Profilbild von Hermione27

Hermione27

Lesejury Star
offline

Hermione27 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Hermione27 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.06.2017

Ruhrpott meets Berlin. Sehr frech und klamaukig.

Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte
0

In Anna Baseners Roman "Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte" erzählt Bianca ihre Geschichte und die ihrer Oma, die in Essen Wirtschafterin in einem Hotel war. Nach der Beerdigung ihrer Freundin ...

In Anna Baseners Roman "Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte" erzählt Bianca ihre Geschichte und die ihrer Oma, die in Essen Wirtschafterin in einem Hotel war. Nach der Beerdigung ihrer Freundin Mitzi steht die Oma auf einmal bei Bianca in Berlin vor der Tür und will bei ihr einziehen.
Bianca arbeitet in Berlin als Kellnerin, möchte jedoch eigentlich ihren Lebensunterhalt damit verdienen, Unterhosen aus Seide zu nähen und über einen Internetshop zu verkaufen.
Als die Oma bei ihr auftaucht, sind auch deren Freunde zum Teil nicht weit, auch Biancas Vater kommt dann nach Berlin.
Und so kommen nach und nach die Umstände von Mitzis Tod ans Licht und dabei lässt es sich nicht vermeiden, dass Bianca mehr über das Leben ihrer Oma erfährt.

Die Geschichte wird aus Sicht von Bianca erzählt in einer Art und Weise, dass man als Leser das Gefühl hat, wirklich bei einer mündlichen Erzählung live dabei zu sein. Frappierend ist der Ruhrpott-Dialekt, das Ruhrdeutsch, der sich durch das gesamte Buch zieht.
Dadurch wirkt die Erzählung wahnsinnig authentisch.
Manchmal kann es nicht schaden, etwas laut vorzulesen.

Die Thematik an sich ist natürlich oft schlüpfrig und an der Grenze des politisch Korrekten.
Man darf als Leser keinen logischen Aufbau der Geschichte erwarten; wie in einer mündlichen Erzählung kommt man "vom Hölzken aufs Stöckscken". Man erfährt einiges aus der Vergangenheit von Biancas Oma, begleitet sie und die Oma durch Berlin und erfährt dann wieder etwas über die Vergangenheit von Omas Freunden.
Insgesamt ist die Geschichte witzig zu lesen, wenn man auch derben Humor mag.

Sehr erfrischend, rotzfrech und vor allem unkonventionnell mit einer Menge Ruhrpottflair!

Veröffentlicht am 15.06.2017

Witzige Märchennacherzählungen in Ruhrpott-Sprech

Wie sieht denn die Omma aus?!
0

Sigi Domke erzählt bekannte Grimmsche Märchen wie Rotkäppchen, Hänsel und Gretel oder Froschkönig sowie andere Klassiker wie die Odyssee, die Weihnachtsgeschichte oder von Shakespeare nach - und zwar modern ...

Sigi Domke erzählt bekannte Grimmsche Märchen wie Rotkäppchen, Hänsel und Gretel oder Froschkönig sowie andere Klassiker wie die Odyssee, die Weihnachtsgeschichte oder von Shakespeare nach - und zwar modern und auf "Ruhrpott-Deutsch".

Da wird schon einmal ein Märchen nach Essen oder Wattenscheid verlegt, es kommen Handyklingeltöne und Gameboys vor und vor allem sprachlich begegnet man echten Ruhrpott-Ausdrücken oder Sprichwörtern.

Insgesamt ist die Lektüre dieses Büchleins recht kurzweilig und eignet sich für die einzelnen Geschichten auch gut zum Vorlesen.

Da der Dialekt gesprochen noch besser ankommt, ist lautes Lesen sicherlich in manchen Fällen sowieso zu empfehlen.

An vielen Stellen musste ich wirklich laut lachen, weil sehr viele lustige Ideen in der sehr direkten und herzlichen Art der Menschen aus dem Ruhrgebiet untergebracht sind. So ist z.B. die Beschreibung sehr witzig gewesen, dass bestimmte Blumen genauso süchtig machen wie die Bundesliga.

Für eine kurzweilige Lektüre oder auch als nettes Geschenk für Menschen, die im Ruhrgebiet leben, sicherlich zu empfehlen.

Veröffentlicht am 08.06.2017

Leichte Unterhaltung, aber anders als erwartet

Gegen Liebe ist kein Kraut gewachsen
0

Lilian ist Anfang 30 und hat vor vier Jahren ihren Mann aufgrund eines Verkehrsunfalls verloren. Nun lebt sie in ihrem Haus in Kalifornien allein mit zwei kleinen Töchtern Clare und Annabel (5 und 7 Jahre) ...

Lilian ist Anfang 30 und hat vor vier Jahren ihren Mann aufgrund eines Verkehrsunfalls verloren. Nun lebt sie in ihrem Haus in Kalifornien allein mit zwei kleinen Töchtern Clare und Annabel (5 und 7 Jahre) und einem großen Hund, arbeitet in ihrem Beruf als Illustratorin und funktioniert im Wesentlichen ihren Kindern zuliebe.
Trotz ihrer Schwester Rachel, die sich in ihrer eigenen Art intensiv um Lilian und ihre Nichten kümmert, hat Lilian nicht so richtig ins Leben zurückgefunden.
Ihre Chefin setzt sie dann auf ein Sonderprojekt an, bei dem sie eine Gartenenzyklopädie illustrieren soll, und hierfür meldet die Chefin sie kurzerhand zu einem Gartenbaukurs an, in dem die Teilnehmer an sechs Samstagen Wesentliches über den Anbau von Obst und Gemüse lernen sollen.

Insgesamt lässt sich das Buch - trotz einiger etwas holpriger Übersetzungen in der deutschen Ausgabe - recht flüssig lesen.
Die beiden Kinder sind einfach herrlich gezeichnet, wie sie so direkt und unverblümt kommunizieren.
Die Hauptfigur Lilian, die die Geschichte aus ihrer Sicht erzählt, ist auch so glaubwürdig dargestellt, dass man ihre Trauer, ihre Gedanken und Handlungen nachvollziehen kann.
Der Roman unterhält und berührt und lässt sich gut zwischendurch lesen.

Nett sind auch die zwischen die Kapitel eingeflochtenen Tipps zum Gemüseanbau.

Wer jedoch einen Roman erwartet, in dem Gartenszenen eine größere Rolle spielen, wird seine Erwartungen nicht erfüllt sehen.
Insofern wecken das Cover und der Klappentext vielleicht falsche Erwartungen.

Insgesamt aber eine lohnende Lektüre, wenn man leichte Unterhaltung mag.

Veröffentlicht am 28.04.2017

Beginn einer Fantasyreihe mit abruptem Ende

Der Kuss der Lüge
0

"Der Kuss der Lüge" ist der erste Teil einer neuen Fantasy-Reihe und die 17jährige Prinzessin Lia.
Sie soll auf Wunsch ihrer Eltern einen ihr unbekannten Prinzen aus einem anderen weit entfernten Königreich ...

"Der Kuss der Lüge" ist der erste Teil einer neuen Fantasy-Reihe und die 17jährige Prinzessin Lia.
Sie soll auf Wunsch ihrer Eltern einen ihr unbekannten Prinzen aus einem anderen weit entfernten Königreich heiraten und ihr Heimatland verlassen.
Da sie ein selbstbestimmtes Leben führen will und nicht einen Mann, den sie nie zuvor gesehen hat, heiraten will, flieht sie mit ihrer Begleiterin Pauline und taucht in einer anderen Stadt unter.
Dort arbeitet sie in einer Schenke, wo sie bald darauf zwei junge Männer kennenlernt, die sich auch als etwas anderes ausgeben als sie sind.
Gleichzeitig macht sich auch der Prinz auf, um seine entflohene Braut zu finden, sowie ein Attentäter, der Lia töten soll.

In der Fantasywelt haben üblicherweise die ersten Töchter die sog. "Gabe", die sich jedoch scheinbar bei Lia nicht zeigen will.

Was hat es damit auf sich?
Wird sich die Gabe noch zeigen?

Der Fantasyroman liest sich flüssig und spannend, man ist fast außer Atem beim Lesen.
Die Hauptpersonen sind schön gezeichnet, die Begegnungen sind spannend und zum Teil auch richtig blutrünstig.

Allerdings bleibt im ersten Teil einfach zu viel offen.
Die Handlung hört praktisch mitten drin auf, so dass man erst noch auf die Fortsetzung warten muss.
Insofern ist der eine Band für sich genommen etwas unbefriedigend. Auch über die Gabe und die eigentlichen tiefgründigeren Themen der Fantasywelt erfährt man in diesem ersten Buch zu wenig.

Ich brauche ganz dringend die Fortsetzung!

Veröffentlicht am 14.04.2017

Wissenschaftlicher Krimi mit spannenden Einblicken in die Physik

Das Einstein Enigma
0

Der portugisiesche Professor und Kryptoanalytiker Tomás Noronha wird scheinbar zufällig angesprochen und vom Iran beauftragt, den Teil eines nicht veröffentlichten Manuskripts von Albert Einstein zu entschlüsseln, ...

Der portugisiesche Professor und Kryptoanalytiker Tomás Noronha wird scheinbar zufällig angesprochen und vom Iran beauftragt, den Teil eines nicht veröffentlichten Manuskripts von Albert Einstein zu entschlüsseln, das angeblich den einfachen und günstigen Bau einer Atombombe beschreiben soll. Schnell wird Tomás zum Doppelagenten, der nicht nur für den iranischen Staat arbeitet, sondern auch für den CIA.

Tomás reist an verschiedene Orte der Welt, spricht mit zahlreichen Wissenschaftlern und auch ehemaligen Mitarbeitern von Albert Einstein. Es stellt sich heraus, dass das Manuskript vermutlich einen Beweis für die Existenz Gottes liefern kann ("Die Gottesformel").

Der Leser wird mitgenommen durch die letzten Jahrzehnte der physikalischen Forschung - Relativitätstheorie, Stringtheorie, Urknall, die Entwicklung des Universums, Quantentheorie etc. - und erfährt in den verschiedenen Diskussionen, die Tomás mit den diversen Gesprächspartnern führt, jede Menge wissenschaftliche Details - quasi "nebenbei".

Die wissenschaftlichen Darstellungen in dem sehr umfangreichen Buch sind wirklich sehr gelungen, anschaulich, nachvollziehbar, sie laden zum Nachdenken ein, auch wenn man vielleicht nicht immer jede Sicht teilt.

Auf der anderen Seite ist der "Agententhriller" ziemlich hanebüchen. Tomás landet im Gefängnis im Iran, muss abenteuerliche Verfolgungsjagden mitmachen. Nebenher sorgt er sich um seinen an Krebs erkrankten Vater.... Die Charaktere (außer den Wissenschaftlern) bleiben im Buch ebenso blass wie die "Rahmenhandlung".

Die Lektüre fand ich insgesamt lohnend und sehr spannend geschrieben, aber nur aus Sicht der wissenschaftlichen Erkenntnisse.