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Veröffentlicht am 22.05.2025

Tödliches Paradies

The Island - Auf der Flucht
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Krimis/Thriller an schönen und exotischen Schauplätzen scheinen gerade im Trend zu liegen. Vorzugsweise mit einem Schauplatz auf einer Insel, die bei Sturm dramaturgisch-praktisch von der Außenwelt abgeschlossen ...

Krimis/Thriller an schönen und exotischen Schauplätzen scheinen gerade im Trend zu liegen. Vorzugsweise mit einem Schauplatz auf einer Insel, die bei Sturm dramaturgisch-praktisch von der Außenwelt abgeschlossen sein kann. Locked room mystery mit Strand eben. Auch "The Island - Auf der Flucht" von Nicola Martin reiht sich in dieses Genre ein. Protagonistin ist Hospitality-Spezialistin Lola, die als Ich-Erzählerin durch die Handlung führt.

Lola hat in einem Hotel in Hongkong gearbeitet, doch nun muss sie die Stadt fluchtartig verlassen. Wie gut, dass Hotelkollegen international vernetzt sind. Und wie gut, dass ihr früherer Kollege Moxham einen passenden Job zu vergeben hat in einem Luxusresort auf der privaten Insel des Milliardärs Kip. Lola denkt nicht lange nach, den Luxus kann sie sich nicht leisten. Mit reichlich Jet lag findet sie sich an einem Traumstrand wieder. Doch das Paradies hat Tücken.

Da ist zum einen das Gästeklientel - superreich, superprivilegiert, super anstrengend. Menschen, die sich alles leisten können, fallen nicht unbedingt durch Empathie und Verständnis auf - wir kennen das von Trump und seinen Milliardärs-Freunden. Zwar ist die erfahrene Lola an anstrengende und anspruchsvolle Gäste gewöhnt, aber nicht jeder ist so hart im Nehmen, und so muss sie immer wieder ihre neuen Mitarbeiter, allen voran die dünnhäutige und nicht besonders leistungsfreudige part time-Influencerin Tessa, vor manchem Nervenzusammenbruch bewahren und gleichzeitig den Laden am Laufen halten.

Das ist umso schwerer, als Moxham, schon immer ein eher windiger Geselle, sein eigenes Süppchen unter den Schönen und Reichen zu kochen scheint, bei dem nur wenig legal sein dürfte. Noch ehe ein klärendes Gespräch möglich ist, ist Moxham tot - angeblich ein Unfall. Doch Lola kommen immer mehr Zweifel, vor allem, als sie mehr zu Moxhams Machenschaften herausfindet. Inselbesitzer Kip wischt alle Einwände beiseite - bis hin zur Vertuschung? Überhaupt scheint der alte Mann so manches Geheimnis zu haben. Lola fragt sich, ob der Tod seiner Frau vor einigen Jahren ein Unfall, Selbstmord oder gar ein Mord war. Doch alle anderen auf der Insel, vom Chef bis zu den Kollegen, halten an Verharmlosung, womöglich Vertuschung fest. Lola aber will nicht aufgeben....

"The Island" zeigt das Oben und Unten im Luxusressort - hier die Villen mit Designer-Einrichtung und Stil, da die Mehrbettzimmer der Angestellten, die stets ein strahlendes Lächeln zu zeigen haben. Geheimnisse könnte es hier wie dort geben. Auf ihrer Suche nach der Wahrheit muss sich Lola fragen, ob sie mehr riskiert als nur die eigene Karriere.

"The Island" bedient ein paar Klischees, ist aber eingängig zu lesen und bietet mit einer karibischen Insel eine traumhafte Kulisse - auch wenn der Aufenthalt für Lola zunehmend zum Alptraum wird. Die Autorin liefert den Leser*innen reichlich mögliche Verdächtige und manchen "red herring". Sowohl als Strand- und Pool-Lektüre wie auch zum Schüren von Fernweh geeignet.

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Veröffentlicht am 04.05.2025

Girl Power gegen toxische Männlichkeit

Riot Girl
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Als Sachbuchautorin befasst sich Susanne Kaiser mit Mysogynie, Genderstereostypen, toxischer Männlichkeit, Sexismus und Feminismus. Da ist es kaum verwunderlich, dass auch in ihrem Debütroman Gewalt gegen ...

Als Sachbuchautorin befasst sich Susanne Kaiser mit Mysogynie, Genderstereostypen, toxischer Männlichkeit, Sexismus und Feminismus. Da ist es kaum verwunderlich, dass auch in ihrem Debütroman Gewalt gegen - sehr junge - Frauen thematisiert wird. In "Riot Girl" schlagen die Mädchen, denn es geht um eine Bewegung von Teenagerinnen - zurück, organisieren sich über soziale Medien und die Vertaggung durch Influencerinnen, um flashmobs zu organisieren, die buchstäblich Wellen schlagen.

LKA-Forensikerin Obalski wird als verdeckte Ermittlerin ins Münchner Jugendamt eingeschleust, um Informationen über die Organisation der Influenzas und ihre Ziele zu ermitteln. Schon bald stellt sie fest - es scheint eine Untergruppe zu geben, die sich radikalisiert. Als nach einer konspirativen Party an der Isar eine Leiche auftaucht, stellt sich die Frage - greifen die Gruppenmitglieder auch zu Gewalt? Und was hat es mit dem runenförmigen Symbol zu tun, das bei mehreren Mädchen in den Arm geritzt wurde? Sind das Selbstverletzungen oder Spuren von systematischer Gewalt, denen sie ausgesetzt sind?

Obalski hat schon bald das Gefühl, dass ihr die Zeit davonläuft - nicht nur, weil Interna der Soko an die Medien durchgestochen werden. Es muss einen "Maulwurf" im Kreis der Ermittler geben. Kann sie ihren Kollegen trauen? Verstörende Bilder lassen zudem darauf schließen, dass es eine Gruppe mächtiger Männer gibt, die darauf abfahren, Mädchen Gewalt anzutun.

Vielleicht liegt es ja an den Fällen, mit denen sich Kaiser in ihrer nicht-literarischen Tätigkeit befasst, aber die Charaktere des Romans sind ein wenig sehr holzschnittartig geraten. Hier die Träger männlicher Privilegien, da die Machos und Aufreißer unter Obalskis Kollegen und in ihrer Stammkneipe und als einsamer Leuchtturm in der Nacht toxischer Männlichkeit eben die empathische Obalski, die nicht nur als erste den Durchblick hat, sondern auch ziemlich problemlos das Vertrauen der Mädchen gewinnt. Da sind die Rollen einfach zu klischeehaft verteilt, um echte Spannung aufkommen zu lassen und das Ergebnis erinnert ein bißchen an Agitprop-Literatur wie in den 70-er Jahren. Vielleicht hätte die Autorin ihren Leser*innen genug Intelligenz und Empathie zutrauen sollen, Schlussfolgerungen zu ziehen, ohne dass jedes Mal der Wink mit der Litfassäule kommen muss. Schade angesichts des wichtigen Themas. Der Plot ist dennoch spannend und nachdenkenswert.

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Veröffentlicht am 15.04.2025

Wege aus Russland

Eisiges Schweigen flussabwärts
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Michael Thumann, Moskau-Korrespondent der "Zeit" hat mit seinem Buch "Eisiges Schweigen flussabwärts" einen politischen Reisebericht geschrieben, der auch eine Geschichte der Ernüchterung und Desillusionierung ...

Michael Thumann, Moskau-Korrespondent der "Zeit" hat mit seinem Buch "Eisiges Schweigen flussabwärts" einen politischen Reisebericht geschrieben, der auch eine Geschichte der Ernüchterung und Desillusionierung ist. Als Osteuropa-Historiker und Slawist hat er sich schon während seines Studiums in den 80-er Jahren mit der damaligen Sowjetunion befasst und nach Kindheitserfahrungen im Kalten Krieg die Gorbatschow-Jahre mit Glasnost und Perestrojka erlebt. Freunde, die zu jener Zeit in Moskau oder Leningrad studierten, erkennen das Land nicht wieder - zu sehr hat es sich unter Putin und seinen imperialen Träumen verändert.

Thumann hat diese Veränderungen im Laufe dreier Korrespondenten-Stationierungen miterlebt, selten so drastisch wie seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, der auch die Arbeit und das Leben ausländischer Journalisten umfassend beeinflusste, angefangen von der nur noch für drei Monate ausgestellten Akkreditierung über immer weniger Zugang zu Quellen und einer Gesellschaft, in der sich längst nicht mehr alle trauen, offen zu reden.

Ein Flug von Berlin nach Moskau ist nicht mehr machbar, statt dessen führen andere Routen nach Russland und heraus. Thumann stellt einige vor, nicht so sehr den üblichen Flug über die Türkei, sondern Zugreisen nach Kasachstan und Georgien, die für Russen mittlerweile verschlossenen Wege ins Baltikum. Thumann sucht das Gespräch mit Mitreisenden und Zufallsbekanntschaften, kleine Porträts, die auch die Brüche innerhalb der russischen Gesellschaft zeigen - hier diejenigen, die in die äußere oder innere Emigration gehen, dort jene, die sich irgendwie arrangieren. Die Kontrollen an den Grenzen, die Allgegenwart des FSB auch bei den Grenztruppen, Schikanen gegen bestimmte Reisende - es erinnert sehr an die schlechte alte Zeit des Kalten Krieges.

Besonders spannend die Kapitel aus dem Baltikum, wo ethnische Russen ganz unterschiedlich auf Russland blicken und die Ängste der dortigen Regierung, als nächste ins Visier Russlands zu rücken, am ausgeprägtesten sind. Thumann zeigt die Risse, die durch Familien und Stadtgesellschaften gehen, Risse, die er auch bei Vortragsreisen in Deutschland erlebt, wenn einige Unterstützung für die Ukraine als unnötig ansehen und Putins Aggression sogar zu rechtfertigen versuchen.

Veröffentlicht am 13.04.2025

Ermittlungen im Olivenhain

Grünes Gold
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Es gibt schlechtere Arbeitsplätze als den von Enrico Rizzi: Rizzi ist Inselpolizist auf Capri und muss in "Grünes Gold" von Luca Ventura zusammen mit seiner Kollegin Antonia Cirillo zwischen Olivenhainen ...

Es gibt schlechtere Arbeitsplätze als den von Enrico Rizzi: Rizzi ist Inselpolizist auf Capri und muss in "Grünes Gold" von Luca Ventura zusammen mit seiner Kollegin Antonia Cirillo zwischen Olivenhainen und der Seilbahnstation auf dem Monte Solaro ermitteln. Dienstlich mit der Vespa auf der Insel herumdüsen - es könnte wirklich schlimmer sein.

Der neue Fall der Inselpolizisten führt sie gleich auf den Berggipfel: Ein Sessellift-Kunde ist tot auf der Bergstation angekommen - und beim näheren Hinsehen stellt sich heraus, dass der Mann erschossen wurde. Bei einem Gewaltdelikt schaltet sich zwar die Kriminalpolizei in Neapel ein und Rizzi und Cirillo dürfen nur im Auftrag ermitteln, doch die beiden machen sich so ihre eigenen Gedanken und kommen dank ihres Insel-Know-Hows einigen Geheimnissen auf die Spur.

Ich kannte die vorherigen Bücher des Autors nicht, was vielleicht ein Nachteil ist - weniger für den Plot, es handelt sich schließlich um eine abgeschlossene Handlung, als mit Blick auf die Protagonisten, die irgendwie oberflächlich blieben. Vielleicht schon "auserzählt" für Stammlerser*innen? Die Inselatmosphäre ist schön angefangen, seien es mediterrane Gerüche und sonnenbeschienene Buchten auf Capri, seien es die weniger schön riechenden und auch nicht so ansehnlichen Gassen von Neapel.

"Grünes Gold" ist eher als Ferienkrimi einzuordnen, der Lust auf bella Italia und insbesondere Capri macht, schöne Bilder im Kopfkino wachruft, aber weniger für durchgehende Spannung sorgt. Nett und unterhaltsam, aber als Spannungsroman mit einigen Durchhängern.

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Veröffentlicht am 08.04.2025

Surfer-Paradies mit Schatten

The Surf House
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Die Romane von Lucy Clarke sind eine Mischung aus psychologischer Spannung, meist wunderschönen Schauplätzen und der Dynamik von Frauenfreundschaften - bis dann eben das scheinbare Paradies durch Tod und/oder ...

Die Romane von Lucy Clarke sind eine Mischung aus psychologischer Spannung, meist wunderschönen Schauplätzen und der Dynamik von Frauenfreundschaften - bis dann eben das scheinbare Paradies durch Tod und/oder Gewalt erschüttert wird und sich hinter mancher Fassade eine unangenehme Wahrheit offenbart. Das ist in ihrem neuen Buch "The Surf House" über eine Surfer Community an der marokkanischen Küste nicht anders:

Model Bea bricht ein Foto-Shooting in Marrakesch ab und beschließt spontan, abzureisen. Sie will dieses Leben nicht mehr - was sie eigentlich will, weiß sie allerdings auch nicht. Als sie Opfer eines Raubüberfalls wird, kommt ihr Marnie zu Hilfe, die mit ihrem Freund ein Surfer-Hostel an der Küste betreibt. Der Zwischenfall endet mit einem in Notwehr getöteten Räuber, Bea hat weder Geld noch ihren Pass. Marnies Hostel ist zunächst Fluchtpunkt für ein paar Nächte, wird aber bei längerer Zeit zu dem Ort, an dem sich Bea neu orientiert, für Kost und Logis arbeitet, auf dem Surfbrett erstmals die Arbeit auf den Wellen kennenlernt.

Doch es wäre kein Lucy Clarke-Thriller, wenn die Idylle aus schöner Landschaft und gechillten braungebrannten attraktiven Menschen nicht plötzlich Risse bekommt: Bea und Marnie werden wegen des toten Räubers in Marrakesch erpresst, ein Amerikaner taucht auf, der nach dem Verbleib seiner vor einem Jahr verschwundenen Schwester forscht. Ihr letzter bekannter Aufenthalt war das Surf House. Hinzu kommen die immer größeren Spannungen zwischen Marnie und ihrem Freund, der Bea irgendwie unheimlich ist. Sie versucht, immer mehr über die verschwundene Samantha herauszubekommen, die sie für eine Geistesverwandte hält - wollte sie einfach nur die Brücken zu ihrer Vergangenheit kappen, oder ist ihr etwas zugestoßen?

Auch wenn Clarke auf eine bewährte Mischung setzt, fällt "The Surf House" meiner Meinung nach hinter ihren anderen Büchern zurück. Die Figuren sind oberflächlicher, die inneren Konflikte weniger nachvollziehbar und die Handlung kommt erst spät in Gang. Statt einer starken Frauengruppe geht es mehr um Paar-Dynamiken, die aber eher abgedroschen wirken. Das kann die Autorin, wie ihre anderen Bücher zeigen, sehr viel besser. So ist es leider nur Durchschnittskost geworden.

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