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Veröffentlicht am 09.06.2025

Die Wäscherin vom Sellraintal

Das verstoßene Mädchen
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Fannerl und ihre zwei jüngeren Schwestern wachsen unter privilegierten Verhältnissen als Töchter eines Kaufmanns auf. Und in Johann findet sich ein tüchtiger Mann, dem Fannerl zugeneigt ist, spätere Hochzeit ...

Fannerl und ihre zwei jüngeren Schwestern wachsen unter privilegierten Verhältnissen als Töchter eines Kaufmanns auf. Und in Johann findet sich ein tüchtiger Mann, dem Fannerl zugeneigt ist, spätere Hochzeit nicht ausgeschlossen. Als ihr Vater bei einem Unfall ums Leben kommt, dreht sich Fannerls Situation komplett. Ihre Mutter muss wieder heiraten, will sie ihren Lebensstandard aufrecht erhalten, angeblich hat ihr Ehemann sein gesamtes Vermögen verspekuliert. Der neue Ehemann ist ein ehemaliger Geschäftspartner ihres Vaters und stellt eine Bedingung: Fannerl muss aus dem Haus, da ihr weißblondes Haar Unglück bringen soll. Auch Johann will nichts mehr von ihr wissen. Schweren Herzens verlässt Fannerl ihre Familie und macht sich auf den langen Weg ins Sellraintal um fortan selbst für ihren Lebensunterhalt aufzukommen.

In diesem Roman nimmt uns die Autorin mit ins Innsbruck des späten 19. Jahrhunderts. Fannerl ist fröhlich und unbeschwert, der Augapfel ihres Vaters, der ein ungewöhnlicher Mann ist und seine Töchter aufrichtig liebt. Gut recherchiert wird ein bürgerlich wohlhabendes Leben geschildert, mit Dienstboten und einer Mutter, die nie gelernt hat, für ihren Lebensunterhalt selbst aufzukommen. Im Gegensatz dazu arbeiten die Wäscherinnen vom Sellraintal hart und machen sich zweimal die Woche zu Fuß auf den stundenlangen Weg in die Stadt um ihre Wäsche abzuliefern und neue zu holen. Fannerl lernt Franza kennen, die Wäscherin, die von ihrem Vater unterstützt wurde, und findet bei ihr ein neues Zuhause. Die Wandlung die Fannerl von der verwöhnten Kaufmannstochter zur arbeitenden Frau durchmacht, gefiel mir sehr gut.
Der flüssige Schreibstil, die detailgenauen Schilderungen des historischen Ambientes, sowie die lebendigen Figuren machen die Lektüre zu einem wahren Vergnügen.
Ein paar Fragen bleiben offen, beispielsweise hätte ich gern mehr vom Stiefvater gehört, der meist nur erwähnt wird. Ich denke, der wird im zweiten Teil noch eine größere Rolle erhalten.
Unter dem Strich ein fesselnder Roman, den ich ohne Zögern weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 21.05.2025

Mysteriöse Vorfälle rund um ein Weingut

Das Geheimnis der Winzerin
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Die Autorin entführt uns auf ein Weingut in die USA. Es ist ein Familienbetrieb, den die Großeltern aufgebaut haben und mittlerweile arbeitet auch die dritte Generation mit. Abby lebt für das Gut und hofft ...

Die Autorin entführt uns auf ein Weingut in die USA. Es ist ein Familienbetrieb, den die Großeltern aufgebaut haben und mittlerweile arbeitet auch die dritte Generation mit. Abby lebt für das Gut und hofft darauf, bald eine leitende Rolle zu erhalten. Doch sie hat einen Makel, vor allem fühlt sie sich als Frau ihren beiden Brüdern unterlegen. Als das Oberhaupt, Großvater Pappy, verunglückt und im Koma liegt, ist die Familie herausgefordert, sämtliche Probleme zu meistern. Und derer gibt es viele: Die Buchhaltung weist Fehler auf, das komplette Lager mit dem wertvollen Eiswein wird gestohlen, Drohbriefe erreichen das Gut und vieles mehr. Abby kämpft zudem mit Dämonen aus der Vergangenheit, dennoch ist es ihre Chance, sich zu beweisen.

Wow, was für eine gelungene Geschichte. Sie wird in Ich-Form aus der Sicht von Abby erzählt, so bekommt man ihre Gefühle und Ängste hautnah mit. Die Autorin versteht es, Informationen über Weinsorten und Anbau zu vermitteln, ohne belehrend zu wirken. Das Setting ist einfach nur traumhaft schön. Der Spannungsbogen ist von Anfang an unheimlich hoch und steigert sich im Lauf der Story, sodass ich das Buch kaum noch aus der Hand legen konnte. Die Personen sind gut gezeichnet, eine Familie, in der ich mich sofort wohlfühlen würde. Eine Mischung aus Krimi, Familienroman, ein bisschen Liebe und sogar ein historisches Rückblick ist vorhanden – ich fand die Story rundum fesselnd. Der flotte bildhafte Schreibstil ist ein zusätzliches Plus, daher spreche ich eine absolute Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 19.05.2025

Süße Geschichten rund um Erdbeeren

Die Erdbeermädchen
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Im Mittelpunkt der Kurzgeschichten stehen die drei Mädchen Anna, Kira und Jo, die ihre (Wahl)Oma Irmi besuchen. Sie besitzt jede Menge Erdbeerbeete und hat früher auch in einer großen Plastikerdbeere Erdbeeren ...

Im Mittelpunkt der Kurzgeschichten stehen die drei Mädchen Anna, Kira und Jo, die ihre (Wahl)Oma Irmi besuchen. Sie besitzt jede Menge Erdbeerbeete und hat früher auch in einer großen Plastikerdbeere Erdbeeren verkauft. Die kleinen Geschichten drehen sich um Sorgen aus dem Alltag. Beispielsweise, dass eins der Mädchen ein Geschwisterchen bekommt und die Familie fortziehen könnte. Oder Oma Irmi bricht sich den Fuß und muss ins Krankenhaus. Die Mädchen kochen Marmelade. Zum Schluss findet sich auch eine Lösung dafür, dass Oma Irmi nicht ausziehen muss.

Das Buch ist in großer Schrift geschrieben, passend für Leseanfängerinnen, und ist ebenfalls zum Vorlesen geeignet. Die Zeichnungen sind gelungen und sprachen meine Enkelkinder an. Da drei Mädchen die Hauptfiguren sind, wird das Buch eher Mädchen ansprechen, wobei mein 4jähriger Enkel ebenfalls gebannt gelauscht hat. Unter dem Strich ein liebenswertes Bilder- und Erstlesebuch, das meine beiden ältesten Enkelinnen (5 und 7) mehrfach lesen wollten. Die Illustrationen sind reichhaltig, farbig bunt und passen ausgezeichnet zu den Geschichten.

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Veröffentlicht am 16.05.2025

Außergewöhnlicher Friends-to-Lovers Roman

Wenn du mich nicht vergisst
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Nach einem Schuss in den Nacken bei einem Raubüberfall ist Charlotte bis zum Hals gelähmt. Ihre Tochter Amber kümmert sich um sie, so gut es geht und verzichtet sogar auf ein Studium. Stattdessen hat sie ...

Nach einem Schuss in den Nacken bei einem Raubüberfall ist Charlotte bis zum Hals gelähmt. Ihre Tochter Amber kümmert sich um sie, so gut es geht und verzichtet sogar auf ein Studium. Stattdessen hat sie einen Job in einem Café angenommen. Als ihrem langjährigem Freund Bennett die Situation zu viel wird und er sich von ihr trennt, ist ihr bester Freund und früherer Nachbar Caleb für sie da. Er und seine jüngere Schwester Ashley haben nie vergessen, dass Charlotte für sie da war, als ihre Eltern es nicht waren. Doch Caleb erhält ein tolles Jobangebot 800 Meilen entfernt. Anfänglich bleibt er noch mit Amber in Kontakt, mit den Jahren ebbt es leider ab ...

Mit diesem Roman hat die Autorin ein außergewöhnliches Thema angeschnitten: das Leben als Schwerbehinderte. Charlotte kann nichts bewegen und ist rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen. Trotz Pflegehilfe ist natürlich Amber neben ihrem Job mit der Betreuung beschäftigt und sie verzichtet selbstverständlich auf viele Dinge. Die Autorin schildert in eindrucksvollen Bildern, die berühren und fesseln. Die zahlreichen Wendungen und Überraschungen halten den Spannungsbogen auf einem guten Level. Die Figuren sind dreidimensional gezeichnet, vor allem Caleb mit Ecken und Kanten, das gefiel mir gut. Amber ist fast zu perfekt um wahr zu sein und auch Charlotte ist stets liebenswürdig. Ich könnte mir vorstellen, dass man nicht immer die beste Laune hat, wenn man komplett bewegungsunfähig ist. Die Story lässt ein paar Fragen offen, die vermutlich im zweiten Teil beantwortet werden. Ein Buch, das durch seine Eindringlichkeit besticht und das ich gewiss nicht so schnell vergessen werde. Eine absolute Leseempfehlung für alle, die gern tiefgründige Geschichten lesen.

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Veröffentlicht am 12.05.2025

Turbulent spannender zweiter Teil

Der Ruf des Horizonts
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Vier Jahre sind vergangen, seit Lian verletzt von seiner Walfängerfahrt nach Borkum zurückgekehrt ist. Sventje hat gelernt, Seifen herzustellen, und hält so ihre Familie über Wasser, Lian trägt mit seinen ...

Vier Jahre sind vergangen, seit Lian verletzt von seiner Walfängerfahrt nach Borkum zurückgekehrt ist. Sventje hat gelernt, Seifen herzustellen, und hält so ihre Familie über Wasser, Lian trägt mit seinen Tischlerfähigkeiten zum Unterhalt bei. Den Gutsherrn Valentin hat Sventje in der Zeit nicht mehr gesehen oder gar getroffen. Hebamme Fenna bringt Schwester Johanna auf die Insel, Ordensschwester, die damals das Findelkind Sventje aufgezogen hat. Doch dann wird Lians bester Freund Joris vermisst und er zieht ihn wieder zur See zurück.
Als Sventjes älteste Tochter Lavea von einem Ziegenbock schwer verletzt wird, muss sie einen Arzt holen, dabei trifft sie erneut auf Valentin. Und wiederum hilft der Gutsherr, wo er kann ...

Die Geschichte hat mich ebenso berührt, wie schon der erste Teil. Nach einem beschaulich ruhigen Beginn nimmt die Story rasch an Fahrt auf. Die Autorin versteht es, historische Tatsachen perfekt in einem spannenden Roman zu verarbeiten. Es ist erstaunlich, was Frauen damals leisten mussten, um ihre Familien durchzubringen, da die Männer auf See und somit abwesend waren. Die Vorurteile, mit denen sie zu kämpfen hatten, sind unglaublich. Der Aberglaube war allgegenwärtig und verleitete Menschen oft grausam handeln. Bedauerlich fand ich, dass hier einige nicht ihre wohlverdiente Strafe bekommen haben. Auch die Perspektive von Lian, was er auf dem Walfängerschiff und auf der Suche nach seinen Freunden in der eisigen Kälte fast bis zum Nordpol erleben muss, ist unheimlich spannend geschrieben. Der bildhafte Schreibstil ließ mich tief in die Story eintauchen. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, denn die unerwarteten Wendungen und Enthüllungen halten den Spannungsbogen bis zum Ende aufrecht.
Eine tiefgehend berührende Geschichte, die als Sahnehäubchen auch noch mit einem eindrucksvoll überraschenden Schluss aufwartet. Ein absolutes Lese-Highlight.

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