Die Wäscherin vom Sellraintal
Das verstoßene MädchenFannerl und ihre zwei jüngeren Schwestern wachsen unter privilegierten Verhältnissen als Töchter eines Kaufmanns auf. Und in Johann findet sich ein tüchtiger Mann, dem Fannerl zugeneigt ist, spätere Hochzeit ...
Fannerl und ihre zwei jüngeren Schwestern wachsen unter privilegierten Verhältnissen als Töchter eines Kaufmanns auf. Und in Johann findet sich ein tüchtiger Mann, dem Fannerl zugeneigt ist, spätere Hochzeit nicht ausgeschlossen. Als ihr Vater bei einem Unfall ums Leben kommt, dreht sich Fannerls Situation komplett. Ihre Mutter muss wieder heiraten, will sie ihren Lebensstandard aufrecht erhalten, angeblich hat ihr Ehemann sein gesamtes Vermögen verspekuliert. Der neue Ehemann ist ein ehemaliger Geschäftspartner ihres Vaters und stellt eine Bedingung: Fannerl muss aus dem Haus, da ihr weißblondes Haar Unglück bringen soll. Auch Johann will nichts mehr von ihr wissen. Schweren Herzens verlässt Fannerl ihre Familie und macht sich auf den langen Weg ins Sellraintal um fortan selbst für ihren Lebensunterhalt aufzukommen.
In diesem Roman nimmt uns die Autorin mit ins Innsbruck des späten 19. Jahrhunderts. Fannerl ist fröhlich und unbeschwert, der Augapfel ihres Vaters, der ein ungewöhnlicher Mann ist und seine Töchter aufrichtig liebt. Gut recherchiert wird ein bürgerlich wohlhabendes Leben geschildert, mit Dienstboten und einer Mutter, die nie gelernt hat, für ihren Lebensunterhalt selbst aufzukommen. Im Gegensatz dazu arbeiten die Wäscherinnen vom Sellraintal hart und machen sich zweimal die Woche zu Fuß auf den stundenlangen Weg in die Stadt um ihre Wäsche abzuliefern und neue zu holen. Fannerl lernt Franza kennen, die Wäscherin, die von ihrem Vater unterstützt wurde, und findet bei ihr ein neues Zuhause. Die Wandlung die Fannerl von der verwöhnten Kaufmannstochter zur arbeitenden Frau durchmacht, gefiel mir sehr gut.
Der flüssige Schreibstil, die detailgenauen Schilderungen des historischen Ambientes, sowie die lebendigen Figuren machen die Lektüre zu einem wahren Vergnügen.
Ein paar Fragen bleiben offen, beispielsweise hätte ich gern mehr vom Stiefvater gehört, der meist nur erwähnt wird. Ich denke, der wird im zweiten Teil noch eine größere Rolle erhalten.
Unter dem Strich ein fesselnder Roman, den ich ohne Zögern weiterempfehle.