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Veröffentlicht am 28.05.2025

Zwei Parteien, vier Gegner!?

Devil's Kitchen
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Die Feuerwehrleute von Engine 99 sind engagiert, mutig und erfolgreich, doch sie sind keine Helden, sondern rachsüchtige, sadistische Verbrecher, die auch vor Mord nicht zurückschrecken! Sie inszenieren ...

Die Feuerwehrleute von Engine 99 sind engagiert, mutig und erfolgreich, doch sie sind keine Helden, sondern rachsüchtige, sadistische Verbrecher, die auch vor Mord nicht zurückschrecken! Sie inszenieren Feuernotfälle, um abzukassieren: sie nutzen den Ausnahmezustand, das Chaos, um unbehelligt Raubüberfälle zu begehen.

Die freischaffende, unorthodoxe Undercover-Ermittlerin Andy wird vom FBI auf diese Eliteeinheit der New Yorker Feuerwehr angesetzt: ihr Einstieg ist Ben, ein Feuerwehrmann, dem sie aus gutem Grund vertrauen kann, oder? Sie wird, als einzige Frau, Teil von Engine 99 und die chauvinistischen Männer machen es ihr natürlich nicht leicht. Zum Glück ist Andy gerissen, sodass sie sich in dieser eingeschworenen Männerwelt behaupten kann.

Innerhalb der Mannschaft herrscht generell ein sehr rauer Ton, die Männer sind nicht “nur” frauenfeindlich, sie gehen auch einander mit derb abfälligen Kommentaren an – so gesehen herrscht dann doch “Gleichberechtigung”.

Matt, der Chef der Crew ist der Schlimmste: er liebt es seine Macht auszuspielen, zu schikanieren, einzuschüchtern, Lektion zu erteilen ...

Dann ist da noch der Chef von Andy, ein egozentrischer emotionaler Mann, der höchst unprofessionell unterwegs ist ...

Ich fand Andy faszinierend verstörend: sie cool & tough, unerschrocken & knallhart, schonungslos & direkt, professionell & unprofessionell, clever & dumm, ihre Tricks sind oft beeindruckend und sie kann überraschend diplomatisch sein!

Ben war für mich bis zum Schluss undurchsichtig, da er meiner Ansicht nach einige extreme Widersprüche vereint, die es mir schwer machen ihn einzuschätzen.

Andy und Ben arbeiten heimlich zusammen, sie haben einen Deal aushandelt, der ein persönliches Interesse von Ben berücksichtig - im Eifer des Gefechts, angesichts der Gefahren und weil viel auf dem Spiel steht, schweben beide ständig zwischen Vertrauen & Verrat, persönlichen Interessen & professionellen Interessen sowie Gefahren ...

Einblicke in die Vergangenheit liefern nach und nach wertvolle Erkenntnisse, man erfährt auch Interessantes über die Arbeit von Feuerwehrleuten!

Die atemberaubende, fesselnde, actionreiche, robust humorige Handlung ist mMn weitaus facettenreicher bzw. vielschichtiger als der Klappentext vermuten lässt. Es geht um Traumata, Obsessionen, Verzweiflung, Hoffnung, Einsamkeit, Erotik, Gewalt und natürlich skrupellose Gier.

Während des letzten Drittels spitzt sich die Lage für alle zu, sodass die Spannung fast unerträglich wird

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Veröffentlicht am 26.05.2025

Witzig, bewegend, spannend!

Very Bad Widows
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Als die Ü60-Freundinnen Pam, Nancy und Shalisa erleben, wie sehr eine weitere Freundin nach dem Tod ihres Ehemannes aufblüht, kommen sie ins Grübeln: ihre Männer haben die Ersparnisse verzockt, einer ist ...

Als die Ü60-Freundinnen Pam, Nancy und Shalisa erleben, wie sehr eine weitere Freundin nach dem Tod ihres Ehemannes aufblüht, kommen sie ins Grübeln: ihre Männer haben die Ersparnisse verzockt, einer ist homophob gegen den eigenen Sohn und sie sind auch sonst eher unangenehme Zeitgenossen geworden. Kein Wunder also, dass die Frauen, als sie von den hohen Lebensversicherungen erfahren, die ihre Männer heimlich abgeschlossen haben, mörderische Pläne schmieden, um ebenfalls glückliche Witwen zu werden.

Die Lage ist allerdings kompliziert, denn ihre Männer sind in etwas verwickelt, dass den Frauen in die Queere kommt, und ein entscheidender Mann steht zwischen den Fronten: dumme Zufälle, Missverständnisse sowie Fehleinschätzungen nehmen ihren Lauf ...

Dann ist da noch die ambitionierte junge Padma aus Mumbai, die Chefin von Pams Mann, die sich und ihrer einflussreichen Mob-Mutter beweisen will, dass sie eine toughe Geschäftsfrau sein kann. Doch das erweist sich als nahezu unmöglich: ihre dominante Mutter macht sie ständig runter, drängt auf eine arrangierte Ehe und schickt ihr sogar “Babysitter” ...

Jetzt ist das Chaos perfekt, denn die entgegengesetzten Interessen der Möchte-Gern-Witwen, verzweifelten Ehemänner, eines eigentümlichen Auftragskillers und Padmas prallen aufeinander, was wirklich urkomisch ist, aber auch gefährlich ...

Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven: aus Pams, der ihres Ehemannes, der des Auftragskillers und Padmas, was interessante Einblicke liefert sowie für Abwechslung sorgt.

Pam hat mir besonders gut gefallen, denn ihre coole “Komm mir nicht blöd”- Art ist beeindruckend!

“Very Bad Widows” ist eine großartige Krimi-Komödie: Der witzig spritzige, geistreiche Schreibstil, die kauzigen Charaktere, die sich toll weiterentwickeln, und die turbulente Handlung, voller Irrungen und Wirrungen, machen dieses Buch unwiderstehlich!

Ich habe nonstop mitgefiebert, denn die ereignisreiche, facettenreiche Handlung ist absolut packend sowie voller Wahnsinns-Wendungen!

Das Buch ist nicht “nur” spannend und herrlich schwarzhumorig, es wirft auch scharfsinnige, kluge, herzerwärmende Blicke auf Ehe, Freundschaft, Familie, Emanzipation sowie den Herbst des Lebens.

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Veröffentlicht am 21.05.2025

WOW!

Mittsommer
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Francesca stammt aus einer reichen Familie und sie hat ein Anwesen an der südenglischen Küste geerbt. Sie verwandelt es in ein Luxus-Retreat und veranstaltet, obwohl noch nicht alles fertig ist, eine Wochenend-Eröffnungs-Feier ...

Francesca stammt aus einer reichen Familie und sie hat ein Anwesen an der südenglischen Küste geerbt. Sie verwandelt es in ein Luxus-Retreat und veranstaltet, obwohl noch nicht alles fertig ist, eine Wochenend-Eröffnungs-Feier rund um Mittsommer.

Der Dorfgemeinschaft gefällt das gar nicht, denn nun darf man den angrenzenden Wald und Stand nicht mehr betreten. Einige Jugendliche mit der Einstellung “Eat the Rich” sorgen während des Eröffnungswochenendes mehrmals für Ärger, dann sind da noch gruselige Gerüchte über einen heidnischen Geheimbund, deren Mitglieder sich für Gerechtigkeit außerhalb des Rechtssystems einsetzen, und der “Aberglaube” der Einheimischen ist weitreichend.

Das Einweihungswochenende verläuft alles andere als reibungslos und die Stimmung wird zunehmend chaotischer, feindseliger, finsterer. Wahre Identitäten werden aufgedeckt, unheimliche Vorfälle häufen sich, dunkle Geheimnisse werden enthüllt, lange gehegter Groll bricht sich Bahn und während des Mittsommer-Festgelages überschlagen sich die Ereignisse schließlich: nicht alle überleben die kürzeste Nacht des Jahres.

“Mittsommer” ist eine unwiderstehliche Mischung aus düsteren Legenden, verheerenden Begegnungen und verhängnisvollen Sommernächten.

Der atmosphärische, eindrückliche Schreibstil ist mitreißend, genau wie die Handlung, die von Anfang an unheilvoll, mysteriös sowie wirklich packend ist. Und der berühmte britische Humor, der extremen Situationen einen tragisch komischen Touch verleiht, ist wirkungsvoll und wohldosiert platziert!

Erzählt wird auf mehreren Zeitebenen (vor 15 Jahren, während der Eröffnungsfeierlichkeiten, kurz danach) und aus verschiedenen Perspektiven: aus Francescas (die Retreat-Besitzerin), aus Owens (ihrem Ehemann), aus Bellas (eine Gästin), aus Eddies (ein 19-jähriger Angestellter) und aus DI Walkers (der Detective, der auf dem Anwesen ermittelt).

Francesca ist das Klischee einer furchtbaren reichen Person: selbstherrlich, oberflächlich, rücksichtslos, manipulativ sowie pseudo spirituell bzw. möchte-gern naturverbunden. Ihre Art Lügen schönzureden und Grausamkeiten zu rechtfertigen hat etwas Psychotisches, doch ihr Mann ist so sehr mit seinen heiklen Geheimnissen beschäftigt, dass er ihr wahres Gesicht hinter der “Zen-Fassade” lange nicht sieht. Bella, Eddie, DI Walker und einige Einheimische sind interessant: manche bleiben hinter ihren eigenen Erwartungen zurück, andere wachsen über sich hinaus und einige sind nicht wer sie zu sein scheinen ...

“Mittsommernacht” ist ein mitreißender, raffinierter Thriller mit faszinierend verstörenden Figurendynamiken: mysteriös, vielschichtig sowie absolut fesselnd! Die Erkenntnisse, die sich Stück für Stück ergeben, sind bewegend, die entsetzlichen Zusammenhänge sind überraschend und die verblüffenden Wendungen scheinen kein Ende zu nehmen!

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Veröffentlicht am 20.05.2025

Spannend, ergreifend, wendungsreich

Der dunkle Sommer
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Ein Haus für einen Euro – da kann die deutsch-italienische Architektin Tilda nicht NEIN sagen. Die verfallene Villa auf Sardinien, in dem (fiktiven) Geisterdorf Botigalli in den Bergen, ist ein Projekt, ...

Ein Haus für einen Euro – da kann die deutsch-italienische Architektin Tilda nicht NEIN sagen. Die verfallene Villa auf Sardinien, in dem (fiktiven) Geisterdorf Botigalli in den Bergen, ist ein Projekt, in das sie all ihre Energie stecken will, denn: sie braucht nach einer traumatischen Erfahrung, die sie privat und beruflich erschüttert hat, einen Neuanfang.

Doch ihr neues Zuhause erweist sich nicht wie erwartet als wild romantisch, sondern gruselig: seltsame Vorfälle, feindselige Botschaften sowie vage Warnungen häufen sich ...

Nach und nach erfährt Tilda von den Horrormärchen, aber auch von den verstörenden historischen Fakten, die Botigalli ausmachen. Als Tildas jüngerer, leichtsinniger, abgebrannter Bruder um Asyl bittet, nimmt sie ihn widerwillig auf. Sie hilft ihm auf die Beine, in der Hoffnung, dass der chaotische Hausgast bald wieder verschwindet – und das tut er, allerdings unter rätselhaften Umständen.

Plötzlich scheint alles mit allem zusammenzuhängen: Die finstere Geschichte von Botigalli. Täter und Opfer von alten sowie neuen Verbrechen. weitrechender Verrat. Familiengeheimnisse. Lebenslügen. Und nur einer kann das Puzzle zusammensetzen ...

Der spektakulär atmosphärische, ausdrucksstarke Erzählstil, die hoch interessanten, teilweise undurchsichtigen, Figuren, die mysteriös unheilvolle Handlung sowie das Italien-Flair haben mich von Anfang an gepackt und nicht mehr losgelassen!!!

Erzählt wird aus drei Perspektiven: aus Tildas, aus der eines Investigativ-Journalisten und aus Francas, die in Botigalli im Jahr 1982 einen dunkelschwarzen Sommer erlebte.

Ich mochte Tilda sehr, sie ist tough, direkt, jedoch nicht barsch, sondern empathisch und sie geht die Dinge pragmatisch rational an, obwohl ihr das oft nicht leichtfällt. Der engagierte bis besessene Journalist Enzo war mir auch sympathisch, am tiefsten hat mich allerdings Franca bewegt. Botigalli, wo es 1982 zuging wie in archaischen Zeiten, war ein gefährlicher Ort für die emanzipierte, unerbittliche Franca, die für das einstand, was ihr wichtig war, die sich von NICHTS und NIEMANDEM einschüchtern ließ.

“Der dunkle Sommer” ist grandios und mMn das bisher beste Buch der Autorin!!! Die greifbar unheimliche Stimmung, die durch den schwül heißen Sommer verstärkt wird, die lebensechten, toll gezeichneten Charaktere, ihr Zusammenspiel, die abwechslungsreiche, clever aufgebaute, spannende, zutiefst erschütternde Handlung voller Überraschungen und die Wahnsinns-Auflösungen haben mich restlos begeistert!

Im Nachtwort wird erklärt, dass ein entsetzliches Handlungselemente (das infam frauenfeindlich ist, da es eine perfide Täter-Opfer-Umkehr darstellt bzw. die Opfer bestraft!!!), in Italien bis in die 1980er Jahre per Gesetz verankert war!

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Veröffentlicht am 17.05.2025

Wenn das Paradies zum Albtraum wird

The Island - Auf der Flucht
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Die Hotelmanagerin Lola muss Hongkong, ihren Job und Freund, überstürzt verlassen, weil sie in eine heikle Angelegenheit geraten war, die böse ausging – in mehrfacher Hinsicht ...

Ihr ehemaliger Vorgesetzter ...

Die Hotelmanagerin Lola muss Hongkong, ihren Job und Freund, überstürzt verlassen, weil sie in eine heikle Angelegenheit geraten war, die böse ausging – in mehrfacher Hinsicht ...

Ihr ehemaliger Vorgesetzter Moxham, der die chinesische Insel vor ihr verließ, um in der Karibik zu arbeiten, verschafft ihr allerdings direkt einen neuen Job: in dem Luxusresort, auf einer kleinen Privatinsel, das er leitet. Dort ist Lola dafür zuständig, die (zumeist lächerlichen) Probleme der verwöhnten Gäste freundlich lächelnd zu lösen. Doch kurz nach Lolas Ankunft taucht eine Leiche auf, und sie hat Grund zu der Annahme, dass es sich nicht wie allgemein angenommen, um einen Unfalltod handelt.

Lola begibt sich auf die Suche nach Antworten und obwohl Moxham ihr geraten hat, niemandem auf der Insel zu vertrauen, tut sie sich gezwungenermaßen mit einer Kollegin zusammen, um herauszufinden, was wirklich geschah. Sie stößt auf ein Motiv sowie jede Menge Verdächtige - zu viele! Zu allem Überfluss kommt ihr der Nachhall des Vorfalls, der sich in Hongkong ereignete, in die Quere und ihre Familie in London braucht sie.

Der locker leichte, amüsante Erzählstil ist von Anfang an mitreißend, die Figuren sind interessant bzw. herrlich undurchschaubar und die turbulente, abwechslungsreiche Handlung fesselt mit rätselhaften Begebenheiten, sich allmählich ergebenden Erkenntnissen, Gefahren sowie überraschenden Wendungen!

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