Cover-Bild Aibohphobia
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20,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Kremayr & Scheriau
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 176
  • Ersterscheinung: 21.02.2022
  • ISBN: 9783218013109
Kurt Fleisch

Aibohphobia

Der angesehene und hochdekorierte Psychiater Dr. H. behandelt einen äußerst interessanten Fall, den Patienten S. Der wird trotz mehrmaliger Selbsteinweisung und starker Medikation von Wahnvorstellungen geplagt und sucht einen Ausweg aus seinen Angstzuständen. Dr. H. erkennt in S. das ideale Forschungssubjekt, um seine bahnbrechende Hypothese zur Erklärung jeder möglichen Geisteskrankheit zu überprüfen. Doch auch Dr. H. verliert mit laufender Behandlung mehr und mehr den Halt in der Realität. Und als er sich selbst nach einer manischen Episode in der Psychiatrie wiederfindet, verschwimmt die klare Trennung zwischen Arzt und Patient – wer ist hier eigentlich der Verrückte, und wer hat die Macht, das festzustellen?Kurt Fleisch lockt mit kurzen, heiteren und unverfänglichen Szenen in eine Geschichte hinein, die sich systematisch verknotet und uns rasch in einem immer wahnwitzigeren, immer gefährlicheren Wirbel mit sich fortreißt, bis Raum, Zeit und handelnde Personen im Auge des Sturms plötzlich in eins zusammenfallen. Überraschend, verstörend und kompromisslos.

„Es gibt absolut keinen Grund, an Ihren Geisteskrankheiten zu zweifeln, mein Freund, die sind und bleiben real, trotz aller Widersprüchlichkeit zwischen Ursache und Wirkung.“

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.12.2023

Genialer Irrsinn

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Etwas über diesen Geniestreich von Kurt Fleisch zu schreiben, stellt sich gar nicht so einfach dar wie gedacht. Denn inhaltlich ist fast jedes Wort zu viel gesagt, wenn man versuchen würde, den „Plot“ ...

Etwas über diesen Geniestreich von Kurt Fleisch zu schreiben, stellt sich gar nicht so einfach dar wie gedacht. Denn inhaltlich ist fast jedes Wort zu viel gesagt, wenn man versuchen würde, den „Plot“ des Romans „Aibohphobia“ zusammenzufassen. Eine Handlung gibt es im eigentlichen Sinne nämlich nicht. Vielmehr handelt es sich um den groteskesten Briefroman, den man sich vorstellen kann – oder vielleicht auch gar nicht vorstellen kann, bevor man ihn nicht selbst gelesen hat.

Ein gewisser Herr H. schreibt in seiner Funktion als Psychiater Briefe an seinen Patienten Herrn S. Aber ist Herr S. hier wirklich der geistesgestörte Patient oder ist vielleicht doch alles ganz anders?

Die Briefe von Herrn H. sind wirklich zum Schreien komisch. Bitterböse werden Behandlungsmethoden der Psychiatrie aufs Korn genommen und genauso unglaublich klug eingesetzt, um Verwirrung zu stiften. Das gesamte Buch ist geprägt von wildem, assoziativem Schreiben, welches nur ansatzweise mit Begriffen wie abgedreht, kafkaesk und bizarr beschrieben werden kann. Darauf müssen sich potentielle Leser:innen einlassen können. Wer das kann und möchte, wird mit wirklich genialem Irrsinn, einem geschickt eingefädelten Konzept und vielen versteckten Querverweisen, die es zu entdecken gilt, belohnt.

Was es mit dem Titel des Buches „Aibohphobia“ auf sich hat, welche eine Angst vor Palindromen meint, also Wörtern, die man vorwärts und rückwärts gleich lesen kann, wird im Laufe der Lektüre immer klarer und regt definitiv dazu an, das Buch nach Beenden gleich noch einmal zu lesen.

Das Buch bekommt eine klare Empfehlung für alle Mutigen, die sich an diese Groteske herantrauen. Wer es nicht selbst zu lesen wagt, kann es aber zumindest getrost an Personen im Bekanntenkreis verschenken, die am Anfang ihrer Berufsbezeichnung ein „Psych…“ stehen haben, denn diese werden sich sicherlich göttlich während der Lektüre amüsieren.

Darüber hinaus ist das Buch wirklich mal wieder - wie von Kremayr & Scheriau gewohnt - ein richtiger Hingucker geworden. Selten sieht man im Gesamtkonzept so liebevoll gestaltete Bücher, wie die dieses Verlags!

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Veröffentlicht am 21.06.2022

kreative Idee - mehr erwartet

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Ich finde die Idee, die dem Buch zugrunde liegt, recht kreativ und habe mir ehrlich gesagt auch mehr erwartet. Zu Beginn sind die Briefe zwischen dem Psychiater und seinem Patienten spannend zu verfolgen, ...

Ich finde die Idee, die dem Buch zugrunde liegt, recht kreativ und habe mir ehrlich gesagt auch mehr erwartet. Zu Beginn sind die Briefe zwischen dem Psychiater und seinem Patienten spannend zu verfolgen, mit der Zeit kommen erste Zweifel auf und am Ende dreht sich die Situation um. Zudem wiederholen sich gewisse Floskeln, Behandlungsmethoden usw. laufend, sodass für mich die Spannung schnell abflaut, obwohl das Buch sehr kurzgehalten ist. Den Schluss finde ich für mich als Leserin wenig zufriedenstellend, ohne mehr vom Inhalt verraten zu wollen. Am kreativsten finde ich den Titel und die Bedeutung des Wortspieles dahinter.

Veröffentlicht am 20.02.2022

Wahn

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Aibohphobia – Kurt Fleisch
Zweifelsohne ist dies ein ganz besonderes Leseerlebnis.
Es ist sozusagen ein reiner Briefroman zwischen Herrn S. und Herrn H. Der eine psychisch gestörter Patient, der andere ...

Aibohphobia – Kurt Fleisch
Zweifelsohne ist dies ein ganz besonderes Leseerlebnis.
Es ist sozusagen ein reiner Briefroman zwischen Herrn S. und Herrn H. Der eine psychisch gestörter Patient, der andere angesehener Psychiater und Forscher. Den Ton, den Herr H. da seinem Patienten gegenüber anschlägt, fand ich vom ersten Brief an unangemessen. Begründet wird dies mit der Freundschaft, die darüber hinaus bestünde. Die Perspektive ist recht einseitig, man liest erstmal nur Herrn H.s Briefe und damit dessen Sichtweise. Dem Leser muss allerdings sehr schnell klar werden, dass auch mit Herrn H. ganz gewaltig etwas nicht stimmen kann. Bald ist es mehr als offensichtlich: Herr H. ist mindestens ebenso verrückt wie sein Patient. Gar diese Beziehung muss man bald anzweifeln. Wer ist nun eigentlich der Arzt und wer der Wahnsinnige?
Wie bereits erwähnt, ein sehr ungewöhnlicher (Brief-)Roman, der es mir nicht gerade leicht machte. Durch die einseitigen Briefe bleibt logischerweise eine recht starke Distanz zu den Protagonisten. Man kann sich nicht wirklich hineinversetzen, kann sich auch des Geschriebenen nicht sicher sein – ein Verwirrspiel sondersgleichen.
Obwohl der österreichische Autor Kurt Fleisch nach meinen Recherchen nicht aus der Medizinbranche kommt, wirft er hier geradezu mit medizinischen Fachbegriffen um sich. Etliche kannte ich bereits, einige hab ich gegoogelt. Auf jeden Fall betreiben beide Briefeschreiber massiven Medikamentenmissbrauch (Benzodiazepine etc.). Den angepriesenen Humor konnte ich nun leider nicht wirklich finden. Vielmehr wurde meine Geduld durch viele Wiederholungen und Jammern des Briefeschreibers auf eine harte Probe gestellt. Vermutlich liegen mir Verwirrspiele einfach nicht. Außerdem muss ich zugeben, dass mir gegen Ende die Muse und die Lust fehlten, die Zusammenhänge wirklich zu begreifen.
Also meins war das leider nicht! 2 Sterne!

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Veröffentlicht am 28.02.2022

Undurchsichtiges Verwirrspiel

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In "Aibophobia" lässt Autor Kurt Fleisch seine Leser:innen an einem regen Briefkontakt teilhaben, der zwischen einem praktizierenden Psychiater, Dr. H, und seinem Patienten Herr S. floriert.

S. verliert ...

In "Aibophobia" lässt Autor Kurt Fleisch seine Leser:innen an einem regen Briefkontakt teilhaben, der zwischen einem praktizierenden Psychiater, Dr. H, und seinem Patienten Herr S. floriert.

S. verliert sich zunehmend in Zwangsneurosen und eine generalisierte Angststörung kann sich ungehindert ausbreiten. Er entwickelt immer mehr Wahnvorstellungen und verliert dadurch den Bezug zur Realität. Dr. H sieht seine Zeit gekommen, um an eben jenem Patienten seine medizinischen Forschungen zu betreiben zu können, um den Beweis zu erbringen, dass seine Erklärungen zum Auftreten von psychischen Erkrankungen belegbar sind.

Da aber der Briefwechsel immer nur aus der Sicht des Behandelnden geschildert wird, ist es schwierig, hier klar und deutlich zu erkennen, wie sich die paranoide Schizophrenie von Patient auf Psychiater überträgt und quasi von ihm Besitz ergreift.

Vielmehr verliert sich der Autor in kafkaesken Schilderungen, die dermaßen ineinander verknotet und wirr sind, dass die Leser:innen schon bald den Durchblick verlieren und aufstecken. Wirre Gedankengänge, Missbrauch von Psychopharmaka und dubiose Behandlungen geben sich die Klinke in die Hand und zeigen eigentlich nur eines auf - die Grenze zwischen Behandelndem und Patient verschwimmt zu einer grotesken Aneinanderreihung von somatischem Wahn und bipolarer Störung. Es entsteht ein undurchsichtiges Verwirrspiel, dem ich nicht mehr folgen kann.


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