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Veröffentlicht am 04.06.2025

Eine Stadt im Nationalsozialismus

Ginsterburg
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Vom Autor kenne ich bereits seine Romane „So, und jetzt kommst du“ sowie „Seemann vom Siebener“, die ich gerne gelesen habe. Sein neuestes Buch ist ein historischer Roman. In ihm geht es um das Geschehen ...

Vom Autor kenne ich bereits seine Romane „So, und jetzt kommst du“ sowie „Seemann vom Siebener“, die ich gerne gelesen habe. Sein neuestes Buch ist ein historischer Roman. In ihm geht es um das Geschehen in der fiktiven deutschen Stadt Ginsterburg, vor allem aber um das Ergehen einiger ausgewählter Bewohner in der Zeit des Nationalsozialismus, wobei drei einzelne Jahre – 1935, 1940 und 1945 – im Vordergrund stehen. Die in den Fokus gerückten Romanfiguren sind jede für sich etwas speziell. Die einen profitieren wirtschaftlich vom Krieg, die anderen machen eine Karriere aufgrund ihrer Parteizugehörigkeit, wieder andere verwirklichen ihren Traum vom Kampf fürs Vaterland. Es handelt sich um Kommunisten, Homosexuelle, Juden, alte Kriegshelden. In dieser Häufung und mit ihren Eigenheiten ist deutlich zu merken, dass die Geschichte fiktiv ist. Mit den meisten Personen konnte ich nicht warm werden und das Beenden des Buchs fiel mir letztlich deshalb schwer, weil . thematisch die Betonung zu sehr auf den Kriegshandlungen und den Schilderungen der mit ihnen einhergehenden Grausamkeiten liegt. Etwas Abstand bieten dann Einschübe von zeitlich parallel erschienenen Zeitungsartikeln, Rundfunkbeiträgen, Briefen u.ä.
Lesenswert für Leser mit Interesse am Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg.

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Veröffentlicht am 25.05.2025

Autobiografische Einblicke

Sputnik
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Dieser Roman ist die Fortsetzung von Christian Berkels (ein bekannter deutscher Schauspieler) biografisch geprägten früheren Büchern „Der Apfelbaum“ und „Ada“. Während es dort um die wirklich dramatische ...

Dieser Roman ist die Fortsetzung von Christian Berkels (ein bekannter deutscher Schauspieler) biografisch geprägten früheren Büchern „Der Apfelbaum“ und „Ada“. Während es dort um die wirklich dramatische und schillernde Vergangenheit seiner Eltern sowie deren Vorfahren während des Nationalsozialismus bzw. um seine ältere Schwester als einer gegen das Schweigen der Elterngeneration ankämpfenden 68erin ging, steht nunmehr sein eigenes Leben von Kindheit bis zum jungen Erwachsenenalter im Fokus. Für mich ist das neueste Buch allerdings das am wenigsten gelungenste dieser Trilogie. Das fing bereits gleich zu Beginn der Lektüre an. Ich fand es befremdend, der Zeugung des Erzählers so viel Raum zu geben. Dieser Kreis schließt sich dann allerdings am Ende des Buches, als sich Berkel mit einem Trupp von Schauspielerkollegen wie ein Fötus bewegen soll. Von dem dazwischen liegenden Teil fand ich wirklich interessant und lesenswert die Schilderungen zu Berkels Kindheit und Jugend bis zum Alter von 15 Jahren. Ab seinem Aufenthalt in Frankreich (also ab S.137) ging es dann im Wesentlichen nur noch um die – zudem noch eher bruchstückhaft gehaltene - Aneinanderreihung seiner aufeinanderfolgenden Stationen und seiner Vita als Schauspieler, die für den normalen Leser wie mich uninteressant sind. Wenngleich alles sachlich erzählt wird und Berkel es vermeidet, einen selbstgefälligen Eindruck zu vermitteln, konnte mich dieser Teil absolut nicht gefangen nehmen. Einzige Ausnahme war dann gegen Ende noch einmal die Passage, in der seine Eltern und deren gleichaltrige Freunde anlässlich der TV-Verfilmung „Holocaust“ ihre NS-Vergangenheit diskutieren. Etwas gestört hat mich letztendlich die wiederholte Beschreibung der Drogenerfahrungen Berkels. Solche intimen Einblicke in das eigene Leben eines Schauspielers muss ich nicht lesen.

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Veröffentlicht am 18.05.2025

Etwas für jüngere Leser

Das Leben fing im Sommer an
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Dieses Buch wird seine Leser eher in der jüngeren Leserschaft finden, die in den 1990er Jahren geboren wurden. Für mich war der Schreibstil mit sehr vielen Begriffen aus der Jugendsprache (oder der Rap-Szene?) ...

Dieses Buch wird seine Leser eher in der jüngeren Leserschaft finden, die in den 1990er Jahren geboren wurden. Für mich war der Schreibstil mit sehr vielen Begriffen aus der Jugendsprache (oder der Rap-Szene?) teilweise nicht verständlich. Das dem so ist, ist natürlich dem Umstand geschuldet, dass der damals 15jährige Christoph Kramer (später bekannt als Profifußballer und Nationalspieler) aus seiner Perspektive im Wesentlichen von drei Tagen aus seinem Leben im Sommer 2006 erzählt. Sein ganzes Denken und Handeln dreht sich um Liebe, die er sich so sehnlich wünscht. Die Person seines Interesses ist das begehrteste Mädchen an seiner Schule. Von Himmel hoch jauchzend bis zu Tode betrübt macht Christoph in dieser kurzen Phase alle Gefühlswallungen durch, was ich persönlich als etwas übertrieben dargestellt empfinde. Um die Grundsteine seiner Fußballkarriere geht es ganz am Rande. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass er für das Buch nur aufgrund seines Bekanntheitsgrades einen renommierten Verlag gefunden hat, wie das in der jüngeren Vergangenheit immer mal wieder bei bekannten Schauspielern o.ä. Personen der Fall gewesen sein dürfte. Wirklich gestört habe ich mich daran, dass so viel Raum einer längeren Fahrt mit einem PKW ohne Fahrerlaubnis mit Christoph als Fahrer gegeben und dies als so banal dargestellt wird, obwohl es sich um eine Straftat handelt und das zum Nachahmen verleiten könnte.

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Veröffentlicht am 30.04.2025

Sehr langatmig

Flusslinien
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Ich fand die Lektüre dieses Romans sehr anstrengend. Das liegt weniger an der bedächtigen, ruhigen Erzählweise als daran, dass alles über immerhin 390 Seiten so vor sich hinplätschert und es keine richtige ...

Ich fand die Lektüre dieses Romans sehr anstrengend. Das liegt weniger an der bedächtigen, ruhigen Erzählweise als daran, dass alles über immerhin 390 Seiten so vor sich hinplätschert und es keine richtige Handlung gibt. Daher passt der Buchtitel recht gut. Sind die ersten Seiten erst einmal gelesen, weiß man bereits Wesentliches. Die relativ kurzen Kapitel widmen sich abwechselnd jeweils einem der drei Protagonisten. Allen gemeinsam ist, dass jeder sein Päckchen im Leben zu tragen hat. Die 102jährige Margrit verbringt ihre Zeit am liebsten im Römischen Garten in Hamburg, den einst die Freundin ihrer Mutter gestaltet hat. Dorthin lässt sie sich täglich von Arthur, dem Chauffeur in ihrer Seniorenresidenz, fahren, um vor allem die Vergangenheit dieser Gärtnerin zu rekapitulieren. Arthur wiederum hat Schuldgefühle seinem verstorbenen Zwillingsbruder gegenüber. Schließlich ist da noch Margrits 18ährige Enkelin Luzie, die ein Trauma zu bewältigen und sich ganz dem Tätowieren verschrieben hat. Gestört hat mich außerdem, dass einige völlig realitätsfremde Dinge als selbstverständlich dargestellt werden, z.B. dass sich Margrit und einige weitere betagte Mitbewohner von Luzie Tätowierungen machen lassen.
Insgesamt trifft das Buch nicht meinen Geschmack.

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Veröffentlicht am 18.04.2025

Ein viel gelobter Roman, aber ...

Für Polina
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Soweit ich es sehe, gibt es nur wenige kritische Stimmen zu dem neuesten Roman von Takis Würger. Fast durchweg wird er hoch gelobt. So äußern sich bereits auf dem Buchrücken andere namhafte Autoren, dass ...

Soweit ich es sehe, gibt es nur wenige kritische Stimmen zu dem neuesten Roman von Takis Würger. Fast durchweg wird er hoch gelobt. So äußern sich bereits auf dem Buchrücken andere namhafte Autoren, dass der Roman „wie eine berührende Melodie wirkt“ oder sie „beim Lesen Tränen gehabt“ hätten. Leider kann ich mich dem nicht anschließen. Sicher, es ist eine Liebesgeschichte zwischen einem talentierten Klavierspieler und Kilim-Kennerin, die schon in ihrer Kindheit geknüpft wird, immer wieder durch Trennungen unterbrochen ist und von der wir am Ende gar nicht wissen, ob es tatsächlich ein Happy-end gibt. Was mich dabei allerdings stört, ist, dass sie sehr gekünstelt wirkt und den Eindruck eines zwanghaft gestalteten Märchens hinterlässt. Schon der Beginn ist nicht sehr lebensnah – die allein erziehende Mutter des Protagonisten Hannes findet in einer verwunschenen Villa im Moor mit dem dortigen einzigen älteren Bewohner und einer türkischen Arbeitskollegin nebst deren Tochter Polina eine Wahlfamilie. Hannes ist begnadet am Klavier, alles self-made. In dieser Abgeschiedenheit wundert es nicht, dass er und Polina schon als Kinder zueinander finden. Bis zum Abschnitt über den frühen Tod der Mutter liest sich die Geschichte für mich auch recht passabel. Von Hannes Übersiedlung zum unehelichen Vater nach Hamburg bildet dann aber einen Schnitt, ab dem alles etwas wirr und konstruiert erscheint. Beispielhaft seien da etwa seine Beziehung zu einer älteren Ärztin aus gutem Hause oder seine mehrjährige Tätigkeit als Klavierträger genannt, die er, der immer als klein und schwach beschrieben wird, wuppt. In Kitsch mündet dann das Ende, als Hannes vor vollem Publikum eine für Polina geschaffene Melodie mit nur neun verbliebenen Fingern spielt, um sie auf diese Weise wiederzufinden. Untermalt ist Vieles mit einer schwülstigen Sprache. Kurzum, das Buch wird sicher seine Leser haben, bei mir hinterlässt es aber keinen großen Nachhall.

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