über den frühen Tod der Mutter liest sich die Geschichte für mich auch recht passabel. Von Hannes Übersiedlung zum unehelichen Vater nach Hamburg bildet dann aber einen Schnitt, ab dem alles etwas wirr und konstruiert erscheint. Beispielhaft seien da etwa seine Beziehung zu einer älteren Ärztin aus gutem Hause oder seine mehrjährige Tätigkeit als Klavierträger genannt, die er, der immer als klein und schwach beschrieben wird, wuppt. In Kitsch mündet dann das Ende, als Hannes vor vollem Publikum eine für Polina geschaffene Melodie mit nur neun verbliebenen Fingern spielt, um sie auf diese Weise wiederzufinden. Untermalt ist Vieles mit einer schwülstigen Sprache. Kurzum, das Buch wird sicher seine Leser haben, bei mir hinterlässt es aber keinen großen Nachhall.

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Veröffentlicht am 16.03.2025

Chick-Lit

Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben
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Ein Buch geschrieben von einer Frau für Frauen. Zuzurechnen ist es der Art leichter Frauenliteratur, die als sog. Chick-Lits bekannt sind. Ihre Charakteristika finden sich auch hier: Eine Protagonistin, ...

Ein Buch geschrieben von einer Frau für Frauen. Zuzurechnen ist es der Art leichter Frauenliteratur, die als sog. Chick-Lits bekannt sind. Ihre Charakteristika finden sich auch hier: Eine Protagonistin, fast 50, mit Beziehungsproblemen nach der Scheidung und einer sich anbahnenden Beziehung mit einem 20 Jahre alten jüngeren Mann, dauernd umgeben von einer besten, lesbischen Freundin, hier obendrein noch von einer Schwester mit Eheproblemen und einer durchgeknallten Mutter. Die Handlung kommt nicht so recht in Fahrt, es dreht sich zu viel um Sex. Das Ende ist Friede, Freude, Eierkuchen. Die Dialoge wirken oft gekünstelt. Positiv hervorzuheben ist, dass das Buch zum Nachdenken anregt über die MeeToo-Thematik, die die Geschichte wie ein roter Faden durchläuft. Mir hat das frühere Buch der Autorin „Wir von der anderen Seite“ eindeutig besser gefallen. Zum entspannten Lesen aber allemal geeignet.

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Veröffentlicht am 02.02.2025

Leichte Unterhaltung

Vielleicht hat das Leben Besseres vor
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Der erste Roman der Autorin „Wir sind doch Schwestern“ hat mich vor einigen Jahren nachhaltig beeindruckt. Anders war es dann schon bei ihrem Roman „Wir sind schließlich wer“, einem Vorgängerband zu dem ...

Der erste Roman der Autorin „Wir sind doch Schwestern“ hat mich vor einigen Jahren nachhaltig beeindruckt. Anders war es dann schon bei ihrem Roman „Wir sind schließlich wer“, einem Vorgängerband zu dem hier besprochenen Buch. Er hat mich enttäuscht. Dennoch habe ich es jetzt noch einmal mit dem Fortsetzungsroman der Autorin versucht und muss sagen, dass das Buch auf einem seichten Niveau verharrt. Beide Bücher lassen sich unabhängig voneinander lesen. Auf den einen oder anderen Gesichtspunkt aus der Vergangenheit wird stichwortartig eingegangen. Die Geschichte ist erneut in der Heimat der Autorin am Niederrhein angesiedelt, so dass sie für dort Ansässige ein gewisses Interesse wecken könnte. Thematisch erscheint mir alles künstlich aufgesetzt genauso wie die Dialoge der Romanfiguren, die unnatürlich wirken. Die nicht dem Familienbild entsprechende Protagonistin Anna ist als Pastorin in ihrer Heimat tätig. Allerdings wundere ich mich immer wieder, dass sie eigentlich überwiegend Freizeit zu haben scheint. Im Wesentlichen ist die Geschichte eine Mischung aus etwas Krimi – bei dem sich durchaus gut miträtseln lässt - und Familiengeschichte. Zu viel dreht sich um den vermeintlichen Standesdünkel der Adligen, was ich als aus der Zeit gefallen empfinde. Viele durchaus ernsthafte Themen werden angerissen, aber letztendlich nicht vertieft behandelt, wie z.B. Diskriminierung und political correctness.
Als leichte Unterhaltung geeignet, anspruchsvolle Lektüre darf nicht erwartet werden.

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